Historische Blockflöten des 20.Jahrhunderts

    • Heinrich schrieb:

      ...nur ins blaue geschossen
      Da siehste mal, dass auch ein Schuss ins Blaue ein Treffer ins Schwarze sein kann :D
      Aber ganz so blau kann es ja auch nicht sein, nicht jeder weis z.B. wie Klarinetten und Blech gestimmt wird.

      Die Idee war ja auch nicht neu, hier im dem Video von ca. 00:40 bis 1:23 kannst du unter anderem einen gut 300 Jahre alten Tenor von Stanesby (1668-1734) sehen und hören welcher in B gestimmt ist. Ich finde es faszinierend, wie gut der noch in Schuss ist und wie schön der klingt.


      Quelle: Youtube.com

      Aber leider ging das alte Wissen um den Blockflötenbau gänzlich verloren und erst in neuerer Zeit findet man wieder Blockflötenbauer welche gute Nachbauten der alten Instrumente machen, da man mit modernen Mitteln die alten Flöten exakter nachbauen kann als um 1930. Die beiden neuen Flöten welche hier gezeigt werden zeigen dies auch anschaulich.
      Die erste Flöte von Hotteterre (1674-1763) welche im Video zu sehen ist, kann man z.B. bei dem Blockflötenbauer Ehlert als Nachbau erwerben, nur mit "nicht ganz so edlen Materialien".
      Meinen Glauben habe ich verloren.
      Mein Wissen habe ich gefunden.
      Meine Weisheit suche ich noch.

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    • Zugegeben ganz unerfahren bin ich beim Musik machen nicht. Immerhin seit meinem 12ten Lebensjahr spiele ich immer größer werdende Blechblasinstrumente. Dann arrangiere ich auch seit ca 35 Jahren von Zeit zu Zeit für kleinere Bläserbesetzungen.
      Und dann noch das Schulpraktikum bei moeck.
      Ja ganz so zufällig wars denn doch nicht.
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      In der Praxis eher GroMi
      Letztes Viertel 12tes Jh.
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    • Dachte ich mirs doch, da liest man den Fachmann heraus. Ich bin dagegen nur ein Dudler ohne Notenkenntnisse, aber habe schon sehr lange Spass am spielen und in letzter Zeit auch am forschen nach alten Instrumenten. Ein Praktikum bei Moeck hätte mir auch sehr gefallen und gut getan.
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    • Man könnte auch sagen ich klebe an den Noten. Das freie Spielen habe ich in den vielen Jahen leider viel zu wenig geübt.
      Und Moeck.
      War meie erste Erfahrung mit Serienfertigung und ich habe gemerkt, dass ich deutlic mehr wil.
      Ausserdem musste ich damals feststellen das feiner Holzstaub nichts für meine Bronchien idt.
      In die interssanten Gebiete wie dem Bau hidtorischer Nachbauten kam der normale Arbeiter oder gar Praktikant gar nicht rein.
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    • Heinrich schrieb:

      ich klebe an den Noten
      Das finde ich interessant, denn ich habe gerade dazu schon mit vielen Musikern gesprochen, Laien, sowohl auch Profis und festgestellt, dass es da zwei Typen gibt. Grob gesagt natürlich, mit allen Varianten. Der eine Typ spielt eher frei und hat es mit der Noten lernerei schwer. Der andere kann Noten, aber dafür nicht improvisieren. Ich habe zwei Anläufe gemacht um Noten zu lernen und es dann aufgegeben. Erst jetzt, wo meine Holde Klavier und Drehleier lernt bekomme ich seehr langsam Zugang dazu, denn sie ist der "Notentyp". Da sie dazu sehr geduldig ist und wir inzwischen auch viel zusammen spielen, habe ich nun zumindest einen rudimentären Überblick.


