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Cholera

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    • Wie alt genau das Walliser Gericht "Cholera" ist, vermag ich Euch nicht zu sagen, aber Schwester Marie-Antoinette vom hiesigen Kloster St. Ursula bestätigte mir eine Rezeptniederschrift von 1615.

      Es ist eine Restenverwertung von allem, was man damals im Winter noch so im Haus hatte:

      Man kocht Kohl, Lauch, Zwiebeln und was man sonst noch an Gemüse zuhause hat. Ferner Käse, Aepfel, und je nach "geheimen" Dorfrezept können auch Hauswürste, Speck etc mitgekocht werden. Das ganze kommt auf Kuchenteig mit einem Kuchenteigdeckel obendrauf und in den Ofen damit!

      Was ich mich schon mein Leben lang fragte, und was mir noch keiner beantworten konnte, ist, warum eine Mahlzeit heisst wie eine Krankheit. Was war zuerst da? Die Speise oder die Krankheit? Da die Bevölkerung im MA hier fast ausschliesslich in den Bergen lebte, und ihr Trinkwasser direkt aus Quellen oder vom Gletscher kam, danke ich, dass die Cholera als Krankheit hier nicht unbedingt den besten Nährboden hatte.

      Ob es Zufall ist, dass beides so heisst?

      Seid gegrüsst
      Eure Freifrouw
      Odinstochter und Marstallerin
    • Wenn man mal Wikipedia zitieren darf:

      Cholera trat auf dem indischen Subkontinent vermutlich über mehrere Jahrhunderte in Form lokal begrenzter Epidemien auf, war aber in Europa sowie in Nord- und Südamerika vor dem Beginn des 19. Jahrhunderts unbekannt.


      Also zumindest von Namen wusste man im MA nix von Cholera. Cholera-ähnliche Krankheiten hingegen dürften bekannt gewesen sein. Daher vermute ich mal ... der Name war vorher da, wenn es das Gericht seit dem 17. Jahrhundert gibt.

      Auch hier wieder ein Zitat von Wikipedia:
      Über die Herkunft des Namens „Cholera“ gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Eine Erklärung lautet, während der Cholera-Epidemie um 1830 hätten die Walliser wegen der Ansteckungsgefahr das Haus nicht mehr verlassen und eine Mahlzeit zubereitet, deren Zutaten zu jener Zeit üblicherweise in der Speisekammer und im eigenen Garten vorrätig waren.


      (Quelle: wikipedia)
      Viele Grüße
      die Lisabeth
    • Vielen Dank, liebe Lisabeth!

      Das mit einem Notessen (wegen Ansteckungsgefahr) wird inzwischen von Lokalhistorikern bestritten. Einige behaupten, das Wort käme von Kohl (im Dialekt Chohl). Wobei wir das Gericht wiederum wie "ChoLLera" aussprechen. Wie gesagt, Schwester Marie-Antoninette belegt das Cholera-Gericht auf 1615 - was ja um einiges vor der Cholera-Epidemie um 1830 war. also müssen wir wohl fast annehmen, dass die beiden Namen unabhängig voneinander entstanden, und es schlicht nur Zufall ist.

      Ich meine, ein uralter Walliser-Frauennamen ist z.B. Delphin. Und da frage ich mich, ob die alten Walliser überhaupt Kenntnis von einem Delphin (als Wassersäugetier, "Fisch") hatten...

      Gruss
      Freifrouw vom Bärenfall
      Odinstochter und Marstallerin
    • Wenn du dieses Gericht meinst, kommen mir die Zutaten etwas spanisch vor.

      de.wikipedia.org/wiki/Cholera_(Gericht)
      Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein.
      (Friedrich der Große)

      Lis und Hermann
      Lisabeth und Hermann - Reiseerlebnisse

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    • Also der Kluge (Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache) sagt zu Cholera (Krankheit):

      < 10.Jh., Mhd. colera, ahd. koloro ist entlehnt aus ml. cholera, das auf das griechische cholera "Gallensucht" zurückgeht. Dieses zu gr. chole "Galle" Die Verschiebung in der Bedeutung beruht darauf, dass Gallenleiden ähnliche Symptome haben können wie die Brechruhr.

      Interessant, dass es ein Gericht dieses Namens gibt ...
      Viele Grüße,
      Martin

      sutor.jimdo.com
      facebook.com/leatherworkthroughtheages
      legio8augusta.de
    • Schimmelreiterin schrieb:

      Also ich bin Deinem link gefolgt und "Tante Wiki" sagt: diese Seite existiert nicht......


      Es fehlte beim Link nur die hintere Klammer; versuch`s noch mal: Link (Qelle:Wikipedia)
      Meine angestrebte Darstellung: Handwerker (Snitker / Kunthormaker) in der 2. Hälfte des 15.Jh., Region Pommern/Stralsund

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hermann ()

    • @Gryphan : Danke für die besser Verlinkung. Naja hätte man auf der Seite unter dem Link "Suche nach „Cholera (Gericht“ in anderen Artikeln." geschaut, wäre man auch fündig geworden Schimmelreiterin.
      Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein.
      (Friedrich der Große)

      Lis und Hermann
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    • Liebe Leute

      Natürlich habe ich selber bei "Tante Wiki" geforscht. Und natürlich habe ich auch die Infos bekommen, die Ihr habt. Aber, wenn alle einfach bei Tante Wiki nachfragen würden, könnte man keine Gespräche führen :whistling: .
      Und, das mit dem Zusammenhang mit der Cholera-Epidemie um 1830 wird von Lokalhistorikern bestritten. Und auch die Niederschrift der Klosterfrau bezeugt, dass es das Gericht schon vorher gab!
      Ich gebe zu, ich habe die Niederschrift des Rezeptes nicht selber gesehen, aber ich habe keinen Grund, an den Worten von Schwester Marie-Antoinette zu zweifeln.
      Besagte Klosterfrauen haben mir schon bei vielen Fragen weitergeholfen, ob zum Thema "des Weibervolkes Ungemach", oder der Antwort der simplen Frage, wie kam das Lab in die Milch zur Käseherstellung usw. Die Damen sind sehr weltoffen :saint:
      Odinstochter und Marstallerin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Schimmelreiterin ()

    • Liebe Schimmelreiterin

      Hast du schon versucht das Wort in einzelne Silben zu zerpflücken und die entstandenen Wortteile zu deuten und/oder anders zusammen zu setzen?
      Wir haben 3 Silben "Cho", "le" und "ra". Die ersten beiden zusammen ergeben "Chole" was bei uns schlicht und einfach Kohle ist - und mit Kohle kann man heizen, kochen und backen.

      Schimmelreiterin schrieb:

      Man kocht Kohl, Lauch, Zwiebeln und was man sonst noch an Gemüse zuhause hat. Ferner Käse, Aepfel, und je nach "geheimen" Dorfrezept können auch Hauswürste, Speck etc mitgekocht werden.
      Überleg doch mal wie die Grundzutaten im walisser Dialekt heissen.
      Ich würde jetzt "Chol" oder "Chöl", "Lauch" und "Bölle" sagen, aber bei dir tönt das ja oft ganz anders als bei mir im norden der Schweiz. Denk doch mal an unsere "Dialekt-Wortspiele" im Chat vom schweizer MIttelalterforum und die vielen grossen Unterschiede die es da gibt. ;)
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler