Mein Modellbau-Ritter

    • Mein Modellbau-Ritter

      Herzlich willkommen bei meinem Irrsinnsprojekt: Die Darstellung eines gotischen Ritters auf seinem Streitross.

      Alles hat seinen Anfang, und in diesem Fall habe och mit dem Reittier angefangen. So stand das Ohrdrufer Schaukelpferd bei uns in der Küche:




      Und ja, reichlich zerzaust, mit dünnem Fell und dürftigem Schweif. Was mir aber viel wichtiger war, war das Grössenverhältnis zu meinen 70 cm-Puppen. Für heutige Verhältnisse wäre das eher ein Pony, aber für ein mittelalterliches Pferd fand ich ihn grade richtig.
    • Selbstverständlich konnte das Pferd aber so nicht bleiben. Nachdem ich ihm das Fell abgezogen und die Ohren entfernt habe, sah er dann so aus:

      Natürlich konnte er so nicht bleiben. Nach vielen Stunden Arbeit galoppierte er dann so durch unseren Garten:


      Und das ist das, was ich bis jetzt habe:

      Orientiert habe ich mich an der "Armou for man and horse" der Wallace Collection. Allerdings habe ich eine Couvertüre hinzugefügt sowie etwas Polsterung. Zwar habe ich keine Belege dafür gefunden. Allerdings gehe ich stark davon aus, dass Pferde auch im Mittelalter keine Elefantenhaut hatten. Da miss irgendwas unter dem Metall gewesen sein. Ausserdem sind beim Original überall Nieten zu sehen. Man könnte da doch den üblichen Lederstreifen annieten, an dem dann ein Futter angebracht wäre? Auch habe ich ihm ein Gebiss mit Anzügen verpasst, mit denen man sich heute nicht mehr erwischen lassen dürfte.

      Naja, hinten ist er noch sehr nackig. Und der Sattel passt auch nicht 100%, das weiss ich. Aber den kann man ja später mal austauschen. Die Materialien sind hier grundsätzlich ein Kompromiss, da kann ich nur eingeschränkt nach dem berühmten "A" schauen. Ist halt nur Alublech, weil an das Resin der Puppe kein Öl/Fett kommen darf. Und Eisenblech ist erstens schwerer, zweitens muss ein bissi Öl dran (mein Erstversuch an Rüstung rostet schon diskret vor sich hin). Und der Brustpanzer ist ein Feld kürzer als das Original. Damit kann ich aber leben.

      So, wenns was Neues gibt, poste ich das hier. Grad werkel ich an der Unterfütterung des Brustpanzers, das ist vielleicht ein bisschen langweiliger.
    • Tolles MA-Projekt. :thumbsup:

      Junito schrieb:

      Die Materialien sind hier grundsätzlich ein Kompromiss, da kann ich nur eingeschränkt nach dem berühmten "A" schauen. Ist halt nur Alublech, weil an das Resin der Puppe kein Öl/Fett kommen darf.
      Nun Kompromisse bei dem Projekt wirst du zwangsläufig eingehen müssen.
      Webart, Dicke des Materials usw.
      Und ein Fundbeleg von Resin fehlt halt noch.
      Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.
    • Thorkell Ivarsson schrieb:

      Wow... beeindruckend!

      Aus was ist denn der Kettenteil am Pferdehals gemacht?
      Das sind Drahtringe aus Blumendraht gebogen und in 4 in 1-Technik verarbeitet. Ich hoffe, dass das auch nicht rostet, da der Ritter auch noch ein paar Kettenpanzerflecke unter seine Platte bekommt (aus Rostgründen wird er übrigens auch eine leicht gepolsterte Jacke drunter tragen. Nennt mich ruhig übervorsichtig, aber so e Püppsche liegt so um die 500 €...da möchte ich nicht, dass er kaputt geht). Vernietet habe ich das aber nicht.

      Das Material braucht eine gewisse Steifigkeit, weil die Ringe sich sonst aufbiegen. Daher kann ich keinen Aludraht brauchen. Ist doch ein nettes Gewicht...

      Ach ja, das Horn der Rossstirn ist nicht aus Metall - es ist eine Tülle einer Silikondose. Das habe ich aus Sicherheitsgründen gemacht. Vielleicht stelle ich ihn ja aus, und da möchte ich nicht, dass jemand in dem Ding hängenbleibt. Ist aus Sicherheitsgründen auch eine Sollbruchstelle.
    • Öööh...ja..Der dient aber nur zur Demonstration der Grösse. Er weigert sich nämlich, derart kriegerischen Kram anzuziehen, oder das Pferd zum Lanzenstechen auszubilden-

      Eines sei verraten: Ich habe noch so ein Tierchen in vergleichbarer Grösse hier herumstehen. Zwar galoppiert es nicht, sondern steht...ein Lanzenstechen könnte man also schon darstellen. Immer vorausgesetzt, ich kann den sturen Vulkanier zum Mitmachen überreden... :wiki4

      Und natürlich bräuchte das Pferdchen auch noch Sattelzeug, etc...und man könnte da die hübsche Kulisse des Schlosses Schwarzenberg einbeziehen...

      Da ich noch so 8 weitere Puppen (Männer und Frauen) habe, gäbe das doch einen recht hübschen Ausschnitt aus dem Lagerleben...so mit Zelten, Lagerfeuer...

      Hmmm, ich krieg schon wieder Ideen...sehr gefährlich hier.
    • Myeskathry schrieb:

      Oh, ein Ohrdrufer Pferd 8o .
      Seit dort das Schloss abgebrannt ist gibt es sehr viel weniger von denen. Das war/ist sicherlich auch sein Geld wert...
      Schönes Projekt hast du da.
      Hmmm...ja. Es ist auf jeden Fall sein Geld wert, weil ich es mehr oder weniger für einen Appel und ein Ei bekommen habe. Dem wahren Liebhaber mag zwar das Herz bluten, weil ich ein schwarzes Pferd mit leichtem Behang gemacht habe, also keine Restaurierung in den Originalzustand.

      Aber ich wollte eben ein etwas kräftigeres, für eine 70 cm-Puppe kompakteres Pferd, das so aussieht, als wäre es ein Gewichtsträger. Quadratisch, praktisch, gut eben.

      So ist aus etwas Altem (eine Firma, die Schaukelpferde restauriert, hat mir das Alter dieses Tierchens mit um die vorige Jahrhundertwende angegeben) etwas Neues geworden.

      Pferdefiguren in dieser Grösse gibts leider kaum, vor allem, wenn sie einigermaßen realistisch aussehen sollen.
    • Damit ihr euch ein bisschen amüsieren könnt, zeige ich euch, wie ein wahrer Pfuscher arbeitet. Außerdem ist eine der wenigen Aufnahmen, die mich auf Film zeigt (ich mag das eigentlich gar nicht, aber in einem anderen Forum wurde gewünscht, dass ich das mal zeige):

      photos.app.goo.gl/6LJBlVAgrjDcK2bi1
      photos.app.goo.gl/SDITWRfBD9QxPJV82

      Bitte auf den Link klicken, ihr kommt dann bei Google Photos raus. Das Video läuft nicht von selber los, man muss nochmal draufklicken.
    • Och, da kann man sich ganz sicher auch wunderbar austoben. Mein Mann ist Modelleisenbahner im Maßstab 1:120...was da manchmal für Ideen kommen. Da muss es aber unbedingt auch einen Reitstall geben. Und ein Turnier. Das übernehme dann aber ich. Pferde haben wir schon.

      Generell ist mir die Größe denn doch zu klein.