      Heinrich schrieb:

      erste Erfahrung mit Serienfertigung
      Sehr schade, aber nachvollziehbar. Blockflöten einigermassen günstig zu produzieren ist auch ein hartes Geschäft. Ich kenne eine langjährige Musiklehrerin, die hat mir mal gesagt, dass viele Eltern nicht bereit sind mehr als 10-20! Euro für eine Flöte auszugeben und schon meckern, wenn eine Schulflöte 80 Euro kosten soll. Wie soll da ein Flötenbauer überleben? Da die Blockflöte den "Ruch" eines Kinderinstrumentes auch nicht los bekommt ist es für die Hersteller auch nach wie vor schwierig, wenn sie nicht gerade eine begeisterte Fangemeinde unter den wenigen Profis haben.
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    • Das mit dem schlechten Ruf der Blockflöte kommt, denke ich auch daher, dass sie heute das Anfängerinstrument ist.
      Daher hat man auch nur dieses Gefiepe im Ohr welches man auf diversen Weihnachtsfeiern vorgesetzt bekommt.
      Den Kindern, die dort ihr Können beweisen müssen, kann man da natürlich keinen Vorwurt machen.

      Es hat Jahre gebraucht bis beim Zuhören einiger Erwachsener klar wurde wie ausdrucksvoll und durchaus auch laut diese Instrumentenfamilie sein kann.

      Es reicht beim musizieren eben nicht zum rechten Moment die Löcher auf und zu zu machen.

      Man muss schon die Musik leben.

      Dazu gehört zum Beispiel das Wissen um die Stütze.
      Eine gewisse Abgebrühtheit ob dem was die Zuhörer oder besser Nichtzuhöhrer machen hilft auch.

      Als Amateurmusiker habe ich mich da sehr gefreut hier Informationen über ein Instrument zu bekommen das ich zumindest immer vernachlässigt habe.

      Ich bin gespannt was Du noch so im Holzstapel für uns hast.
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    • Heinrich schrieb:

      Das mit dem schlechten Ruf der Blockflöte kommt, denke ich auch daher, dass sie heute das Anfängerinstrument ist.
      Das ist eine Seite der Geschichte, die andere war wohl die, dass nach dem Krieg die Blockflöte ungerechtfertigt als "Nazi-Pfeiferl" verschrien war und sie erst mal niemand mehr so recht wollte. Hinzu kam wohl auch noch, dass die Böhmflöte einen großen Aufschwung erlebte. War sie doch "perfekt" und über alle Tonarten zu spielen und sie erlebte erst einmal einen großen Siegeszug in der Musik.

      Die meisten guten Blockflötenbauer welche den Krieg noch überlebten waren dazu, wie schon erwähnt, in der ehemaligen DDR ansässig und die wenigen im Westen verbliebenen mussten erst einmal wieder fast neu anfangen. Die ganze mühevolle Suche nach einer perfekten Blockflöte war dahin und der Blockflötenbau im Westen fand erst so um 1970 wieder langsam zurück zur alten Perfektion. Nur eine Werkstatt im "Osten" war geblieben, welche nach wie vor sehr gute Qualität lieferte, bekannt wurde sie im Westen durch... die guten Heinrich Flöten :D Aber Heinrich war nur ein Händler, dahinter stand die Werkstatt Max König und Söhne. Von ihm habe ich einige sehr interessante Blockflöten und er war ein Pionier, welcher wohl unermüdlich an der Perfektion der Flöte arbeitete und im Hintergrund für einige Händler vor dem Krieg viele geniale Blockflöten baute. Aber dazu werde ich auch noch später kommen, denn dies ist für sich schon eine Geschichte.

      Dazu kam, dass ja auch schon vor dem Krieg nicht nur gute Blockflöten gebaut wurden, die zunehmende Industrialisierung machte ja auch davor kein halt. Scheinbar wurde der Blockflötenbau später oft nur nach einzelnen, nicht unbedingt nur guten Instrumenten gemessen, welche die Misere überlebt hatten.

      Das ist ein weites Feld, in welches ich mich langsam einlese und anhand einiger meiner Instrumente inzwischen auch ganz praktische Erfahrungen sammeln kann. Das macht das ganze für mich ja auch so spannend, da dieser Teil unserer Geschichte noch real nachvollziehbar ist und man solche Instrumente zum Teil für kleines Geld erwerben kann. Deswegen habe ich auch noch so manches

