Bronze zu spröde

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    • Bronze zu spröde

      Hallo,

      Habe vor kurzem angefangen Bronze zu gießen.
      Da hätte ich eine kleine Frage an Euch.

      Ich hab beim letzten
      Guss mal eine Legierung 80% Kupfer, 15% Zinn und 5% Zink
      gemacht.
      Alles mal in den Tiegel geschmissen.
      Da hab ich ein Messingfarbenes (in der äußeren Schicht Zinnernes) und vor allem sprödes
      Resultat bekommen. Was kann ich dagegen unternehmen, das
      der Guss so spröde wird?


      Bin für jede Hilfe dankbar
      Die Letzten werden die Ersten sein.

      Also kommt auf alle nach Italien

      Konradin (letzter Staufer)
    • Mit Zink ist die Kupferlegierung Messing und keine Bronze, auch wenn der größere Teil Zinn ist.

      Du hast sehr viele Regierungsangelegenheiten drin. 20 % ! Gerade Zink macht es sehr hart und spröde. Fließt natürlichen gut.

      Willst zu den Guss noch nachbearbeiten, zB ausschließen oder umformen?

      Bronze mit den klassischen 1 Teil Zinn und 9 Teile Kupfer ist schon sehr hart bzw spröde. Benutze ich für meine Güsse, aber ich forme später nicht mehr nach.
      Also mal mit 10 oder 11 Teilen Kupfer arbeiten.
    • Hi,
      wie meine Vorredner schon geschrieben haben. Versuch es mal mit 5 bis maximal 10 % Zinn. Bis ca 6% ist Bronze gut kalt-verformbar. Darüber muss man schon etwas besser aufpassen und bei bedarf zwischendurch weichglühen. Je höher der Anteil desto spröder wird das ganze. 20% ist schon im Bereich Glockenbronze.
      Du kannst auch einen Teil des Zinns durch Zink ersetzen (höchstens genauso hoch wie der Zinnanteil, sonst hast du Messing), aber dann sollte man genauso wie beim Messing auf eine ausreichende Belüftung achten, da oberhalb von ca. 900°C der Dampfdruck des Zinks ausreicht, dass dieser entgast und an der Luft verbrennt(mit allen unangenehmen gesundheitlichen Folgen). Sinn macht es also nicht.
    • Wie bereits schon erwähnt wurde, je höher der Zinnanteil, desto spröder...
      Das Zinkzeug laß mal lieber ganz weg, erstens sind die Dämpfe ziemlich ungesund,
      zweitens macht es die ganze Legierung nur richtig spröde und drittens ist es dann,
      w.o. bereits erwähnt wurde, keine Bronze mehr, sondern schon eher Messing...

      Nimm einfach ein Mischungsverhältnis von 9 Kupfer zu 1 Zinn...

      Ein paar kleine tipps...:

      Schwenke den Tiegel vorher mit etwas flüssigem Borax aus, daß erhöht zum einen
      die Verwendungszeit / Gussanzahl des Tiegels und Du mußt beim anschließenden
      Aufschmelzen nicht mehr ganz so viel Borax dazugeben...

      Gib das Kupfer mit dem Borax in den Tiegel und warte,
      bis das Borax im Tiegel vollständig verflüssigt ist und das Kupfer anfängt zu glühen...

      Dann gibst Du einen minmalen Splitter Zinn (bei 100 g Gesamtmischung reicht 1/2 - 1g)
      Zinn obendrauf...

      Dieser zusätzliche Zinnsplitter überzieht das Kupfer und wirkt dann nochmal zusätzlich
      als Schmelzhilfe / Flußmittel für das Kupfer...

      Sobald das Kupfer dann anfängt zu schmelzen, gibst Du den vorher abgewogenen,
      normalen Zinnanteil dazu, läßt das ganze schön verflüssigen, rührst ein paarmal
      mit einem Stahl -oder Quarzstab gut um, ziehst die Boraxschlacke von der Oberfläche ab,
      kannst dann anschließend gießen und schon hast Du eine schöne und geschmeidige Bronze produziert... ;) :)

      LG
      Halfdan Horntrinker
      "Der Mensch braucht kein Kreuz zum Leben, sondern ein Rückgrat...!!"
      :wiki1
      "Wir können es uns nicht leisten, Mythologie kritiklos hinzunehmen...!"
      Prof. Dr. Henry Jones Junior :D :D
    • Die Wahl des Materials, Bronze oder Messing wird doch auch durch die Vorlage bzw das üblicherweise verwendete Material bestimmt. Messing wurde häufiger verwendet als allgemein angenommen.

