Einhandschwert, Oakeshott Typ XII

    • Einhandschwert, Oakeshott Typ XII

      "Das" mittelalterliche Schwert überhaupt? Mhhh... gut möglich, obwohl es sicher auch noch andere tolle Schwerttypen für diese Zeit gibt. Eward Oakeshott sagt über den Typ XII, dass es der wahrscheinlich am häufigsten verwendete Schwerttyp des Hochmittelalters war und ein typisches Ritterschwert gewesen sei.

      Die Haupteinsatzzeit für diesen Typ war von ca. 1170 bis 1400 in ganz Europa. Im Schnitt waren diese Schwerter gesamt ca. einen Meter lang und konnten mit etlichen Parier- und Knauftypen kombiniert gewesen sein. Der längere Suptyp XIIa (der neben dem XIIIa zu den frühen Langschwertern zählt) konnte deutlich länger ausfallen (bis ca. 140cm Gesamtlänge).

      Die Klinge war im Querschnitt immer (!) linsenförmig und verjüngte sich zum Ort hin. Die Holhkehle erreichte oft eine Länge, die ca. 2/3 der Klingenlänge entsprach. Der Ort war in den meisten Fällen rund ausgeformt. Wie die linsenförmige Klinge ist dies ein weiters wichtiges Merkmal des hochmittelalterlichen Ritterschwertes, dass im Kampf mehrheitlich noch "schneidend" eingesetzt wurde. Spätere Typ XII konnten dann bereits spitzere Orte haben, die Klinge behielt allerdings ihr linsenförmiges Profil bei. Dies änderte sich erst (zumindest in einigen Beispielen belegt) mit dem Typ XIV (ab ca. 1275, bei denen der vordere Klingenteil, zwischen Ort und Hohlkehle, bereits rautenförmig geformt sein konnte) und für die komplette Klinge mit dem Typ XV (ab ca. 1290) und XVI (ab ca. 1300), die dann bereits ein komplett rautenförmiges Klingenprofil hatten, mit dem man perfekt stechen konnte. Aber nun zurück zum Typ XII.

      Diesen Typ XII möchte ich zum einen für meine Adelsdarstellung (um ca. 1270) und zum anderen eventuell noch für meine Ordensritterdarstellung (die irgendwann auch noch bis ca. 1300 erweitert werden soll) nutzen. "Das beisst sich doch", könnte man jetzt denken... und ja, dieser Kompromiss aus "etwas edel und trotzdem schlicht" ist nicht leicht hinzubekommen gewesen. Ich bin allerdings überzeugt, dass er gelingen wird. Denn nicht jedes gräfliche Schwert war unbedingt immer "goldgeschwängert" und auch in den Orden wurde nicht immer nur mit den "aller einfachsten Kassengestellen" gekämpft.


      (Bildquellen: Damian Sulowski)

      Mein Schwert hat einen Knauf "Typ J" (hier in diesem Fall aus Bronze, aber nicht vergoldet) erhalten, der in dieser Form bereits in der ersten Hälfte des 13. Jhd. auftaucht und in der zweiten Hälfte des 13. Jhd. dann bereits häufiger vorzufinden ist. Um 1300 sieht man den Knauf dann sehr häufig. Die Parierstange "Typ 2" ist achteckig ausgeschmiedet und ebenfalls typisch für diese Zeit (wie man auf dem unteren Bild gut erkennen kann).


      (Bildquellen: pinterest.com)

      Das Leder der Scheide wird die selbe Färbung wie die Hilze erhalten. ich finde diesen Braunton sehr ansehnlich. Er verbindet für mich etwas "edles und zugleich schlichtes". Das Scheidenleder wird punziert. Als Vorlage wird sich an dem Rankenmotiv orientiert, dass man auf der "Schwertscheide des heiligen Hadrian" (Diözesemuseum Bamberg) aus dem 13. Jhd. vorfindet. Das Ortblech wird relativ einfach gehalten und "U-förmig" ausfallen. Es hatten längst nicht alle Schwertscheiden ein Ortblech. Auch an den Schwertscheiden höher gestellter Persönlichkeiten war nicht immer ein Ortblech zu finden. Ich wollte unbedingt ein Ortblech und habe mich für ein einfaches, dass von der Form her für diese Zeit belegbar ist, entschieden.