      Heinrich schrieb:

      im Holzstapel
      von dem ich gerne hier berichte, denn wo findet man sonst Menschen welche Interesse an alter Geschichte und Geschichten haben, wenn nicht hier.
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    • Um das Thema mal an das Mittelalter anzubinden
      Vor einigen Jahren gab es in Göttingen einen Kloakenfund einer Blockflöte aus dem 14ten Jahrhundert, wie es aussieht wohl die bisher älteste Gefundene.
      wiki-goettingen.de/index.php?t…e_Blockfl%C3%B6te_Europas
      Quelle: WIKI_Göttingen"
      goettinger-tageblatt.de/Goetti…findet-sich-in-Goettingen
      Quelle: "Internetpräsens des Göttinger Tageblattes"
      Im Ausstellungskatalog zum Sachsenspiegel ist hierüber auch eine Abhandlung zu finden.
      (Der sassen speyghel - Sachsenspiegel - Recht - Alltag, Band 1. Beiträge und Katalog zu den Ausstellungen Bilderhandschriften des Sachsenspiegels - Niederdeutsche Sachsenspiegel und Nun vernehmet in Land und Stadt - Oldenburg - Sachsenspiegel - Stadtrecht. Hrsg. von Egbert Koolman, Ewald Gäßler, Friedrich Scheele. Veröffentlichungen des Stadtmuseums Oldenburg Band 21, zugleich Schriften der Landesbibliothek Oldenburg Band 29.)
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    • Klasse, schöne Berichte und tatsächlich eine echte Mittelalterflöte :thumbup:

      Es gibt noch wesentlich ältere Flötenfunde, die fand man in China und es sind 9000 Jahre 8o alte Knochenflöten. Man kann ihnen scheinbar sogar noch Töne entlocken.

      Die im Bericht erwähnte Dordrechtflöte wurde inzwischen von dem Blockflötenbauer Köllner-Dives nachgebaut. Ihn lernte ich auf den Blockflötenfesttagen in Stockstadt persönlich kennen und durfte ihn im Gespräch mit Peter Thalheimer "belauschen", welcher die Qualität seiner Flöten begutachtete und lobte. Köllner-Dives baut alte Instrumente akribisch nach genauen Vermessungen nach und hat wunderbare Instrumente.
      Thalheimer begutachtete auch seine Ganassiflöten und holte während dessen das Original, eine echte Ganassi zum Vergleich aus der Tasche um sie anzuspielen... was für ein Klang von einer ca. 300 Jahre alten Flöte. Ich und alle umstehenden waren echt fasziniert, der Nachbau konnte nicht mithalten, obwohl er die Flöte wirklich sauberstens nachgebaut und intoniert hatte.
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    • weltenwanderer schrieb:

      Nur eine Werkstatt im "Osten" war geblieben, welche nach wie vor sehr gute Qualität lieferte, bekannt wurde sie im Westen durch... die guten Heinrich Flöten :D Aber Heinrich war nur ein Händler, dahinter stand die Werkstatt Max König und Söhne. Von ihm habe ich einige sehr interessante Blockflöten und er war ein Pionier, welcher wohl unermüdlich an der Perfektion der Flöte arbeitete und im Hintergrund für einige Händler vor dem Krieg viele geniale Blockflöten baute.

      Sehr interessant, was Du da schreibst. Von Heinrich ist meine Bassflöte, die ich vor etwa 10 Jahren online ersteigert habe. Ein fantastischer Klang!
      Besonders hat mir gefallen, dass sie direkt (ohne Anblasrohr) angeblasen wird.

      Je mehr Du schreibst, desto mehr bekomme ich wieder Lust, zu spielen. Ich muss mir hier doch mal ein Ensemble suchen oder gründen. Zu viele Interessen stehen dem leider noch entgegen...
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      http://amulunc.de.tl
      http://www.twerchhau.de
    • Ewaldt von Amulunc schrieb:

      Von Heinrich ist meine Bassflöte...
      Oh, wie schön, ich habe auch inzwischen eine in barocker Griffweise, bei welcher ich aber erst mal die Klappen neu richten und löten musste, da wer Mist gebaut hat. Inzwischen ist sie wieder fit und auch genial schön. Da gab es auch verschiedene Varianten. Meiner ist aus der Meister Serie, auch wenn es nicht explizit drauf steht. Inzwischen kann ich die Varianten auch erkennen und einschätzen welche es sind, was nicht immer einfach ist, da nicht nur das äussere ausschlaggebend ist und sie hat schon "Made in GDR" darauf stehen, da war die Trennung Deutschlands schon vollzogen.




