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Der Völkername "Germanen"

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    • Der Völkername "Germanen"

      Der Germanen selbst haben sich ja nie so genannt.

      Unter dem Exonym "Germanen" wurden in früherer Zeit die Völker jenseits des Rheins und der Donau zusammengefasst. Der weitaus größte Teil der historischen Daten über diese Völkerschaft, die in zahlreiche Stämme zergliedert war, stammt aus römischen und romanischen Quellen, allen voran von Caesar und Tacitus.
      Der Völkername Germanen geriet im Lauf der Jahre außer Gebrauch, bis er von Humanisten des 16. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde und weite Verbreitung fand. Der Name erfuhr im Verlauf der Geschichte viel Aufmerksamkeit und unterlag einer romantischen Verklärung, die vielerlei Fehleinschätzungen mit sich brachte. Den Höhepunkt dieses Prozesses stellen sicherlich der Germanenkult im Dritten Reich und seine Auswüchse dar.
    • RE: Der Völkername "Germanen"

      zu dem thema kann man bücher schreiben. haben verschiedene leute ja bereits getan, die wesentlich klüger waren als ich.
      aber vielleicht soviel noch dazu:
      gemeinhin spricht man bei germanen seit einigen jahren/jahrzehnten bereits nicht mehr von EINEM germanischen volk, sondern bestenfalls von germanischen stämmen, was auch mehr oder weniger nur bedeutet, dass es stämme sind, die eine ähnliche oder gemeinsame kultur hatten.
      kultur im sinne von brauchtum, gottheiten, lebensweise.

      weiter muss man genau unterscheiden, um welche epoche es sich handelt, da hier im wahrsten sinne des wortes "viel bewegung" drin ist. ;)
      grundsätzlich sind germanische stämme etwa ab dem 5. oder 6. vorchristlichen jahrhundert etwa aus skandinavien nach süden gewandert und haben die ansässigen keltischen stämme nach westen und süden verdrängt.
      um das jahr 0 herum schließlich, lässt sich neueren erkenntnissen (wobei das auch noch vorsichtig ist!) in etwa eine germanisch/keltische "kulturgrenze" ausmachen, die im westen der rhein ist, nach süden hin vermutlich die achse main-rhön-erzgebirge und im osten vermutlich die weichsel.

      südlich und westlich davon tummeln sich stämme der keltischen kultur, die entweder bereits römisch geprägt sind oder dies in den nächsten jahren werden.
      eine recht anschauliche karte zur situation um ca. 50 n. chr. findet sich in dem fall bei wikipedia:
      de.wikipedia.org/wiki/Bild:Germanen_50_n._Chr.png

      so richtig wild wirds dann aber in den folgenden jahrhunderten, etwa ab dem 4. jhd., wenn die völkerwanderung so langsam einsetzt..
      upload.wikimedia.org/wikipedia…Voelkerwanderungkarte.png

      etwa ab dem 4. jhd., teilweise (sachsen, franken, alamannen, um mal die stämme auf heute deutschen gebiet zu nennen) schon im 3. jhd., schließen sich dann viele kleinere stämme zu sogenannten gens, "völkern" zusammen, die in der folgezeit oftmals den römern wenig freude bereiten. ;)

      mit dem ende der völkerwanderungszeit in festlandeuropa (etwa 7. jhd.) und einsetzen der christianisierung, mit der staatenbildung (franken, angelsachsen, u.a.) bilden sich erste staatsformen, die aus heutigem verständnis diesen ausdruck verdienen und man spricht für gewöhnlich hier dann von den jeweiligen großstämmen oder völkern, weniger mehr von "germanen".

      so mal auf die schnelle, meine 10 cent.


      gruß,
      roland
    • Hallo,

      in vielen sog. Geschichtsbüchern wird immer noch der Begriff "Indogermanen" verwendet, der ja nicht unumstritten ist. Gibt es diese geschichtliche Unterscheidung überhaupt? und was bedeutet sie oder warum verwendet man das Wort Indo- ? Verstehe ich nicht.
    • Das ist eine rein Sprachliche Definition:im 18.Jahrhundert hat ein Engländer entdeckt das Sanskrit (wird in Indien gesprochen) eng mit latein und Griechisch und somit den meisten Europäischen Sprachen verwandt ist.Deshalb Indogermanisch.
    • Indogermanisch (das wie das "Germanische") nie als Einzelsprach existiert hat, ist der Urahn des Germanischen.

