Kopfbedeckung - endlich sitz alles!

    • Kopfbedeckung - endlich sitz alles!

      Ich habe mich die ganzen Jahre immer geärgert wenn die diversen Teile der Kopfbedeckung ständig irgendwie verrutsch sind.
      Jetzt habe ich mir einen "3-Teiler" bestehend aus Kinntuch, Stirn- oder Teilgebende sowie Schleiertuch genäht. Material: feines Leinen.
      Das einzige was ich evtl. noch ändern werde ist die Höhe des Stirnbandes. Es erscheint mir etwas zu hoch wenn der Schleier darauf befestigt ist und schaut dann doch irgendwie nach "Nonne aus. ;)
      Statt des Stirnbandes kann man auch eine Schapel benutzen. Das werde ich das nächste Mal testen - bin nicht so der Schapelfreund, da die Dinger immer etwas drücken.

      Wir alle sind unsterblich - die Natur vergeudet nichts.
    • Gesine schrieb:

      schaut dann doch irgendwie nach "Nonne aus.
      aber das ist dann authentisch.... :D Ich musste mich auch erst daran gewöhnen.

      Schapels drücken nicht ganz so, wenn sie innen einen Lederstreifen haben.
      Mein Lebensmotto: "Maxime peccantes, quia nihil peccare conantur" - Wer nicht zu sündigen wagt, begeht die grösste Sünde. - Erasmus von Rotterdam
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    • Sieht schon schick aus. Ich würde noch versuchen den "Scheuklappeneffekt" etwas zu minimieren indem ich das Kinntuch etwas mehr unter als vor dem Kinn anlegen würde. Und vielleicht kannst Du ja auch noch mal mit einer anderen Schleierform experimentieren - ich könnte mir vorstellen dass ein halbrunder Schleier in dem Arrangement auch gut aussehen würde, weil Du den nicht so weit in die Stirn ziehen müsstest. Aber da gibt es sowieso keine allgemeingültige Lösung, da findet jede irgendwann "ihre" Idealform. Ich experimentiere auch immer mal wieder ein bisschen rum...
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • das Kinntuch kann durchaus unter dem Kinn sitzen. Hab ich schon positiv getestet. Je nachdem wie weit hinten ich das Kinntuch ansetze auf dem Kopf. Und dieser "Scheuklappeneffekt" (coole Bezeichnung ;) ) wird bestimmt weniger wenn ich wie geplant das Stirnband schmaler mache.
      Und einen halbrunden Schleier - mach ich mir - gute Idee :)

      Gesine
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    • Die Stirnbinde würde ich etwas schmaler machen, das hast Du ja schon erwähnt. Im Moment hat es eher den Huteffekt, weil der Schleier einfach zu hoch sitzt. Bei mir könnte man den Schleier auch etwas tiefer ziehen, man sieht den Haaransatz, aber so kannst Du sehen, wie breit ich die Stirnbinde habe:



      Der Schleier, den ich benutze habe, ist ein Halbkreis. Wobei ich auf meinem Avatarfoto auch einen Vollkreis habe, der ist aber aus ganz weicher und leicht fallender Wolle. Leinen steht da etwas mehr ab.

      Als Kinnbinde kann man dann entweder - wie bei mir - einen schmalen Streifen nehmen oder wie bei Dir einen breiteren, der dann auch den Hals komplett mit bedeckt.

      Wenn ich den Hals bedecken will, nutze ich lieber einen sog. "Schlauchschleier", da entfällt dann auch die Stirnbinde. Ich hoffe mal, auf dem linken Foto kann man es gut erkennen. Auf dem rechten dürfte ich auch so wie Du ein breiteres Kinntuch benutzt haben, dann allerdings adäquat zum Wollmousselinschleier eines aus dem gleichen Material. Die Schleier sind auf diesen Bildern übrigens einfach rechteckig (ca. 50 x 150 cm)



      Man kann auch zum Schlauchschleier oder der Kinnbinde einfach einen viereckigen Schleier komplett ohne anderes Zubehör drapieren:



      Ist dann allerdings auch Wolle, fällt einfach schöner und hält im Winter den Hals vorne und hinten warm.

