Kinderstuhl von Lund

    • Kinderstuhl von Lund

      Hallo zusammen,
      eine Freundin hat mir die Zeichnung von dem Kinderstuhl aus Lund zukommen lassen.
      Nachdem ich heut mal ein wenig den google bemüht habe, bin ich etwas schlauer als vorher.... dennoch kam ich zu der Erkenntnis " Ich weis, dass ich nichts weis"

      Zum einen, wo und wie wurde dieser Stuhl befestigt?
      Hatte das Ding evtl Füße?

      Ich meine das Ding einfach auf nen Hocker stellen geht sowas von schief.

      Hat jemand evtl das Teil schon mal nachgebaut oder ausprobiert?

      Welches Holz käme da in Frage?

      Danke schon mal für eure Info
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • wenn ich das richtig lese, war das wohl Buchenholz

      hier mal ein Link in ein Pinterestalbum

      de.pinterest.com/b_bjarkarson/…3%B6bel-viking-furniture/

      Link=Quelle ?

      Die Scans sind wohl aus dem Buch
      Barbara Grodde "Hölzernes Mobiliar im vor- und frühgeschichtlichen Mittel- und Nordeuropa".


      mich irritiert diese Nase vorne bei den Stühlchen.... kann man dann davon ausgehn das der Stuhl doch wo festgemacht wurde?
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Ich habe absolut keine Ahnung, aber mir kam gerade eine Idee beim Betrachten der Bilder. Im Kindergarten meines Sohnes gibt es am Esstisch eine Sitzbank für die Kinder. Von der Art her ähnlich wie ein Treppenhochstuhl nur eben als Eckbank für mehrere Kinder nebeneinander. Die Größeren klettern selber rauf und sitzen ohne irgendwelche Sicherung drauf. Für die Kleinen kann man "Aufsätze" anbauen, damit sie halt haben und nicht runterfallen können. Diese "Aufsätze" sehen fast exakt so aus, wie die Bilder des Nachbaus, den den @Schwester_Amalia verlinkt hat. Vielleicht war es ja so ähnlich. Ein Kinderaufsatz montiert auf einen normalen Hocker/Bank. Aber wie gesagt, nur eine spontane Assoziation, kein Fachwissen.
    • Die Frage ist, muss das überhaupt auf einen Hocker ? Wer sich solchen "Luxus" gegönnt hat, hat evtl. eh bessere Stühle mit Armlehnen, und da kann man das Teil dann fest zurren. In einer Gemeinschaft teilt sich die Kinderbetreuung ganz anders auf, als in der heutigen Kleinfamilie - hat man solch einen Stuhl überhaupt benötigt ?
      Man liest 93 Bücher und weiß, das man immer noch zu wenig weiß - kann sich aber darauf verlassen, das jemand kommt und nach 5 Min Internetrecherche ganz genau im Bilde ist ...
      https://zeitensprung.blogspot.de/
    • Hmm..wozu einen Stuhl auf einen Stuhl stellen. Ich wage jetzt einmal zu behaupten, dass dieser Komfort (die Kinder auf der gleichen Höhe am Esstisch dabeizuhaben) eine eher "neuzeitliche" Anwendung ist.
      Kind in den Kindersitz und fertig. Auch wenn dieser auf dem Boden steht.
      Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition
    • Schwester_Amalia schrieb:

      Aber is das dann nich mühsamer mit dem Füttern?
      Da ich von Beruf Still- und Beikostberaterin bin, kann ich dazu ein paar Worte verlieren. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass Kinder schon immer so gefüttert wurden, wie wir es heute in westlichen Industrieländern als "normal" betrachten. Pürierstab und extra kleine Babylöffel sind relativ neue Erfindungen ;) Das gesamte erste Lebensjahr stellt Muttermilch die Hauptnahrungsquelle für ein Menschenkind dar. Essen ist zum Entdecken und Lernen gedacht. Extra Nahrung nur für ein Baby zuzubereiten, die dann zum (Groß)Teil nicht mal gegessen wird und diese dann auch noch zu füttern, ist insbesondere bei einem begrenzten Nahrungsangebot nicht klug und kostet viel Zeit. Die Natur hat es eher vorgesehen, dass Kinder wenn sie reif dafür sind (individuell unterschiedlich, meist um den 6. Monat herum) einfach beginnen an der ganz normalen Familienkost teilzunehmen. Und das macht total Sinn. Statt zwei mal zu kochen, bekommt das Baby ein bisschen von dem, was alle essen. Statt das Baby zu füttern, isst es selber und die Mama kann in der gleichen Zeit auch essen/ihrem Tagwerk nachgehen. Heute trägt diese ursprüngliche, natürliche Art der Beikosteinführung den schicken Namen "Baby Led Weaning" (auch oft Breifrei, Fingerfood oder babygeleitete Beikost genannt). Aber das Konzept ist Jahrtausende alt. Falls jemand mehr dazu erfahren möchte, kann er in Berlin gerne einen meiner Workshops besuchen ;)
    • ok selbst wenn wir davon ausgehn.das babys vom tisch mitgegessen haben....

