Anleitung zum Klosterstich benötigt

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    • Anleitung zum Klosterstich benötigt

      Da ich ja schon seit meiner Kindheit sehr gerne sticke (allerdings nur Kreuzstich und Gobelin), wollte ich mir nun den Klosterstich aneignen.
      Leider finde ich dazu keine guten Anleitungen und die, die ich gefunden habe sind auch noch unterschiedlich, so dass ich nun nicht weiß welche die richtige ist.
      Vielleicht kennt jemand von euch ja auch ein gutes Buch, das ich mir dann spontan kaufen könnte.

      Und wenn ich dann weiß wie es geht und loslegen will, was nehme ich für Materialien? Der Stoff ist ein grober Leinenstoff, soviel ist mir klar. Und welches Garn? Ich hatte da was von Wolle gelesen. Wie dick sollte das Garn denn sein? Welche Farben waren "erlaubt"?

      Ich befürchte in meinem ersten Jahr des Lagerns werde ich kaum in unserem Lager sitzen sondern mich nur dafür interessieren, was in anderen Lagern so getrieben wird :D und mit lernen beschäftigt sein.
      Einen lieben Gruß
      Jean Verwer
    • Aaaalso... *tieflufthol*

      Eigentlich ist der Klosterstich ganz einfach: es werden immer geschlossene Flächen in einer Farbe ausgestickt, dabei spannt man zuerst einen langen Faden (deswegen wird das auch Spannstich genannt) von der oberen bis zur unteren Kante der Fläche und näht diesen langen Faden dann auf dem "Rückweg" nach oben mit Überwendlichstichen fest, wobei der Aus- und der nächste Einstich immer recht nahe nebeneinanderliegen sollen. Dann spannst Du den nächsten dicht daneben, arbeitest Dich wieder mit Überwendlichstichen nach oben, und immer so weiter...

      Ok, ich gebe zu das ist jetzt vermutlich schwer zu verstehen gewesen, ein recht brauchbares Bild zum Grundprinzip findet sich hier:

      tempora-nostra.de/lx_klosterstich,kontext6,Navi.shtml ( Quelle: tempora-nostra.de )

      Ein wirklich gute Buch zum Klosterstich kenne ich persönlich leider nicht, vielleicht weiß ja irgendjemand anders eins?

      Zum Material: Leinen als Stickgrund ist gut, das Stickgarn ist im Original Wolle, aber in einer sehr feinen Fadenstärke, sonst wird die Oberfläche schnell sehr unregelmäßig. Wenn Du im Handarbeitsladen Wollstickgarn kaufen willst bekommst Du heutzutage meist Gobelinstickgarn, und das ist viel zu grob! Für Deine ersten Ausprobier-Versuche tuts aber auch Baumwoll-Sticktwist, den ich persönlich noch geteilt habe (3 statt 6 Fäden), um die richtige Fadenstärke zu erreichen. Wenn Du dann die Technik drauf hast und öffentlich zeigen möchtest hast Du auch ein Gefühl dafür, wie dick der Wollfaden sein darf.

      An Farben würde ich grundsätzlich versuchen nur solche zu verwenden, die sich auch über Pflanzenfärbungen herstellen lassen.

      Ach ja, und ganz wichtig ist: Du wirst einen Stickrahmen brauchen, da der Stoff zum Besticken gleichmäßig gespannt sein muß. Für den Anfang tuts ein moderner runder, aber historisch korrekt wäre ein rechteckiger, in den der Stoff eingenäht wird.

      Ich hoffe, ich konnte Dir damit weiterhelfen? In meiner Galerie sind noch ein paar Bilder von meinen Klosterstich-Versuchen, auch wenn man da nicht so viel zur Technik erkennen kann. Vielleicht laufen wir uns ja auch mal während der Saison über den Weg, dann geb ich Dir gern ein "Einführungs-Seminar" !
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Ich muss sagen, als ich heute mittag nach Stickmotiven suchte stolperte ich über u.a. den Klosterstich und verstand nicht wozu er gut sein sollte, jetzt ist der Groschen gefallen :)

      Das hier habe ich grade noch dazu gefunden.
      medieval.webcon.net.au/technique_stitches.html (Quelle: Hiistorical Needlework Resources medieval.webcon.net.au/index.html )

      Da ist auch ein ähnlicher Stich, bei dem nicht zu beiden Seiten des Längsfadens gestochen wird sondern nur auf einer und eine Schlaufe um den Längsfaden gezogen wird. Ob die mit einander verwandt sind? Um die Zeitspannen rauszubekommen muss man auf der Seite bisschen suchen, aber ich bin dran.
      Man muss völlig verrückt sein um die Zeit damit zu verbringen von einem Markt zum nächsten zu tingeln, es nicht zu tun wäre aber viel schlimmer :hammel
    • In den modernen Büchern über die diversen Stickstiche ist er meines Wissens nicht mehr drin. Ich habe noch ein altes Anleitungsbuch meiner Mutter zu Hause, da ist er erklärt mit Text und Bild. Den Titel des Buches liefere ich nach.