      Indogermanische Sprachen sind alle europäischen Sprachen mit Ausnahme von Finnisch, Ungarisch, Türkisch und Baskisch.
      Wenn man jetzt davon die romanischen, keltischen und baltischen Sprachen abzieht, bekommt man die germanischen Sprachen.

      Zwischen der indogermanischen Urstufe und dem Germanischen fand die 1. Lautverschiebung statt (ungefähr 3. Jahrhundert vor Chr.)

      Wie Ragnar schon erklärt hat, bezieht sich die Bezeichnung Indogermanisch auf Sanskrit, man wollte in dem Namen die östlichste und die westlichste Sprachfamilie einbeziehen (wobei die westlichste die romanischen Sprachen wären). Mittlerweile geht der Trend aber eher zu Indoeuropäisch. Der Begriff Indogermanisch ist nur noch im deutschen Sprachraum verbreitet, wird aber auch hier schon langsam verdrängt.
    • Original von Rigana
      Das Estnische ist auch keine indogermanische Sprache ;) Und bei samisch bin ich mir nicht mehr sicher

      Die slawischen Sprachen müssen auch rausgeordnet werden *g* Und griechisch...

      Dazu gibts übrigens einen schönen Artikel in wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Sprachen

      Manchmal sieht man dort Sprachen, die einem glatt entgangen wären *g*

      Liebe Grüße,
      Rigana

      An Estnisch hab ich nicht gedacht, geb ich zu...

      Die slawischen Sprachen und Griechisch wollte ich grad noch editieren, bist mir zuvor gekommen :D

      Auf wikipedia verzichte ich, mir ist meine Lehrveranstaltung über die Germanen und ihre Sprachen viel lieber :]


      @Ragnar
      Finnisch hatte ich aber erwähnt (oder sollte das nur ein Vergleich sein?) Finnisch gehört ja - wie Ungarisch - zu den finno-ugrischen Sprachen
    • Ok, wenn man es nur auf die Sprache projeziert, weil einer Ähnlichkeiten mit der Indischen Sprache entdeckt hat, finde ich es trotzdem völlig falsch, dass immer wieder "die" Germanen als Indogermanen bezeichnet werden. Spracheinflüsse gab es in vielen Bereichen. Unsere Sprache entstand fast hauptsächlich mit arabischen Einflüssen. Wenn ich das Englische mit dem Romanischen vergleiche sind auch einige Parallelen, die unverkennbar sind.

      Ich finde es fatal in Geschichtsbüchern von Indogermanen zu sprechen oder "die" Germanen. Es ist geschichtlich falsch. Insbesondere nachdem der Begriff im 3. Reich missbraucht wurde.

      Leider sind diese Ansichten nicht auszurotten, genauso wie der Begriff Indogermanen.
    • Original von Sarah
      Unsere Sprache entstand fast hauptsächlich mit arabischen Einflüssen.

      Wo steht das? Einflüsse lassen sich aus vielen Sprachen nachweisen. Die deutsche Sprache ist (auch wenn dir die Begriffe nicht gefallen) eine germanische und somit auch eine indogermanische/indoeuropäische Sprache. Einflüsse aus anderen Sprachen wird man immer finden, Sprachkontakte lassen sich eben nicht vermeiden (sieht man ja auch an den sich immer weiter verbreitenden Anglizismen).
      Wenn ich das Englische mit dem Romanischen vergleiche sind auch einige Parallelen, die unverkennbar sind.