      (Bildquelle: facebook, Seite von DIMICATOR)

      Dies wäre es mal für's erste zu diesem Schwert. Wie es mit der Scheide weitergeht, seht ihr hier in den nächsten Tagen. :bye01
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Sehr cool, aber wer hätte Anderes erwartet . . . :thumbsup:

      Grade dieser Spagat zwischen Edel und Schlicht (und Maß halten ist ja eine DER ritterlichen Tugenden) ist immer schwierig, scheint hier aber für mein Auge ganz gut zu gelingen.
      Bin sehr gespannt auf gas Endergebnis mit Gürtel, Scheide und Allem. :heupf1
      ________Michael Miles Ministerialis________
      omnia vincit amor
      (lateinisch: »Liebe besiegt alles«), Publius Vergilius Maro, Eclogae (10, 69)
    • Wilfried Tenneberg schrieb:

      Die Scheide ist der Hammer! [...]

      Also wenn Deine dann auch so wird - mal was außergewöhnliches.
      Danke Wilfried. Bei mir wird nur das Muster für die Punzierung übernommen. Die Scheide selbst wird komplett braun.

      Michael-1220 schrieb:

      Sehr cool, aber wer hätte Anderes erwartet . . .

      Bin sehr gespannt auf gas Endergebnis mit Gürtel, Scheide und Allem.
      Danke Michael. :) Ich auch... Der Gurt wird übrigens weiss. Die Wicklung wird die "Naumburger Variante" werden.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Darf ich mal blöd fragen, bis wann die nauenburger Gürtung noch in Mode war? Die späteste Abbildung, die ich bisher finden konnte ist ca um 1300-1326 datiert - würde mir aber für meinen Typ XII für 70 Jahre später aber auch noch gefallen.
      ...alle sagten immer: "Das geht nicht!" - doch dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach getan...
      ...diese Signatur kann Spuren von Soja oder Erdnüssen enthalten...
    • Dunio schrieb:

      Darf ich mal blöd fragen, bis wann die nauenburger Gürtung noch in Mode war? Die späteste Abbildung, die ich bisher finden konnte ist ca um 1300-1326 datiert - würde mir aber für meinen Typ XII für 70 Jahre später aber auch noch gefallen.
      Das ist grundsätzlich ein eigenes Thema Wert. Hier möchte ich das nicht diskutieren. Nur kurz ein schnelles Zitat von Lehnart für dich dazu:

      "Die Befestigung der Scheide am Schwertgurt erfolgte nicht mit Ringen und Haken, sondern durch die geteilten Enden des Scheidenriemens, kreuzförmig (oder Z-förmig) um die Scheide geschlungen wurden. Der Gurt selbst wurde in Deutschland bis um 1250 stets verknotet. Ab der zweiten Hälfte des 13. Jhd. wurde es unter französischem Einfluss üblich, nicht nur den Leibgürtel, sondern auch den Schwertgurt mit einer Schnalle und den dazugehörigen Beschlägen zu versehen (es findend sich allerdings bis in die 1280er so gut wie nix dazu). Trotzdem findet sich der traditionelle Bindegurt auf Abbildungen bis zum Beginn des 14. jhd. (er verweist hier zur Manessischen Liederhandschrift mit ihren Abbildungen)." [Lehnart,2013,S. 108]

      Deckt sich also ungefähr mit deinen Rechercheergebnissen. Aber wie gesagt, bitte dazu ein eigenes Thema eröffnen und dann schauen wir wer evtl. mehr dazu weiss.

      [Quelle: Kleidung & Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, Ulrich Lehnart, 2013, Karfunkel Verlag, ISBN: 978-935616-54-6]
      Beste Grüsse, Thomas :bye01