bürgerliche Kopfbedeckung um 1300

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    • bürgerliche Kopfbedeckung um 1300

      Hallo

      Nach längerer Zeit habe ich endlich "meine" Zeit gefunden - die Jahrhunderwende 1299/1300.
      Ich bin mir einfach nicht sicher was eine bürgerliche Frau in einem kleinen Städtchen als Kopfbedeckung hatte. Wäre ein Gebende mit Schleier - also nur die Stoffstreifen und den Schleier dran gesteckt - passend?
      Oder gibt es andere Möglichkeiten?
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler
    • Bürgerlich wäre jetzt erst mal genauer zu klären;)
      Was für Bürgertum?
      Welche Stadt?
      Diese beiden Sachen würden nun Rückschlüsse auf den Reichtum. oder eben nicht Reichtum dieser Bürgerschicht zulassen und somit auch Rückschlüsse auf mögliche Kopfbedeckungen
      Ich treib mich irgendwie überall rum:

      ig-mim.de
      gesta-treverorum.de
      zeitenhandel.de
      facebook.de/zeitenhandel
      minuskelblog.blogspot.de/
      facebook.com/minuskelblog
    • Übrigens vorsicht mit dem Wort Bürger. Wir benutzen es heute als alltägliches Wort für die Mittelschicht. Im Mittelalter war längst nicht jeder aus der Mittelschicht auch Bürger, in manchen Gegenden ist das Wort bis ins 14. Jhdt mit seiner Verstädterung gar nicht anwendbar. Bürger ist ein Rechtsstatus. Als Bürger ist man ein vollberechtigter Eigenständiger, das waren lange Zeit nur Leute, die auch gesellschaftlich angesehen genug waren (oder sich diesen Status erkaufen konnten). Manche Bewohner in Städten konnten lange kein Bürgertum erlangen, obwohl sie genauso viel verdienten wie andere, einfach weil ihr Gewerbe kein Ansehen genoss. Genaues über deine Zeit weiß ich dazu auch nicht, aber es zahlt sich auf jeden Fall aus, in manchen Fragen eher das Gewerbe anzugeben bzw den Stand in der Gesellschaft.
      Aber Schluss mit diesem Diskurs.

      Einen Schleier zu besitzen ist grundsätzlich nie falsch. Viereckig, aus Leinen, ein breites Kinntuch (Riese) dazu und ein Gebende drunter. Frau kann nicht eingepackt genug sein. :) Als ganz einfache Frau und während der Arbeit eignet sich auch ein Kopftuch (Schal- Dreiecks- oder Vierecksförmig).
      Sichel und Pflug - mein kleines Steinzeit-Projekt

      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

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    • Hallo

      Das Städtchen werdet ihr wohl kaum kennen. Es ist Eglisau das direkt am Rhein und gerade noch in der Schweiz ist. Kurz gesagt - in der "Nordschweiz" wenn man dem so sagen kann. Die Ortschaft wurde als Fischersiedlung das erste Mal um 800 mit dem Namen Seglingen - heute ein Quartier von Eglisau - urkundlich erwähnt. Es hat sich zu einem kleinen Städtchen entwickelt wo die historische Altstadt heute noch existiert.

      Was den Stand in der Gesellschaft angeht ist es etwas schwieriger weil sich mein Mann nicht wirklich dafür interessiert und ich mit den Kindern allein unterwegs bin. Ich habe mir überlegt, dass ich aus meinem Hobbyschreiner einen mittelalterlichen Schreinermeister mit eigener Werkstatt mache.
      Das wäre von der Kleidung her auch nicht allzu schwierig für mich weil eine "bessere" Cotte mit Surcot drüber einfach zu nähen ist. Allerdings stecke ich einfach bei der Kopfbedeckung fest.

      Noch etwas wichtiges: Es muss nicht 100% authentisch sein, sollte aber doch einigermassen in die Zeit passen.
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler
    • Hey,
      ich baue mir selbst gerade eine "bürgerliche" Darstellung als Ehefrau eines süddeutschen Handwerkers (mit einem kleinen Anwesen in der Stadt Rothenburg ob der Tauber) auf, allerdings rund 100 Jahre früher als du. Mir fällt es auch etwas schwer, die passende Kopfbedeckung zu finden, ich habe mich jetzt aber dafür entschieden, es mal mit dem Wimpel zu probieren und experimentiere zurzeit mit dieser Anleitung herum: tempora-nostra.de/Detail_wimpel1,sid8,kontext48.shtml.
      Ob der Wimpel um 1300 auch noch häufig getragen wurde, kann ich dir leider nicht sagen, aber er wäre vielleicht eine Option.
      Grey, recumbent tombs of the dead in the desert places, standing-stones on the vacant wine-red moor, hills of sheep, and the homes of the silent vanished races, and winds, austere and pure.

      beautifulcastles.de - Burgen und Schlösser
    • Vielen Dank für eure Antworten.