      Schapel zum Schleier macht sich auch bei Seide gut:



      Und auch farbig kann man es machen:



      Du siehst, Schleiermöglichkeiten gibt es viele. Ich gehe mal davon aus, dass damals die Damen auch wenig Verschnitt haben wollten und nutze daher recht viele rechteckige Schleier. Erstens versäubern sich die Kanten einfach leichter als bei einem halbrunden oder runden ausfransenden Stoff, zweitens fallen die einfach schöner und sehen eher so aus, wie auf den Bildnachweisen aus der Epoche.

      Ich würde aber auf jeden Fall dünne Wolle (Mousselin) bzw. weich fallende Seide (für Adel) empfehlen. Leinen ist manchmal einfach zu steif.
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    • Vielen Dank für die bildunterstütze Hilfe! :)

      Ich habe einen Schleier aus Wolle. Und der fällt - wie Du ja auch schon gesagt hast - sehr locker. Ist mir nur im Sommer zu warm. Und das Kinntuch ist eine Art Schlauch. Ein Rechteck welches ich oben auf dem Kopf - da wo sich die Seiten treffen -mit ein paar Stichen geschlossen habe. Dadurch sitzt das Ganze jetzt perfekt. Ich hab vorher mit Nadeln gearbeitet - nicht so wirklich meins. So ein schmales Gebendeteil für unter das Kinn besitze ich ebenfalls. Aber ich find das eher unbequem. Sitz es zu locker rutscht es hin und her. Sitz es richtig fest, bekomme ich den Mund nicht mehr auf.... ;) Zudem liegt das Teil über den Ohren - ich höre dann nicht mehr richtig. Daher ist meine 1. Wahl das Kinntuch in Form eines Schlauchschleiers. Ich werde mir noch so ein Teil machen - und das dann komplett als Schlauch schließen. Dann kann man tatsächlich die Stirnbinde weglassen. Guter Tip.
      Mit Schapel nehm ich das eigentlich nur als "Landgräfin" - also Adel. Gesine mags eher bequem ohne Druck. Aber auch farbig. Ich habe einen rauchblauen und einen roten Schleier.... ist schick ;)
      Was ich noch für einen unbezahlbaren Vorteil an der Kinntuchvariante halte: Kein Doppelkinn ist zu sehen... :D Perfekt.
      Übrigens finde ich, dass Dir sämtliche Kopfbedeckungsvarianten sehr gut stehen..... schaut wirklich toll aus! :)


      Gesine
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    • Dann tu ich auch noch mal meinen Erfahrungsbericht dazu bzw. gebe meinen Senf zu ein paar Punkten dabei:

      Ich habe mehrere Schleier aus sehr feinem (Schleier)Leinen, das fast durchsichtig ist und überhaupt nicht steif, sondern sehr schön weich fällt. Einen Schleier aus Wollmousselin mache ich mir gerade, bisher habe ich daraus nur einen Wimpel von dessen Trageeigenschaften ich aber sehr begeistert bin.
      Und was das "stramme Gefühl" bei der Kinnbinde aus Leinen angeht - das fühlt sich nur zu Anfang so an. Nach einer Weile dehnt sich das Leinen beim Tragen und die Kinnbinde wird dann regelrecht locker. Ich zurre die Kinnbinde immer mit Absicht beim Anlegen ordentlich fest, damit sie nach einer Stunde oder so nicht zu sehr schlackert...
      Und ein letzter Punkt noch: ja, man hört unter der Kinnbinde nicht mehr ganz so gut, aber das kann durchaus seine Vorteile haben.... ;) ("Nein, Schatzi, ich habe nicht gehört dass Du gesagt hast ich soll das nicht kaufen....ich hör doch mit Gebende so schwer...!") :D :D :D
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    • Gesine schrieb:

      Sitz es richtig fest, bekomme ich den Mund nicht mehr auf....
      Und auch das wäre wieder vollauthentisch. Die Damen damals haben den Mund weder zum Dazwischenreden noch zum viel essen aufbekommen... :D

      Über das Wollmaterial mach Dir mal keine Sorgen,unter Mousselin schwitzt man auch nicht mehr, als unter Leinen.

