Getreide im eigenen Garten anbauen?

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    • Getreide im eigenen Garten anbauen?

      hallo liebe mittelalterlichen Gartenfreunde,
      ich würde gern im kleinen Maßstab ( Ein paar m²) Nackthafer und Weizen im eigenen Garten sähen. Meine Eltern werden wohl nichts dagegen haben, immerhin ist sowas ja sehr dekorativ.
      Ich wollte jetzt fragen, ob jemand das schonmal gemacht hat, wieviel m² man brauch damit man nen Brot draus backen kann, wann Aussaatszeit ist und ob ich mit dem boden oder Standort irgendwas besonderes beachten muss.
      Vielen Dank an die die mir trotz der Verrücktheit der Frage antworten :D
      Non vitae sed scolae discimus.

      Ich bin der Wahrscheinlich letzte aus Prinzip freiwillig Handyfreie Jugendliche Deutschlands. 8)

      Comfortzone? Was ist das? Eine italienische Vorspeise? ( Max Green, 2016)
    • Als Brauer kenne ich zwar nur einen Wert für Weizen und Gerste, aber da reden die Bauern von etwa 6 Tonnen pro Hektar, die Statistik von 3 Tonnen pro Hektar.
      Ein Hektar sind 100m*100m, also 10.000m².
      Bei 6.000kg/10.000m² sind das also 0,6kg/m².
      Bei Typ 405 Mehl hast du etwa 55% Ausbeute, also 0,33kg/m².
      Das wiederum heißt, dass du für ein Kilo Mehl 3m² Anbaufläche benötigst, vorausgesetzt du hast den gleichen Ertrag wie ein Berufs-Landwirt, mit dem Statistischen Mittel bräuchtest du schon 6m²
    • Echt ?
      Wahnsinn ! Ich hätte da weit weniger geschätzt. Wenn die mittelalterliche Familie pro Tag 2 Pfund Brot futtert, und das ist wirklich nicht viel, kommt man auf ...
      6 m2 x 360 Tage ( bei einer Ernte jährlich ) , also rund 2.000 m2 .
      D.h. eine Größe vergleichbar Fussballplatz ernährt etwa nur 2 - 3 Familien. Ernteausfälle, Hagel und Wildschweine usw. noch gar nicht eingerechnet.
      Besitz stirbt,

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    • Naja, aus einem Kilo Mehl kriegst du ja auch 4 Pfund Brot raus. Und Typ 405 ist das typische weiße Mehl wie wir es heute benutzen, eben 55% Ausbeute, Vollkornmehl hätte eine Ausbeute von 98% und ich denke das mittelalterliche Haushaltsmehl wird irgendwo dazwischen gewesen sein, hatten ja auch Hunger damals. Außerdem wachsen ja auch Kaninchen auf dem Feld. Und was zusammen wächst, kann man auch zusammen essen.
    • ein großer teil des energiebedarfs kommt ja auch aus fett, das darf man nicht vergessen, is vielleicht nicht das filetstück vom rind, sondern auch gern mal der schafskopf-eintopf.
      aber tierische fette machen viel in der ernährung aus und natürlich anderes füllbeiwerk wie bohnen, erbsen, linsen und kohlgemüse.
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      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

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    • Hallo
      Das Fett zum Aufschlüsseln der Nahrung erforderlich ist sollte man wohl nicht ignorieren.
      Aber warum gleich die Viecher schlachten. Die Milch, direkt oder als Butter oder soweit schon bekannt Öl geht doch auch.
      Zu den oben durchgeführten Berrechnungen muss man Bedenken das im Mittelalter die Erträge deutlich geringer ausfielen als heute. Zeitweise war das Verhältnis zwischen Saat und Ernte 1:1,5 bis 1:2. Das heisst im Klartext, das 2/3 bis 1/2 der Ernte für die nächste Aussaat zurückgelegt werden mussten. Sollte das nicht ausreichen hatte man im Folgejahr weniger Saat = weniger Ernte. So entstehen auch lange Perioden des Hungerns.
      Im Kopf Geschichtsnah
      In der Praxis eher GroMi
      Letztes Viertel 12tes Jh.
      Tippfehler? Ich schreibe meist vom Mobiltelefon
    • Das mit dem Fußballfeld trifft es nicht so ganz. Bei meiner Ahnenforschung, bei der ich sehr viele Bauern als Vorfahren fand, sind viele als Vollhufner verzeichnet(runterbis zum 1/8 Hufner). Neulich fand ich die Information ( Quelle leider nicht mehr parat ), daß im späten Mittelalter ein Bauernhof außer seinen Besitzern samt Knechten oder Heuerleuten drei weitere Familien ( Stadtbewohner usw.) ernähren konnte.

