Spinnrocken + Fingerrocken

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    • Spinnrocken + Fingerrocken

      Hallo, die Gemeinde ;)

      Ich bin dieser Tage zufällig beim stöbern über etwas gestolpert:

      Ein Bild von einem sogenannten "Fingerrocken" .....ein Spinnrocken für Wolle, der wohl einen kleinen Ring am Ende hat, und direkt in der Hand gehalten wird, um ein verfilzen der Wolle in feuchten Hand-Innenflächen zu vermeiden......sieht niedlich aus das Teil...
      Die Funde, die ich entdeckt habe, liegen zeitlich alle eher in der antike der noch früher....
      Kennt jemand sowas aus dem Mittelalter? .....auch fürs Spämi?
      Gibt's da evtl Bildbelege oder gar etwas schriftliches?

      Die gleichen Fragen hätte ich auch für "normale Rocken" die man unter den Arm klemmt, ...die meisten scheinen für Flachs zu sein.....und man sieht sie auf Bildern eher nur "bestückt", kann also den Unterbau aus Holz(?) eher nicht richtig erkennen.....
      Sind da jemandem Funde für das 13./14. bekannt? ...oder auch gerne schriftliches.....?
      Aus dem 19. Jhd gibt's ja wahre Kunstwerke.....

      uibk.ac.at/urgeschichte/projek…ndeltypologie/europe.html
      Quelle: HP Uni Innsbruck

      uibk.ac.at/urgeschichte/projek…eltypologie/-romania.html
      Quelle : Uni Innsbruck HP
      Herzlichst, Vroni :)
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      "Ich kann, weil ich will, was ich muss."
      >Immanuel Kant<

      "Du musst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst."
      >Mahatma Gandhi<
    • Die sehen wirklich schick aus!

      Ich habe dazu nur diese Abbildungen gefunden:

      fibers.destinyslobster.com/Spinning/spinpics.htm
      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…d_Paul_156.JPG?uselang=de
      de.pinterest.com/pin/543387511260345958/

      Leider kein "Fingerrocken" dabei. Es scheint doch eher die "unter den Arm klemm-Methode" oder die Ständer-Variante üblich gewesen zu sein.
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      http://amulunc.de.tl
      http://twerchhau.de
    • Ja. ...die hab ich auch....aber vielen Dank Ewaldt. :) Auf Abb. sieht man die Rocker halt eben immer nur mit Faser drauf.....wie der Unterbau aussieht bleibt meist verborgen.
      Da gibt es ja teils echt tolle Teile.....von der gedrechselten Stange bis zum geschnitzten Brett mit Zinken ist alles dabei......leider aber als Fund nur in neuzeitlichen Ausführungen. ... :(
      Herzlichst, Vroni :)
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    • Berenika kennst du den Holzschnitt, wo die Frau ihren Mann mit dem Rocken schlägt? Die beiden sitzen nebeneinander und man sieht bei ihr zum Beispiel, dass sie seine Unterhose trägt.... das Bild soll irgendwie darstellen, dass der Mann sich nicht von der Frau beherrschen lassen soll.... oh man mir fällt die Deutung des Bildes nicht ein.... müsste 15. Jahrhundert sein.... ?( ....
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      Grüße Marina
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    • Haah! Genau mein Thema! ich bin zur Zeit auch auf der Suche nach Belegen für Woll-Wocken. Ich würde nämlich wirklich gerne einen benutzen, weil es so praktisch erscheint! Leider stoße ich auf das gleiche Problem wie du, Berenika: auf Abbildungen ist es fast unmöglich, die Faser auf dem Wocken zweifelsfrei als Wolle anzusprechen.
      Ich habe mal Pinterest auf links gezogen und eine Pinwand angelegt:Pinwand Woll-Wocken
      Gesammelt habe ich erst mal hauptsählich neuzeitliche Exemplare, wie du sie auch beschreibst, um erst mal sicherzustellen, dass es keine ganz abwegige Idee ist, Wolle von einem Wocken zu verspinnen und um mögliche Formen zu sehen.