      Natürlich, weil sie eben zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören. Der Begriff wurde nicht deshalb geprägt, weil Sprachwissenschaftler ein paar zufällige Parallelen in den Sprachen gefunden haben, sondern weil sie tatsächlich miteinander verwandt sind. Die verschiedenen Sprachen haben natürlich unterschiedliche Lautgesetze durchlaufen (das Deutsche zB 2 Lautverschiebungen), aber alle indoeuropäischen Sprachen lassen sich auf eine (rekonstruierte) Ursprache zurückführen, wenn man diese Lautgesetze rückwärts durchläuft.
      Ich finde es fatal in Geschichtsbüchern von Indogermanen zu sprechen oder "die" Germanen. Es ist geschichtlich falsch.

      Geschichtlich falsch ist es natürlich in der Hinsicht, weil die Indogermanen oder die Germanen als homogenes Volk nicht existiert haben. Aber die Bezeichnung Germanen verdanken sie nicht neuzeitlichen Forschern, sondern Caesar und Tacitus ;)

      Insbesondere nachdem der Begriff im 3. Reich missbraucht wurde.

      Im 3. Reich wurde vieles missbraucht, deshalb sind Begriffe oder Symbole aber nicht geschichtlich falsch. Die Svastika wurde auch missbraucht, trotzdem ist sie in manchen Religionen noch immer ein Sonnensymbol. Und die werden sich auch nicht davon abbringen lassen, dieses Symbol weiter zu verwenden, nur weil ein rassistischer, wahnsinniger Österreicher dieses Symbol für seine fashistische Gruppierung verwendet hat.

      Leider sind diese Ansichten nicht auszurotten, genauso wie der Begriff Indogermanen.

      Welche Ansichten willst du ausrotten?
      Und zum Begriff Indogermanen, ich hatte vorhin in meinem Beitrag geschrieben, dass sich die Bezeichnung "indoeuropäisch" immer mehr durchsetzt, auch im deutschen Sprachraum ;)
    • Es gibt viele Bücher über die Entstehung der deutschen Sprache. Und auch heute noch existieren viele Worte, die ursprünglich aus dem arabischen stammen. Ich weiß jetzt nicht, wie mein Buch hieß, was ich studiert habe... muss mal nachsuchen. Aber das Deutsch eine Indogermanische Sprache sein soll, ist mir völlig neu... Wo steht denn das? Eine wirkliche deutsche Sprache gab es lange Zeit überhaupt nicht, eher ein Kuddelmuddel aus Treviallatain, Spanisch, Arabisch usw. je nachdem wie sich Völker verbanden oder erobert wurden...

      Wie du sagst entstehen sprachliche Einflüsse von überall her. Das ist nunmal der Lauf der Geschichte, dass sich viele verschiedene Völker verbinden und somit die Sprache erweitert/verändert wird. Deswegen ist mir der Vorsatz - Indo - immernoch schleierhaft.

      Mit Ansichten ausrotten meinte ich, dass es immernoch viele Gruppen gibt, die das "Indogermanische" anders verstehen wie wir. Rassistisch oder besser gesagt aus dessen Vorstellungen des großen, starken, blonden Germanen... ;)

      Grüßle
    • Original von Sarah
      Es gibt viele Bücher über die Entstehung der deutschen Sprache. Und auch heute noch existieren viele Worte, die ursprünglich aus dem arabischen stammen.

      Dass es Wörter gibt, die aus dem Arabischen kommen, bestreite ich ja nicht, allein schon durch den Handel sind die nach Europa gekommen.
      Es gibt aber auch Wörter aus dem Griechischen, Lateinischen ...

      Ich weiß jetzt nicht, wie mein Buch hieß, was ich studiert habe... muss mal nachsuchen. Aber das Deutsch eine Indogermanische Sprache sein soll, ist mir völlig neu... Wo steht denn das?

      Das Buch würde mich - und bestimmt auch meine Professoren - brennend interessieren! Nur zur Information: Ich studiere Sprachwissenschaft. Deutsch ist definitiv eine indogermanische Sprache, wer etwas anderes als Tatsache ausgibt, lügt entweder vorsätzlich, oder er hat keine Ahnung von der Sache.

      Eine wirkliche deutsche Sprache gab es lange Zeit überhaupt nicht, eher ein Kuddelmuddel aus Treviallatain, Spanisch, Arabisch usw. je nachdem wie sich Völker verbanden oder erobert wurden...

      Naja, spätestens nach/mit der zweiten Lautverschiebung ist eine einheitliche deutsche Sprache entstanden - Althochdeutsch (deutsch ist ja die einzige Sprache, die zwei Lautverschiebungen durchgemacht hat, die anderen germanischen Sprachen haben nur eine Lautverschiebung hinter sich, dafür noch andere Lautgesetze). Davor gab es halt die "germansiche(n) Ursprache(n)", die eben durch die erste Lautverschiebung sich aus dem indogermanischen gebildet haben.

      Wie du sagst entstehen sprachliche Einflüsse von überall her. Das ist nunmal der Lauf der Geschichte, dass sich viele verschiedene Völker verbinden und somit die Sprache erweitert/verändert wird. Deswegen ist mir der Vorsatz - Indo - immernoch schleierhaft.

      Das Indo- kommt daher, dass Sanskrit, Altindisch etc. auf denselben Ursprung zurückzuführen sind wie eben Englisch, Latein, Deutsch etc. - die indogermanischen Sprachen halt.

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    • Das Indo- kommt daher, dass Sanskrit, Altindisch etc. auf denselben Ursprung zurückzuführen sind wie eben Englisch, Latein, Deutsch etc. - die indogermanischen Sprachen halt


      Und welcher Ursprung ist das?

      Wenn ich dieses Buch finde,poste ich es hier her. War kein sprachwissenschaftliches Buch, sondern ein geschichtswissenschaftliches. Und ich würde nicht einfach etwas als Lüge bezeichnen, nur weil es nicht deiner Ansicht oder der Ansicht deiner Professoren entspricht. Ich denke, dass es auch in der Sprachwissenschaft viele ungeklärte Fakten gibt, die sehr schwer nachzuvollziehen sind, insbesondere bei Völkern, die wenig schriftliches hinterlassen haben. Aber wohl ein sehr interessantes Thema.

      Und ich bin leider noch nicht wirklich einverstanden, wenn sämtliche angeführte Sprachen "Indogermanisch" sein sollen, zumal ich auch gespannt bin, wie man den eigentlichen Ursprung nachweisen will und, was das mit den Germanen zu tun hat. Wie du schon sagtes, gibt es "Die" Germanen gar nicht. Der Bergriff kam erstmals von den Römern (obwohl ich mir dabei auch nciht sicher bin)... Die Sprache entwickelte sich aber über die gesamte Existenz der Menschheit immer weiter und in andere Richtung, hinweg über andere Völker mit vielen neuen Einflüssen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es nur einen Ursprung geben soll für all die Sprachen, oder habe ich da was falsch verstanden?

      Vielleicht reden wir auch aneinander vorbei :D Macht aber Spaß :D
    • Original von Sarah

      Und welcher Ursprung ist das?

      Naja, eine Ursprache, die allem zugrunde liegt. In etwa wie bei den Menschen, alle gehen auf einen Urmenschen zurück, aus dem sich verschiedene Völker gebildet haben. :D

      Wenn ich dieses Buch finde,poste ich es hier her.

      Wie gesagt, würde mich interessieren...


      War kein sprachwissenschaftliches Buch, sondern ein geschichtswissenschaftliches.

      Das dürfte eigentlich kein Grund dafür sein, etwas Falsches zu drucken

      Und ich würde nicht einfach etwas als Lüge bezeichnen, nur weil es nicht deiner Ansicht oder der Ansicht deiner Professoren entspricht.