      Ewaldt von Amulunc schrieb:

      Je mehr Du schreibst, desto mehr bekomme ich wieder Lust, zu spielen.
      Das freut mich, wo du doch so eine wunderbare Flötensammlung hast, da werde ich mal fleissig weiter schreiben, wer weis ^^
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    • Feines Stück!
      Hier ist ein Bild von meiner (eigenes Foto):



      Und hier das Label (leider gegen Licht wirklich zu lesen):

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    • Die sieht ja auch noch klasse aus und hat auch eine gute Beklappung, sie dürfte auch zur Meister Serie gehören. Wenn nicht hinten auf dem Kopf das GDR steht ist sie höchstwahrscheinlich nach dem Krieg, aber vor der entgültigen Teilung Deutschlands gebaut. Der Name Heinrich in Kleinbuchstaben geschrieben weist darauf hin.

      König hat gerade in dieser Zeit hochwertige barocke Flöten geliefert, da er ab 1938 sich intensiv damit auseinander gesetzt hat und die ersten wirklich brauchbaren Barocken geliefert hat, angefangen mit der Herwiga Dea mit gebogenem Windkanal, welche ein Nachbau einer Dolmetsch Flöte war. Vorher waren sie nur bei Dolmetsch in England zu saftigen Preisen zu bekommen. Von da an übernahmen anscheinend andere Werkstätten recht schnell die "neue" barocke Griffweise. Das wäre allein schon wieder eine Geschichte für sich... ^^
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    • Cool. Es ist schön, mehr über das Instrument zu erfahren. Sie hat auch wirklich einen tollen warmen Klang. Die Klappen sitzen perfekt (klappern nicht und sind dicht), der Kork ist tadellos. Hätte nicht gedacht, dass sie schon so alt ist. Es kann natürlich sein, dass sie mal generalüberholt wurde. Aber der Gesamtzustand lässt eher darauf schließen, dass sie gut gepflegt und ggf. nicht häufig gebraucht wurde.
      Und "GDR" ist nirgends zu finden.
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    • Mit dem Alter lehne ich mich ja auch schon weit aus dem Fenster, aber man kann gerade bei den Heinrich Flöten zunehmend einen qualitätsmässigen Abwärtstrend feststellen, je länger die DDR existierte. Die schönen Drechselungen, wie bei deiner noch zu sehen, verschwanden zunehmend. Auch der Lack wurde immer schlechter, da einfach nichts mehr da war was noch gut war. Auch die Klappenqualität wurde immer schlechter, so das ältere Flöten zum Teil besser sind als die neueren Datums. Deswegen datiere ich deinen und auch meinen Bass noch recht weit zurück. Neuere Flöten sind vom Innenleben auch noch prima, aber das äussere ist oft nur noch seeeehr spartanisch gehalten.

      Es ist ein weites Feld, wo selbst die Spezialisten mangels guten Infos auch zum Teil resignieren. Aber gerade die Werkstatt König ist mein Lieblingsgebiet und da sammle ich zur Zeit immer noch. Vor dem Krieg wurde er auch selbst von seinen Kollegen als "der beste Blockflötenbauer" bezeichnet.

      Seine unermüdiche Suche nach der perfekten Blockflöte war einzigartig. Ein interessantes Bindeglied z.B. war die Herwiga Pan. Vor einiger Zeit konnte ich sogar eine in der Bucht ersteigern, hätte nie gedacht auch mal eine mein eigen zu nennen.



      Als sie hier ankam schlug ich erst einmal die Hände überm Kopf zusammen... Grünspan in voller Blüte



      So sieht es ja noch relativ harmlos aus, aber bei genauer Betrachtung...



      sieht man ihn schon bis ins innere wachsen...

      Ich musste sie erst einmal total zerlegen und reinigen, was sich als recht kniffelig erwies, denn man kann ja nicht einfach Material abnehmen ohne in Gefahr zu laufen die Intonation zu verderben oder Undichtigkeiten zu riskieren.



