Feuershows musikalisch begleiten: Ein paar Tipps

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Heidensohn

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Nach kurzer Absprache eine Feuershow begleiten war für mich als Trommler nie ein Problem. Es macht mit guten Feuerkünstlern sogar einen Heidenspaß. Seltsamerweise scheinen die Grundsätze, die ich dabei für mich als praktische Hilfen gesammelt habe vielen Musikern/Trommlern reichlich unbekannt. Und das verhagelt mir inzwischen regelmäßig den Spaß an Feuershows (sei es als Zuschauer, Musiker, oder Feuerkünstler). Deswegen mal ein Versuch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, weiter zu geben. Kenne die eingesetzten Effekte, ihre Funktion und ihre gewünschte Wirkung. Jedes Gerät der Feuerkünstler hat einen eigenen Charakter, der mit der Begleitmusik optimaler Weise noch unterstrichen wird (was auch Abwechslung in die Begleitung bringt). Deswegen vorher fragen welche Effekte/Geräte die Feuerkünstler anwenden wollen und welchen Charakter sie haben. Feuerfächer, Flammenfinger, Körperfeuer und Feuerschlucker sind perfekt, um eine mystische Grundstimmung, um geheimnisvolle Exotik zu beschwören. Sie werden in fließenden, gerne auch langsamen Bewegungen gespielt. Deswegen bilden sie auch meist den Anfang. Wer hier zu schnell, zu hektisch zu "techno" begleitet, der macht die Wirkung schlicht kaputt. Langsame "Herzschlag-Schläge", dezente orientalische Darabuka und/oder Beckenwirbel dagegen sind die Mittel der Wahl. Feuerspucker und diese Riesen-Flammenstäbe/fackeln mit Bärlappsporentanks, die Flammenzungen hinter sich herziehen dagegen brauchen einen coolen, aber nicht zu schnellen Grundbeat, auf den man, solange die Flammen tatsächlich hell sprühen fette Crescendi und Zusatzgewummer auflegen kann. Pois, Stab und dergleichen setzen eigentlich immer auf Steigerung - und sie brauchen einen langsamen Einstieg damit die Enden gut Feuer fangen und durchbrennen können. Ist der Einstieg zu schnell und hektisch, gehen sie wenn schlecht getränkt ständig aus. Ein straighter Beat, der sich in Geschwindigkeit und Intensivität steigert, ist zu empfehlen. Achte auf den Spannungsbogen. Gute Shows haben einen Spannungsbogen, oft auch innerhalb der einzelnen Nummern ein Auf und Ab an schnellen und langsamen, mystischen und partymachenden Elementen. Nicht einfach durchspielen! Darauf eingehen, den Ablauf kennen und die Gelegenheit nutzen Instrumentenwechsel und Soli passend zu setzen. Wenn nicht immer alle gleichzeitig spielen, wirkt die ganze Show viel durcharrangierter und professioneller. Am besten, gerade wenn kurzfristig improvisiert, ist es, dass nie zwei Instrumente gleichen Typs gleichzeitig spielen, so dass man am eigenen Instrument Improvisationsfreiheit hat. Da meist zwischen den einzelnen Nummern einer Feuershow auch ein wenig Übergangszeit vergeht reicht es, wenn ein Instrument hier den Beat im Grundsatz weiterführt, vielleicht transformiert und vor allem die Spannung aufrecht erhält (was wiederum auch mit einem langsamen Groove geht), während die anderen Musiker Instrumente wechseln können. Die Geschwindigkeit orientiert sich immer am unsichersten Feuerkünstler. Gute Feuerkünstler können auch zu etwas langsamerem Beat umwerfende Sachen zaubern. Aber eine Poispielerin in der zweiten Reihe, die sich immer wieder verheddert, weil sie mit der Geschwindigkeit nicht zurecht kommt, macht die ganze Nummer kaputt. Sobald mehrere Künstler spielen darf man sich nicht vom Besten