Dokumentation der Anfertigung meines Hospiltaliter Schildes

    • Dokumentation der Anfertigung meines Hospiltaliter Schildes

      Habe einer meiner Winterarbeiten begonnen. Anfertigung eines Schildes für meine Hospitaliterdarstellung.


      Die Form erinnert an die typische Tropfenform der Normannen wobei hier die Oberkante eher schon flach gefertigt wurde, wie es ab etwa 1230 üblich war.

      der Schild ist etwa 120 cm hoch und 60 cm breit ( ohne die Wölbung selbst gemessen ) und von relativ stark gewölbter Form.

      Der fertige Schildrohling ist mit Leinen bezogen und vorgrundiert. In den nächsten Tagen werde ich mit der Bemalung beginnen. Als Farbe Leinölfirns und Farbpigmentpulver / Eisenoxid.

      Der Schildrand wird mit Wildschweinhautstreifen verstärkt werden.

      Armpolster und Beriemung sind bereits angebracht.

      Den Fortschritt werde ich hier immer mal wieder dokumentieren.

      Besitz stirbt,

      Sippen sterben,

      Du selbst stirbst wie sie !

      Eines nur weiß ich, das ewig lebt

      - Der Toten Tatenruhm - !
    • Als Quelle für die ungewöhnlich starke Wölbung des Schildes möchte ich noch anführen :

      Die Wandmalerei in der Templerkirche von Cressac-Sur-Charente und,
      dort sieht bzw. erkennt man es noch besser, die Zeichnung von Matthew Paris ( Chronia Majora ) der Schlacht von La Forbie 1244. Dort seht gut zu sehen bei dem Ritter, der wie oft formuliert, aus der Schlacht flieht. Ich würde sagen, der Ritter, der das Banner der Templer in Sicherheit bringt.

      Bei dieser Detailaufnahme erkennt man die starke Wölbung und auch den flachere oberen Rand ( entgegen den früheren Tropfenschildern ) sehr gut.

      Wer das Bild nicht kennt, hier ein Link ( Quelle Internet / www.warfare altervista ) Chronica Majora by Matthew Paris Matthaei Paris Chronica Maiora II Detail of the Battle between the Crusaders and Khorezmians, 1244 (La Forbie) :

      warfare.altervista.org/13/Chro…e_of_La_Forbie-detail.htm
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    • Habe Pigment in rot und weiß hier ; da ich er noch nie verwendet habe fange ich erstmal an, die Schildrückseite in weiß anzupinseln. Versuchsseite sozusagen ; mal sehen, bin echt gespannt wie sich das ganze verarbeiten lässt.

      Vorderseitig ist der Klassiker geplant, auch nach den Diskussionen hier im Forum, versuche ich mich in rot mit weißem Kreuz darüber.
      Für andere, ggf. zusätzliche Motive, fehlen mir die Quellen und vermutlich auch das künstlerische Geschick.
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    • Ein schönes Projekt, Gerd. :thumbup:

      Sigurdur schrieb:

      wobei hier die Oberkante eher schon flach gefertigt wurde, wie es ab etwa 1230 üblich war.
      Laut Kohlmorgen (Autor von "der mittelalterliche Reiterschild") beginnen die Schilde bereits gegen Ende des 12. Jhd. oben flach (und an den Ecken "spitz") zu werden. Die Abbildungen in den Quellen bestätigen dies auch. Gegen 1230 war dies bereits "die" Schildform. Auch wenn man noch viele andere (und auch noch deutlich ältere) Schildformen und Varianten sieht.

      Sigurdur schrieb:

      der Schild ist etwa 120 cm hoch und 60 cm breit
      Für einen Infanterieschild sollte diese Grösse passen. Die Wölbung passt meiner Meinung nach auch.

      Für einen Reiterschild um 1230 wären diese Abmessungen nach meinen Wissensstand allerdings viel zu gross. Im 13. Jhd. entwickelt sich der Reiterschild (dank der voranschreitenden Rüstungsentwicklung) recht zügig in der Grösse zu immer kleineren Schilden (ab ca. +-1200 sieht man das deutlich). Vorher nutzten die Infanterie, sowie die Kavallerie noch beide die "grossen" Schilde. Aber auch hier sieht man immer wieder noch grössere Schilde bei Reitern (auch wenn ich nicht glaube, dass die da noch um 1,20m gross waren).

