Die Reenactment Werkstatt - Schildbau, Pflanzen-Färberei, Holz- und Lederarbeiten!

Ton gießen

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    • Die Idee an sich finde ich Super, Deine Lämpchen auch, aber Zwei Dinge möchte ich bedenken :

      wenn man es als Handwerk zeigt, sollte es halbwegs belegbar sein. Gibt es zB bei den Römern, die Öllämpchen als Massenware hatten, einen Nachweis für das Verfahren ? In Schriftform, als fragmentarischer Fund, oder in Form von Gussnähten ?

      Und wie bekommst Du das frische Zeug heil nach Hause ?

      Gussformen aus Speckstein lassen sich lange nachweisen, ich habe einen Fund einer Form aus Duisburg aus dem HoMi, allerdings für Metallguss ist Kopf. Aber wenn Ton kleben bleibt hat sich das ja erledigt.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Ich durfte das Gießen von Ton in der Schule miterleben und ausführen. Verwendet wurden zweiteilige Formen aus Gips. Diese Formen wurden uns allerdings gestellt. Der Guß erfolgte mit verdünntem und sehr feinem Ton mit sehr feinem Sand als Magerung. Es wurden mehrere Formen nacheinander befüllt. Danach wurden die Formen bewegt um etwaige Luftblasen aus der Form zu treiben. Anschließend wurde wie bei den angesprochenen Schokohasen verfahren: Eine vorgegebene Zeit wurde abgewartet und dann wurden die Formen auf den Kopf gedreht. Die austretenden Tonmasse die noch nicht angezogen war wurde aufgefangen und gleich in weitere Formen eingegossen. Die vorgegebene Zeit regelt die Dicke des späteren Gefäßes. Je länger der Ton Zeit hat zum trocknen, desto dicker wird die Wand. Die Formen wurden dann nach einer weiteren Wartezeit vorsichtig geöffnet und der noch weiche Gegenstand entnommen, ausgerichtet wenn nötig, und zum Trocknen aufgestellt.

      Das Gießen von Ton ist mir geschichtlich nicht geläufig (was nicht viel zu sagen hat, da ich mich damit einfach nicht beschäftigt habe). Die Sauerei die dabei entsteht schon. Gearbeitet wurde im Töpferraum der Schule wo das allerdings nicht weiter ins Gewicht fiel.

      Hängen geblieben ist bei mir noch (manches blieb wirklich aus der Schule bei mir hängen :) ) das die Römer sehr feinen Ton gewannen in dem sie Ton in Wasser auflösten. Dieses Becken wurde dann durchgerührt und das Becken weiter mit Wasser befüllt bis es überlief. Das überlaufende Wasser lief durch weitere Behälter wo sich die feinen Bestandteile absetzten. Sand, Fossilien und ähnliches blieben im ersten Becken am Grund zurück. Verwendet wurden dann die Absetzschlämme dieser Becken. In der Schule wurde nur der sonst auch zum Töpfern verwendete Ton verflüssig. Wo der Ton herkam weiß ich nicht. Würde ich den Ton aus der aufgelassenen Tonkuhle verwenden wollen so würde ich ihn wie die Römer vorbehandeln. Er enthält sehr viele Fossilien und andere harte Bestandsteile.
      Fides et Robur
    • Ich bin ja noch nicht klar, ob Gipsformen auch in der Spätantike benutzt wurden, aber Gips kannte man in Griechenland und Rom als Baumaterial und für Stuck, also geht's wohl.
      Wenn ich das Urmodell aus Ton erst halb in den Gips eingießen würde, dann den Gips zum Abbinden stehen ließe und anschließend die zweite Hälfte ebenfalls eingießen würde, könnte ich doch alles am Ende in zwei Teilen auseinander nehmen, oder?
    • Sehr interessanter und aufschlußreicher Thread, bitte weiter berichten,
      auch über die ersten Tests und probierverläufe / Ergebnisse...