      Nun, ist nicht nur meine Meinung oder die meiner Professoren, sondern allgemein gültige Lehrmeinung, die auf verschiedene Sprachwissenschaftler des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgeht (unter anderem auch Wilhelm und Jakob Grimm, die auch das erste Lautgesetz formuliert haben, das Grimmsche Gesetz).

      Ich denke, dass es auch in der Sprachwissenschaft viele ungeklärte Fakten gibt, die sehr schwer nachzuvollziehen sind, insbesondere bei Völkern, die wenig schriftliches hinterlassen haben. Aber wohl ein sehr interessantes Thema.

      Nun, sooo viel ist im Bereich der historischen SpraWi nicht mehr ungeklärt. Natürlich gibt es keine schriftlichen Belege (dann wäre es ja eh viel zu einfach), aber durch Sprachvergleiche ist man eben auf die verschiedenen Gesetze gekommen (siehe wieder Grimm, aber auch das Vernersche Gesetz als Verbesserung des Grimmschen Gesetzes) und aufgrund dieser Gesetze kann man auf den Ursprung schließen.

      Und ich bin leider noch nicht wirklich einverstanden, wenn sämtliche angeführte Sprachen "Indogermanisch" sein sollen, zumal ich auch gespannt bin, wie man den eigentlichen Ursprung nachweisen will und, was das mit den Germanen zu tun hat.

      Die Sprachen SIND indogermanisch, das ist einfach so :D
      Und mit den Germanen hat es soviel zu tun, dass eben die germanischen Sprachen aus den indogermanischen Sprachen entstanden sind.
      indogermanisch > erste Lautverschiebung > germanisch > zweite Lautverschiebung > deutsch

      Wie du schon sagtes, gibt es "Die" Germanen gar nicht. Der Bergriff kam erstmals von den Römern (obwohl ich mir dabei auch nciht sicher bin)...

      Öhm, wenn der Begriff nicht von den Römern kommt, wessen "Germania" hab ich dann bei der Matura übersetzt, wenn's nicht die von Tacitus war?

      Die Sprache entwickelte sich aber über die gesamte Existenz der Menschheit immer weiter und in andere Richtung, hinweg über andere Völker mit vielen neuen Einflüssen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es nur einen Ursprung geben soll für all die Sprachen, oder habe ich da was falsch verstanden?

      Doch, es gibt EINEN Ursprung, von diesem ausgehend haben sich die verschiedenen Sprachen gebildet (gilt jetzt für die indogermanischen Sprachen. Andere Sprachfamilien haben natürlich einen anderen Ursprung, wie eben die finno-ugrischen Sprachen, Turksprachen...)
    • Ich habe jetzt mal was aus Wikipedia genommen...

      Dort wird übrigens auch sehr viel über die Indogermanischen Sprachen und über die "Ursprache" geschrieben, wobei auch nicht besonders viel belegt ist. Wie kann man denn belegen welche Sprache von wo abstammt? Ich gehe jetzt nicht nur vom Mittelalter aus... Die Ursprache muss es weit früher gegeben haben, wenn sie überhaupt existierte...

      Aber nun zu meinen Arabern :D

      de.wikipedia.org/wiki/Liste_de…B6rter_aus_dem_Arabischen

      Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache

      Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. dominieren, Fenster, Karren, Keller, Kloster) aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Demokratie, Krypta, Philosophie, Physik). Teilweise verschwanden durch die Entlehnungen die zuvor gebräuchlichen Begriffe vollständig: Arzt, Mediziner und das umgangssprachlich verwendete Doktor verdrängten als Bezeichnung für den Heilkundigen beispielsweise schon frühzeitig die Begriffe Laachi (Lachi) und Bader.
      Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch, das nach Voltaire nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Konfitüre, Trottoir).
      Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Gurke, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. meschugge, Mischpoke, Schickse, Zoff) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
      In Handel (Magazin, Tarif, Tara), Botanik (Orange, Kaffee, Ingwer), Medizin (Elixier, Balsam), Mathematik (Algebra, Algorithmus, Ziffer), Chemie (alkalisch, Alkohol) und Astronomie (Almanach, Zenit, Rigel) lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.

