Esse für Bronzeguss, welche Funde/Befunde gibt es?

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    • Esse für Bronzeguss, welche Funde/Befunde gibt es?

      Hallo,

      es geht um Funde von Essen die für Bronzeguss genutzt wurden. Mein persönliches Interesse liegt dabei auf der Wikingerzeit.

      Zur Zeit nutzen wir unterwegs Essen die "funktionieren" aufgrund selbst gemachter Erfahrungen. Z.B.: Ein mit Steinen und /oder Lehm ausgekleidetes Erdloch mit einem eingegrabenen Düsenrohr oder auch einen offenen Herd aus Stein und gemagertem Lehm und einem Essestein mit Düsenloch. Klappt recht gut... Zur Not natürlich auch in einer Schmiedeesse.
      Doch wie genau sahen die Essen in der Vergangenheit aus?

      Der informativste Hinweis bisher war auf der Seite "VIKINGBRONZE": web.comhem.se/vikingbronze/casting.htm

      Einmal ein völkerwanderungszeitlicher Fund von Helgö und der Hinweis auf Lehm-ausgekleidete Gruben der Wikingerzeit.
      Werde versuchen mir die dazugehörige Literatur zu besorgen, und jemanden finden der bei der Übersetzung aus dem Skandinavischen hilft.
      Kennt sonst jemand konkretere Funde/Befunde?

      Auf Veranstaltungen sah ich des öfteren ovale Essen aus gemagertem Lehm mit Düsenloch an der hochgezogenen Schmalseite.
      Wird z.B. vom Gießer benutzt, der in Wolin im Freilichtmuseum tätig ist. Leider habe ich bisher nie nachgefragt worauf diese Form beruht.

      Wie baut ihr eure Essen und warum in eben dieser Form?
    • Hallo,
      So ad hoc fallen mir nur die berichte aus dem Bronzegiesserquartier in Soest (T. Capelle) ein, die allerdings ottonisch sind und natürlich die Beschreibung von T. Presbyter, der war zeitlich später. Habe dessen Giessofen mal ausprobiert, wenn man erst einmal auf Temperatur ist funktioniert er super passt aber eben nicht in die gefragte Zeit.
      Wenn ich in Ribe giesse dann eben auch in einer Bodenesse. Die ist eher Oval ggf mit kleinem Holzkohlebecken daneben in dem ich die Formen warmhalte, bzw das Wachs ausbrenne.
    • Hab nochmal weiter geschaut, Ribe Excavations Band 2 S.92/93, Bogens Bencard, Sydjysk Universitetsforlag 1984 geht auf die Essen nur am Rand ein und beschreibt sie als "at the edge of a fire is a tuyere of clay...", "... the forge draws air from the side" das reicht im Zweifelsfall auch aus, im Tafelteil sind dann aber auch wieder nur Schlackenreste abgebildet, ob die genau diesen Aufbau rechtfertigen oder auch einen anderen weiss ich auch nicht zu sagen.
      Funktionieren tut das auch, das Fire ist ein Charcoalfire (wird im Rest des Textes drauf eingegangen).

      Ribe Studier Band 1.2, Jysk Arkeologiske Selskab, 2006 beschreibt auf S.153 zumindest Essesteine, die im Zusammenhang mit den Metallhandwerkern und Giessern stehen. Auf die Form der Esse wird auch hier nicht eingegangen (soweit meine Dänischkenntnisse reichen ;-).
    • Den Ribe Excavations Band 2 habe ich auch vorliegen, wodurch die generelle Form der Lehm-Bodenessen bestätigt wird. Ist in dem Punkt ja leider nicht sehr konktet.
      Den Studier Band werde ich mir auch noch mal dazu nehmen.
      Danke für den Link zu den Soester Beiträgen zu Archäologie. Da schaue ich auf jeden Fall hinein. Super.
    • Habe mir die Soester Beiträge mal ausgeliehen. Es hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, leider kein konkreter Befund für eine Esse. Sie gehen aber mit einiger Wahrscheinlichkeit von einem Ofen wie ihn Theophilus beschreibt aus.

      Spannendes Projekt, da du diesen nachgebaut hast. Zum Schmelzen oder zur Messingherstellung? Da passen je mehrere Titel hinein.


      Ich habe den Titel des Threads bewusst zeitlich offen gelassen. Wer also einen schönen Fund/Befund für eine Gießesse hat kann ihn hier gerne einstellen.