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Zunderschwamm - wie aufbereiten?

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    • Das war irgendein kleiner Käfer bzw. dessen Larven. - Und ja, in manchen Gegenden sind manche Insekten oder andere Tier und Pflanzenarten bereits ausgestorben, ob das jetzt auf diesen Käfer zutrifft, dessen namen ich mir net gemrkt hab, weiß ich nicht.
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • Dann erkläre es mir anders. Ansonsten ist es für mich erstmal quatsch. Äpfel, Birnen, Kirschen dienen auch als Insekten und VogelFutter. Auch Würmer und Maden lieben es. Und trotzdem ernten wir Obst. In stark bewirtschafteten gebieten findet sich kein. Zunderschwamm. In Naturschutzgebieten und landschaftsschutzgebieten darf man sie nicht nehmen. Also tue ich es dort wo ich es darf. Ganz einfach. Jeder Pilzsammler erntet Früchte die auch Tiere des Waldes mögen. Und ich betone Nochmal. Es wird nur die frucht geerntet. Der eigentliche Pilz bleibt erhalten. Er zersetzt auch weiterhin totholz und bildet neue Früchte. Also bitte warum nicht?
      Bono Mellius
    • Pilzzunder-Rezept

      Hallo allerseits!

      Bin neu hier. Meine Vorstellung findet Ihr im Anfängerbereich :) .

      Was diese Thema angeht: Der echte Zunderpilz wächst in meiner Umgebung sehr zahlreich in den Birken, die hier überall an den Wald- und Straßenrändern herumstehen und -liegen, und ich bin anscheinend der Einzige, der gelegentlich mal einen Fruchtkörper mitnimmt. Darin sehe ich kein ökologisches Problem. Die Namen der Käferarten, deren Larven speziell in Zunderpilz-Fruchtkörpern heranwachsen, las ich vor Jahren mal, weiß aber nicht mehr die Quelle.

      @ Morgan: Ich verwende als Zunder nur Tramalappen, die ich in Holzaschenlauge lange auskoche, auswasche und nach Trocknung in weiterer Holzaschenlauge kurz koche und dann ohne (!) Auswaschen trocknen lasse - wegen der Katalysatorwirkung der Asche. Dann komme ich auch völlig ohne irgendeine Nitrierung aus. Und Holzasche stand mit Sicherheit auch den ärmsten Mitteleuropäern seit Urzeiten zur Verfügung.
      Sag mir Bescheid, wenn Du - oder sonst jemand - an meinem Rezept mit Mengen- und Zeitangaben interessiert bist.

      Freundliche Grüße von

      Reinhard
    • Ich habe das Problem -Naturschutz?- zumindest so gelöst:

      für mich selbst verwende ich sowohl Zunderschwamm als auch Rohrkolbensamen (in der Regel max 1x am Anfang des Lagers bzw. max 1x am Tag nötig).
      Bei den vielen Vorführungen an Schulen oder auf Lagern an denen ich Feuer schlage nehme ich Leinenzunder (den es eigentlich in unserer Zeit nicht gab) und zeige den anderen Zunder nur und erkläre dann auch warum (leichter herzustellen für Vorführung - regional nicht unter Schutz...)

      Gruoss
      der Uhl
      Gott zum Gruosse

      Gerald der Uhl zu Wilhaim
      www.Wilhaim.de
    • Zunderrezept

      Hier mein privates Rezept:



      Pilzzunder:





      Zutaten:


      20 g wildlederartig weiche Trama vom echten Zunderpilz
      (Fomes fomentarius), 550 ml
      Wasser + 20 g frische Holzasche für die Lauge, 200 ml Wasser + 10 g frische Holzasche für die
      Imprägnierung.





      Auslaugen:


      Die durchgetrocknete Trama mit einem Holzknüppel auf einem
      Holzklotz weich schlagen. Stücke, die dabei nicht weich und geschmeidig wie
      Wildleder werden, besser weglassen. Sie erfordern mehr Aufmerksamkeit bei der
      Benutzung als Zunder.


      Die Lauge zum Sieden bringen, die Pilzstücke einlegen und
      ca. 1 Stunde lang schwach sprudelnd kochen.
      Dann rausnehmen oder abgießen, unter fließendem Wasser gründlich
      auswaschen und auspressen, trocknen lassen und anschließend wieder weich
      schlagen.





      Imprägnieren:


      Die Imprägnierung zum Sieden bringen, die Pilzstücke
      einlegen und 5 Minuten lang kochen. Danach rausnehmen und abtropfen lassen.
      Diesmal NICHT auspressen, sondern die Aschelösung im Pilzmaterial eintrocknen
      lassen. Wiederum weich schlagen .... endlich fertig.





      Das Weichklopfen ist wichtig, um den Zunder beim späteren
      Zerreißen so „flauschig“ zu machen, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit Funken
      auffangen und festhalten kann,


      Die im Zunder eingetrockneten Aschereste sind ein chemischer
      Katalysator, der den Start des Glimmprozesses deutlich erleichtert.


      Zum Gebrauch reiße ich ein Daumennagel großes Stück (meist
      unter „rubbelnden“ Bewegungen) vom Zunderlappen ab und lege die entstehende
      flauschig-feinfilzige Risskante nahe an die Kante des Feuersteins, an der ich
      den Striker dann entlang schlage. Dabei blase ich gleichzeitig einen
      gleichmäßigen Luftstrom auf diese Kante.





      Ich habe auch vereinfachte Varianten ausprobiert, die fast
      ebenso gut funktionieren. Aber dieses aufwändige Verfahren hier ist bei mir das
      zuverlässigste. Ich zünde mit diesem Zunder regelmäßig meine Zigarillos an.





      Sicherheitshinweis:
      Die entstehende Aschenlauge ist stark ätzend, vor allem im erhitzten
      Zustand. Augen und Schleimhäute vor Spritzern schützen und getroffene
      Hautstellen sofort mit frischem Wasser spülen!!!





      Copyrighthinweis:
      Diese Anleitung ist das Ergebnis meiner eigenen privaten Versuche. Macht
      nach Belieben davon Gebrauch!
    • Ergänzungen zum Zunderrezept

      Einige Ergänzungen zum Rezept:



      Ein Kaffeebecher oder Trinkglas hat meist 200 ml / cm3
      Inhalt.


      20 g Asche sind etwa 2 gehäufte Esslöffel.





      Bei den Mengen- und Zeitangaben gibt es genügend Spielraum
      für eigene Experimente!





      Wenn man der Imprägnierung auf die erwähnten 200 ml Wasser
      auch noch 2 g Kaliumnitrat (= „Salpeter“) zusetzt, also eine ca. 1%ige Lösung
      herstellt, erfolgt beim Glimmen eine Sauerstoffversorgung des Zundermaterials
      auf chemischem Wege. Dann kann man sich oft das Anblasen oder
      In-den-Wind-stellen ersparen. Die im Internet oft zu findende (oft
      abgeschriebene?) Empfehlung, zum Nitrieren eine gesättigte Kaliumnitratlösung
      zu verwenden, ist in meinen Augen eine barbarische Materialverschwendung. Bei
      mir brannte dann viel zu viel Zunder viel zu schnell weg -
      und hinterließ hässliche Rückstände.


      Die älteste Methode der Salpeterherstellung, z. B. für
      Zunder oder Schießpulver, die ich kenne (dies aber nur vom Hörensagen!),
      besteht darin, Misthaufenablaufwasser oder Urin im Boden versickern zu lassen,
      abzuwarten bis bestimmte Bodenbakterien die stickstoffhaltigen Bestandteile zu
      Nitrat verarbeitet haben, den Boden dann abzutragen und mit Wasser
      auszuwaschen, aus dem dann wiederum durch Eindampfen der Salpeter gewonnen
      werden kann.





      Normalerweise koche ich die beiden Aschelösungen zuerst
      einmal auf und gieße sie dann durch einen Kaffeefilter. Die Wirkung ist die
      gleiche, aber der Zunder ist dann am Ende nicht so grau-staubig.


      Frische, also noch nicht feucht gewordene, Asche siebe ich
      durch (wegen der Holzkohlekrümel), wenn ich mal welche kriegen kann, und
      bewahre sie ggf. jahrelang in dicht verschlossenen Schraubgläsern auf.





      Viel Spaß beim Experimentieren!