      Tja, ansonsten ist er so wie Katharina ihn beschrieben hat.

      Auf der HP von Flinkhand findest du auch eine kurze Einführung.

      Ich verwende immer Leinen Stoff und pflanzengefärbte Wollgarne. Angefangen habe ich auch, wie Katharina schrieb mit Baumwoll Sticktwist. Die Garne fürs Sticken haben eine unterschiedliche Stärke, je nachdem wie fein das Muster, desto dünner der Faden.

      Demnächst versuche ich mit Seidengarn :wacko:

      Mein Erstlingswerk habe ich hier auch online.
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      Grüße Marina
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    • Danke Katharina. Ich habs nun verstanden.
      Mein Problem war, dass auf einer Seite wohl der falsche Stich beschrieben war, denn dort wars ganz anders beschrieben. Auf anderen Seiten wurde dann beschrieben, dass man erst die komplette Fläche mit Spannstichen sticken muss und die dann im 2. Gang feststickt und auf wieder einer anderen Seite wars danna uch tatsächlich so beschrieben wie du es beschrieben hast.

      Leinen und das normale Baumwoll-Sticktwist habe ich zu Hause. Zum üben werde ich dann also erstmal das nehmen. Runde und ovale Rahmen habe ich auch da. Wie gesagt, ich sticke schon seit meiner Kindheit sehr gerne im Kreuzstich und habe deshalb sehr viel Material davon hier. Zum üben muss das dann herhalten.

      Alles andere kann ich dann anschaffen, wenn ich es einigermaßen behersche und der erste Markt ansteht.
      Von der dicke des Garns her müsste doch dann Sockenwolle gehen oder? Die ist zwar nicht 100% aus Wolle und somit nicht ganz "A". Oder geht das nicht weil die leicht elastisch ist und sich das gestickte Bild dann verziehen würde?
      Einen lieben Gruß
      Jean Verwer
    • Du meinst den "Detached Buttonhole Stitch"? Der und der Klosterstich sind nicht verwandt.
      Der Klosterstich dient der Flächenfüllung bei farbigen Mustern. Der Buttonhole Stitch dient, wie der Name sagt, zum Versäubern (z. B. von Knopflöchern). Der untergelegte Faden dient nur der Randverstärkung. Grundsätzlich kann der Stich auch ohne ihn ausgeführt werden. Da der Stickfaden dann nicht nur eine Schlinge bildet, sondern die Nadel vor dem erneuten Einstechen hinter den Faden geht, ergibt sich eine Art Brezel, bzw. ein eckiges U, wie Du auf dieser Seite gut sehen kannst (nicht von den Begriffen verwirren lassen; es gibt keine einheitliche Nomenklatur für Stickstiche): handsticken.de/technik /languettenstich.html [Quelle: handsticken.de]


      Sockenwolle ist m. E. zu dick, es sei denn, Du arbeitest auf Stramin. Dann eher Lace-Garn.
      Versuch' es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser (S. Beckett)

      Mein Verein:IG Wolf e.V.

      auch auf Facebook: facebook.com/pages/IG-Wolf-eV/181515928555627?ref=ts
    • Der andere Stich, den Genevieve beschrieben hat ist vermutlich der Bayeux-Stich, benannt nach dem in dieser Technik gestickten Teppich. Dabei werden ganze Flächen erst mit senkrechten langen Stichen gefüllt, dann werden in Abständen waagerecht einzelne lange Fäden darübergelegt, die dann im 3. Arbeitsschritt "festgenäht" werden. Bei Flinkhand wird dieser Stich fälschlich als Klosterstich bezeichnet.