      Alternativ habe ich mir mal einen Schlauchschleier aus dünner naturfarbener Bouretteseide genäht. Ist nicht "A", das weiß ich selbst, aber den Unterschied zu einer etwas gröber gewebten leichten Wolle soll mir erst mal einer nachweisen. Trägt sich aber hervorragend und ich nutze ihn auch ganz gerne für meine Zisterzienserinnen-Darstellung:



      Der ist aber auf Maß geschnitten und komplett von oben bis unten am Hinterkopf zugenäht, daher fällt es unten auch so schön rund und in vernünftigen Falten. Darunter habe ich noch ein Stirnband aus dem gleichen Stoff, das unter dem Pferdeschwanz einfach zusammengeknotet wird. Schleier drüber (der ist dann wieder halbrund, aber für die Nonne habe ich dann auch entsprechende Belege) und mit zwei Nadeln an den Seiten festgesteckt. Sitzt bombenfest.
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    • Ich trage auch gerne Schleier. Bisher nutzte ich meist einen Halbkreisschleier mit Wimpel als Unterbau oder in Kombination mit Gebende (wobei ich dann zusätzlich meine kurzen Haare unter einer Haube verschwinden lasse). Dann aber meist den Scheider über dem Stirnband festgesteckt nach Art der Marien aus der Mauritiusrotunde in Konstanz getragen.

      Im Schnüttgen-Museum in Köln sind auch diverse Frauenstatuen aus dem Hochmittelalter (meine Zeit ist das 13. Jhd.) mit Rückseite zu sehen (man kann drum herumgehen). Leider alle mit Zipfeln im Rücken, d.h. ein zumindest hinten rechteckiger Schleier.

      Da Marienstatuen oft eine Krone tragen, würde ich den Schleier aber auch manchmal als halbrund einordnen – dann aber mit der runden Seite nach vorne getragen. Anders lassen sich für mich die weichen Wellen nicht erklären.

      Bei den SpäMi-Schleiern ist es mit den üppigen Wellen (und der gekrausten Kante am Schleier – kein Kruseler) noch deutlicher.

      Ich habe also meinen Schleier auf eine rechteckige Form umgestellt, wobei ich mit dem Fall/Form noch nicht wirklich zufrieden bin. Das bedeutet für mich als Aufgabe für den Winter: Schleier-Experimente mit bomull (Günstig-Stoff von I.EA). Bei einigen Schleiern (Mauritius-Rotunde) sind auch bestimmt Falten gelegt, um den Fall zu bewirken.

      Und zum Gebende: Ja es versteckt das Doppelkinn bzw. strafft. Aufgrund genau dieser Wirkung soll es der Legende nach von Eleonore von Aquitanien erfunden worden sein. Auf ihrem Grabmal – als Abguss von 1912 zu sehen in der Richard-Löwenherz-Ausstellung in Speyer - trägt sie auch ein Kinnband, das unter dem Kinn schmaler geschnitten ist und zu den Ohren hin breiter wird.


      LG Aleidis
    • Aleidis schrieb:

      ein Kinnband, das unter dem Kinn schmaler geschnitten ist und zu den Ohren hin breiter wird.
      genau so ist meines auch. Dann drückt nichts auf den Ohren, wenn sie ganz verdeckt sind, es entstehen aber auch keine Falten unterm KInn, weil es dort schmaler ist.
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