      8o :rolleyes: :whistling:

      Ich habe sie wieder spielbereit bekommen und bin recht glücklich darüber, denn sie ist ein Ausnahmeinstrument. König versuchte an dieser Flöte den Mangel der deutschen Griffweise durch eine Klappe für "alle Halbtöne" auszugleichen. Es funktioniert tatsächlich, aber man muss eine ganz neue Art des Spiels erlernen. Die Bauweise hat sich auch nicht durchgesetzt, den bald darauf bekam er den Auftrag Dolmetschflöten zu kopieren und eine neue Ära begann.

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    • Ich springe mal noch zu den weiter oben gezeigten 6 Loch Flöten zurück, wo ich erwähnte, dass sie wie die irischen Thin Whistles gebaut wurden. Hier mal ein Vergleich mit einer modernen Whistle aus Kunststoff von Tony Dixon in D



      Man kann deutlich erkennen, dass hier die Länge und auch die Bohrungen identisch sind, natürlich mit minimalen Abweichungen.

      Nun nehme ich im Vergleich die kleine Blockflöte in D aus dem oben gezeigten "Blockflötenalphabet" und lege sie neben eine 6 Loch Flöte und man kann erkennen, dass auch hier die Bohrungen gleich sind, nur ist das oberste Loch leicht versetzt für den kleinen Finger und Richtung Kopf ist noch ein Loch hinzu gekommen.



      Zusätzlich ist auch noch auf der Rückseite ein Daumenloch gebohrt worden und schon hat man eine "normale Blockflöte in D"



      Die Blockflöte in D stammt übrigens aus der Werkstatt Oskar Adler und trägt den Namen Sonora, nicht zu verwechseln mit Johannes Adler, von welchem die oben gezeigten 6 Loch Flöten stammen.

      Spieltechnisch sind die einzelnen Töne gleich, nur ergibt sich durch das hinzukommen der beiden Löcher eine veränderte Griffweise, da man bei der Whistle das oberste Loch mit dem rechten Ringfinger abdeckt, während bei der Blockflöte der kleine Finger genommen wird.
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    • Nun möchte ich den Faden mal wieder aufnehmen hier und etwas von meinen "Schätzchen" berichten. Ich habe zu diesem Thema ja nicht geruht und seit meinem letzten Eintrag wuchs meine kleine Sammlung von ca. 80 auf gut 100 Blockflöten an. Oft waren es unscheinbare Stücke welche in der Bucht dümpelten, denn den geschichtlichen Hintergrund einzelner Instrumente kann man nicht erkennen, wenn man sich nicht mit diesem Thema beschäftigt. Aber es waren auch mal wieder echte "Prachtexemplare" dabei welche den Weg zu mir fanden.

      Auch habe ich wieder viel recherchiert und nicht nur einmal rauchte mir die Birne, denn manche Flöten lassen sich einfach nicht wirklich mehr einsortieren, da die Quellen dürftig sind. Auch dass oft andere Werkstätten die Produktion von Kollegen übernahmen, wenn diese überlastet waren, oder manche Modelle von anderen nachgebaut wurden macht es nicht einfacher. Hier mal ein Beispiel, diese Sopran und Alt Flöte wurden in der Werkstatt Kruspe-Hüller mit diesem Kopfprofil bis 1935 gebaut:



      Aber Kruspe-Hüller bauten auch in Auftrag für andere. So z.B. für den Bärenreiterverlag. Das weiter oben bei meinem "Blockflötenalphabet" gezeigte Modell in "E" ist zwischen 1929 und 1935 für Bärenreiter entwickelt und gebaut worden:



      Bei diesem Modell wurde noch viel in Handarbeit gemacht, was sich aber schnell änderte, da die Nachfrage nach Blockflöten enorm war in dieser Zeit. Ab 1935 gab es einen Modellwechsel und die neue Form war leichter maschinell zu fertigen, die Feinarbeiten waren aber immer noch Handarbeit. Vor kurzem konnte ich eine Bassflöte aus dieser Zeit ergattern mit einer von Manfred Ruetz entwickelten, "neuen" Klappenkonstruktion:



      Zu dieser Zeit hatten die Bärenreitermodelle diese Signatur:



      Nach dem Krieg war die Werkstatt von Kruspe Hüller wohl völlig zerstört und bei Bärenreiter war man auf der Suche nach einem neuen Produzenten. Den Zuschlag bekam Mollenhauer, welcher sich von einem Händler vor dem Krieg zu einer eigenen Werkstatt für Blockflöten gemausert hatte. Mollenhauer nahm diesen Auftrag wohl gerne an, da erst einmal keine neuen Modelle entwickelt werden mussten. Diese drei hier, eine Sopran, eine Alt und ein Tenor, sind aus dieser Zeit, nur die Klappenform ist anders:



      Ab jetzt wurde nun diese Signatur verwendet, ein dicker Bär mit einem vierstrahligen Stern im Kreis:



      Nun bin ich beim recherchieren immer wieder darüber gestolpert, dass mein erster Bärenreitertenor, welchen ich ganz am Anfang des Stranges vorgestellt habe, die "alte Klappenkonstruktion" hat, aber die neue Signatur, bis ich vor kurzem erfuhr, dass der Konstruktuer dieser Klappe, Manfred Ruetz, noch am Leben war und bei Mollenhauer mit einstieg, aber bald darauf eine neue Klappenform entwickelt wurde. Bei meiner ist die Klappe ja nicht mehr Original, wie zu anfangs erwähnt, musste ich ja ein fehlendes Teil ersetzen.



      Hier noch ein Gruppenbild der Mannschaft ^^



      Mit der Zeit begann aber Mollenhauer auch eigenständig Modelle zu entwickeln, welche die selbe, neue, Klappenkonstruktion hatten. In diese Zeit gehört z.B. auch diese Bassflöte hier:

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    • Der Schnabel der oben gezeigten schwarzen Flöte ist aussergewöhnlich, aber er damals noch durchaus üblich und reine Handarbeit, wie auch die Flöte insgesamt:



      Die oben schon erwähnten Czakane, was eigentlich auch Blockflöten waren, nur von der Bauweise nicht so kräftig im Ton, wurden auch noch meistens in dieser Form gebaut, wie hier bei diesem "echten" Czakan zu sehen ist:



      Aber auch die Unterseite der schwarzen Bärenreiter ist dazu noch sehr aufwendig ausgeformt:



      Meistens wurde aber nur ein mehr oder weniger einfacher Schnitt gemacht, wie hier beim Czakan zu sehen ist:



      Doch schon bald darauf machte man infolge der neuen Maschinen nur noch einfache Kopfformen und der Schnitt wurde an einer Bandsäge leicht Rund geschnitten, in etwa so, wie man es auch heute noch an modernen Blockflöten sehen kann.

      Hier kann man in einem alten Prospekt von 1932 des Musikaliengroßhandels der Gebr. Schuster aus Markneukirchen, welche den Handelsnamen...



      verwendeten, noch sehen wie die alte Schnabelform für Blockflöten und Czakane verwendet wurde:

      jeanluc.matte.free.fr/cat/catcid.htm

      aber bald darauf verschwand diese Form, den die Konkurrenz wurde sehr schnell immer größer. Die Blockflötenbauer wurden von den Händlern mit Aufträgen überhäuft und da war reine Handarbeit zu aufwendig und teuer und die neuen, elektrischen Maschinen boten auch neue Möglichkeiten in der Produktion. Je nach Werkstatt wurden immer öfter nur noch die Endarbeiten und auch die Feinheiten in der Intonierung von Hand gemacht. Nur bei hochwertigen Modellen wurde mehr "Hand angelegt".
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    • Der Bärenreiter-Bass hat auch noch ein interessantes Detail, nämlich einen gebogenen Windkanal und das dazu gehörige gebogene Labium, was bei Blockflöten des 16. bis 18. Jahrhunderts wohl durchaus üblich war:

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      Aber die aufwendige Herstellung und vor allem die schlechte Maschinentauglichkeit dieser Konstruktion brachte die Flötenbauer dazu sich nach dem geraden Windkanal der Czakane zu orientieren. Der gebogene Windkanal wurde selten und wenn, dann nur an hochwertigeren Flöten angebracht. Nur Arnold Dolmetsch aus England baute zu dieser Zeit Blockflöten in reiner Handarbeit und mit gebogenem Labium, aber diese Instrumente waren für die meisten Spieler in Deutschland unerschwinglich. Sie hat noch die damals übliche deutsche Griffweise.

      Erst als der Blockflötenbauer Max König um 1934 einen Auftrag des Händlers Wilhelm Herwig (Herwiga-Blockflöten) bekam, solche Flöten nach Dolmetschvorbild zu kopieren und preiswert herzustellen wurden auch die ersten Kleinserien in dieser Art gebaut, aber es waren hochwertige Instrumente die eher für das Solospiel gebaut wurden. Das Flaggschiff von König, die Herwig-Rex, wurde nun etwa ab 1938 auf diese Art gebaut. Hier eine wunderschöne Alt Flöte, welche ich in "fabrikneuem" Zustand erworben habe:

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      Auch diese Sopran aus dem Fundus eines Profispielers, welche ich erst einmal restaurieren musste, ist eine "neue" Herwiga-Rex:

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      Dolmetsch "erfand ja auch die sogenannte barocke Griffweise" neu und dieses Neuerung wurde auch sogleich übernommen. Die rechte auf dem Tisch zeigt die Sopran vor ihrer Restaurierung, völlig abgegriffen. Die linke ist eine Herwiga-Chor, welche auch nach neuem Vorbild gebaut wurde, die erschwinglichere Variante mit geradem Windkanal, aber auch mit neuer Griffweise:



      Schnell wurde die neue Griffweise der Blockflöte auch von den anderen Werkstätten übernommen und die "Neugeburt" der neubarocken Blockflöte war unaufhaltsam, aber der gebogene Windkanal blieb eine Ausnahme. Der Umstand, dass der neu aufflammende Krieg diese Bewegung jäh ausbremste lies aber leider wieder vieles in Vergessenheit geraten.

      Nach dem Krieg fertigte die Werkstatt König aber diese Instrumente weiter, nur war König nun in der neu erstandenen DDR. Ab dieser Zeit baute König wohl fast ausschliesslich nur noch für den Händler Heinrich, doch die Instrumente sind von oft baugleich. Aber der gebogene Windkanal konnte sich nicht durchsetzen. Erst um 1968 wurde das erste Serienmodell im Westen mit gebogenem Windkanal von der Firma Moeck gebaut, die Rottenburg nach Friedrich von Huene, welche sich unter Profispielern schnell durchsetzte und welche es heute noch zu kaufen gibt.
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    • Ich habe gerade noch einen Bären geschossen... :rolleyes:

      Jäger und Sammler sind schon seltsame Leute... :whistling:

      Die ohne Klappe ist aus Birnbaum, die neue mit Klappe aus Ahorn, beide sind Nachkriegsmodelle mit "Bär und Stern" Signatur:



      Zuerst einmal gefiel sie mir, da ich diese Klappenart mag und die ander Alt eine ohne ist, wie gesagt, Jäger und Sammler... :rolleyes:




      Die beiden Alt-Flöten sind beinahe identisch, auf Anhieb fällt nur ja die Klappe auf bei der Neuen, aber wenn man genauer hinschaut kann man einige Unterschiede feststellen. Das der Labiumausstich länger und breiter ist macht ja erst mal nicht viel Unterschied, aber die Tonlöcher sitzen auch ganz anders und die neue Alt ist etwas länger. Interessant finde ich auch, wie weit doch die Bohrung für die Klappe nach unten versetzt wurde, an diese Stelle käme man mit dem Finger sicher nicht hin:



      Das Innenleben einer Flöte, so banal wie es aussieht, hat es sprichwörtlich in sich. Die Berechnungen für den genauen Sitz der Tonlöcher sind eine Wissenschaft für sich und da lässt sich auch der Instrumentenbauer nicht gerne auf die Finger schauen, was ich gut verstehe. Die genauen Berechnungen dafür sind mit Sicherheit auch gut gehütete Schätze.

      Mollenhauer gab diesen Typ ja auch bald auf und entwickelte eigene Formen. Bei diesem Flötentyp hatte wohl auch nicht nur Mollenhauer den Zugriff, der letzte Spross der Familie Hüller hatte die Rechte scheinbar auch noch. Als Als Kurt Hüller 1965 den Bau von Blockflöten einstellte, gingen unter anderem auch verschiedene Modelle in den Besitz von Ralf Schneider, auch ein Spross einer Instrumentenbauerfamilie, über und dieser baute ein Modell namens "Telemann", welches ziemlich genau dieser Bärenreiterflöte entspricht.
      Meinen Glauben habe ich verloren.
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