      Folgendes aus Wiki und Co:
      "Das Wort Hufe bezeichnet ein landwirtschaftliches Gut, welches mit einem Pfluge bestellt werden kann und demnach der Arbeitskraft einer Familie entspricht. Die korrelative Fläche wurde von Anfang des 9. bis ins 19. Jahrhundert hinein meist auf rund 30 Morgen veranschlagt. Großbauern konnten mit Hilfe von vielen Knechten und mehreren Zugtiergespannen auch 60 oder gar 120 Morgen bewirtschaften."

      "Ein Morgen (Mg) war ein bis etwa 1900 in Deutschland verwendetes Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem einscharigen Pferde- oder Ochsenpflug an einem Morgen pflügbar ist. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte."

      Diese Hufen und Morgen waren je nach Region unterschiedlich groß. Man kann aber davon ausgehen daß ein Vollhufner so um die 12 ha bewirtschaftete. Davon war natürlich nicht alles Ackerland. Wenn man dann noch das eher bescheidene Verhältnis von Aussaat und Ernte betrachtet ist ein Fußballfeld (0,7 ha) wirklich nicht viel.

      Gruß René
      Hütet euch vor den Verkündern der einzig wahren Wahrheit
    • Ich kann das Ernte-Aussaht-Verhältnis Bestätigen: Rösener, Werner: Bauern im Mittelalter. München, 1985. S.144.
      Dort steht für das Erntejahr 1156 der Abtei Cluny in Burgund, "ein Verhältniss von 1:3 bei Weizen, 1:5 bei Roggen und 1:2,5 bei Gerste" und darauf folgen weitere Angaben für England und St.Denis im Seinebecken sowie eine Angabe zu Artous (1335: 1:15!). Ein Teil des Buches ist über Google Books einsichtig, aber leider nicht das Anmerkungs/Literaturverzeichnis, wie es scheint. - books.google.de/books?id=TQn5j…h2wXQjX#v=snippet&q=ernte aussaat&f=false
      Igitur qui desiderat pacem, praeparet bellum; qui uictoriam cupit, milites inbuat diligenter; qui secundos optat euentus, dimicet arte, non casu. Nemo prouocare, nemo audet offendere quem intellegit superiorem esse, si pugnet. (Publius Flavius Vegetius Renatus; Epitoma Rei Militaris Libri IIII; Liber III, Abs.0; um 390)
    • Sigurdur schrieb:

      Wildschweine usw. noch gar nicht eingerechnet.



      Die musst du schon mit einrechnen - 1 Wildschwein ernährt eine Familie etwa 1 Woche :D !


      Spass beiseite:

      Hol dir doch lieber paar Hühner. Meine 4 Mädels schmeissen in der Woche etwa 20 Eier !
      ...und du hast wesentlich weniger Arbeit !
      Und dann backst du halt kein Brot, sondern Eierkuchen ;) !
      Viele Grüße!

      Johann


      Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit !
    • das mit dem ernte- aussaatverhältnis habe ich jetzt auch gemerkt... das haben alles die vögel aufgegessen, kein einziges Korn ist aufgegangen :(
      wohl weil ich kurz nach der aussaat 2 wochen in italien war, und vorher keine Vogelscheuchen/ typen mit armbrust( :bow) / Netze oder ähnliches aufgestellt habe :kopfwand
      dazu noch die schreckliche Brandenburger dürre :schwitz in diesem sommer.
      was solls man soll sich nicht beklagen, aber im Ma. wär ich jetzt verhungert...
      das mit den Hühnchen ist ne gute idee, aber wenn ich die sich selbst vermehren lasse, habe ich einen haufen unnützer Hähne, die ich nicht schlachten kann, weil ich Kompromißvegetarier bin ( nur Wildfleisch und fisch, das passt so schön zum Hobby) sonst kaufe ich eben Hennen. Meine mutter will auch Bienen haben, vielleicht zwackel ich mir da ein Volk für nen Strohkorb ab :wiki1 ich hab auch schon an zwei Schafe gedacht, aber da hat meine mutter was gegen :rolleyes:
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