Vergleichsfunde steinerne, durchlochte Kugel

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Vergleichsfunde steinerne, durchlochte Kugel

      In "meinem" ;) Thüringerin-Grabinventar befindet sich eine durchlochte Kugel aus Kalkstein. Leider ist die Lage der Kugel beim Ausgraben nicht verzeichnet worden. :( Dementsprechend gibt es jetzt zwei Möglichkeiten für die Zeit (500): Entweder es ist ein Spinnwirtel ober es ist ein Gürtelziergehänge, wie es sie in bajuwarischen, alamanischen... Gräbern gibt. Die Größe passt zu Beidem.

      Ich suche jetzt Vergleichsfunde zu steinernen Spinnwirteln aus dem Frühmittelalter. Kennt wer welche? (Aus dem Hochmittelalter kenne ich zwei aus Sandstein in Prag)
      Außerdem würden mir Vergleichsfunde von Steinkugeln als Gürtelziergehänge interessieren - und vor Allem, aus welchem Stein die waren und in welchen Gräbern die vorkamen (Sehr reich, wohlhabend...). Je nachdem, kann ich vielleicht per Ausschlussprinzip vorgehen ?(

      Kann mir jemand helfen? Literatur, Funde, Links... :danke
    • Hallo Tordis,

      da bin ich gerade vor ein paar Tagen über einen guten Aufsatz über kugelförmige Zieranhänger im Frühmittelalter gestolpert. War im Jahrbuch des rgzm 1966, das ist Band 13.

      Der Artikel fokussiert in erster Linie die Zierkugel-Anhänger aus Bergkristall, zieht aber auch andere Beispiele wie z.B. auch die sog "Glaswirtel" heran.
      Ich kann mich erinnern dass zum Vergleich auch Kalksteinanhänger aus Thüringen herangezogen worden sind.
      Wie ist denn dein Grab datiert? Ich bin kein Spezialist für die verschiedenen Wirtelformen durch die Jahrhunderte, weiß aber das die Wirtel Anfang 6. Jhd in Thüringen garantiert nicht kugelig waren... Tippe also eher auf einen Schmuckanhänger...




      Support your local museum - Unterstütze dein örtliches Museum!
      :thumbup:
    • Mir ist jetzt spontan auch keine andere Steinkugel bekannt. Würde das auch eher als Anhänger mit Talismanfunktion betrachten. Zu der Zeit sind die Wanderbewegungen ja noch ein großes Thema, und wir haben zum Beispiel andere scheinbar unerklärliche Funde wie kleine Samen in Bronzekapseln in Kriegergräbern etc. Mögliche Erklärung: Erinnerungen an die Heimat ... oder was ganz anderes :P
      Die Straße, auf der die Feinde fliehen, muss man bahnen.- Vegetius

      www.bucinobanten.de

      plus.google.com/u/0/photos/103…oid=103414007700915529988
    • Wie gross ist sie denn? In Palma gibt es kugeln in verschiedenen Größen. Diese waren einfach oder sogar mehrfach gelocht. Aus Stein, Ton und auch Eisen sowie Bronze. Man verschoss sie aber als Munition. Da in deinem Fall aber wohl nur eine Kugel gefunden wurde, kommt dieser Verwendungszweck eher nicht in Frage. ;(
      Bono Mellius
    • Also ich schau heute Abend noch mal nach der Größe der Kugel, bzw. nach Vergleichsfunden.

      Am Ziergehänge der Frau fand sich so aller Hand, was eben teilweise eine Art magischer oder Talisman Charakter besaß, dann aber auch wieder Dinge mit konkreter Funktion. Bei den "Talismanen" gibt es teilweise in einer Region Regelmäßigkeiten, wie einen Bärenzähn, oder aber auch wohl einmalige Besonderheiten, wie eben einen versteinerten Seeigel. Bei den Gesteinen kenn ich schon recht früh Formen von (meine recht schlicht umfassten) Jadestein etc., in der späteren MWZ gibt es dann auch recht regelmäßig z.B. schön eingefasste Bergkristallkugeln usw.

      Dann haben wir haben einen Unterschied, wenn es zum Gürtelgehänge mit Funktion kommt (dies vermischt sich aber auch stellenweise). Typisch wäre hier neben dem Messer eben auch ein Spinnwirtel. In der Merowingerzeit gibt es meines Wissens nach hauptsächlich Ton- und Glaswirtel. Specksteinfunde kenne ich persönlich zumindest in der Alemannia nicht. Ich meine auch, dass Speckstein auch erst im späteren Frühmittelalter hauptsächlich aus Skandinavien (z.B. Norwegen) importiert in größeren Mengen verarbeitet wurde. Keine Ahnung wann in Deutschland der Abbau begonnen wurde.

      Um zu der Ausgangsfrage zurückzukommen, ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie man einen Kalkstein ordentlich zu einem Wirtel verarbeiten kann, was nicht bedeutet, dass dies vlt. nicht möglich war. Deshalb würde ich eher zu der Version Talisman/Erinnerungsstück tendieren. Interessant wäre natürlich, ob und wenn ja welche Verarbeitungsspuren der Stein aufweist.
      Die Straße, auf der die Feinde fliehen, muss man bahnen.- Vegetius

      www.bucinobanten.de

      plus.google.com/u/0/photos/103…oid=103414007700915529988
    • ..und ich hatte noch Knochen (..und ferner noch Bergkristall...) als Wirtelmaterial vergessen...

