gehörnter Moses

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    • gehörnter Moses

      bin heute auf folgendes Bild gestoßen: (Quelle: WLB Cod.bibl.fol.5 - Weltchronik 1383)
      manuscriptminiatures.com/weltchronik-wlb-codbiblfol5/6361/
      weiß jmd. warum (offensichtlich) moses mit hörnern dargestellt wird? wird/wurde so nicht immer der teufel dargestellt? oder handelt es sich hierbei um eine nachträgliche schmiererei?
      Ein Spatz in der Hand ist der Genitiv des kleinen Mannes
      Wer ist eigentlich dieser "Seyd" und wieso ist er ständig gegrüßt?
      Die Chabos wissen wer der Babbsagg ist
      Wer das MumPS unterstützt, wählt auch CDU!
    • Der Fehler ist noch viel älter und soll wohl auf dem fehlen von Vokalen in den semitischen Schriften beruhen. Das hebräische Wort qaran bedeutet demnach "strahlen" oder "leuchten", das Wort qeran dagegen "gehörnt". Geschrieben werden beide Wörter aber gleich. So wurde also schon bei der Übersetzung aus dem Originaltext geschlampt...
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • vielen dank. das ist wirklich interessant zu wissen. trotzdem komisch, dass die leute damals scheinbar nicht darauf gekommen sind
      Ein Spatz in der Hand ist der Genitiv des kleinen Mannes
      Wer ist eigentlich dieser "Seyd" und wieso ist er ständig gegrüßt?
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    • Das liegt imho daran, dass die Mönche, die zum Abschreiben der alten Texte "abgestellt" wurden, zwar schön schreiben konnten, aber nicht unbedingt "vom Fach" waren, sodass ihnen Fehler gar nicht aufgefallen sind. Die heutigen Schriftsetzer müssen sich ja auch darauf verlassen, dass der Text, der ihnen vorgelegt wird, so und nicht anders zu drucken ist und dann gibt's eben manchmal Fehler...

      In der Pflanzenheilkunde kursierten übrigens Jahrhunderte lang Rezepturen mit "Ringelblumen-Rinde".
      Wer Ringelblumen kennt, weiß, dass die keine Rinde haben!
      Gemeint war dann auch die Rinde des Kapernstrauchs - beide Pflanzen wurden damals im Lateinischen (neben vielen anderen namen) mit dem Begriff Caput monachi bezeichnet. Der Schreiber kannte vermutlich keine Kapern, weshalb er den Begriff beim Übersetzen - ebenso korrekt wie falsch - mit Ringelblume übersetzte.
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    • Gehörnt und strahlen - kann sein, das damit eigentlich das Prinzip "geschmückt" gemeint sein soll?

      Andererseits kann man auch wild spekulieren, dass Moses aus einem Land ausgezogen ist, in dem laut Bibel eine goldene Kuh angebetet wurde (also etwas mit einem strahlenden Gehörn). Also wäre es nicht undenkbar (aber unwahrscheinlich), dass diese Ähnlichkeit und Schreibgleichheit zunächst deshalb auch gewollt war (auch wenn nirgendwo steht, dass sich Moses nach dem zerdeppern des goldenen Kalbs die Hörner aufgesetzt hat).
      Igitur qui desiderat pacem, praeparet bellum; qui uictoriam cupit, milites inbuat diligenter; qui secundos optat euentus, dimicet arte, non casu. Nemo prouocare, nemo audet offendere quem intellegit superiorem esse, si pugnet. (Publius Flavius Vegetius Renatus; Epitoma Rei Militaris Libri IIII; Liber III, Abs.0; um 390)
    • Gemeint war wohl tatsächlich eher "leuchten" oder strahlen.
      Es steht in der Bibl, dass Moses sein Gesicht verhüllte, als er nach der Gesetzesverkündung wieder vom Berg stieg, da sein leuchtendes Antlitz seine Gefährten erschreckt haben soll (Exodus 34,29 bis 34,30)

      Und es
      Geschah, als Mose von dem Berge Sinai herabstieg, -und die zwei Tafeln
      des Zeugnisses waren in der Hand Moses, als er von dem Berge herabstieg,
      da wußte Mose nicht, daß die Haut seines Angesichts strahlte, weil er
      mit ihm geredet hatte.



