Keilerwaffen präparieren

    • Keilerwaffen präparieren

      Heutzutage wie wahrscheinlich auch dazumals werden die Waffen von Keilern als Trophäen genutzt.
      Um sie zu präparieren werden sie nach dem abkochen vom hängengebliebenen Fleisch befreit und danach mit konzentrierten Wasserstoffperoxid (H2O2) gebleicht. Wenn dann alles trocken ist füllt man es mit Acryl oder auch Holzleim. Danach kommt es auf ein Brett, was jetzt aber nicht großartig betrachtet werden soll.
      Die Frage ist, wie wohl früher die Sache bewältigt wurde. Bleichen mit H2O2 fällt wohl weg, denn das gab es einfach nicht. Bei dem verfüllen kann ich mit vorstellen einfach Haut- oder Knochenleim zu verwenden.

      Was denkt ihr darüber und wie könnte man die Waffen helleren bekommen?
    • Keilerwaffen bzw. das Gewaff bezeichnet die Haderer im Oberkiefer sowie die Hauer im Unterkiefer.
      Ich gehe stark davon aus das sich erfolgreiche Jäger mit ihrer Beute auch rühmen wollten, wie sich in den Jagdschlössern, z.B. Moritzburg, in Form von Geweihen zeigt. Jagdausflüge wurden von dem Adel auch gern unternommen.
      Sich die Keilerwaffen als Trophäen zu präparieren ist unter Jägern auch weit beliebt und eine lange Tradition. Daher das eine Wildschweinjagd aufwendig und auch riskanter war als Rotwildjagden denke ich, dass das Gewaff auch früher schon eine begehrte Trophäe war.
    • Als Trophäe, Schmuck oder sogar Rüstungsmaterial werden sie nachweislich schon seit der Steinzeit verwendet

      Völerkwanderungszeitlich, Germanisches Nationalmuseum Nbg, Bild gemeinfrei

      Mykenisch, 14.jhdt v.Chr. Archäolog. Museum Athen, Bild gemeinfrei

      Speziell größere Zähne zu präparieren ist nicht so einfach, wie man meinen sollte, da die große Härte des Zahnschmelzes sie zwar hart, aber eben auch bruchanfällig macht.
      Es ist erstaunlich, wie dünn das Zahn(schmelz)material hinten am Ansatz ist, wenn man das verderbliche Zahninnere erst herausgelöst hat.
      Zum Haltbarmachen der Zähne müssen sie zuerst innerlich von allem organischem Gewebe befreit werden, das ist ein ziemliches Gefrickel mit Draht oder Stäbchen. zwischendurch und danach gut spülen. Danach auskochen, dabei übrigens darauf achten, dass die Hauer nicht in Kontakt mit dem heißen Topfboden kommen, sie können sonst springen. Auch das Trocknen darf nicht zu schnell geschehen, da sonst Trocknungsrisse entstehen können. Auskochen allein reicht nicht, da auch gekochtes Gewebe faulen und schimmelt kann. Wichtig ist auch noch gutes Entfetten mit Alkohol.
      Die Hauer zu bleichen ist, denke ich, meistens gar nicht wirklich notwendig, die Verfärbungen sind wohl eher oberflächlich. Man kann sie mit etwas Schleifpaper (historisch: feiner Sand oder Aschepulver) abschleifen. Wenn gebleicht wurde, dürften wohl leicht alkalische Stoffe Verwendung gefunden haben.
      Von den Römern ist eine Haarbleiche aus Ziegenfett und Birkenasche (=alkalisch) überliefert. Bei Säuren und Laugen muss man natürlich aufpassen, die Zähne nicht zu lange da drin liegen zu lassen. Wenn Du Lust hast, probier das mal aus und berichte über Deine Erfahrungen. 8o
      (Quelle zur Birkenasche: Google Books)

      Beim Verfüllen würde ich auch zu Knocheleim oder Pech tendieren, man liest oft von Wachs, aber Wachs und Knochen verbindet sich nicht ordentlich.

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    • Hier mal ein paar Bilder ....
      Das erste ist bevor es abgekocht wurde und das zweite die abgekochten Waffen mit einigen Zähnen, die ich mir aufgehoben habe (vielleicht kann man es ja mal gebrauchen :D )
      Das Bleichen mit Holzasche werde ich die tage mal ausprobieren, da kommen dann noch ein paar mehr Bilder. :thumbsup:
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    • Soo nach einiger Zeit im Aschebrei sieht es doch etwas heller aus. Ein Ergebnis wie mit H2O2 ist es nicht, aber damit habe ich schon gerechnet. Die mit Wasser versetzte Asche wird schmierig wie Seife und hinterlässt auch so ein Gefühl auf der Haut. Allerdings würde ich meine Hände nicht zu lang darin lassen, da es schon nach kurzer anfängt zu brennt wenn man das Zeug auf der Haut hat. Habe gelesen das es einen pH-Wert von 11 haben soll, also schon ziemlich basisch.

      Das Ergebnis stellt mich durchaus zufrieden ich werde das auch nochmal mit Knochen probieren.
      Jetzt trocknet das ganze schön langsam und wird dann gefüllt, wobei ich auch überlege Leim aus Milch herzustellen, bei dem ich mir nur nicht sicher bin wie wasserfest er ist. Das wird dann das probieren zeigen.
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    • Nach dem Trocknen habe ich die Waffen gefüllt und fix ein Loch durch gemacht und schwupps an die Kette :D
      Das Trocknen ging vermutlich zu schnell, weshalb die Hauer einen Riss bekommen haben. Die Füllung hält das aber gut zusammen. Auch ist bei einem Haderer ein Stück abgeplatzt.
      Das Bad im Aschebrei war wohl auch etwas lang... Sie sind zwar schön hell geworden aber die Oberfläche ist sehr raus nach der Prozedur.

      Alles in Allem ist es für das erste mal gut geworden und beim nächsten Mal wird es sicherlich besser.
      (Vielleicht lasse ich sie mir dann auch in Bronze o.ä. fassen)

      Wenn ihr mal sowas in die Hand bekommt kann ich nur empfehlen es zu probieren, denn das Resultat lohnt sich sehr.
      Anbei noch ein kleines Bild vom Resultat.
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    • Ja, so hart wie die Dinger auch sein mögen, sie sind empfindlicher, als man denkt.
      Ich kann da aus der Präparierzeit im Biostudium (Käferkasten & Co...) das ein oder andere Liedchen singen über Präparate, die einem unter der Hand wegbröseln. :heul
      Wenn sie zu rau sind, kannst Du ja mal versuchen, sie mit Geduld und Muse abzuschleifen. Ganz sachte, mit (Birken?)Aschepulver.
      Nimm saubere, selbstgemachte Asche, nicht die Reste billiger schwefelhaltiger Grillbriketts.
    • Ich kapier das mit der Asche und dem Bleichen noch nicht so ganz. Wozu? Hab ja viele so Waffen aufzumachen jedes Jahr, aber gebleicht wird da nie was.

      Bei der Füllmasse muss darauf geachtet werden, dass sie 1. mit dem Untergrund eine Verbindung eingeht, an den Zähnen haftet und 2. möglichst formstabil bleibt. Gesprungene Waffen lassen sich ohne weiteres im Wasserbad wieder in die ursprüngliche Lage bringen. Um dann ein nochmaliges springen zu verhindern benutze ich historisch unkorrekt, Araldit. Araldit lässt sich übrigens auch verdünnen, damit es besser fliesst und überall eindringt. Geht einfach mit etwas Brennsprit.