      Das Gebende mit Schleier ist mir sehr sympatisch. Mit den Kindern muss immer alles gut halten und sollte nicht gleich wieder verrutschen.

      Ich habe jetzt ein Bild von in-nova-corpora.ch entdeckt wo die Kleidung aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert ist und in die Schweiz passt. Allerdings frage ich mich was sie hier in-nova-corpora.ch/naehstube/ma/violett/bild1.JPG genau für eine Variante vom Schleier trägt.
      Könnte das ein Gebende mit Schleier sein?


      Könnte ein Schleier auch einfach an einem Stirnband das hinten im Nacken gebunden wird befestigt werden?
      Ich habe kürzlich eine Art "Haube" - Stirnband mit direkt angenähtem trapezförmigen Schleiertuch - ausprobiert und da noch ein zusätliches Schleiertuch drüber getragen. Gefunden habe ich es auf der oben genannten Seite. Ob das eine Möglichkeit wäre?
      Ich müsste eigentlich nur diese "Haube" auseinander nehmen und hätte die passende Kopfbedeckung. Ich bin mir aber nicht sicher ob das in "meine" Zeit passt.


      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler
    • Das was die Dame da trägt ist nach meiner Meinung ein einfacher Schleier ohne Unterbau, rund. Ohne Unterbau ist aber nicht ideal, ein Kinntuch oder zumindest einen Kinnstreifen solltest du schon tragen.

      Zusammengenähte Konstruktionen abseits von kompletten Hauben würde ich eher meiden. Solche Konstrukte werden mit Gebendenadeln zusammengesteckt. Ein Streifen ums Kinn, ein Streifen um die Stirn und daran den Schleier feststecken. Bitte kein Herumknoten. Knoten macht man nur in Kopftücher. Geht alles mit einfachen Nadeln. Angenähte Schleier lassen sich nicht nachweisen und hab ich auch so noch nie gesehn. Allenfalls kannst du noch einen Haarsack/ein Haarnetz unter dem Schleier tragen und es daran befestigen. Von der Form her würde ich mich an rechteckige/quadratische, runde oder ovale halten.
      Sichel und Pflug - mein kleines Steinzeit-Projekt

      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

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    • Wenn Du ein Gebende ums Kinn nicht tragen magst, geht auch ein Stirnband. Ich habe dazu einfach ein Stück Leinen rechteckig zugeschnitten und zu einem schmalen Streifen gefaltet. Mit einer Gebendenadel im Nacken feststecken, Schleier drüber und über den Schläfen befestigen geht auch. MIt Kinnstreifen hält es allerdings noch viel besser.
      Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.
      Mahatma Gandhi


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      und Sonstiges;)
    • aber man muss schon auch noch mal betonen, dass der Kinnstreifen kein Befestigungsmittel ist, sondern ein rudimentäres Überbleibsel eines Kinntuchs, das den ganzen Hals verdeckt und damit ein Symbol der Sittlichkeit. Wenns geht ist mit also immer braver als ohne.
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      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

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    • Hallo werte Frauen

      Nun ja, das mit der zusammen genähten "Schleier-Hauben-Konstruktion" oder wie auch immer man dieses Ding nennen will ist einfach mal ein Test gewesen. Ich wusste schlicht nicht was ich unter dem Schleier tragen soll und ob es überhaupt etwas darunter gab.
      Das zusammen genähte "Ding" sieht von Hinten so aus: spektakulus.ch/images/phocagal…mbs/phoca_thumb_l_018.jpg Von Vorne hab ich leider kein Foto.

      Dieses Wochenende bin ich mit Töchterchen am "Henkersmahlt" in Naters im Wallis (Schweiz) - bald gibt es Fotos auf spektakulus.ch - gewesen und konnte so wieder mal etwas rum probieren.
      Die "Schleier-Hauben-Konstrukion" habe ich etwas zerlegt und das eigentliche rechteckige Schleiertuch vom Unterbau aus Stirnband und angenähtem Trapez-Tuch getrennt.
      Funktionieren tut es ja gut, aber es ist nicht grad einfach das Schleiertuch zum fest stecken so über dem anderen Tuch richtig zu "drapieren" damit es nicht schief wird. Ohne Hilfe geht das nicht grad gut.
      Das Stirnband wo momentan noch dieses Trapeztuch angenäht ist hat im Nacken einen angenähten Bändel zum binden. Das geht ganz gut wenn die Kinder um mich herum tanzen, wird aber wohl nicht authentisch sein fürs Jahr 1300. Da ich ja nicht 100 % authentisch sein muss - bin nur Marktbesucherin und in keiner Gruppe - könnte es vielleicht doch gehen?