      Zudem lassen sich mit Messing filligrane Güsse leichter bewerkstelligen. Doch wie schon genannt: Vorsicht mit den Dämpfen! Das Gussfieber fühlt sich nicht gut an. Trage bei Messinggüssen zu Hause eine Atemschutzmaske.

      Zur Ergänzung des von Halfdan genannten: Zum Umrühren oder kurz vor dem Guss nutze ich einen grünen Zweig. Wie man mir beibrachte soll dadurch das Oxyd aus der Schmelze brennen welches vorher evt aufgenommen wurde. Durch z viel Oxyd wird der Guss oft blasig. Ein weiterer Vorteil des Stöckchens: Man spührt schön wie weit die Schmelze ist, gerade bei recycelter Bronze hilfreich wenn viel Schlacke auf schwimmt. Ist sie heiss genug vibriert das Stöckchen stark und es kann gegossen werden.

      @Halfdan: Das mit dem Tigel mit Borax ausschwenken kenne ich als Fakt, erklärt aber bitte die genaue Vorgehensweise für mich. Bin nicht sicher ob ich es bisher richtig gemacht habe.

      @ allgemein: Freue mich dass es einige Giesser unter Euch gibt. In dieser Sparte hier passiert ja nicht so oft etwas...
      Gerne mehr...
    • @Jonst...

      Wg. mit Borax ausschwenken...

      Die Prozedur ist ebenso simpel wie einfach und muß auch nur einmal
      vor der ersten Benutzung des (Ton)Tiegels gemacht werden...:

      Du nimmst Deinen frischen, neuen Tontiegel und füllst dort ca. 1- 1 1/2 Esslöffel
      (gestrichen u. je nach Größe des Tiegels) Boraxpulver hinein,
      stellst das ganze dann in Deinen Schmelzofen oder die Feuerstelle und
      erwärmst den Tiegel auf gut rotglut, bzw. bis das Borax gut flüssig ist...

      (Ofen / Hitze nicht zu schnell hochfahren, die Tontiegel neigen da dann doch
      hin u. wieder schnell zu Rißbildungen...!)

      ...entnimmst dann den Tiegel mit einer geeigneten Zange und drehst ihn dabei in waagerechter Position gleichmäßig und vorsichtig, so daß die gesamte Innenoberfläche
      mit dem Verflüssigten Borax benetzt ist / wird...

      Fertig...

      Tiegel anschließend langsam u. vorsichtig auskühlen lassen, dann entsprechend befüllen
      und wieder ab in den Schmelzofen / Vorrichtung / Feuerstelle...

      LG
      Halfdan Horntrinker
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    • Achso, ja, nur noch mal so zur Erinnerung...:

      Bei geschmolzener Bronze handelt es sich um FEUERFLÜSSIGES Metall...!!

      Sprich sehr SEHR heiß...!!

      (...gilt übr. auch für das fl. Borax / sonst. Flußmittel...!)

      D.h. beim Kontakt mit ungeschützten Hautpartien / flächen
      ergibt das nicht nur "leichte", oberflächliche Verbrennungen...

      (wie z.B. bei einem Tropfen Lötzinn, der mal auf die Finger danebengeht...)

      ...sondern richtig fiese und vor allem tiefe Verbrennungen (u.U. bis zum Knochen...!!),
      die mit Sicherheit bleibende und schmerzhafte Narben hinterlassen...!


      Soll also heißen, beim Bronzegießen sollte man IMMER darauf achten, wenn möglich entsprechende Schutzkleidung zu tragen, ausreichend Wasser zum sofortigen Kühlen
      im Falle einer Verbrennung bereitstehen zu haben, TROCKENE UND GEEIGNETE GUSSFORMEN zu verwenden und vor allem mit jeder Menge Um- und Vorsicht dabei
      zu Werke zu gehen...

      Hibbelige Kinder / Jugendliche / Haustiere, sonst. sich unvorhersehbar/ unkontrollierbar
      verhaltende / bewegende Personen etc. sind dabei auf weitestmöglichen Abstand zu halten /
      im Zweifelsfalle an die Leine zu nehmen...!! ;) :D

      LG
      Halfdan Horntrinker
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Halfdan Horntrinker ()

    • Danke für die Hilfe. Das ist Klasse!!!

      Ich hab den hohen Zinnanteil genommen, weil die Fibel die ich nachgegossen habe im Orginal auch so hohen Zinn- und Zinkanteil
      hatte. Ist auch oft bei der Römischen Bronze zu beobachten, dass oft ein sehr hoher Zinnanteil drin ist.
      Mit der Bronze hab ich auch die Gütelbeschläge mit den Nieten gegoßen
      und die brechen beim Vernieten einfach ab.
      Für den nächsten Guß nehme ich nur noch einen 10% Anteil Zinn und lass den Zink weg.

      Borax hab ich bis jetzt noch nie benutzt. Fließt dann auch die Bronze besser?

      Noch eine kleine Frage: weiß von Euch jemand einen Trick, wie man bei der Sandform filigrane Stücke mit Durchbruchsmuster
      besser abformen kann. Bei mir bleibt in dem Durchbruchssmuster beim odell der Sand hängen.

      Bin auch gerade dabei auf Sandsteinformen und Wachsausschmelzverfahren umzusteigen. Kann ich die Formen beim Wachsausschmelzverfahren im Feuer brennen oder zerbrechen diese?
      Die Letzten werden die Ersten sein.

      Also kommt auf alle nach Italien

      Konradin (letzter Staufer)
    • Mit Borax lässt sich auch Bronze besser gießen, da die Schlacke gebunden wird und es schneller schmilzt. Ob auch der eigentliche Fluss besser wird weiß ich nicht.


      Wie wäre es weichere Nieten im Überfangguss einzubetten? Ist in Ölsand ja leicht.

      Durchbrüche nerven oft. Wurden zumindest bei vielen wikingerzeitlichen Objekten durchgebohrt. (Auch hier ist ein Grossteil der Güsse eher Messing). Viel Talkum und fest pressen.
      Meine Erfahrung ist, dass Lehmformen zwingend gebrannt werden müssen. Am besten ist die Form noch heiss beim gießen.
    • Ja, das ist inzwischen problematisch.

      Viele haben sich wohl vor Inkrafttreten der Verordnung einen Vorrat angelegt.
      Ich war zu spät und habe einen halblegalen Weg genommen. In meiner alten Arbeit hatte ich einiges mit Chemikalien zu tun. Musste bei einem Goldschmiedebedarf bestellen und habe mir das Formular für den Umgang mit Gefahrstoffen von der Arbeitsstelle ausstellen lassen. Daraufhin privat damit Borax bestellt an die Arbeit schicken lassen aber die Rechnung privat gezahlt. Nun ärgere ich mich schon nur 500 g genommen zu haben.

      Frag bei Goldschmieden nach ob sie etwas verkaufen. Gerade die Handwerker finden die neue Verordnung zum Borax eh merkwürdig und sind lockerer im Umgang. Oder du kennst jemanden der eine Firma hat, die im weiteren Sinne mit Chemikalien arbeitet. Borax wird ja verschiedentlich eingesetzt.


      @Halfdan: Danke für die Erklärung. Habe es bisher Ähnlichkeit gemacht, aus oben genannten Gründen nur sehr viel weniger Borax eingesetzt. Das floss nicht wirklich sondern hat nur Blasen geschlagen. Na ja, beim nächsten Mal.

      @Konradin: Wenn du das Wachsausschmelzverfahren versucht hat Berichte doch mal über deine Erfahrungen.
      Als Tipp: Schau mal unter werkbug.de Hier sind gute Infos zum Bronzeguss von denen ich auch einiges übernommen habe.
    • Leider funtioniert der Link nicht. :(

      Hab heute schon meine erste Form aus Speckstein gefertigt.
      Lässt sich wunderbar bearbeiten.

      Mann müsste doch statt dem Borax auch Flussmittel fürs Hartlöten nehmen müssen, oder?

      Wie sieht eigendlich ein Schmelzofen im 12jh. aus? Kenne nur den vom Theophilus.
      Gibt es da noch einfachere Modelle?
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      Also kommt auf alle nach Italien

      Konradin (letzter Staufer)