      Kann persönlich leider nichts zu einem Tongießverfahren beitragen, da ich nur
      geringfügige Erfahrungen mit dem "üblichen, Konventionellen Gematsche" habe,
      allerdings erscheint mir die Antrocknungs- und Ausgießtechnik in zweiteiligen Gips- oder
      Specksteinformen als am besten umsetzbar / am praktischsten... :)

      Ich denke mal, bei dieser Methode könnte man ev. auch durch ein gleichmäßiges Drehen, bzw. Ausschwenken und mehrfaches befüllen der Form mit verdünnter Gießmasse eine noch gleichmäßigere und feinere Wandung erreichen, quasi wie ein "abgespecktes" Schicht-/ Schleudergußverfahren...

      LG
      Halfdan Horntrinker
      "Der Mensch braucht kein Kreuz zum Leben, sondern ein Rückgrat...!!"
      :wiki1
      "Wir können es uns nicht leisten, Mythologie kritiklos hinzunehmen...!"
      Prof. Dr. Henry Jones Junior :D :D
    • Ich hab mal eine Anleitung zum Gießen gefunden.
      Das Problem scheint vor allem zu sein, dass man schwer abschätzen kann, wie dick die Wandung ist. Man schwenkt, sieht aber nicht, wo die Schlickermasse sich gerade verteilt.
      Daher wird dazu geraten, das Gefäß voll zu gießen, auch immer wieder nachzugießen, und an der Einfüllöffnung (wenn ich das recht verstanden habe) die Dicke abzulesen.

      Ich würde im Moment, wie geschrieben, eher mit Tonplatten in zwei Ton- oder Gipshälften arbeiten wollen. Für feinere Oberflächen kann man die dann erst mit Schlicker ausstreichen, und anschließend den Ton rein drücken. Weniger Schweinerei auf der Gewandung.. ;)
      (Soweit die Theorie...)
    • Transportieren kann man die wohl, am zweiten Tag, wenn sie lederhart sind, in einer Kiste mit Stroh oder Sägespänen.

      Ich denke noch drüberr nach, ob ich mit alamannischer Klamotte römische Öllampen bauen sollte. Nicht wegen dem Schmodder, sondern wegen der Darstellung. Man hat mir gesagt ( Leiter der Zeiteninsel), dass für die Alamannen keine Öllampen nachgewiesen seien. Wie haben die ihre Häuser beleuchtet?
    • Weil ichs hier noch nicht gelesen habe:

      Gips ist nicht gleich Gips. Im Grunde gibt es groben Baugips, feineren Modellgips und ganz feinen Dental- oder Alabastergips. Ich habe mir vor ein paar Jahren im Italienurlaub mal in Florenz und Venedig einiges von den Mascherari abgeguggt und nachgemacht, im Endeffekt ist die Vorgehensweise ähnlich wie bei deinen Lampen. Zuerst wird die Maske im Positiv aus Ton modelliert, dann schichtweise in Gips eingegossen und wenn der komplett durchgetrocknet ist, der Ton wieder ausgelöst, der ist noch so feucht wie am Anfang, da der Gips ihn luftdicht einschließt. Benutzt man nur den groben Baugips, neigt die Form in diesem Schritt zum brechen, da der Ton in der eher porösen Oberfläche gut kleben bleibt. Besser ist es, den Ton nochmal ordentlich mit feuchten Händen zu glätten und dann zuerst ein dünne Schicht feinen Gips aufzutragen, das zur stabilisierung dann billigeren, gröberen Gips aufzutragen. Zumindest Maskenformen halten so jahrelang und das Pappmaché löst sich beim Trocknen von selbst aus der leicht mit Vaseline eingeriebenen Form, während es in den Formen aus gröberem Gips teilweise unzertrennlich festbäckt, was die Form zerstört.

      Da das mit den Lampen sehr ähnlich klingt, dürfte das hier auch erwähnenswert sein. Und da ich hier gerade Zunftgeheimnisse ausplaudere: Ihr habt das nicht von mir!
    • Rhonwen schrieb:

      Ich denke noch drüberr nach, ob ich mit alamannischer Klamotte römische Öllampen bauen sollte. Nicht wegen dem Schmodder, sondern wegen der Darstellung. Man hat mir gesagt ( Leiter der Zeiteninsel), dass für die Alamannen keine Öllampen nachgewiesen seien.


      Wie die Alamanne beleuchtet haben weiß ich leider nicht. Du könntest aber für den Export fertigen und die Römer damit beliefern. Damit wäre die Darstellung wieder plausibel.
      Fides et Robur
    • Hmpf.
      Leider sieht das der Leiter des Alamannenmuseums in Ellwangen genauso:
      "(...)ich kenne in der Tat keinen Öllampenfund, wenngleich
      für de Alamannen allgemein gilt. Was die Römer kannten, kannten auch die
      Alamannen. Ich würde nur Dinge präsentieren, die auch im bekannten
      "Alamannenkatalog" (1997) vorkommen, und dazu zählen Öllampen nicht.
      Viele Grüße, Andreas Gut"
      Aber wenn keine Öllampen, dann andere Kleinkeramik!
    • Umpf. :(
      Am vergangenen Wochenende habe ich eine Rundtour gemacht, unter anderem in RGZM in Mainz und ins Ellwanger Alamannenmuseum.
      Leider habe ich keine Hinweise dafür gefunden, dass die Alamannen aus Ton etwas Anderes gefertigt haben als die bekannte Keramik. Keine Öllampen, keine Kleinkeramik wie Spielzeuge oder Götterfiguren. Und die freundliche Historikerin in Ellwangen, die ich nach der Führung noch festquatschen durfte, meint auch: Die haben sich das einfach nicht abgeguckt! Belege dafür, dass in alamannischen Werkstätten römische Öllampen hergestellt wurden, gibt es nicht. Vielleicht gab es das, aber ist nicht belegbar. Also auch nicht tauglich für Museumsdarstellung. *schnüff*
      Hätte mich schwer interessiert, aber da ich ein Handwerk für die kommende Saison suche, mag ich mich damit jetzt nicht aufhalten.
      Oder hat noch jemand eine Idee???
    • Gürtelschnallen tauschieren , Goldfadenstickerei , Brettchenwebbrettchen aus Knochen fertigen ( Funde Bruchsal, Sülchen und Bischofsburg) , Spinnwirbel töpfern , vielleicht was aus Holz ( Funde Oberflacht ) fertigen , Knochenkämme , Glasperlen ...
      Besitz stirbt,

      Sippen sterben,

      Du selbst stirbst wie sie !

      Eines nur weiß ich, das ewig lebt

      - Der Toten Tatenruhm - !
    • Holzhandwerk der Alamannen.
      Spanschachteln. Da wurden in Oberflacht auch toll verzierte gefunden.
      Macht definitiv auch nicht jeder... jedenfalls nicht nach Fund.
      Mit der Herstellung kann man sich auch erstmal eine Weile beschäftigen.
      Oder Daubengefäße... Trinkbecher, Schalen, Krüge.

      Grüße Jonst
    • Ach, Ihr seid süß...!
      Einige von den Vorschlägen finde ich sehr interessant. Jonst, hast Du Abbildungen von den Spanschachteln? Wie werden die datiert? Kannte ich noch gar nicht!
      Problem bei den Alamannen ist, dass die Frühzeit (4.Jhd) deutlich anders aussieht als die MWZ. Später gab´s auch Gehänge mit Zierscheiben, aber leider nicht im 4.Jhd.
      Glasperlen können Andere besser als ich, aber vielleicht mache ich mich mal wegen Tauschierung schlau!
    • Ja, in dem Buch von Paulsen/ Schach-Dörges, Holzhandwerk der Alamannen, Stuttgart 1972 sind sie abgebildet. Gibt es immer mal wieder günstig.
      Sie ähneln denen von Haithabu, fallst du die kennst. Such sonst mal im Netz unter "ovale Spandose Oberflacht".
      Ich meine das Gräberfeld datiert etwa ins 7. Jhd.

      Tauschieren oder Niello ist auch echt toll. Hach, man kann soo viel machen... mit mehr Zeit.