      Sigurdur schrieb:

      1. Der fertige Schildrohling ist mit Leinen bezogen und vorgrundiert. In den nächsten Tagen werde ich mit der Bemalung beginnen. Als Farbe Leinölfirns und Farbpigmentpulver / Eisenoxid.

      2. Der Schildrand wird mit Wildschweinhautstreifen verstärkt werden.

      3. Armpolster und Beriemung sind bereits angebracht.

      zu 1. Beim Weiss (was für ein Pigment nutzt du?) ist Vorsicht geboten. Es deckt (je nach Pigment) sehr schlecht und es sind wirklich zahlreiche Durchgänge notwendig. Mischt man zu viel Pigment hinzu, blättert es später wieder ab, bzw. lässt sich ohne grosse Mühe abreiben.

      zu 2. Das scheint mir von der Optik her ein Schildrohling aus "der Truhe von Oma" (und anderen ähnlichen Anbietern) zu sein? Wenn dem so wäre, wirst du beim anbringen des Schildrandes Vorsicht walten lassen müssen (beim Bohren der Löcher zum vernähen, oder Nageln). Ich hörte davon, dass das Sperrholz teilweise nicht das beste ist und beim bearbeiten splittert, bzw. wegbröselt.

      zu 3. Evtl. könnte man die Rollschnallen noch austauschen und die glänzenden Edelstahlnieten kaschieren? Das Polster sieht auch merkwürdig aus? Würde ich neu machen.


      Ich bin gespannt wie er wird, dein Schild. :thumbup: Ich wünsche dir gutes Gelingen und behalte das Thema sicherlich auch im Auge. :trink02



      "ALIIS IN SERVIENDO CONSUMOR"
    • Nachdem ich heute vormittag mal etwas Probe gemischt und gepinselt habe, gleich die erst Erleuchtung.

      Im Netz öfters gefunden und probiert das verdünnen des Leinölfirnis mit Terpentinersatz ( 1: 1 ). Dazu dann das Pigment so etwa 4 - 5 Teelöffel auf 0,2 Liter fertige Mischung der Flüssigkeiten.
      Habe einfach solange zugefüllt, bis das bernsteinfarbene Firnis eben weiß war.
      Die Mischung war allerdings viel zu dünn geworden ; entweder deutlich mehr Pigment oder, was ich als nächsten tun werde, das Leinölfirnis unverdünnt zu mischen. Das Flüssige ist wohl vom Terpentin gekommen.

      Der heutige Versuch, ich nenne es mal wässrige Lösung, war die erste Erfahrung, wie es nicht so recht gehen kann.

      Ja, @Ritter Erasco der Schild ist von der Oma. Vom ersten Ansehen sind die Ränder gut und stabil ; weitere Bearbeitungsschritte werden es offenbaren. Danke für den Tipp allemal, ich werde auf jeden Fall Vorsicht walten lassen, wenn ich die Bohrungen setze. Eigentlich wollte ich Schmiedenägel für die Haut verwenden, doch wenn das Material - hoffentlich nicht - krümelt, werde ich nähen ( müssen ).
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    • Heute rückseitig die zweite Farbschicht aufgetragen ; es ist tatsächlich besser mit dem Terpentin sehr sparsam umzugehen. Wohlmöglich ist es gar nicht notwendig. Nächste Woche beginnt dann der Anstrich der Vorderseite, so das ich in etwas 2 - 3 Wochen mit dem Rand beginnen kann.
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    • Rückseitig nun 2 Farbschichten aufgetragen ; etwas ungleichmäßig, wie ich nach dem trocknen feststellen musste. Dazu kommt, dort wo ich wohl zu dick aufgetragen haben, und aufgrund der " dünnen Farbe " etwas zusammengelaufen ist, habe ich nun eine Art Spiegelglanz. Das gefällt mir nicht so recht, notfalls könnte ich hier auch damit leben, aber auf der Vorderseite möchte ich keinen Glanz.
      Was kann ich dagegen tun, oder besser, wie kann ich es richtig machen oder woran kann es liegen. Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht ?
      Glaube nicht, das es mit der Zeit von alleine vergeht ...
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    • Sigurdur schrieb:

      Das gefällt mir nicht so recht, notfalls könnte ich hier auch damit leben, aber auf der Vorderseite möchte ich keinen Glanz.
      Das Leinöl macht den Glanz. Vermutlich auch auf der Vorderseite. Je nach Untergrund (Holz, Leinen, Rohaut) und ggf. Behandlung des Untergrundes (mit z.b: Kreidegrund) ist es bei meinen Schilden etwas mehr oder weniger "glänzig".

