Welche Handspindel und von wem?

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    • ich spinn inzwischen alles:
      - Hund
      - Esel
      - Lama
      - Alpaka
      - Schaf
      - Hase
      - Seide
      - Flachs
      nur MenschenHaar funktioniert nicht gut

      Eigentlich kann man alles Fasern, die halbwegs lang genug sind verspinnen.

      ich kann dir nicht sagen wie lange ich für 50g brauche, ich spinne immer nebenbei (Wartezimmer, Abholen der Kinder, abends) oder einfach nach Bedarf wenn ich wieder Nähfaden brauche
      Darstellungszeitraum: 1475 (Süddeutschland)



    • ich hab die Erfahrung gemacht, dass je länger die Leute spinnen, desto dünner werden die Fäden. Anfänger kriegen meist nur Garne hin, die als Dochtgarn grad so dünn genug zum Nadelbinden sind, langjährige "Spinner" tun sich im Gegenteil dazu sehr schwer damit, dick zu spinnen, und produzieren nur noch ganz feines Garn, das selbst verzwirnt noch zum Sticken und Nähen geeignet ist. Ein bisschen ist es natürlich auch von den Fasern und den persönlichen Vorlieben abhängig, aber eine Tendenz ist da durchaus erkennbar...

      Als Anfängerfaser find ich Heidschnucken-, Milchschaf- und Bergschafwolle super. Das ist alles schön grob und das einzige, wo mir nicht alle 3m die Spindel abstürzt ;) Bin nicht so der Meisterspinner (ich spinne doch lieber im Kopf und nadelbinde/färbe/schnitze/webe dabei), arbeite aber wenn zur Zeit am liebsten mit pflanzengefärbter, handkardierter Milchschafwolle - hab mir letztes Jahr 3-4kg naturweiße handkardierte ertauscht, die nach und nach in den Kessel fliegt/geflogen ist...

      Verdammt. jetzt krieg ich das Bedürftnis, mir nach fast 'nem Dreivierteljahr doch noch 'ne neue Spindel zu bauen und wieder loszulegen. Dabei habe ich hier doch so viele angefangene Projekte rumzuliegen...
      friuntskafida.de - Handwerk um 675 n.Chr.
    • Es brennt mich herauszufinden, warum es in Island nur Kopfspindeln gibt, waehrend ich auf europaeischem Bildmaterial immer nur Fussspindeln sehe. Wahrscheinlich muesste ich mir mal archaeologisches Material aus Irland oder Norwegen ansehen. Das kommt noch irgendwann.

      Die naechste Parallele zu Kopfspindeln ist erst wieder in Aegypten, aber daher kommen sie wohl nicht nach Island.
      s. Grace M. Crowfoot, Methods of Handspinning in Egypt and the Sudan. Bankfield Museum Notes. Second Series No. 12.

      Du kannst im Prinzip so viele Einzelfaeden wie du willst miteinander verdrehen, gaengig sind aber zwei oder drei. Wichtig ist nur, dass die Knaeule separat gehalten werden und du die Faeden, bevor sie zusammenlaufen, mit den Fingern getrennt haeltst. So verhinderst du, dass der Drall unkontrolliert weiterlauft. Zu Hause, wenns keiner sieht, lege ich je ein Knaeul unter einen umgestuelpten Blumentopf und lasse den Faden oben rauskommen. Auf Maerkten lege ich die Knaeule in Tongefaesse oder tiefe Holzschalen.

      Wenn du die fuers MA gebraeuchlichen Tiefwirtelspindeln benutzt, ist es praktisch, mehrere Staebe (=Spindeln) zu haben und den Wirtel von der einen auf die naechste zu stecken, wenn sie voll ist. Die vollen Spindeln steckst du dann in ein gelochtes Brett und zwirnst, ohne erst Knaeule zu wickeln.

      Fuer diese Brettmethode habe ich aber keinen Beleg. Ich kenne nur Abb., wo von der Spindel direkt auf eine Kreuzhaspel (Niddy Noddy) gehaspelt wird, also Einfachband, z.B. so:
      [url]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dd/90Israhel_van_Meckenenem_Verkehrte_Welt.jpg?uselang=de[/url]
      Herrliches Bild, findet ihr nicht?