      Wenn ich jetzt einfach nur das Stirnband mit Kinnband kombiniere und das Schleiertuch dran stecke passt das ja, allerdings habe ich sehr dunkle Haare und die sieht man ja dann durch schimmern. Sieht das nicht irgendwie komisch aus?

      Und ich habe wieder mal gespürt wie meine Brille hinter den Ohren drückt wenn ich das Stirnband über die Ohren ziehe. Eigentlich brauche ich die Brille nicht zwingend weil ich keine starke Korrektur habe und auch ohne noch genug sehe - wenn es nicht in die Weite ist. Und Töchterchen findet mittlerweile, dass ich ohne Brille komisch aussehe.
      Es ist also egal ob ich Gebendeband ums Kinn mit Stirnband kombiniere oder nur das Stirnband allein trage - drücken tut es sowieso. Mit Linsen komme ich nicht klar und für in die Weite brauche ich die Brille trotzdem. Hat jemand eine Idee wie sich das lösen lässt ohne die Brille weg zu lassen?


      Brav aussehen tut es mit dem langen Schleiertuch jetzt schon und mit dem Kinnband wäre es wohl noch einen Tick braver. Allerdings muss ich es zuerst schaffen die Fotos vom Handy auf den PC zu speichern - neue PC's haben so ihre Tücken...

      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler
    • Naja, du könntest zB auch noch ein schalartiges Schleiertuch nehmen, das kannst du viel loser um den Kopf wickeln und drapieren und es ist trotzdem alles verdeckt und es drück nicht auf die Brille. Die Wickel- und Stecktechniken sind reine Übungssache übrigens und es ist zu empfehlen, dass du dir das französische Zopfflechten und ein paar andere Haarflechttechniken aneignest, da sind nicht nur die Haare leichter zu bändigen unterm Schleieraufbau, da hast du dann gleich einen richtig festen Unterbau, an dem du den Schleier feststecken kannst. Das ist echt super für die Haltbarkeit.
      Sichel und Pflug - mein kleines Steinzeit-Projekt

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    • Die Haare zu einem Zopf flechten wäre kein Problem wenn sie noch etwas länger wären, aber ich lasse sie sowieso wieder wachsen. Bis nächstes Jahr sollte es wieder für einen richtigen Zopf reichen. Aktuell kriege ich gerad 2 dünne Zöpfchen von etwa 5 cm Länge hin die ich gerade so verstecken kann.

      Ich habe mir auch schon überlegt ob ich die Haare einfach so lange wachsen lassen soll, dass es irgendwann für Zopfschnecken über den Ohren reicht. Da wäre die Brille etwas gepolstert und der Schleier würde ganz sicher auch gut halten. Aber das geht noch eine Weile...
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler
    • Vielleicht kannst du dir für deine Darstellung eine preiswerte Brille mit dünnen Bügeln und nahezu randlosen Gläsern anfertigen lassen. Meine Brille ist so und da drücken die Bügel dann unterm Kopftuch nicht. Hin und wieder trage ich ja auch Kopftuch, wenn ich als Gast auf einem MA-markt bin und meine Cotta ausführe. Ohne Brille ist nämlich auch für mich keine Option, weil ich sonst über den erstbesten Hering ins nächstbeste Feuer stolper ;)
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • Ja, wir hatten das Thema Brille ja oder nein hier schon mehrmals ausführlich. Das kannst du nicht wissen, Bernard, deshalb ist deine Anmerkung verständlich.
      Ich geh mal davon aus: Wenn jemand Brille trägt bei der Darstellung, dann net aus Faulheit oder Ignoranz, sondern weils net anders geht. Deshalb denk ich, müssen wir das hier nimmer diskutieren. Ich versuch dann einfach nur, Tipps für "trotz Brille" zu geben :)
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • Ja, das mit dem nicht vertragen geht i.O. und wenn dann Brille sein muss kann ich das durchaus verstehen da meine Frau ohne Linsen/Brille blind ist (14,0 Dpt.) und auch mein Sohn trägt zur Darstellung Linsen (4,5 Dpt.).

      Ich selbst bin in der glücklichen Lage nur zum Lesen oder Arbeiten in der Nähe eine Lesebrille zu brauchen und habe mir für diesen Zweck eine Brille angeschafft die im 18. Jahrhundert getragen wurde. Nat. passt auch die nicht ins MA aber ich geb Euch da natürlich Recht, dass es manchmal ohne nicht geht.

      Nichts für ungut!
      Bernard de Noyer :ritter15

      Dienstmann auf dem Castrum Winenheim unter dem Banner des Kloster Lorsch 1180-1230

      winenheim.de