      Mit 6 monaten kann kein baby alleine sitzen.
      Sass es dann in dem.stuhl am fussboden und wurde wie ein hund gefüttert?


      Dieses BLW macht mich trotzden skeptisch.
      Wenn ich jetz mal von meiner ausgeh die jetz.mit 11 Monate erst Zähne bekommt.
      Mit 6 Monate Stückchen die wär mit erstickt.
      Ich hatte es wirklich probiert. Die hat sich so sauber verschluckt das sie mir fast gar kein essen mehr genommen hätte.
      Gut geh ich.jetz von 1 jahr stillen aus könnt ich mir das eher vorstellen
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Schwester_Amalia schrieb:

      Wenn ich jetz mal von meiner ausgeh die jetz.mit 11 Monate erst Zähne bekommt.
      Mit 6 Monate Stückchen die wär mit erstickt.
      Ich hatte es wirklich probiert. Die hat sich so sauber verschluckt das sie mir fast gar kein essen mehr genommen hätte.
      Meine Kinder haben es ganz unterschiedlich gemacht mit dem Essen. Töchterchen hat schon mit etwa 6 Monaten an Karotten gelutscht und die sozusagen als "Beissring" missbraucht.
      Junior hat Brei komplett verweigert und mit etwa 11 Monaten direkt das gegessen was wir auch hatten. So nach dem Motto "ich klau jetzt mal dem Papi etwas aus dem Teller..."

      Ich kann mir gut vorstellen, dass Kinder ab dem Moment wo sie selber sitzen konnten einfach etwas mehr Sitzfläche bekommen haben und die Bank sozusagen als Tisch benutzt haben. Vorher sind sie wohl bei jemandem auf den Knieen gesessen während dem Essen. Das musste ja auch nicht unbedingt die Mutter sein. Tante, grosse Schwester, Grossmutter, vielleicht sogar eine Magd die gerade Zeit hatte und dann später gegessen hat.
      Damals war man nicht so kompliziert wie heute.

      Ich würde jetzt auch sagen, dass so ein Babystuhl damals Luxus war.
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit Grundschuel-Zauberschüelerin und Chindsgi-Zauberer
    • Also man sollte natürlich für Beikost (egal ob Brei oder BLW) die Beikostreifezeichen eines Kindes abwarten: der Zungenstoßreflex muss verschwunden sein, das Kind muss mit wenig Unterstützung aufrecht sitzen können und selbst Nahrung greifen und zum Mund führen können (Zähne sind nicht notwendig). Diese Dinge sind bei den meisten Kindern mit +/- 6 Monaten der Fall. Ist das gegeben kann ein Kind problemlos auf dem Schoß mit am Tisch sitzen und sich bedienen. Es gibt eine gute und aktuelle Studie, die gezeigt hat, dass BKW-Kinder sich nicht häufiger verschlucken, als Brei-Kinder. stillen-institut.com/de/baby-l…ide-studie-zum-thema.html

      Stillen nach Bedarf ist für BLW natürlich Voraussetzung. Aber das dürfte keine Frau des Mittelalters anders gemacht haben. Das natürliche Abstillalter des Menschen, wenn man nicht mit Kultur auf die Biologie einwirken würde, wäre individuell unterschiedlich zwischen 2,5 und 7 Jahren. Und auch heute lautet die offizielle WHO- Empfehlung sechs Monate ausschließlich stillen und dann unter Einführung geeigneter Beikost weiter stillen bis mindestens zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus solange es Mutter und Kind möchten.

      Ich kann aufgrund von Fachwissen, beruflicher und auch persönlicher Erfahrung definitiv sagen, dass BLW funktioniert. Bei tieferem Interesse kann ich gerne weitere Informationen bereitstellen. Ich will aber deinen Thread nicht kaputt machen.

      Ich bleibe bei der Vermutung, dass der Stuhl nicht unbedingt zum Essen notwendig war. Er könnte vielleicht schlicht ein halbwegs sicherer Ort zur "Aufbewahrung" ;) eines Kindes gewesen sein. Und wie Zauberin schrieb, war er bestimmt auch nicht in jedem Haus zu finden.
    • Ich befürchte auch das bei diesem Stuhl die Ähnlichkeit mit modernen Kinderhochstühlen zu einem Fehlschluss führt. Mich erinnert er stark an diese Kindersitze auf Schlitten. Daher geht meine Vermutung in Richtung sicherer Kinderverwahrung bei Reisen oder wenn sich keiner um das lütte kümmern konnte.

      Was das füttern anbelangt sollte man die damaligen Speisen nicht ausser Acht lassen. Sie dürften oft stark Breiorientiert gewesen sei.
      Im Kopf Geschichtsnah
      In der Praxis eher GroMi
      Letztes Viertel 12tes Jh.
      Tippfehler? Ich schreibe meist vom Mobiltelefon
    • Nein Marie ixh finde es sehr interessant.
      Evtl hätte ich dek Threat umbennenen sollen in "Babys im Mittelalter" oder so.

      Die ganzen Anregungen klasse.

      Wenn wir also davon ausgehn das dieses Stühlchen etwas reichere Bürger hatten....
      Unm evtl das Baby zu parken, hatte die nich Babysitter und Ammen?

      Aber ja, genau aus dem Grund hatte ich mir das Stühlchen/ Lade überlegt. Einfach mal kurz mein Kind wo " aufräumen" wenn man mal die Hände frei braucht und das Kind aber nich durch die Gegend krabbeln soll
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Schwester_Amalia schrieb:

      Unm evtl das Baby zu parken, hatte die nich Babysitter und Ammen?
      Höchst wahrscheinlich schon, aber wenn da mehrere Kinder in unterschiedlichem Alter waren kann da ganz schön viel Action sein - besonders bei schlechtem Wetter oder im Winter wenn alle im Haus waren.
      Wenn ich da nur schon an Töchterchen und Junior denke wo schon ständig viel läuft, dazu noch ein Kleines das mehr Betreuung braucht... Und wehe die Grossen streiten....
      Ich denke, dass so ein Stuhl sicher praktisch war um das Kleine "in Sicherheit" zu parkieren wenn Amme und/oder Kindermädchen beschäftigt waren weil die grösseren und/oder kleineren Kinder gerade betreut werden wollten.

      Praktisch für reiche Bürger und Adlige, für Bauern aber "unsinnig" weil eh zu wenig Platz da war und die Kinder mit zur Arbeit genommen wurden. Grössere Geschwister passen auf die Kleinen auf und stillen konnte Bauern-Mama auch am Feldrand.
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit Grundschuel-Zauberschüelerin und Chindsgi-Zauberer
    • Also ich finde Heinrich hat da einen Punkt. Nur weil es uns an ein Babystühlchen erinnert, muss es noch lange keines sein. Was mich angeht, könnte das auch ein Regaleinsatz mit Handtuchhalter oder 100 andere Dinge mehr gewesen sein.
      Als "Aufbewahrungsort" auf dem Boden macht es für mich keinen Sinn. Da ist es am ehesten kalt, schmutzig, nass und von dem ganzen Viehzeug will ich erst gar nicht anfangen.
      Der Platz am Tisch war im Mittelalter soweit ich weiß auch ein gewissens Zeichen von Status. Da wird man das Kind nicht auf den Boden gestellt haben oder?.

      Es irgendwie anders am Tisch anzubringen, käme mir auch eher komisch vor. Stuhlbeine sind einfach ein simples und funktionales Konzept. Warum sollte man sich irgendwelche komplizierten Umwege ausdenken und es irgendwie mit Klemmvorrichtungen am Tisch befestigen oder auf einen der wenigen Stuhl stellen, der dadurchfür andere unbenutzbar wird.

      Es gibt auch genug Kulturen die ohne solche Stühle noch nicht ausgestorben sind. Wurden Kinder früher nichteinfach ordentlich in eine Decke eingewickelt, damit sie nicht rauskamen? Was ist mit Tragetüchern?