      30
      Und Aaron und alle Kinder Israel sahen Mose an, und siehe, die Haut
      seines Angesichts strahlte; und sie fürchteten sich, ihm zu nahen.



      31
      Und Mose rief ihnen zu, und sie wandten sich zu ihm, Aaron und alle Fürsten in der Gemeinde; und Mose redete zu ihnen.



      32
      Und danach nahten sich alle Kinder Israel; und er gebot ihnen alles, was Jehova auf dem Berge Sinai zu ihm geredet hatte.



      33
      Und Mose hörte auf, mit ihnen zu reden. Und er hatte eine Decke auf sein Angesicht gelegt.



      34
      Und wenn Mose vor Jehova hineinging, um mit ihm zu reden, tat er die
      Decke ab, bis er hinausging; und er ging hinaus und redete zu den
      Kindern Israel, was ihm geboten war;



      35
      und die Kinder Israel sahen das Angesicht Moses, daß die Haut des
      Angesichts Moses strahlte; und Mose tat die Decke wieder auf sein
      Angesicht, bis er hineinging, um mit ihm zu reden.
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    • Ja, das Bild mit Mose und den Hörnern geht auf einen Übersetzungfehler zurück. (So wurde es zumindest im Theologie-Studium meiner Ex-Frau gelehrt).

      Moses war nicht aus einem Land, in dem eine Kuh angebetet wurde. Er kam aus Ägypten.

      Das goldene Kalb hatte das Volk Israel (seine Leute) gebaut, weil Moses so lange auf dem Berg war.

      Gruß, Gerald
      Ich bin keine Signatur ... ich mache hier nur sauber. :whistling:
    • Kurzes :off2 , aber das wollte ich doch so nicht stehenlassen....

      In Ägypten gabs durchaus was Kuhähnliches im Götterpantheon - die Göttin Hathor trägt Kuhhörner und eine Verkörperung des Gottes Ptah ist der heilige Stier...

      So, nu aber :back

      Das mit Moses und den Hörnern hab ich tatsächlich noch nicht gewusst, danke dafür!
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Wieder was gelernt. Ich kannte nur die Behauptung, die Hörner seien dazu da, den Heiligenschein daran zu befestigen. (Manchmal wird nämlich auch Christus mit "Hörnern" dargestellt)
      Versuch' es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser (S. Beckett)

      Mein Verein:IG Wolf e.V.

      auch auf Facebook: facebook.com/pages/IG-Wolf-eV/181515928555627?ref=ts
    • Christus mit Hörnern?
      Hab ich ja noch nie gehört / gesehen (was nix heißen will)!
      Hättest du da ein Bild / Quelle dazu?
      Ich weiß nur, dass in der Apokalypse das Lamm (mit Hörnern), welches das letze Siegel bricht, mit Jesus identifiziert wird.

      Es gibt Meinungen von Satanisten, dass der Name des Gottes des Alten Testaments "Baal-Zebul" (Baal, der Erhabene) ist, der später, als Baal nicht mehr angebetet wurde, zu "Baal-Sebul" (Baal, Herr der Fliegen", Beelzebub) verändert wurde. Der meistgebrauchte Name Gottes, Adonai, wird mit "Herr" übersetzt!
      Auch wird Jesus in diesen Kreisen mit Luzifer (dem "Lichtbringer") identifiziert, ebenso wie mit dem Erzengel Michael (dies tun auch die Zeugen Jehovas). Angeblich war(en) Michael bzw. Luzifer (kein Name, sondern Titel!) die ersten Geschöpfe, die Gott schuf.
      In der Genesis steht, dass der erste Engel (ob Luzifer oder Michael ist nicht klar) ursprünglich der Liebling Gottes war. Jesus wird als "eingeborener" (= erstgeborener) Sohn Gottes bezeichnet, er selbst nennt sich "das Licht, die Wahrheit und das Leben".
      Als Gott des Lichts soll auch Baldr von Baal "abstammen".
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    • Das hängt sehr davon ab, wen Du fragst.

      Aber Luzifer ist zumindest in der biblichen Überlieferung nicht Jesus.

      Dass Luzifer einer der Erzengel war, der gegen Gott rebellierte und des 'rausgeworfen wurde, entspricht der christlichen Überlieferung / Mythologie. Und ja, es ist ein Titel ("Lichtbringer"). Aber Jesus mit Luzifer zu identifizieren fällt vermutlich nur Satanisten ein.

      Ich habe allerdings noch nie gehört, dass bei den "Zeugen Jehovas" Jesus und Michael verbunden werden.

      Hast Du eine Quelle zu der These aus Genesis?

      Gruß, Gerald
      Ich bin keine Signatur ... ich mache hier nur sauber. :whistling:
    • Ok, ich hab's gefunden.
      Daniel 10 lässt sich dahingehend interpretieren, dass Michael (einer der Erzengelfürsten) Jesus sei.

      Ein Engel hilft Daniel gegen die Perser und holt himmlische Verstärkung in Form von Erzngelfürst Michael herbei.
      Dieser aber stärkt, pflegt und tröstet Daniel und Daniel beschreibt ihn mit "einer, gleich einem Menschen" und redet ihn an mit HERR.

      Die übrigen Christen folgen dieser Auffassung aber nicht, da in eben jener Bibelstelle Michael bezeichnet wird als "einer der größten Engelfürsten" - aber eben nicht als der Sohn Gottes oder dergleichen.
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    • Ich hab's mal nachgelesen.

      Ganz abgesehen davon, dass das Buch Daniel sowieso sehr schwierig zu verstehen ist, ist sehr umstritten, wer die "Fürsten" oder "Prinzen" oder "Engelfürsten" sind, die da genannt werden, Und selbst wenn man davon ausgeht, dass Jesus derjenige ist, "der einem Menschen gleicht", dann steht am Ende von Damiel 10 immer noch: "doch will ich dir mitteilen, was im Buch der Wahrheit aufgezeichnet ist -, und es gibt keinen Einzigen, der mir gegen jene mutig beisteht9 als nur Michael, euer Fürst".

      Das hieße, dass Jesus eben nicht Michael, der (Engel-) Fürst.

      Aber unabhängig davon, bleibt es relativ unumstritten unter den Theologen, dass der "gehörnte Moses" ein Übersetzungsfehler ist.
      Ich bin keine Signatur ... ich mache hier nur sauber. :whistling:
    • Jupp, ich wollte auch nix anders sagen.

      Kam nur wegen dem gehörnten Jesus darauf (von dem ich eben noch nix gehörnt - äh - gehört hab *gg*)

      Es scheint mir allerdings, dass im SpäMi und der Renaissance verschiedene Heilige wieder mit entsprechenden heidnischen Göttern germanischen oder keltischen ursprungs re-identifiziert werden, ähnlich, wie es moderne Esoteriker tun (vgl. Wolf-Dieter Storl zB zum Thema "Gänseblümchen", die Maria, aber auch der Frigg zugeordnet werden).
      Evtl. hat man zu dieser Zeit damit begonnen, christliche Heilige mit entsprechenden heidnischen Attributen versehen, da man ja damals sich wieder für "heidnische" Kultur zu interessieren begann. Der schafhütende und menschenhütende Moses mit Hörnern wäre also eine Anspielung auf den Hirtengott Pan und der Übersetzungsfehler kam dem Ganzen nur gelegen...
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    • Wir werden ganz schön off topic geraten und vom Mod :keule1 Haue kriegen...
      Aber wo du grad diese Kulturen ansprichst:
      In der Vorweihnachtszeit letztes Jahr gab's eine Reportage auf ZDF, die ich leider nicht ganz gesehen hab. Da ging's unter anderem darum, das JHWE-Gott die Gottheit eines Volksstammes gewesen sein soll, der nomadisierend vom tiefsten Süden Ägyptens bis ans Mittelmeer gezogen sein soll. Dieser Gott hatte wohl etliche Ähnlichkeit mit dem altestamentarischen Gott. Ich muss gleich mal gucken, ob ich diese Reportage im Netz noch irgendwo finde... Der Bericht war echt interessant und brachte einige Aspekte, die ich auch noch net kannte.


      Ah hier ist es: In der ZDF-mediathek

      zdf.de/Terra-X/Bibelr%C3%A4tse…4836.html?mediaType=Video
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