      Die Polsterung habe ich jetzt an den Bugpanzer genäht...sie ist aber einen Ticken zu lang. Tja, da heißts jetzt erstmal auftrennen. Bei der Gelegenheit werde ich auch etwas Füllung rausnehmen. Ist mir etwas zu ballonartig. Zum Glück kann ich die Wolle woanders wieder reinstopfen, ansonsten würde ich sie einfach aufheben (wer weiß, vielleicht kriegt unser ausgedientes Schaukelpony auch noch einen Panzer?). Aber ich eile voraus, jetzt muss ich mich erstmal auf das konzentrieren, an dem ich grade werkel.
    • Neu

      Die leicht gepolsterte Jacke ist soweit fertig (warum er unter seiner Gotikplatte sowas anziehen muss, habe ich oben erläutert). Allerdings ohne Ärmel. So mit Ach und Krach geht es vorne zu. Dicker darf der Bursch nicht mehr werden. Ich glaube auch nicht, dass das Material noch irgendwie nachgibt.

      Wie ich das zubekommt, weiß ich noch nicht. Ich werde jetzt erstmal versuchen, in das Material umnähte Löcher reinzubekommen. Sollte das nicht klappen (weil der Stoff extremst fest ist), mache ich das mit Lederflecken und Bändern. Aus welchem Material ich die Bänder mache, muss ich mal sehen. Es muss maßstabsmäßig klein genug sein, also eventuell aus Stopfseide flechten. Leder mag ich nicht, weil das in der Kürze immer aufgeht. Aber es muss auf jeden Fall sehr stabil sein, weil die Jacke so knapp ist.. Die Metallenden mache ich aus Aderendhülsen. Die sind klein genug und halten gut.
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      Nach einigem Herumprobieren mag ich jetzt, wie der Brustpanzer sitzt (die langen Strippen werde ich noch kürzen):

      Da ich momentan a bisserl mit Rückenschmerzen zu kämpfen habe (an der Stelle ist leider schon was diagnostiziert, nächsten Montag werde ich in der Röhre gebraten), habe ich jetzt erstmal das Westenteil seines Gambesons fertig gestellt:

      Ich habe das unter anderem so gemacht, weil die Jacke mit der Polsterung sehr eng sitzt. Zwar habe ich etwas Luft beim Zuschneiden gelassen, war mir aber nicht sicher, ob es mit der Polsterung noch reicht. Wie ihr seht, reicht es - Zunehmen darf Raphael allerdings nicht, dann muss ich ansetzen. Somit kann ich jetzt auch sehr gut die Ärmel anpassen. Außerdem möchte ich an die Unterseite der Jacke noch ein paar Strippen nähen, an die die Hose angehängt werden kann. Hat leider eine Neigung zum Rutschen (nicht Raph, sondern die Wollhose).
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      Jetzt habe ich es endlich geschafft, die Platten für die hinteren Popoteile auszuschneiden (für das Pferd, nicht für den Reiter).

      Momentan klemmt alles ein bisschen, ich spiele ein wenig mit meiner Bandscheibe. Daher werde ich erstmal nicht auf den Teilen herumdengeln. Nächsten Montag werde ich in der Röhre gebraten, dann schaun wir mal. Schmerzen habe ich nur beim Stehen und Laufen, aber ich mach jetzt mal langsam.

      Schwierig war auch die Verteilung der Löcher. 6 Löcher auf 17 cm...naja, Mathe ist nicht so meine Stärke.

      Nachdem ich nun eine schöne Rückenansicht gefunden habe, ist mir nun eklatant aufgefallen, was an der Reiterrüstung komposit ist: Der Helm. Dass dieses Paar Komposit ist, und da vor allem der Reiter, wusste ich. Aber diese Lücke untern Helm sah ja schon recht seltsam aus (vor allem bei der damals möglichen Technik unnötig).

      Was jetzt tun? So nachbauen (Natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten)? Oder dem Herrn einen passenderen Helm deutscher Bauart geben (mit einem langen "Schwänzchen")? Naja, ist noch zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Zum Glück gibt es ja auch Pappe, mit der man erstmal experimentieren kann.

      Jetzt sehe ich erstmal zu, dass ich wieder fit werde. Einstweilen kann ich ja auch an seiner Unterwäsche basteln.