      Bei dem kleinen Ernährungsexkurs kam mir der gedanke, dass man dem Baby die Nahrung ja auch vorgekaut haben könnte. Pürierstab gabs schon, nur eben... Bio...
    • das mit dem vorkauen machen manche Naturvölker heut noch.
      Wärend bei uns bekommst du ne Predigt über Mundhygiene bei Babys. Angefangen von Schnuller nicht ablecke pder Löffel vom Baby nicht in den eigenen Mund bis hin zum ersten Zahn sofort regelmässig putzen.
      Manchmal frag ich mich wirklich wie es die Menschheit geschafft hat nicht auszusterben....

      Ja wegen dem Stuhl hab ich gestern mit unserem Archäologen gesprochen
      Auch er war skeptisch. Deswegen werd ich erstmal drauf verzichten.
      Wir ham ja noch die Wiege
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Schwester_Amalia schrieb:

      das mit dem vorkauen machen manche Naturvölker heut noch.
      Wärend bei uns bekommst du ne Predigt über Mundhygiene bei Babys. Angefangen von Schnuller nicht ablecke pder Löffel vom Baby nicht in den eigenen Mund bis hin zum ersten Zahn sofort regelmässig putzen.
      Manchmal frag ich mich wirklich wie es die Menschheit geschafft hat nicht auszusterben....
      Genau, in manchen Völkern war und ist Vorkauen noch heute üblich. Natürlich weiß niemand von uns, wie es in Europa vor einigen Jahrhunderten und Jahrtausenden zuging. Aus den Jahrhunderten in denen Menschen ihr Leben bereits in Wort und Bild festgehalten haben, das Babygläschen jedoch noch nicht erfunden war, gibt es allerdings keine Hinweise auf die Praxis des Vorkauen in Europa.

      Diese "Panik" bezüglich der Mundhygiene ist übrigens sinnlos. Karies wird verursacht durch Streptococcus mutans. Der Keim wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und die Durchsäuchungsrate der Bevölkerung liegt bei naehzu 100%. Demnach ist es so gut wie unmöglich das Kind damit nicht anzustecken. Es macht Sinn darauf zu achten keinen offenen Karies zu haben um den Keimdruck gering zu halten. Aber ansonsten ist eher Entspannung als Vorsicht anzuraten.

      Asprian schrieb:

      ...Als "Aufbewahrungsort" auf dem Boden macht es für mich keinen Sinn. Da ist es am ehesten kalt, schmutzig, nass und von dem ganzen Viehzeug will ich erst gar nicht anfangen...


      ...Wurden Kinder früher nichteinfach ordentlich in eine Decke eingewickelt, damit sie nicht rauskamen? Was ist mit Tragetüchern?...
      Aus Sicht einer Mutter würde ich mein Kind lieber kurzzeitig kalt, schmutzig und mit Viehzeug am Boden parken, als irgendwo erhöht wo es herunterfallen kann. Das mit dem Pucken (eng einwickeln) stimmt. War früher üblich und ist es heute in manchen Kulturen noch. Allerdings geht das nur so lange die Kinder noch nicht mobil sind, also nur ein paar wenige Monate. Für Tragetücher gibt es glaube ich (leider) keine Belege in Europa. Wenn du da etwas hast, würde das viele Mamas (und mich) aber ziemlich freuen.

      Aber es stimmt natürlich trotzdem, es kann alles möglich sein außer einem Kinderstuhl.
    • Marie87 schrieb:

      Für Tragetücher gibt es glaube ich (leider) keine Belege in Europa. Wenn du da etwas hast, würde das viele Mamas (und mich) aber ziemlich freuen.
      Schau mal hier: wh1350.at/de/alltag-um-1350/ki…n-von-babys-kleinkindern/ (Link=Quelle)
      Die haben alle möglichen Tragevarianten getestet.
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit Grundschuel-Zauberschüelerin und Chindsgi-Zauberer
    • Zauberin schrieb:

      Marie87 schrieb:

      Für Tragetücher gibt es glaube ich (leider) keine Belege in Europa. Wenn du da etwas hast, würde das viele Mamas (und mich) aber ziemlich freuen.
      Schau mal hier: wh1350.at/de/alltag-um-1350/ki…n-von-babys-kleinkindern/ (Link=Quelle)Die haben alle möglichen Tragevarianten getestet.
      Wow, das ist ein super cooler Link! Vielen Dank fürs Teilen!