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Gerichtsschwert Richterschwert

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    • Gerichtsschwert Richterschwert

      :bye01 Hallo ihr lieben,

      ich möchte euch heute mal eine weitere "Waffe" vorstellen. Das "Gerichtsschwert" (das auch "Richterschwert genannt wird)!

      Das "Gerichtsschwert" ist nicht mit dem "Richtschwert" zu verwechseln. Während letzteres zur Hinrichtung "armer Sünder" Verwendung fand, stand das "Gerichtsschwert" einst für die selbstständige Justitzhoheit - den sogenannten Blutbann - der für die Gewalt des obersten Gerichts über Hals und Hand - einer Stadt stand.

      Diese reine "Zeremonienwaffe / Symbolwaffe" wurde (neben dem oft gebräuchlichen "Richterstab") zu Gerichtstagen vom Richter während des Einzuges in das Gericht/den Gerichtsbezirk voran getragen und verblieb die gesamte Verhandlungsdauer in demselben. War das Urteil gesprochen und der Delinquent wurde zum Tode verurteilt, wurde das "Gerichtsschwert" als Symbol des Rechtes bei der Vollstreckung des Urteils mit auf den Richtplatz getragen. Gerichtet wurde mit ihm aber nicht. Das tat der Scharfrichter mit dem "Richtschwert" oder dem Beil.

      "Gerichtsschwerter" sahen oft den "Richtschwertern" ähnlich. sie unterschieden sich oft nur durch die Klingenform des Richtschwertes und den Ätzungen der Klingen voneineander. Das Gehilz ähnelte anfänglich dem eines gewöhnlichen Schwertes, wurde später aber auch anderthalb -und zweihändig ausgeführt und bekam im 16. Jhd auch die üblichen"verspielten Elemente" verpasst.

      Die Klinge ansich wurde nicht länger.

      Hier nochmal ein zitierter Auszug aus dem Internet (Quelle siehe unten)

      "Das Richterschwert


      Am eindringlichsten ist dabei sicherlich das Schwert,
      das der als Richter ausgezeichnete Mann in den Händen hält: als Zeichen
      der
      Blutgerichtsbarkeit, die in einem Verfahren unter seinem Vorsitz
      ausgeübt wird. Dies bedeutet, daß das letzte Urteil - das der Richter
      von den Schöffen mit feierlichen,
      althergebrachten Worten vor der versammelten Öffentlichkeit erfragt
      - auf Tod für den Verklagten lauten kann. Stellt der Richter diese
      entscheidende Frage, dann hebt er das sonst ruhig auf den Schenkeln
      liegende Schwert in die Höhe: auch dies als Zeichen für den Ernst der
      Situation, zugleich als
      Aufforderung an die Versammelten, genau zuzuhören und aufzupassen, damit
      alles in Ordnung nach dem alten Recht vor sich geht. Diese Geste des
      Hochhebens des
      Schwertes ist von daher ebenfalls als ein Richtersymbol anzusehen; wie
      ebenfalls das ruhige Liegenlassen auf den Schenkeln (worauf noch
      einzugehen sein wird).

      Warum ein solches Schwert als Symbol der Blut- (oder
      Hoch-)gerichtsbarkeit in Betracht kam, liegt auf der Hand: diente das
      Schwert doch als Instrument der
      Hinrichtung des verurteilten Missetäters. Freilich war das eigentliche
      Richterschwert - das meistens ein Schmuckstück war, wobei der Stahl in
      einer kostbaren Scheide
      ruhte - nicht das Richtschwert des Scharfrichters: letzteres mußte
      schwer sein, um im Zusammenhang mit der schnellen Drehbewegung die
      erforderliche Energie zu
      begründen, um die Wirbelsäule des Betroffenen zu durchschlagen und damit
      diesem den Kopf abzuschlagen (ihn zu "enthaupten"), Um ein Zustechen
      ging es bei der
      Hinrichtung also nicht, weshalb das Richtschwert vorne abgerundet war;
      im Gegensatz zum Richterschwert, das mit dem zugespitzten Ende an die
      Waffe erinnerte,
      die im Zweikampf auf Leben und Tod verwendet wurde.

      Dieses Schwert diente allgemein als Zeichen der Macht, wie wir es
      z.B. aus der antiken, dann mittelalterlichen "Zweischwerterlehre" her
      kennen,
      wonach der göttliche Rechtsherr Christus - der selbst das Recht war,
      weshalb ihm das Rechte lieb war - sowohl dem Kaiser als auch dem Papst
      je ein heiliges Schwert
      vom Himmel herabreicht und sie damit einerseits mit der irdischen Gewalt
      (auf Leben und Tod), andererseits mit der Gewalt zur geistlichen
      Gerichtsbarkeit belehnt.
      Von daher wird der Zusammenhang von Herrschaft und Richterfunktion
      deutlich: der Richter ist Vertreter des Herrschers, dem die allgemeine
      Gerichtsgewalt zukommt,
      er hat von diesem den Richterbann erhalten und leitet das Verfahren mit
      Unterstützung der herrschaftlichen Autorität. Der Richter muß der
      Stärkste in dem Verfahren
      sein, in dem sich aggressive Gegner gegenüber stehen, die das Verfahren
      durchaus noch im Sinne des alten Zweikampfes verstehen, begleitet von
      bewaffneten
      Freunden. Die Atmosphäre einer solchen alten Gerichtsversammlung war
      emotional aufgeheizt, mußte deshalb durch feierliche Gesten und
      symbolträchtigte Gegenstände
      und Szenen unterdrückt werden.