      Uebrigens habe ich ueberhaupt keine Belege dafuer, wie gezwirnt wurde. Sagt mir, wenn ich was wisst.



      Ich spinne grade fuer ein Projekt mit dem Rad sehr feines Garn, da laufen 50 gr seeehr weit und ich sitze etliche Abende dran. Man kann 50 gr aber auch in 2 Std. verspinnen.

      Nein, das Verzwirnen ist nicht abhaengig vom Gewicht der Spindel, sondern vom Drall, den du in das Einfachgarn gesponnen hast und wie schnell oder langsam dein Verzwirnvorgang ablaeuft. Um das optisch verfolgen zu können, ist es fuer den Anfaenger gut, 2 verschiedene Farben zu verzwirnen, dann sieht man besser, was ablaeuft.


      Guðrún Ósvífursdóttir sagte zu ihrem Mann Bolli, nachdem er Kjartan Ólafsson im Kampf getötet hatte: "Misjöfn verða morgunverkin. Eg hefi spunnið tólf alna garn en þú hefir vegið Kjartan." = "Unterschiedlich sind unsere Morgenwerke. Ich habe Garn fuer zwölf Ellen [Gewebe] gesponnen und du hast Kjartan getötet." Wir wissen nicht, ob Guðrún Kett- oder Schussgarn gesponnen hat. Nehmen wir mal an, sie hat Schussgarn gesponnen (das geht schneller), dann hat sie in den schaetzungsweise 5-6 Stunden waehrend des Kampfes etwa 4570 m gesponnen!!! Mit der Handspindel wohlgemerkt. Bei der Berechnung geht man von einer Schussdichte von etwa 10 cm aus.

      Mit gut fettiger Wolle, genuegend Spindeln und ohne Pause ist es unter grösster Anstrengung und Konzentration ist diese Superleistung wohl nur einer sehr sehr guten Spinnerin möglich. (Jón Hnefill Aðalsteinsson, Blót í norrænum sið: Rýnt í forn trúarbrögð með þjóðfræðilegri aðferð. Reykjavík 1997:141,142.

      Mein Respekt vor den islændischen Vormuettern ist sehr gross!

      Iðunn
      hinfallen - aufstehen - Krone richten - weitergehen
    • Darf ich diesen alten Thread noch mal hervorholen?
      Ich bräuchte mal Hilfe bei der Recherche nach Spindelformen im ausgehende Hoch-/ beginnenden Spätmittelalter. Namentlich die Zeit um 1300.
      Ich habe bereits herausgefunden, dass zu der Zeit neben den ersten -aber wohl noch kaum verbreiteten- Spindelrädern fast ausschließlich Fußspindeln/Tiefwirtelspindeln verwendet wurden. Kann mir jemand einen Tipp geben, wo ich Hinweise darauf finde,ob es sich da um konisch gedrechselte Spindeln gehandelt hat oder um solche mit Wirtel und ggf aus welchem Material die Wirtel waren?

      Danke schön!
      Herzliche Grüße von Gerda!
      (Berlin, 13. Jhd) :bye01
      www.brandenburgunder.de www.diehandmaid.wordpress.com
    • Spinnwirtel sind eins der wenigen Dinge, die wirklich fast überall gefunden werden, weil sie sich so gut erhalten, ich würd mal in die Museen in deiner Umgebung schaun, die Formen und Größen können echt von Region zu Region total unterschiedlich sein, bei uns gibts zB einen Fund aus Oberösterreich (den hat Katharina hier ja schon verlinkt) von hauptsächlich Specksteinwirteln in der Größe von Stachelbeeren, also wirklich winzig, dann in Wien wieder welche aus Keramik in einer Art abgeschnittenen doppel-Kegelform usw, also kann echt total unterschiedlich sein und variiert natürlich auch nach Material des Fasermaterials und beabsichtigtem Produkt.
      Sichel und Pflug - mein kleines Steinzeit-Projekt

      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

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