      Weil die Identifizierung auf einem einzelnen Wocken so schwierig ist, bin ich jetzt auf der Suche nach Abbildungen, auf denen die Verarbeitung von Wolle gezeigt wird und in diesem Zusammenhang(!) Spinnen vom Wocken.
      Das ist zwar auch noch kein Zweifelsfreier Beleg (und ich habe noch nicht viele Bilder gefunden), aber es erscheint doch sehr unwahrscheinlich, dass das scheren und karideren von Wolle und dann das spinnen von Flachs auf einer Abbildung gezeigt werden.
      Ein Beispiel wäre diese Abbildung: ( Weltchronik ÖNB 2921, fol. 19r, ca 1397-1398)
      Quelle: Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen NeuzeitInstitut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, über Pinterest
      [Blockierte Grafik: http://tarvos.imareal.oeaw.ac.at/server/images/7008511.JPG]

      Oder das hier: (Quelle: Pinterest. Sorry, ich versuche gerade die Originalquelle herauszukriegen, aber da ist Pinterest nicht gerade hilfreich. Ist wohl eine Buchillumination von 1537 -zugegebenermaßen recht spät)
      [Blockierte Grafik: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/564x/58/87/52/5887523c4cbab38bda726faaaf102a00.jpg]

      Das hier würde ich als Wolle krempeln, spinnen und Bortenweben ansprechen. oder ist das da in dem Korb auf der linken Seite Flachs? Dagegen spräche, dass die Fasern so Flachstypisch nach unten aus dem Wocken hängen. Bei Wolle hätte ich etwas wattigeres erwartet...
      Quelle:
      Ms 1044 f.101 Women Spinning Wool, from Ovide Moralise written by Chretien Legouais (vellum), French School, (14th century) via Pinterest.
      Funfact: das Bild findet man fast überall unter der Überschrift "Women spinning wool"!



      [Blockierte Grafik: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/564x/a3/88/5e/a3885ea32474c466c4c8517c77c5dafc.jpg]

      Ist alles noch nicht so richtig zufriedenstellend. Wenn wer ne gute Quelle weiß (Am liebstens fürs 13.!) Wäre ich auch mehr als dankbar!
      Herzliche Grüße von Gerda!
      (Berlin, 13. Jhd) :bye01
      www.brandenburgunder.de www.diehandmaid.wordpress.com
    • Danke, Silvia, das ist ein toller Artikel der mir viele Fragen zur Verwendung eines Spinnrockens beantwortet hat! Ich glaub ich probiers auch mal mit der Technik. Sollte ich vielleicht auf meine "Das-mach-ich-im Sommer"-Liste schreiben...? :rolleyes:

      Btw, ich komme bei beiden Links in Deinem Beitrag auf dieselbe Seite - der lange Artikel auf den sich der zweite bezieht findet sich hier:

      windwraith.blogspot.de/2015/12/ode-to-distaff_5.html

      Wirklich sehr interessant, ich hab mir direkt ein Lesezeichen dran gemacht. :danke

      P.S. so einen "Fingerrocken" wie im ursprünglichen Beitrag nachgefragt habe ich mal bei einer Römer-Darstellerin gesehen. Allerdings auch nur im mit Wolle bestückten Zustand. Aber vielleicht hat ja jemand Verbindungen zu der Szene und kann mal bei Gelegenheit nachfragen?
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • @ Silvia und Katharina, superdanke für die Links, die haben mir ein Mysterium erklärt :) ! Ich konnte mir immer keinen Reim auf die Spindelhaltung auf bildlichen Darstellungen machen, bis ich das Video geshen habe.

      Bei Bild Nr. 1 und 2 von Gerda sieht es für mich auch am ehesten nach einem Wollrocken aus. Bei Bild Nr. 2 vermute ich, dass die linke Frau kardiert und Rolags erstellt, man sieht die Röllchen im Korb. Die rechte Frau hat auch eine Karde in der Hand und scheint die Fasern in mehreren Lagen gleich auszurichten, damit sie auf den Wocken gebunden werden können.

      Die Art wie die Nonne (?) die Fasern verspinnt, scheint im langen Auszug zu sein. Dazu zupft mach die Fasern eigentlich quer zur Ausrichtung. Die Aufbindung auf dem Rocken bei Bild zwei scheint auch deutlich kürzer zu sein, als bei Bild drei ( deswegen vermute ich bei Bild 3 doch eher Flachs).

      Sehr spannendes Thema...
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      Gruß, Luanda

      P.S. Wolle macht glücklich
    • @ Silvia ...

      ... das könnte glatt sein. Denn eigentlich würde es wenig Sinn ergeben, erst Rolags zu machen, um dann alle Fasern wieder parallel auszurichten.


