Wehrgehänge / Wicklung / Schwertgurt in "Z-Form", spätes 12. Jhd. und 13. Jhd.

    • Wehrgehänge / Wicklung / Schwertgurt in "Z-Form", spätes 12. Jhd. und 13. Jhd.

      War hier etwas falsch gewickelt? :whistling:


      (Bildquelle: Ritter Erasco)

      Ja, so könnte man es sagen. ^^ Schon länger plane ich, die Dominanz der "Naumburger Wicklungen", die man an etlichen Scheiden meiner Blankwaffensammlung vorfindet, etwas zu minimieren. Sie ist zwar nach wie vor meine Lieblingswicklung, passt aber leider nicht für Darstellungen, die um 1200 herum angesiedelt sind. Das hat mich früher nicht sonderlich "Wahnsinnig" gemacht, aber... die Zeiten ändern sich.

      Nun war es so weit und die ersten beiden (von insgesamt vier) Scheiden werden umgebaut. Sie gehören zu zwei Oakeshott Typ XII Schwertern (mit den Knauftypen E & N). Die anderen beiden Scheiden gehören zum einen zu einem Typ X (mit Knauftyp A) und zu anderen zu einem frühen Langschwert, in diesem Fall einem Typ XIIIa (mit Knauftyp H). Sie folgen dann voraussichtlich im August.

      Im Buch "Rüstung-Gewandung-Sachkultur" von Gösta Ditmar Trauth, dass etliche zeitgenössische Abbildungen zu diesem Thema aufgreift und erläutert, fand ich auf S. 44 ein Rekonstruktionsvorschlag für die Aufhängung von Schwertscheiden nach den Darstellungen in der Manessischen Liederhandschrift.
      Dieser zeigt eine der gängigsten "Muster", nämlich die in "Z-Form", die bereits auch im späten 12. Jhd. auf Abbildungen (z.B.: Bamberger Psalter / Hortus Deliciarium / u.a.) so ganz ähnlich zu finden ist (und zwar richtig herum, wie auch spiegelverkehrt). Mit etwas "Tüftelei" bekommt man das ganz gut auf Papier und später aufs Leder übertragen.

      Eine weitere Variante der "Z-Wicklung" (von König Sancho IV. von Kastilien) wird im Buch "Fibel- und Gürtelmode der Hochgotik" (auch von G. Ditmar-Trauth) auf S. 60 aufgezeigt. Zudem werden weitere Wicklungsvarianten gezeigt (z.B.: eine sehr ansehnliche Variante mit einem Doppel X" von einer Skulptur aus der Kathedrale von Reims). Ob alle vier im gleichen Design umgesetzt werden, weiss ich noch nicht. Vielleicht wird auch noch etwas anderes ausprobiert.

      Wenn die Stücke fertig umgebaut worden sind, melde ich mich wieder mit Bildern. :thumbup: :bye01



      Quellen für diesen Beitrag:

      -Rüstung Gewandung Sachkultur des deutschen Hochmittelalters, von Gösta Ditmar-Trauth, 1999, Karfunkel Verlag
      -Fibel- und Gürtelmode der Hochgotik, von Gösta Ditmar-Trauth, 2000, Karfunkel Verlag
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

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    • Hier wäre mal die erste überarbeitete Wicklungsinterpretation zu sehen:


      (Bildquelle: Ritter Erasco)

      Ritter Erasco schrieb:

      Dieser zeigt eine der gängigsten "Muster", nämlich die in "Z-Form", die bereits auch im späten 12. Jhd. auf Abbildungen (z.B.: Bamberger Psalter / Hortus Deliciarium / u.a.)
      In den im Eingangspost genannten (und weiteren) Quellen sind die Wicklungen allerdings mehrheitlich ohne die beiden auslaufenden "Zipfel-Enden" abgebildet. Da ich allerdings die Scheide mit dem herrlichen rot-braunen Leder nicht neu beziehen lassen wollte, musste ich alle nicht abzudeckenden "alten" Öffnungen, die die erste Wicklung benötigte, auch wieder neu mit Leder besetzen lassen.