      Aber mit der Bezeichnung Indoeuropäisch könnte ich mich schon eher anfreunden :D
    • Wie gesagt, ich hab die Einflüsse aus dem Arabischen nie bestritten ;)

      Original von Sarah

      Dort wird übrigens auch sehr viel über die Indogermanischen Sprachen und über die "Ursprache" geschrieben, wobei auch nicht besonders viel belegt ist. Wie kann man denn belegen welche Sprache von wo abstammt? Ich gehe jetzt nicht nur vom Mittelalter aus... Die Ursprache muss es weit früher gegeben haben, wenn sie überhaupt existierte...

      Die "Ursprache" ist gar nicht belegt, nur rekonstruiert. Und das gelingt eben, indem man die bekannten Lautgesetze zurückgeht, so kommt man schließlich zu einer Urform.
      Und die Ursprache war auf jeden Fall vor dem MA, da im Frühmittelalter bereits Althochdeutsch gesprochen wurde, und (wie schon öfter erwähnt) das Deutsche seit der Ursprache 2 Lautverschiebungen durchgemacht hat, wobei die erste nachweislich (!) etwa im 3. vorchristlichen Jahrhundert war und ab da die indogermanische Ursprache (die es so vermutlich nicht gegeben hat) sich in die verschiedenen Untergruppen aufgespalten hat (germanisch, romanisch, keltisch...)
    • Oi... was für eine Diskussion und ich denke, ihr redet aneinander vorbei :D
      Ich habe mich in meinem Germanistikstudium ebenfalls intensiv mit historischer Sprachwissenschaft auseinandergesetzt.

      @maia Ich empfehle deshalb wikipedia, weil nicht jeder in den Genuss einer Sprachwissenschafts-Veranstaltung an der Uni kommt und einfach mal auf die Schnelle wissen möchte, worums hier geht ;)

      Der Begriff "indogermanisch" ist in der deutsprachigen Sprachwissenschaftsliteratur noch relativ präsent, wird aber nach und nach von dem Begriff "indoeuropäisch" ersetzt. Damit wird nur eine hypothetische gemeinsame Ursprungssprache bezeichnet, keine Volksgruppe! Es gab keinen Indoeuropäer!

      Dass das Deutsche keine indoeuropäische Sprache ist, ist absoluter Blödsinn - selbst wenn es in einem Buch stehen sollte.
      Die arabischen Einflüsse in unserer Sprache belaufen sich auf diverse Fremd- bzw. Lehnworte (das ist ein Unterschied!).
      Ein arabisches Lehnwort wäre z.B. Hurra! Dies ist allerdings genauso zu bewerten wie z.B. wie der aus dem französischen stammende Frisör.
      Was allerdings tatsächlich aus dem Arabischen stammt, ist unsere Zahlenschrift, die dann tatsächlich (und zum Glück!) die Schreibung mit römischen Ziffern abgelöst hat.
      Latein sowie Trivial- bzw. Vulgärlatein hinterließ natürlich viele Spuren in unserer Sprache und dies z.T. schon so früh, dass die Fremdwörter bereits bei den Lautverschiebungen mitgemacht hatten (und ab dann als Lehnwörter gelten): Bsp: lat.: tegula - dt. Ziegel (schon diverse Lautwandel durchzogen)
      Umgekehrt hinterließ auch das Germanische Wörter im Lateinischen etwas: z.B. gantae - Gänse

