Grabbeigaben: Eiserne Webschwerter

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    • Grabbeigaben: Eiserne Webschwerter

      Ich habe heute etwas Interessantes in einem Fundbericht aus dem Gräberfeld Weimar (Thüringen, Völkerwanderungszeit) gelesen, nämlich, dass die Mehrzahl der weiblichen Toten mit eisernen Webschwertern bestattet wurden. Selbige fanden sich auch in anderen mitteldeutschen Frauengräbern gleicher Zeit und sogar in Westskandinavien.

      Da fragte ich mich: Machen Webschwerter aus EISEN überhaupt Sinn? (Das längste war 57,7 cm lang, das kürzeste 26,5) Sind sie funktionell zu gebrauchen? Oder ist das eher das weibliche Pendant zum "richten" Schwert in den Männergräbern? Also eher symbolisch zu betrachten.

      Leider stand zu diesen Dingen nichts im Fundbericht oder anderen Berichten... :( Deswegen jetzt die Frage an die praktizierenden Weber :)
    • Eiserne Webschwerter gibt es auch im angelsächsischen Fundgut. Es wird dort zwischen schwertförmigen und speerförmigen Webschwertern unterschieden. Sie wurden immer in gut ausgestatteten Gräbern gefunden.
      Literatur: Penelope Walton Rogers, Cloth and Clothing in early Anglo-Saxon England 2007

      Warum nicht Eisen? Solange es nicht so scharf wie ein Skalpell geschliffen ist, muss nur gut in der Hand liegen. Ich denke, das heißt im Deutschen nur Schwert wegen der Form, im Englischen heißt es "weaving batten".

      LG
      Therese
    • Was ist punktuell? Für ganz kleine Abschnitte gibt es Pinbeater (dt.-?), dann sowas wie Gobelingabel und für längere Strecken die Webschwerter. Die sind analog für das Anschlagen mit dem Webblatt.
      Das Webfach beim Gewichtswebstuhl öffnet sich nach unten und da schlägt man mit der langen Seite nach oben den Faden an.
      Ich habe bei einem Test ein Lineal genommen.

      LG
      Therese
    • Mit ein wenig Zeit findet man doch den einen oderen anderen Text im Netz zu diesen eisernen Webschwertern. ^^ Ich fasse es mal zusammen und wer mehr will, folge dem Link:


      Solveig Möllenberg: Tradation und Transfer in spätgermanischer Zeit: süddeutsche, englische und skandinavische Funde des 6. Jahrhundets, Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Ergänzungsband. (S.114) Buch-Link (Googlebooks)
      - Eiserne Webschwerter kommen ausschließlich in reichen Frauengräbern vor und werden als Statussymbol der wohlhabenden Hausfrau gesehen.
      - Von einigen Autoren werden sie als "typisch germanische" Grabbeigaben zur Zuordnung germanisch/römisch... benutzt.
      - Webschwerter aus dem süddeutschen Raum und aus Norwegen sind umgeschmiedete, ehemalige Schwerter.
      - Zeitlicher Schwerpunkt ist das 6. Jahrhundert. Verstärkt ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.


      Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 33 (S.323): Buch-Link bei GoogleBooks
      - Webschwerter waren meist aus Holz.
      - Ob die eisernen Webschwerter je in Funktion waren ist fraglich.


      Fabienne Médard u.a.: La nécropole mérovingienne d’Erstein (Bas-Rhin) : étude des textiles minéralisés au contact des fibules Quelle: reveu de archiologique de l'est
      - Eiserne Webschwerter kommen auch in heutigen französischen Gebieten vor, Rheingebiet (Ok, da gab es mal das Westthüringerreich...)
      - Es wird vermutete, dass Webschwerter ein übliches Beigabenwerk bei Frauen waren, nur die Holzversionen wohl vergangen sind.