      Dazu diente sicherlich das Richterschwert: nicht nur durch diesen
      Verweis auf die Macht des Herrschers, sondern auch durch den damals
      allen Beteiligten von der
      kirchlichen Kunst her bekannten Hinweis auf die beiden Schwerter, die
      dem göttlichen Weltenrichter am Ende der Tage aus dem das Urteil über
      die Menschheit (und
      die Schöpfung überhaupt) sprechenden Mund hervorstechen (sofern nicht
      eines durch die Gnade versprechende Lilie ersetzt ist).
      Vorbild des
      Richters und zugleich ermahnendes, Gerechtigkeit anmahnendes Bild war
      jedenfalls dieser letzte Richter, weshalb in den später in den
      Rathäusern eingerichteten
      Gerichtsräumen ein Bild des Jüngsten Gerichts aufzuhängen war."

      Hier noch zwei Bilder aus dem Netz mit Erklärung darunter:

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      Die Abbildung des adligen Richters Sizzo im Naumburger Dom. Das umwickelte und damit befriedete Schwert
      stellt die Gerichtsgewalt dar. Quelle des Fotos: Munzel-Everling


      i52.tinypic.com/6xud92.jpg

      Das Gerichtsschwert auf einer Darstellung im Sachsenspiegel (1225-1235) des Eike von Repgow. Schwertscheide mit dem Gurt
      spiralförmig umwickelt - es Kennzeichnet so den jeweiligen Richter.
      Quelle des Fotos: Sachsenspiegel

      Und hier mal meine bescheidene Interpretation eines "Gerichtsschwertes" aus dem 16. Jhd. (Die Scheide ist noch in Arbeit)

      Gesamtlänge: 107cm
      Länge Gehilz: 24,5cm
      Breite Parierstange: 27cm

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      [Blockierte Grafik: http://i53.tinypic.com/mwd2tl.jpg]



      Quellen:

      -Blankwaffen von Karl Stuber & Hans Wetter
      -Die Welt der Schweizer Bilderchroniken von Carl Pfaff
      -suehnekrenz.de/Gerichtsschwert
      -google Bildersuche: Gerichtsschwert


      Beste Grüsse, Thomas :bye01

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Thomas W. ()

    • Vielen Dank für den interessanten Artikel!!!

      Hier ist ein Foto von dem sogenannten "Sendschwert" (Gerichtsschwert) meiner Heimatstadt Münster (Westfalen) in der Bürgerhalle (leider etwas weit weg), welches zum "Send" (heute ein Jahrmarkt) seit 1578 drei Mal im Jahr zum Zeichen der Gerichtsbarkeit an der Fassade des Rathauses präsentiert wird.

      Das Original wurde am 24.10.2000 gestohlen, nun hängt dort eine Rekonstruktion.

      Viele Grüße, Ewaldt

      Tante Edit hat noch ein Foto gefunden von dem Sendschwert an der Außenwand .
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      https://contubernium-berlin.net --- :bye01 Wer in Berlin/Brandenburg Anschluss an eine Gruppe sucht: Bei Interesse bitte bei mir per PN melden!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ewaldt von Amulunc ()

    • Anbei das Stadtwappen von Steinheim am Main; 1320 erhielten die Herren von Eppstein von König Ludwig IV. die Stadtrechte für Steinheim. Die Anwohner wurden damit zu freien Bürgern, die Siedlung um die Burg durfte befestigt werden und in Streitfragen konnte die Frankfurter Gerichtsbarkeit in Anspruch genommen werden. 1424 wurde Steinheim von den Herren von Eppstein an den Erzbischof von Mainz verkauft. Das Wappen zeigt in Gold einen blau bekleideten Bischof, der in seiner Rechten ein gestürztes Schwert hält, als Zeichen für das landesherrschaftliche Hochgericht mit dem Blutbann. Vor ihm ein silbernes Kurmainzer Rad.
      Bilder
      • Wappen Steinheim.jpg

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    • Hallo zusammen,

      ich möchte euch die nächsten "Fortschritte" berichten. Das Gerichtsschwert hat nun eine Scheide bekommen. Diese ist bereits schwarz (und das ohne Farbe 8) ), der rote Stoff etc. folgt in den nächsten Tagen.

      Ich poste die Bilder mal in BuNd, dass Wetter ist ja schon "grau" genug:

      [Blockierte Grafik: http://i44.tinypic.com/2s003ua.jpg]

      [Blockierte Grafik: http://i40.tinypic.com/qqsqbs.jpg]


      man liest sich... :bye01
      Beste Grüsse, Thomas :bye01