mitreißen lassen, sondern sollte den schwächsten Gliedern der Kette mit klaren nicht zu schnellen Beats unter die Arme greifen. Jeder Feuerkünstler hat eine Geschwindigkeit in der er/sie optimal spielt und seine liebsten Tricks auspacken kann. In dieser Geschwindigkeit sollte sich der größte Teil jeder Nummer abspielen. Ja, sicher kann man als guter Feuerkünstler auch auf Double-Base-Sechszehntel nur die Viertelschläge nutzen und so auch bei hektischer Musik langsam spielen, aber das ist etwas, das genau die noch unsicheren Künstler eben noch nicht können. Reite die armen Schweine nicht noch weiter rein. Fange langsam genug an und werde langsam schneller. Nochmal. Nur wer langsam anfängt kann schneller werden. Nur wer leise anfängt kann lauter werden. Und der hämmernde Partybeat ist für das ausdrehen der Pois oder Das brennende Springseil in der Zugabe reserviert. Wenn die Feuerkünstler nicht mehr hin und her laufen, sondern wie angewurzelt stehen und auf ihr wirbelndes Gerät schauen, dann ist die Nummer wahrscheinlich gleich vorbei - im Guten oder im Schlechten. Dieser Punkt sollte keineswegs zu früh erreicht werden, sonst sieht es ziemlich blöd aus. Übergänge zwischen den Nummern sind ideal, um die Atmosphäre wieder runterzukühlen, um langsamer, grooviger zu werden und so Anlauf für die nächsten Steigerungen zu nehmen. Bilde eine verlässliche Basis, aber orientiere dich an den Feuerkünstlern. Bei einer Feuershow steht (Oh Wunder) das Feuer und seine Bewegung im Mittelpunkt. Nicht - die - Musik! Wir sind nur Unterstützer. Wir orientieren uns an den Feuerkünstlern und stützen sie bei dem was sie tun. Also sind alle Augen beim Spielen auf sie gerichtet. Lass Dich nicht von Stolperern und Fehlern ihrerseits irritieren, aber passe Dich an ihre Bedürfnisse an. Es muss nicht der ausgefallendste Beat sein. Standartware, wenn in Harmonie mit den Bewegungen gespielt und durch Spannungsbogen und Abwechslung/Instrumentenwechsel interessant gemacht, ist völlig ausreichend. Nicht die Musik oder der Beat muss geil sein: Das Zusammenspiel von Musik/Beat und Feuer/Tanz muss es sein. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Feuerkünstler sind in diesem Moment Teil der Musikgruppe. Da man nicht "auf sie hören" kann, muss man auf sie sehen. Soweit fünf Grundsätze, die man auch gerne um den ultimativen Grundsatz erweitern kann (der natürlich auch für Feuerkünstler gilt): Geübt wird daheim. Vor Publikum kann man (und muss man auch oft genug) improvisieren - aber man sollte möglichst wenig aus- bzw. rumprobieren. Unabhängig vom eigenen technischen Können sollte es nach diesen Grundsätzen für einen einzelnen Trommler und noch besser für mehrere Trommler oder gar eine ganze Musikgruppe möglich sein eine mittelmäßige oder gar gute Feuershow nicht nur zu begleiten, sondern als Gesamterlebnis zu verbessern. Es ist übrigens nicht verkehrt, wenn man sich selbst mal als Feuerkünstler versucht hat. Es hilft Bewegungen im Ansatz zu erkennen und gewissermaßen vorauszusehen. Und ich kann sagen, dass es von Feuerkünstlerseite aus absolut genial ist zu spüren, wie die Musik zum lebenden Teil der eigenen Handlungen wird, wenn auch unabgesprochen ein Crescendo einfach kommt, weil es eben an dieser Stelle in Verbindung mit der nächsten Bewegung kommen muss. Um die Werbung einer Biermarke zu zitieren, an deren Plakat ich gerade vorbeigelaufen bin: "Probierts 'es dann spürts 'es." :thumbup: Sebastian
 
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