      Diese "Zipfel-Enden" sind aber auch in Kombination mit dieser Wicklungsvariante belegt. Man findet sie z.B. auf Abbildungen im Hortus Deliciarum aus dem Elsass im heutigen Frankreich (der aber zwischen ~988 bis 1254 zum Herzogtum Schwaben im HRRDN gehörte).


      (Bildquelle: Forum für lebendige Geschichte.ch)

      Es geht bald mit der zweiten Scheide weiter. Sie wird eine (im Detail) andere Wicklung als die gerade gezeigte Scheide erhalten. Lasst euch überraschen. 8o
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Ritter Erasco schrieb:

      Es geht bald mit der zweiten Scheide weiter. Sie wird eine (im Detail) andere Wicklung als die gerade gezeigte Scheide erhalten. Lasst euch überraschen.
      Und das wäre Interpretation Nummer zwei:


      (Bildquelle: Ritter Erasco & pinterest)

      Die Reparatur einer Schadstelle am Holz sieht man (leider) ziemlich deutlich durch das Leder scheinen. Aber gut... nun ist es so...
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

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    • Also ich glaub das mit der Reparaturstelle siehst Du ganz besonders deutlich, weil Du weisst dass sie da ist - ich musste erstmal danach suchen.
      Was für Leder hast Du für den Gurt genommen? Kriegt man das strahlende Weiss nur mit moderner Chemie hin oder geht das auch mit "historischen" Methoden? Ich frag aus Interesse, das Thema hab ich gerade anderweitig am Wickel gehabt.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Katharina de Lo schrieb:

      Was für Leder hast Du für den Gurt genommen? Kriegt man das strahlende Weiss nur mit moderner Chemie hin oder geht das auch mit "historischen" Methoden? Ich frag aus Interesse, das Thema hab ich gerade anderweitig am Wickel gehabt.
      Das ist Leder aus dem Sattlerbedarf und wurde mit modernen Mitteln gegerbt. Es ist (im Vergleich zu einer meiner Wicklungen die noch mit Alaun und Fett gegerbt wurde*) etwas "strahlender". Das gibt sich aber, wenn es ein paar Mal mit Öl vom Rinpanzer etc. in Berührung gekommen ist.

      *Die kombinierte Alaun Fettgerbung wurde früher im Millitär z.B., noch für Geschirrleder verwendet und noch bis in die 1980er in der Orthopädie für Riemenleder. Ich habe gelesen, dass im Mittelalter auch Leder (z.B. für weisse Handschuhe, Riemen und auch zur Färbung von Fehpelz) mit Alaun gefärbt wurde. Mein Handwerker (der Sattler ist) hatte noch einige Restbestände, die mittlerweile aber auch aufgebraucht sind. Er kommt (trotz guter Beziehungen in alle Himmelsrichtungen) derzeit an keines mehr heran. Wer also noch jemanden kennt, der jemanden kennt... ich hätte auch immer Interesse.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

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    • Ritter Erasco schrieb:

      [...] und zu anderen zu einem frühen Langschwert, in diesem Fall einem Typ XIIIa (mit Knauftyp H). Sie folgen dann voraussichtlich im August.
      August ist es nicht mehr ganz, aber egal. :D Die Hilze wurde heute "in Angriff" genommen und neu gestaltet. Ein recht grosses Teil... aber es ist ja auch ein "recht langes Schwert" (das allerdings immer noch nicht an die von Oakeshott angegebenen "Maximallängen" für diesen Typus heran reicht).


      (Bildquelle: ich)

      Das Leder wird nun noch an der Rückseite vernäht und kommt auf die Angel, der Knauf wird montiert und vernietet und dann geht es endlich mit der Scheide weiter. :thumbup:
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Ich bin grade so froh mich in dem Forum angemeldet zu haben.
      Ich überlege seit zwei Wochen wie ich so einen Z-Gurt für die Scheiden von meinem Schwert machen soll und finde keine Anleitung - die Versuche das von Fotos abzuleiten haben nur zu zerschnittenem Leder und kaputten Papiermodellen geführt. Könntest du ein Foto oder eine Schematische Zeichnung posten wie du das Leder dafür geschnitten und befestigt hast?
      Ist der Gurt zweigeteilt oder durch den Riemen der das Z bildet verbunden?
      Danke im Vorraus.