      Wenn alles richtig trocken ist, wird der Glanz weniger. Dies kann auch unregelmässig sein (an manchen Stellen glänzt er noch, an manchen nicht). Man kann dann zusätzlich noch mit einem trockenen Lappen über die Fächen reiben und die Oberfläche wird dadurch stumpfer.

      Hab mich diese Woche mit einem unterhalten, der einen Schild mit Eitempera bemalt hat... der trocknet schon seit 1,5 Jahren...



      "ALIIS IN SERVIENDO CONSUMOR"
    • Nachdem ich am Dienstag so einige Überstunden abfeiern musste, war Zeit für den zweiten Vorderanstrich, was recht gut lief. Mittlerweile erkennt ihr auch, das der Schild dunkelrot, beinahe klinkerfarben, wird. Habe mir das Pigment etwas heller vorgestellt, kann aber ( momentan ) mit der jetzigen Farbgebung recht gut leben. Es wirkt, auch durch die leichten Farbverläufe, irgendwie lebendig.

      Freitag Abend, die Trocknung verlief recht schnell, habe ich mit Toilettenpapier ( dem längsten Tempo der Welt ) die gewünschte und schönste Position des Kreuzes ermittelt. Die passende Breite der künftigen Kreuzbemalung lässt sich so schön simulieren, es werden 6 cm werden. 8 cm, wie geplant, erschienen mir nach ersten Probeliegen des Toilettenpapiers als zu mächtig.

      Funktioniert übrigens nur bei Faltern, nicht bei Knüllern.

      Hier ein Bild :
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    • Gestern Abend noch eine dritte Farbschicht rot aufgetragen, das Kreuz ist nun auch aufgemalt, ebenfalls mehrere Schichten. Einige unschöne Farbverläufe muss ich nach Trocknung in einigen Tagen noch nachbessern, aber dann ist Schluss mit pinseln. 100% werde ich das nicht hinbekommen, aber Erfahrung macht klug. Einiges kommt vom neumodischen Abklebeband; echt cool, wieviel Öl das aufsaugt und auch nach "unten " wieder abgeben kann. Da muss ich noch an einer anderen Lösung arbeiten.

      Meine Frau kann übrigens das Leinölgemisch bald nicht mehr riechen. Der ewige Kampf der Geschlechter zwischen heizen ( mir recht wegen schnellerer Trocknung ) und lüften ...

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    • Kannst du mir die Bezeichnung und Bezugsquelle deines Weißen Pigments nennen? Ich habe bei meinem letzten Projekt diverse Pigmente durchprobiert und keins davon war annähernd so strahlend weiß wie deins, davon abgesehen deckt es selbst nach dem achten Anstrich auf Fleckiger Rohhaut nicht 100%ig...
      https://youtu.be/PR3gCs7eSMA

      https://www.facebook.com/profile.php?id=100009574984647
    • Nachdem der Rohhautrand beinahe fertig ist, habe ich versuchsweise begonnen diesen zu vernageln. Vorgebohrt, 4-kant Schmiedenägel, 2 Zangen um diese innen umzubiegen und dann rückwertig wieder krampenartig einzuschlagen. Ich hätte, trotz personeller Unterstützung, deutlich mehr Hände gebraucht. Kurzum, es sah total bescheiden aus, von hinten.

      Probleme mit den Rändern ( a.a.o. ) gab es übrigens nicht.

      Versuche mich nun an einer Nähversion, ähnlich meines Thüringerschildes. Allerdings diesmal wohl nicht mit " Holzkleber-Wasser gehärteter Maurerschnur-Version" .

      Mal sehen, ob der Naturbindfaden hier in einem Leinöl-Pigment-Bad schön Farbe annimmt ?!
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