      Mhm, eigentlich wollte Berenika ja etwas über Fingerrocken erfahren. Aber wie so oft, ist ein Thema eigensinnig, wie ein kleiner Ziegenbock, es hüft und springt, wie es ihm gefällt :D .
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      Gruß, Luanda

      P.S. Wolle macht glücklich

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Luanda ()

    • Ich fürchte, das ist wie so oft, man muss sich durch div. Funde arbeiten, und dabei vergessen, was da geschrieben ist. Archäologen, haben alle ihren Spezialbereich, und wenn da ein Römerfachmann mit Schwerpunkt Keramik, irgendso ein Holzfragment aus dem Hochmittelalter einordnen soll, kann er auch schon mal da neben hauen.
      Neulich tauchte in einer Publikation aus dem Frühmittelalter ein Knebelknopf auf, der eher die Größe und Form eines Schnurrers hatte. Da darf man dann schon mal misstrauisch sein.
      Spinnrocken sind schon sehr exotisch, und können in der Form wie Berenika sie zeigt, leicht als Fragment eines Möbels, oder Ziergegenstand unbekannter Bedeutung durch gehen.

      Vielleicht mal in den Regionen mit guten Erhaltungszuständen für Holz,(z.B. den Norden) durch gehen ?
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Hallo, guten Morgen :)
      Oha! Hier ist ja mächtig viel passiert...schön! :D

      Vielen Dank schon einmal, an alle, die sich in das Thema reingekniet haben.
      Ich finde es auch spannend.
      Mir ist aufgefallen, das die Rocken, welche offensichtlich mit Wolle zu tun haben, oft leicht "bauchig" gestaltet sind....wie ein Gestell, ähnlich einer Reuse.
      Und auch, das die Wolle etwas spiralig darauf aufgewickelt sein könnte.
      Spricht doch dann eigentlich dafür, das die Fasern, ähnlich wie bei Kammzug(Bändern) alle der Länge nach parallel liegen oder?
      Mein Problem ist einfach, das ich im spinnen noch sehr unerfahren bin, und deshalb sowas auch eher schlecht einschätzen kann.

      Ich spinne mit der Handspindel z.B. Quer zur Faser, das heisst, ich nehme eine "Handvoll" Wolle vom Kammzug (Band) und lege es quer um am Faden anzuspinnen....
      Dann halte ich die Fasern nur zwischen Mittel und Ringfinger, und ziehe dazwischen die Fasern aus.

      Ich war im Februar in Haltern, zum werkeln, und habe dort eine sehr nette Bekanntschaft mit einer Dame gemacht, die ebenfalls wie ich ein Wollrad hat.
      Die hat mir das auch mit den langen und kurzen Auszug gut erklärt....
      Auf einigen Bildern des späten Mittelalters (oben auch das mit der "Nonne" oder Begine) sieht man Spindeln, die mit dem Spindelstab auf dem Untergrund "aufsitzen"......ähnlich wie bei einem Kreisel.....
      Diese werden dann mit der einen Hand angedreht, und mit der anderen wird mit 45 grad zur Spindelspitze einhändig im langen Auszug ausgesponnen.....
      Ich habe das immer als Vorläufer des Spindelrades interpretiert, wie das die gleiche Technik ist.
      Beim Rad liegt der Spindelstock dann nur quer am Rad, und wird durch drehen des Rades angetrieben.
      Herzlichst, Vroni :)
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    • Ach herrje....Ich habe grade entdeckt, das der Link zu dem Blog oben ja zu einer lieben Bekannten aus dem 14. Jhd. gehört.......ich wusste gar nicht, das sie einen Blog hat :D
      Viktoria ist sehr, sehr nett, wenn jemand Fragen hat, kann man sie sicher auch mal anschreiben.
      Herzlichst, Vroni :)
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    • Danke Luanda. das sieht gut aus!
      Wobei die Art es aufzubinden zwar den Bildern im Ergebnis entspricht, aber leider auch keinen Beleg für den Unterbau des Rockens bietet.
      Aber man könnte Katrin mal anschreiben, ob sie dazu evtl. etwas sagen kann....

      An dieser Stelle schon einmal ein herzliches :danke an alle, die sich hier im Thema engagieren. :)
      Herzlichst, Vroni :)
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    • Mal ein kleines Bisschen vom Thema ab:
      Aber wie immer von "Chanitmanou" ein tolles Video, in dem unter anderem die Frage nach Spinnrocken und dem passenden Material behandelt wird.
      Selbstverständlich nicht historisch belegt, aber trotzdem ganz nett um ein Ahnung von der Technik zu bekommen.
      Sie hat auch noch ein Video zum langen Auszug auf ihrem YT-Channel.



      Quelle: YouTube :off1 Ende
      Herzlichst, Vroni :)
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