Leinen beizen?

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    • Leinen beizen?

      hallo zusammen,

      ich hab mich u. a. bei flinkhand übers pflanzenfärben informiert und bin dort (http://www.flinkhand.de/index.php?aid=130) auf folgende aussage gestoßen:

      "Im Gegensatz zu pflanzlichen Fasern haben Tierische eine “schuppige” Oberfläche, deren Strukturaufbau es der Farbe ermöglicht, tief in die Fasern einzudringen. Um diese “Schuppen” für die Farbe zu öffnen, beizt man die Fasern vor dem Färben [...]"

      heißt das, dass es gar keinen sinn macht, pflanzliche stoffe wie leinen zu beizen? oder haben die auch irgendwelche faserbestandteile, die durch das beizen 'geöffnet' werden?

      vielen dank für eure antworten =)

      p.s.: ja, ich weiß, dass leinen damals sehr teuer war und dass es sich generell nicht gut färben lässt, aber meine wikifreundin hat mich gefragt ob ich ihr leinenkleid mit in den topf schmeiße, da sag ich doch nicht nein ;)
    • Du musst das Leinen halb kaputt machen damit es gut Farbe annimmt^^

      Sprich du musst das leinen mit Gerbsäure beizen. Dass macht die Fasern porös und brüchig und dann nimmt es Farbe an^^

      Außer bei einer Indigofärbung da schmeißt du es einfach ungebeizt mit rein und schon ist es himmelblau.
      Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten :D
    • olé, dann spar ich mir wenigstens ein bisschen arbeit :D dieses wochenende sind gerade die wollstoffe dran und, herrje, ich weiß gar nicht wie ich meine küche wieder sauber kriegen soll *gg* das nächste mal färben findet definitiv über lagerfeuer statt! aber ist irgendwie schon ganz lustig, auch wenn ich noch nicht weiß ob sich der aufwand wirklich lohnt *seufz* vermutlich, wenn dann hinterher alles schön bunt ist... =) vielen dank für eure antworten!
    • Die Pflanzenfasern Leinen und Baumwolle zum Beispiel bestehen aus Zellulose und lassen sich schlecht färben, alle tierischen Fasern wie Wolle und Seide zum Beispiel sind Eiweißfasern, die sich mit Pflanzenfarben deutlich besser färben lassen - wie meine Vorgänger schon geschrieben haben: Leinen mit Pflanzenfarben färben ist der Mühe nicht wert!
      Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden, als in den Büchern,
      Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst.

      Bernhard von Clairvaux
    • wie gesagt, weiß ich ja... mir gings nur um das beizen, dass das färben nix gescheites wird ist mir klar, und hab's ihnen auch gesagt. aber würdest du deinen gruppenkollegen sagen, dass du es erst gar nicht versuchen wirst, wenn sie dich um den gefallen bitten? ich schmeiß das zeug entweder einfach rein wenn ich mit allem fertig bin und lass es darin bis morgen liegen oder mach es nächste woche mit ihnen zusammen auf dem privatlager, dann sehen sie erstens schon meine fertige wolle, die sehr hübsch geworden ist, was sie hoffentlich dazu inspiriert in zukunft wollstoff zu kaufen, und zweitens dass ich recht hatte ;)
    • Also, Pflanzenfaser mit Säure, das wird nix ...
      So wird das Zeug gegen Verschmutzung zugerichtet.
      Erst stark basisch waschen (in Pottaschenlauge kochen) und dann ne Sauerstoffbleiche im nassen Zustand. (Ozonbleiche/Rasenbleiche)


      Danach nimmt die Faser kolloidale Farbstoffe (Tinten) an, verschlossen werden die Fasern mit Essiglösung, da blutet denn nix mehr aus.Ergibt mit Rotebeete im ersten Zug , dünne Lösung,ne Art Rosa



      Man kann auch versuchen, Eiweiß in die Kammern der Pflanzenfasern einzuschleusen. Wenns gelingt, läßt sich das dann wie Wolle färben.
    • Moment, hab ich da grad das Stichwort Indigo gelesen? Wäre das überhaupt Authentisch, wenn man indisches Indigo nimmt, das im Mittelalter in Europa fast unbekannt war? Nahm man nicht statdessen das lokal vorhandene Färberwaid? Ok, chemisch gesehen ist es der gleiche Farbstoff, aber die Gewinnung und Ausbeute ist ein wenig anders. Indigo ais der Indigopflanze ist rund 30-mal farbstoffreicher.

      Zur Indigofärbung kann ich aus eigener Erfahrung (im Chemie-LK) sagen: es ist eine tierische Sauerei, schafft es aber ein weißes, glattes und neues Baumwollshirt zu färben, und das sind wie Wilfried gesagt hat geschlossene Fasern. Die Farbe ist auch nach 6 Jahren Tragen und Waschen nicht raus, wenn auch nichtmehr so tiefblau wie als ich es aus dem Becherglas gezogen hab. Beim Eintauchen des Stoffes sollte man aber nicht zu spaarsam mit dem Farbstoffsud sein, sonst ist das Kleidungsstück am Ende mit einem interessanten Farbverlauf versehen - und das ist doch eigentlich nicht Sinn der Sache.
      Allerdings weiß ich nicht mehr so ganz was ich da im Sud gehabt hatte - auf jedenfall wars Indigo in Leukoform auf einer Herdplatte.
      Igitur qui desiderat pacem, praeparet bellum; qui uictoriam cupit, milites inbuat diligenter; qui secundos optat euentus, dimicet arte, non casu. Nemo prouocare, nemo audet offendere quem intellegit superiorem esse, si pugnet. (Publius Flavius Vegetius Renatus; Epitoma Rei Militaris Libri IIII; Liber III, Abs.0; um 390)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Friethjoph ()

    • Bering schrieb:

      Mal wieder sehr interressant Wilfried...

      Danke echt das du uns zeigt das die alten Handwerker keine ahnung haben... in überlieferten Rezepturen steht das das Leinen mit einem geklärten Pflanzensud aus Eichenrinde gebeizt wurde...

      sehr interressant
      Ruhig Brauner, ruhig.

      Ihr habt beide Recht.

      Man kann aggressiv an die Chose herangehen (siehe Tannine) oder, was deutlich schonender ist, mit basischen Beizen (im Gegensatz zu den sauren Beizen, die das Wollprotein verlangt). Das macht chemisch gesehen Sinn und funktioniert auch in gewisser Weise.

    • Leinen kann - und sollte - vor dem Färben mit Pflanzenfarbe gebeizt werden.

      Am besten eignet sich dazu Essigsaure Tonerde.
      Das ist - wie Alaun - eine Aluminiumverbindung, die bereits im Mittelalter (seit den Kreuzzügen) bekannt war. Allerdings war sie damals noch sehr teuer, weil sie aus dem nahen Osten herbeigeschafft werden musste.

      Das Beizen von Leinen und anschließende Färben mit Pflanzenfarben habe ich bereits ausprobiert.
      Es geht folgendermaßen:

      Einen Liter Essigsaure Tonerde in der Apotheke kaufen.
      Lasst euch Essigsaure Tonerde "zur äußerlichen Anwendung" bestellen, keine hochreine. Diese ist zu teuer, jene kostet knapp 8 Euro je Liter.

      Mischt die Tonerde (entgegen ihrem Namen handelt es sich um eine wasserklare Flüssigkeit) mit 4 Litern normalem Leitungswasser. Gibt also einen halben Eimer voll.
      Zieht euch Gummihandschuhe an, besonders, wenn ihr empfindliche Haut habt.
      Gebt euren Stoff oder das Kleidungsstück (in meinem Fall war es ein Kinderkittelchen für meinen Siebenjährigen) dazu, taucht den Stoff gründlich unter und bedeckt ihn mit einem Teller, damit er völlig in der Flüssigkeit eingetaucht bleibt.
      Nun heißt es warten. Über Nacht - mindestens acht Stunden - muss das Leinen nun beizen.

      Hebt das Teil aus der Beize, drückt es gründlich aus und spült es sehr sehr gründlich mit klarem kaltem Wasser aus.
      Meiner Meinung nach sollte man dem Teil einen Spülgang "kalt, ohne alles" in der Waschmaschine gönnen.
      Ich habe das Kittelchen per Hand ausgespült und der Stoff war später bretthart - musste ihn "weichkneten" und "weichbügeln"...

      Die Essigsaure-Tonerde-Lösung kann man bedenkenlos noch weitere Male verwenden.
      Je nach Witterung fängt sie nach zwei bis vier Tagen jedoch erbärmlich an zu stinken (nicht mehr essigsauer, sondern eher etwas faulig) und muss dann weggeschüttet werden.


      Inzwischen habt ihr eine entsprechende Menge Pflanzenfärbesud nach Wahl angesetzt, köcheln lassen und durchgeseiht.
      Im Fall des Kittelchens handelte es sich um einen ordentlichen Strauß blühenden Rainfarns, komplett in Stücke geschnitten, zwei Stunden in 5 l Wasser sieden lassen, abgesiebt und mit drei Tütchen Natron versetzt. Das natron dient zum Basischmachen des Sudes, damit der Rainfarn auch gelb färbt.
      Statt dessen kann man ein paar Löffelchen Kalk nehmen, aber den hatte ich grad net zur Hand ;)
      Andernfalls - ohne den Natronzusatz - färbt Rainfarn grün.

      Nun kommt das immer noch nasse Kleidungsstück in den Färbesud und man lässt einige Stunden köcheln (wenigstens zwei).
      Überschüssige Farbe anschließend ausspülen und den Stoff trocknen lassen.

      ich habe etwas zu kurz geköchelt und - ihr sagtet es schon - leinen nimmt nun mal auch mit beizen die Farbe nicht so gut an wie eine tierische Faser.
      So ist also statt leuchtendem Sonnengelb ein blasses "Hurengelb" :love: daraus geworden.
      aber dem Kurzen gefällt's, vor allem, da ich noch etwas Mühe auf Stickerei verwendet hab.
      Ein ungebeizter Stoffrest, den ich probehalber mitgefärbt habe, ist fast gar nicht gelb geworden.

      Mehr Leinen habe ich noch nicht gefärbt, werde aber im kommenden Sommerhalbjahr ausprobieren, was Wald und Wiesen hergeben.
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • :allah
      Ich schließe mich dem Fusselhirnchen an - das hört sich nun echt so an, als würde mit der Anleitung sogar ich hausfraulich eher Unbegabte das hinbekommen... Nicht dass ich vor Deinem Beitrag je darüber nachgedacht hätte, selbst zu färben, aber es ist doch hübsch zu wissen, dass es ginge ;) .
      Danke.
      Ja!

      Wertschätzung ist die einzige Währung, die weltweit akzeptiert wird.
    • blaues Leinen wurde gefunden, bei den Wikis, ja. Aber das ist ja auch was anderes als die restlichen Farbstoffe, weil es mehr "aufliegt" als einzieht. Deswegen reibt sich Indigo auch eher ab.
      Das mit dem mehrmals färben bei Indigo und dann wirds dunkler halte ich für ein Gerücht. Indigo ist in sich selbst löslich, bei jedem neuen eintunken löst es sich und wird wieder hell bzw. gelb-grün beim rausholen. Was hilft ist länger drin lassen, dann wirds dunkler und effektiver als mehrmals färben.
    • Kampfrausch schrieb:

      Das mit dem mehrmals färben bei Indigo und dann wirds dunkler halte ich für ein Gerücht. Indigo ist in sich selbst löslich, bei jedem neuen eintunken löst es sich und wird wieder hell bzw. gelb-grün beim rausholen. Was hilft ist länger drin lassen, dann wirds dunkler und effektiver als mehrmals färben.
      Ich kann das mit dem öfter eintunken = dunkler blau auch bestätigen. Bei meinem letzten Versuch hab ich 3mal "getunkt" bevor ich dunkelblau bekommen habe, das ich wollte.