      Beweisen lässt sich ein Verwandtschaftsverhältnis von Sprachen anhand von Vergleichen - dazu gibts sogar einen eigenen Wissenschaftszweig: vergleichende Sprachwissenschaft. Bei einem solchen Vergleich werden z.B. sehr grundlegende Worte einer Sprache wie z.B. Verwandtschaftsverhältnisse oder Zahlwörter nebeneinandergestellt.
      Der Vergleich läuft auf synchroner Ebene ab, d.h. eine bestimmte Sprachstufe zu einer bestimmten Zeit wird betrachtet (z.B. heutiges Deutsch mit heutigem Englisch, aber es könnte genauso gut auch altenglisch mit althochdeutsch verglichen werden)
      Sprachentwicklung lässt sich auf diachroner (also entlang einer Zeitleiste) beobachten. Fügt man beide Erkenntnisse zusammen, könnte man ggf. sehen ob
      1) die Sprachen Gemeinsamkeiten haben (deutsch und englisch: ja/viele; deutsch und chinesisch: nein/kaum)
      2) wenn ja, dann ob sie irgendwann mal eine gleiche Vorstufe hatten (z.B. liegt allen skandinavischen Sprachen das altnordische zugrunde, das sich wiederum aus dem nordgermanischen entwickelte)

      Diese Vorstufenergründungen können uns bis zu gemeinsamen Sprachwurzeln führen, die in den großen Vergleichswerken (Grimm etc..) aufgeführt werden. Diese Vorstufen findet man im allgemeinen nicht irgendwo niedergeschrieben, weswegen den Wörtern als Kennzeichnung ein * vorangestellt wird.

      Ich bin mal ziemlich sicher, dass ich an einer anderen Uni bin als Maia und dort sind die Meinungen ziemlich ähnlich *g* Durchaus können sich Professoren irren, aber die Sprachwissenschaft ist ein sehr konkreter Bereich.

      Als Literatur und zum Nachschlagen empfehle ich Metzler Lexikon Sprache und mal wieder einen wikipedia-Artikel, bei dem die Literatur hinten ansteht (darunter auch was von meiner ehemaligen Professorin): de.wikipedia.org/wiki/Historische_Linguistik

      Liebe Grüße,
      Rigana

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rigana ()

    • oh... über meinen Sermon sind hier noch 2 Beiträge hinzugekommen :D

      Aber dann kann ich auch nachtragen:
      Natürlich gibts neben der eigenen Dynamik immer Einflüsse anderer Sprachen auf eine Sprache - und zwar geschieht das (inzwischen) in allen Sprachen.

      Sprache ist immer ein dynamisches System - betrachtet doch einfach mal, wieviele englische Wörter uns in den letzten Jahrzehnten überschwemmen. Wir übernehmen einige Begriffe und andere übernehmen wir nicht. Ebenso verhielt es sich mit dem extremen französischen Einfluss im 18. und 19. Jh..
      Aber dabei handelt es sich wie schon gesagt um Lehn- bzw. Fremdwörter und keinen Ursprung einer Sprache.

      Dort wird übrigens auch sehr viel über die Indogermanischen Sprachen und über die "Ursprache" geschrieben, wobei auch nicht besonders viel belegt ist. Wie kann man denn belegen welche Sprache von wo abstammt? Ich gehe jetzt nicht nur vom Mittelalter aus... Die Ursprache muss es weit früher gegeben haben, wenn sie überhaupt existierte...


      Und... äh... natürlich ist diese Vorstufe "indoeuropäisch" älter als das Mittelalter... *seufz*
      Bei der Lektüre eines "geschichtswissenschaftlichen" Buches sollte dir schon aufgefallen sein, dass selbst "die Germanen" vor dem Mittelalter hier rumliefen. Ergo sollte auch deren Sprachstufe vormittelalterlich sein.

      Ich erinnere mich gerade an meine allererste Englischstunde, bei der wir englische Worte im Deutschen nennen sollten: Cowboy, T-Shirt, Pullover...
      Im Englischen gibts übrigens Kindergarten, Leitmotiv...

      Liebe Grüße,
      Rigana
    • Sag ich doch :D

      Wie gesagt, die "Germanen" kann man insofern datieren, dass diese zwischen den beiden Lautverschiebungen herumgelaufen sein müssen (wenn man so sagen will ;) ), also etwa 3./2. Jh. v. Chr bis ungefähr zum Beginn des FrüMi.