      Sockenwolle ist von der Garnstärke her grenzwertig, ich denke auch Lace-Garn wird eher hinkommen.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Ja genau bei Flinkhand war das. Da wird der Bayeux-Stich als Klosterstich beschrieben.
      Ich glaube, ich habe auch noch Stramin da. Dazu müsste ich nachher mal meine Kiste mit Stickstoffen aus dem Schrank kramen.
      Außerdem habe ich auch noch etwas feineren Leinenstoff da. Probieren geht über studieren. Ich werde euch dann von meinen ersten Versuchen berichten ;)
      Einen lieben Gruß
      Jean Verwer
    • Gestern hatte Katharina gerade einen schönen Tipp und Link zu den Veranstaltungen des Klosters Wienhausen . :danke
      Dort habe ich den Begriff "Klosterstich" überhaupt erst wahr genommen. Also: Es gibt auch dafür `nen Kurs .
      (Quellen: kloster-wienhausen.de und klosterstich.de)
      Meine angestrebte Darstellung: Handwerker (Snitker / Kunthormaker) in der 2. Hälfte des 15.Jh., Region Pommern/Stralsund
    • Schöner Querverweis Gryphan...nur sind diese Kurse, die übrigens schon allein wegen ihres Veranstaltungsortes (die Teilnehmer wohnen im Kloster Wienhausen selbst!) ein echtes Bonbon sind, leider immer schon auf Jahre hinaus im Voraus ausgebucht. Die momentane Terminplanung (zu sehen auf der Seite klosterstich.de, die nebenbei gesagt auch sehr schön ist, allein schon wegen der dort abgebildeten Arbeiten)geht bis 2014, und bis dahin sind die Kurse auch schon ausgebucht. Zusätzliche Kurse sind leider nicht möglich, da der gesamte Organisationsaufwand auf den Konventualinnen und der Leiterin Frau Hirschler ruht, die nicht mehr Kurse im Jahr wuppen können.

      Einen Tipp hab ich aber noch für alle Klosterstich-Interessierten: während der sog. "Teppichwoche" (dieses Jahr vom 25. Mai bis zum 2. Juni) ist nicht nur die wirklich wunderschöne Sammlung von gotischen Wandteppichen im Klosterstich und das restliche Kloster mit persönlichen Führungen zu besichtigen, sondern die Leiterin der Stickkurse, Frau Hirschler, zeigt Arbeiten aus den Stickkursen und demonstriert auch, wie der Klosterstich gestickt wird.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Amalie, genau das ist auch mein Problem. Viele Dinge sind für mich noch neu und da fragt man als erstes Google und landet dann auf solchen Seiten und glaubt erstmal was dort steht.

      Lisabeth, danke für den Buchlink. Das werde ich mir mal genauer anschauen. Vielleicht bekommt man es ja auch irgendwo gebraucht.

      Das mit den Kursen ist sicher eine tolle Sache, aber hier in der Umgebung gibt es sowieso weder von der VHS noch von der Kirche Kurse über mittelalterliche Handarbeiten.
      Außerdem sind solche Kurse ja oftmals auch sehr teuer und da ich mir schon reichlich viel selbst bzw. mit Hilfe von Büchern, Texten und Videos beigebracht habe, schaff ich das auch noch ;)

      Außerdem fangen auch bald die Märkte an und da lernt man dann bestimmt auch den ein oder anderen kennen und man kann sich gegenseitig was beibringen ;)
      Einen lieben Gruß
      Jean Verwer
    • Ich habs auch gelernt mit Katharinas hilfe :love:

      ich bin allerdings zu der Erkenntniss gekommen, das es mit dem runden Stickrahmen nicht ganz so gut funktioniert, da die Linien sich leicht verziehen.

      Kann auch sein dass ich mir das nur einbilde.

      Achja wunderschöne Stickereien im Klosterstich kann man im Kloster Lüne in Lüneburg bewundern
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Hey, :danke , die Seite kannte ich noch gar nicht...und die Rosenranke gefällt mir schon ganz lange, da werd ich mir direkt mal die Vorlage "klauen". :)

      Ein wunderschönes Buch zum Thema Klosterstich ist übrigens auch "Per manus sororum - Niedersächsische Bildstickereien im Klosterstich 1300-1583" von Tanja Kohwagner-Nikolai . Ich hatte es mal per Fernleihe und es steht auf meinem Wunschzettel. Es enthält zwar weniger eine Erklärung der Technik, zeigt aber eine sehr umfangreiche Zusammenstellung von Klostersticharbeiten mit viel wunderschönem Bildmaterial. :love:
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Ich habe es nun ausprobiert. Stramin hatte ich leider doch nicht mehr bzw. nur noch eins in gelb und das wollte ich dann doch nicht nehmen, also habe ich ein Stück von einem ganz normalen naturfarbigem Leinen genommen. Als Garn habe ich normales Sticktwist genommen und dieses nochmals geteilt. Mein Motiv ist die Lippische Rose. Nach ein paar anfänglichen Schwieirgkeiten und rumprobieren habe ich es nun glaube ich raus. Und nun verstehe ich auch erstmal das prinzip. Ich habe mich ja ehrlich gesagt die ganze Zeit gefragt warum man denn erst einen losen Faden über die ganze Fläche spannt und ihn dann fixiert. Nun sehe ich an meiner eigenen Arbeit, dass ich letzendlich so aussieht wie ein verzwirnter Faden, der fest am Stoff sitzt.

      Sobald ich ein bißchen mehr geschafft habe werde ich ein Foto machen und euch begutachten lassen. ^^
      Einen lieben Gruß
      Jean Verwer