      :off1


      holger schrieb:

      Mal kurz offTopic:
      @Erinmund:
      Hast Du ein paar Funde für die Bronzekapseln ? Ich selber kenne einen aus Pleidelsheim. Die Beschreibung läßt es relativ offen, ob es sich um ein Männer- oder Frauengrab handelt. Datierung ist ebenfalls auf ca. 500.


      Der Plural war unglücklich... Habe gerade noch etwas nachgeschlagen, aber ich finde auch nur diesen einen Fund. Denke aber, dass es hier hauptsächlich um den Inhalt, also die Rispenhierse geht. Da der Tote sie ja vermutlich an einer Kette um den Hals trug, könnte ich mir sogar vorstellen, dass er die Bronzekapsel zu Lebzeiten trug, ansonsten hätte es ja auch völlig ausgereicht diese in einem normalem Gefäß mitzugeben.

      Aber es gibt wohl noch mehr Bronzekapseln etc. in späteren Frauengräbern, welche wohl auch zum Brustschmuck gehören oder um den Hals getragen wurden. Kennen tu ich hier jetzt nur eine Tafel aus Gonzenheim, von den restlichen Beigaben von mir als wohl fränkisch und grob ins 7 Jhd. eingeordnet. Das würde dazu passen, dass es wohl im rheinhessischen im 7 Jhd. eine Mode von ähnlichen zylinderförmigen Anhängern gegeben hat.
      Die Straße, auf der die Feinde fliehen, muss man bahnen.- Vegetius

      www.bucinobanten.de

      plus.google.com/u/0/photos/103…oid=103414007700915529988
    • Wie schön, dass doch noch jemand was dazu gefunden hat :)

      Mein Grab ist auf 525 datiert, Alsuna.

      Im Fundbericht aus den 1930ern steht dazu da: "Kugel, weiß kalkig, zum Teil mit Eisenrost bedeckt, in der Mittelachse durchlocht, Achse 3cm lang, oberer Lochdurchmesser 7 mm, unterer 5 mm." (Gustaf Eichhorn)

      Leider ist die Lage im Grab nicht dokumentiert, sodass mir auch nicht klar ist, von was genau der Rost kommt (Webschwert, 2x Messer, Schere, Feuerstahl...)
    • Wie gesagt gehe stark von einem Amulett in Knie-Höhe aus... Die Vergleichfunde sprechen dafür.
      Mein Grab aus dem TK ist um etwa 500 datiert... Die Spinnwirtel die ich aus der Zeit und Region kenne sind im Querschnitt trapezoid.

      Im bajuwarischen gibt es übrigens diese "Hänge-Amulette" aus Meerschaum - optisch eine interessante Referenz.
      Hast du mal den B.Schmidt hierzu durchgeschaut? "Späte Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland" ist neben dem Behm-Blancke "a must" für den Thüringer-Königreich-Darsteller. Kann ich nur empfehlen. :)




      Support your local museum - Unterstütze dein örtliches Museum!
      :thumbup:
    • Das konische Loch ist allerdings typisch für Spinnwirtel. Die Rostanhaftungen sprechen eher dagegen. Ich persönlich habe manchmal den Eindruck, das einige der Gürtelanhänger Spinnwirtel SIND. Würde auch Sinn machen, da der Stab bei den historischen Spindeln nicht fest war.
    • Jetzt mal von einer durchaus technisch möglichen Nutzung einer Kugel als Schwungkörper einer Handspindel abgsehen (Frage an die Handspinner: Wären Glaswirtel für Wolle nicht zu schwer?):

      Ich habe hier eine Grafik in "Cloth and Clothing in the Early Anglo Saxon England" von P. Walton-Rogers die die Entwicklung der Formen der Spinnwirtel über die Epochen veranschaulicht. (S. 25) Nach der Grafik sind die runden, kugeligen Spinnwirtel Typ C1 ab der "roman period" nicht mehr nachzuweisen. Im 5 Jhd. werden diese in etwa diamant- oder scheibenförmig. Das deckt sich in etwa mit den Befunden vom Festland die ich kenne.
      Zusätzlich ist es so das kugelige Anhänger oder gläserne Spinnwirtel oft gleichzeitig mit tönernen Wirteln in zeittypischer Form ins Grab gegeben werden aber an komplett anderen Positionen (oft neben dem Knie) geborgen werden. Das lässt auf eine andere Funktion schließen... bei den Funden "neben dem Knie" auf eine Art Zieranhänger am langen Band.
      Hinz sieht in seinem Artikel "Am langen Band getragene Bergkristallanhänger der MZ" die spätere Bullae in der Tradition die vorangehenden Bergkristall-Anhängern die am langen Band getragen werden.




      Support your local museum - Unterstütze dein örtliches Museum!
      :thumbup: