Im Mittelalter trank man hauptsächlich Bier...

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    • Im Mittelalter trank man hauptsächlich Bier...

      Weil ich mal der Frage nachgegangen bin, was die durchschnittliche Bevölkerung im Mittelalter im deutschen Raum so für gewöhnlich getrunken hat, bin ich auf folgenden Artikel gestoßen:

      Trinken im Mittelalter: Wein, Met, Bier und Molke QUELLE: suite101.de/article/trinken-im…molke-a93561#.U9oLwaJWmfR

      Was haltet Ihr davon? Die Aussage, dass alle vom Kleinkind bis zum Greis mind. einen Liter Bier am Tag getrunken haben (zumindest in der Stadt) halte ich doch für etwas gewagt.
      Ich bin gespannt, was Ihr sagt!
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      http://amulunc.de.tl
      http://twerchhau.de
    • Das wird der statistische Pro-Kopf-Verbrauch gewesen sein. Es heißt ja auch heutzutage "Jeder Bundesbürger trinkt im Schnitt... Liter reinen Alkohol im Jahr". Wobei die meisten Bundesbürger sich sicher gegen die "Unterstellung" verwahren würden, reinen Alkohol zu konsumieren ;)

      Dennoch glaube ich, dass auch Kinder Bier getrunken haben. Bier galt als nahrhaft; noch vor hundert Jahren empfahl man Stillenden, öfter mal ein Weißbier zu trinken. Zudem gab / gibt es ja auch Dünnbier, das kaum über 2,5 Umdrehungen kommt. Und ich erinnere mich daran, dass wir bei unserem nordfranzösischen Opa, der im Keller Dünnbier braute, immer einen Schuss Bier ins Wasser gekriegt haben "für den Geschmack".
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • ... und 2,5 Promille werden noch relativiert wenn man weiß das der gute Fruchtsaft auch bis zu 0,5 Prom hat ...
      Es gibt zwei Sachen die sind unendlich: Das Universum und die Dummheit der Menschen.....

      ...und bei Universum bin ich mir noch nicht sicher. (A. Einstein)

      Wer Fingerloop macht kann nicht naschen....
    • Impe schrieb:

      ... und 2,5 Promille werden noch relativiert wenn man weiß das der gute Fruchtsaft auch bis zu 0,5 Prom hat ...


      In Promille wird der Blutalkoholgehalt gemessen, hier waren aber mit den 2,5 % der Alkoholgehalt vom Volumen des Getränkes gemeint wenn ich das richtig interpretiere, nicht verwechseln bitte.
      Wer nichts als Stroh im Kopf hat, fürchtet zu Recht den Funken der Wahrheit...
    • Das würde aber doch eher nicht dafür sprechen, dass grundsätzlich alkoholische Getränke (v. a. Dünnbier) getrunken wurde und Wasser/Tee (vielleicht auch Milch/-produkte) die Ausnahme bildeten. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Denn der pro-Kopf-Verbrauch von einem Liter erscheint mir dafür wiederum zu wenig zu sein. Zieht man den Eigenbedarf der Klöster prost1 von der Gesamtmenge ab, bleibt nicht viel für die Bevölkerung übrig. :rolleyes:
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    • Wenn ich mich richtig erinnere, wurde gelegentlich das Argument gebraucht, dass in Zeiten oder an Orten, wo das Wasser (aufgrund der Keimbelastung) potentiell ungesund war, mehr Wein und Bier getrunken wurde.

      Der Alkohol tötet die Keime. Ich habe allerdings gerade keine verlässliche Quelle für diese Aussage (außer einem medizinischen Vortrag über das Thema).
      Ich bin keine Signatur ... ich mache hier nur sauber. :whistling:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von mondspeer ()

    • Und auch wenn ich keine konkrete Quelle nennen kann,darf man davon ausgehen,dass damaliges Bier mit unserem heutigen sowohl was die Stärke des Alkoholgehaltes als auch den Geschmack betrifft recht wenig zu tun hatte.
      Ein Bekannter von mir hat mal Bier aus dem Hochmittelalter nach damaligem Rezept gebraut--in einer kleinen Menge für den Eigenbedarf,er sagte es sei geschmacklich aus heutiger Sicht saumässig gewesen,habe aber deutlich weniger Prom.Vol. gehabt.

      Wilfried schrieb:

      Jedenfalls war das wohl abgekochtes Wasser mit Geschmack, also keimarm ...
    • Ach verflixt, gerade vor ein paar Tagen is mir dazu ein Artikel untergekommen, der behauptet, dass Wasser sehr viel häufiger war als man denkt. Aber den find ich jetzt partout nicht mehr! Ich mach mich auf die Suche, der kann noch nicht weit sein.
      Sichel und Pflug - mein kleines Steinzeit-Projekt

      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

      Unsere Webseite
    • Ich meine einmal eine Steuerliste (so um 1500) gesehen zu haben, in welcher die Reichsstadt die Steuern für Bierverbrauch berechneten, und dies war zum damaligen Zeitpunkt nicht wenig.
      Dies lässt daraus schliessen, dass auch viel Bier verbraucht wurde. Allerdings nicht, ob es auch getrunken wurde.
      Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.
    • Ich habe gerade mal in den Untersuchungen von Pflanzenresten aus Haithabu geblättert.

      Dort steht drin, dass der Nachweis von Getränken sich im allgemeinen als schwierig herausstellt.
      Fakt ist: Alle nötigen Pflanzen zum Bierbrauen wurden gefunden. Z.B. liegt Hopfen in unglaublich großen Mengen vor. --> Viel Konsum prost1

      Außerdem belegen große Fässer den Import und natürlich auch den Verzehr von Wein. Dieses stellt aber wohl eher ein Luxusgut dar.
      Der Autor schreibt weiterhin, dass wohl auch aus Obst z.B. Säfte hergestellt wurden, belegen kann er das allerdings nicht.

      Lg,
      Sartir
      Fjornir Magnusson - Wikinger um 950 aus Haithabu
    • Auch ich kann jetzt leider keine fundierten Infos dazugeben. Aber durch mehrere Bücher und Führungen musealer Art bestätigen immer wieder den großen Verbrauch von Wein und Bier duch alle Generationen. Ein mir bekannter Bierbrauer hat mir mal gesagt das der Gärprozess oft früher, als Heute üblich, abgebrochen wurde. Jedenfals ist relativ sicher das im Allgemeinen der Alkoholgehalt niedrieger war als Heute. Wein wurde ja auch von den Römern gewässert damit er nicht so stark ist. Gebraut und gekeltert wurde sehr oft Zuhause für den Eigenbedarf. Über den "Rausch" hat man sich meistens keine zu großen Gedanken gemacht, schliesslich war der gebrauch von Hanf und anderen "Mittelchen" auch sehr verbreitet. Aus meiner Region hab ich mal ein übreliefertes "Rezept" gesehen in Welchem die Zubereitung von "Fliegenpilztee" beschrieben war. Wie gefährlich das war kann man sich leicht Vorstellen. Wieviel "Alk" jetzt ein 6-Jähriger so getrunken hat ist wahrscheinlich nicht überliefert, dass er welchen getrunken hat glaube ich schon. prost1
      Ministerialer 1190 in Gelnhausen der noch nicht weiß das sein Lehnsherr nicht gut schwimmen kann
    • Der grundlegende Sinn hinter dem Bier ist, dass Wasser und Getreide so haltbar und lagerbar werden. Während des Brauvorganges wird das Wasser stark erhitzt und somit weitgehend keimfrei. Durch den bei der Gärung entstehenden Alkohol bleibt das auch so.

      Weil alle Kohlenhydrate im Bier bleiben (Alkohol ist ja nur verändertes Kohlenhydrat) bleibt auch der Nährwert des Getreides erhalten. Kann jeder Bierbauchbesitzer bestätigen.

      In mehreren Sagen wird erwähnt, dass Bierbrauen Aufgabe der Hausfrauen war. Dürfte also in langer Tradition in den Haushalten, also auf den Bauernhöfen regelmäßig stattgefunden haben und sollte also auch Bestandteil der Ernährung gewesen sein.

      Im Selbstversuch habe ich mal ein anzunehmendes oder besser vermutlich mögliches Bierrezept getestet. Igitt. Richtig widerlich. Hat null Ähnlichkeit mit heutigen Erwartunshaltungen gegenüber Bier.
    • Bier wurde von den Kindern bis zu den Alten getrunken. Das Bier war verdünnt, und lange nicht mit heutigem Bier vergleichbar.
      Da das normale Wasser fast immer mit Keimen belastet war, wurde eben verdünntes Bier getrunken.
      Verdünnt zum einen weil man dann mehr davon hattte, und zum anderen konnte man schlecht betrunken seinen Acker bestellen oder abernten.

      Bier wurde auch je nach Jahreszeit anders gebraut. im Winter untergärig, im Sommer obergärig.
      Wein wurde bei den normalen Leuten eher wenig bis gar nicht getrunken. Konnte man sich schlichtweg nicht leisten.
      CONVICTIO ex Radestowe - Interessengemeinschaft Mittelalter e.V.
    • AndiP schrieb:

      Im Selbstversuch habe ich mal ein anzunehmendes oder besser vermutlich mögliches Bierrezept getestet. Igitt. Richtig widerlich. Hat null Ähnlichkeit mit heutigen Erwartunshaltungen gegenüber Bier.
      Logisch,denn einerseits wurde sowohl dem Bier als auch dem Wein manche Zutat beigefügt,die uns heute nicht in den Sinn käme,andererseits konnte Bier nicht lange gelagert werden,drohte also recht schnell umzukippen,weshalb warscheinlich das eine oder andere Gewürz diesen beginnenden Prozess zumindest "abmildern" sollte,damit man es nicht sofort roch.
      Heute gibt es ja auf manchen MA-Veranstaltungen Kirschbier usw.,das --bei Zimmertemperatur getrunken -- kommt dem damaligen Bier schon näher,wenn man es noch entsprechend würzt.
    • Nochmal kurz was zur Stärke des Bieres:

      Laut Pflanzenfunde von Haithabu wurde vor allem starkes Bier gebraut.
      Die in Haithabu gefundenen großen Hopfenmengen zeigen, daß hier in großem Umfang und an vielen Stellen in der Siedlung Bier gebraut worden ist, und zwar das starke Hopfenbier. [...] Für die spätere Zeit gibt es aus dem dänischen Raum vom 13. Jh. ab mehrere schriftliche Quellen [...]. Sie zeigen eine heftige Konkurrenz zwischen dem dänischen Gagelbier und dem von Süden vordringenden stärkeren "deutschen Bier".

      Quelle: K.-E. Behre, Ernährung und Umwelt der wikingerzeitlichen Siedlung Haithabu. Die Ergebnisse der Untersuchungen der Pflanzenreste, S. 59f
      Fjornir Magnusson - Wikinger um 950 aus Haithabu
    • Danke für die vielen Beiträge. Es scheint ja Konsens zu sein, dass so eine Art "Alsterwasser" :D durchaus als Hauptgetränk zu sich genommen wurde, auch wenn es mit unserer Vorstellung von Bier nicht viel zu tun hat.

      Rotschopf schrieb:

      Ach verflixt, gerade vor ein paar Tagen is mir dazu ein Artikel untergekommen, der behauptet, dass Wasser sehr viel häufiger war als man denkt. Aber den find ich jetzt partout nicht mehr! Ich mach mich auf die Suche, der kann noch nicht weit sein.


      Das würde mich sehr interessieren, Rotschopf!
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
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