Birbyne eine litauische Hornpfeife

    • Birbyne eine litauische Hornpfeife

      Es gibt sie in drei Größen: Sopran, Tenor und Bass. Eigentlich sind es komplett unterschiedliche Instrumente. Die Sopranbirbyne ist eine physikalische Unmöglichkeit. Durch eine ausgefuchste Kombination von konischer und zylindrischer Bohrung überbläst sie in die kleine Dezime. In der unteren rechten Hand hat man eine chromatische Leiter. D.h. mit jedem Griffloch das man öffnet, wird man einen Halbton höher. In der linken, oberen Hand geht es dann diatonisch weiter und man erzeugt die Halbtöne dazwischen mit Kreuzgriffen, wie man es etwa von der Blockflöte gewohnt ist.
      Ich habe mir eine Tenorbirbyne zugelegt. Sie überbläst wie eine Klarinette in die Duodezime. Öffnet man ein Griffloch nach dem anderen, es sind derer zehn, erhält man eine C-Dur Tonleiter beginnend mit dem H bis zum f', wenn man die Duodezimklappe öffnet. Die Halbtöne erhält man, indem man ein Flohloch öffnet. Das ist das Griffloch für den linken Mittelfinger. Dieses Loch endet nicht direkt in der Innenbohrung, sondern ist der Eingang zu einem dünnen Metallrohr, das in der Innenbohrung bis nach oben zum Mundstück geführt ist. Greift man ein beliebigen Ton von c bis a und öffnet zusätzlich dieses Flohloch, wird der Ton um einen Halbton höher. Darüber hinaus braucht man für die Halbtöne dann wieder Kreuzgriffe. In der zweiten Lage geht es etwas unsystematisch bis zum g'' weiter. Die in der Grifftabelle angegebene Griffe führen bei mir teilweise zu um ein Viertelton zu tiefe Töne. Ich habe dafür aber schon zum größten Teil stimmende Alternativen gefunden. Einzig mit dem a' kämpfe ich noch. Ich hoffe, dass ein weicheres Blatt da Abhilfe schafft. Das muss ich mir aber erst noch besorgen. Benutzt werden gewöhnliche Tenorsaxophonblätter. Obwohl sich die Birbyne mit einem 2 3/4 Blatt schon deutlich leichter spielt, als mein Klarinette mit 2 1/2 Blättern, funktioniert sie bisher am besten, wenn ich das Blatt so aufbinde, dass es möglichst leicht anspricht. Jeden Ton einzeln anzuspielen, dass er stimmt und gut klingt, ist eine Sache, bis aber die Finger bei einer Melodie die Grifflöcher finden, ist es noch ein weiter Weg.
      Zweieinhalb chromatische Oktaven mit nur einer Klappe in der tiefen Lage ist schon genial und vom Aussehen her ist das Instrument absolut Mittelaltermarkt tauglich.
      Wie die Bassbirbyne funktioniert, weiß ich nicht. Sie klingt aber ähnlich wie ein Kontrafagott.
    • Ich habe mir das Instrument direkt beim Hersteller in Litauen bestellt. Von der Bestellung bis zur Lieferung hat es 6 Wochen gedauert. Er stellt sie erst einzeln nach der Bestellung her. Ich habe 367 € inklusive Versand gezahlt. Der Mann heißt Egidijus Virbasius (evirbas@gmail.com). Geliefert wurde das Instrument mit Etui, aber ohne Blatt.
      Mit Ausprobieren wird es schwierig. Ich kenne in Deutschland niemanden, der Birbyne spielt und du wohnst ja nicht gerade um die Ecke, sonst könntest du meines mal ausprobieren.
      Inzwischen kann ich schon einfache Stücke in der tiefen Lage spielen. Z.B. "Wach auf mein Hort" oder die zweite Stimme von "Imperayritz de la ciutat joyosa". Mit der zweiten Lage kämpfe ich wohl noch eine Weile und wenn dann noch Lagenwechsel angesagt ist, wird's noch schwieriger.
      Unter "Was hört ihr denn gerade" habe ich ein Video mit Sopran- und Tenorbirbyne im Duett verlinkt.
    • Hornpfeifen sind schon seit der Bronzezeit nachgewiesen. Die aktuellen Birbynen wurde aber erst im 20. Jh. aus einfachen diatonischen Vorläufern entwickelt. D.h. sie sehen zwar urig aus, sind aber im Grunde moderner als die Klarinette. Es ist also ähnlich wie bei den Schlüsselfiedel. Die sind seit dem 14. Jh. nachgewiesen, aber die chromatischen und erst recht die vierreihigen sind ebenfalls Kinder des 20. Jh.
      Das ist die Schizophrenie der Marktmusik, die Instrument müssen alt aussehen, sollen aber den modernen Hörgewohnheiten entgegen kommen. Auch die Gitarrenlaute ist moderner als z.B. ein Saxophon. Echte Mittelaltermusik in historischer Aufführungspraxis will die Masse nicht hören und die meisten Marktmusiker haben davon auch keine Ahnung. Ich selbst sehe mich auch als Folkmusiker und auf den Mittelaltermärkten eine Möglichkeit mit meiner Musik Geld zu verdienen.