Gewebt zum ausrasten: Mein Gewichtswebstuhl-Experiment

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    • Gewebt zum ausrasten: Mein Gewichtswebstuhl-Experiment

      Hallo Leute! Ich brauche mal wieder eure Qualifizierte Hilfe.
      Ich habe vor einigen jahren mal einen Gewichtswebstuhl gebaut.
      Beim Fotografieren war leider die Kameralinse von innen beschlagen, aber so sieht der ungefähr aus: Webbreite lässt sich durch das untere Brett ja beliebig einstellen indem man einfach ein längeres einbaut.
      So. Jetzt zum Problem.
      Ich habe ein wenig darauf gewebt.
      Wie gesagt,war das vor Jahren, und da ich keinen hatte, der mir das Spinnen beibringen konnte, war die erste Rolle garn eher ein Seil. Fast einen cm dick, sehr Flauschig und Klumpig, unregelmäßig. Kurz: Entsetzlich.
      Dann war die helle Wolle alle,und ich habe mit dunkler weiter gesponnen. Das habe ich dann, ungeduldig wie ich bin, direkt so wie es war auf den Gewichtswebstuhl gespannt ( immer jeder zweite Kettfaden dunkel, weil die helle Wolle nicht reichte), und losgewebt. Einfach nur ein Teststück.
      Irgendwie bekam ich aber durch das weben keine schöne gerade Bahn, sondern einen Keil. Das zu webende Stück wurde immer schmaler. Irgendwann habe ich es dann abgeschnitten. Sieht jetzt so aus( daneben die Webgewichte):
      Was könnten meine Fehler gewesen sein?
      - zu leichte Gewichte? die Tongewichte(350g) hab ich erst später gemacht, angefangen hab ich mit den ca.230g schweren Muttern rechts im Bild. der Hammerkopf(800g) links war auch ein Gewicht.
      - zu locker gesponnene Kettfäden oder zu fest gesponnene Schussfäden?
      - Ich habe die Wolle nur einmal versponnen. Vielleicht muss man diese Fäden dann doppelt nehmen und verzwirnen?
      - ich glaubs eigentlich nicht, aber vielleicht habe ich den Schussfaden zu weit durchgezogen? ( als ich gemerkt habe, dass es schmaler wird, habe ich aber extra drauf geachtet)
      - zu dicke, klumpige Wolle?
      - ein Fehler beim bespannen des Rahmens (ich habe nicht die ganze Breite ausgenutzt)?
      Vielleicht ist es ja eine dieser Möglichkeiten, vielleicht eine andere. Ich hoffe ihr findet den Fehler.
      Dann könnte ich endlich ein vernünftiges Stück Stoff weben. Momentan ist die Wolle im Gefrierschrank, falls Motten drin sind.
      Danke schon mal im vorraus!
      LG Edgar
      Non vitae sed scolae discimus.

      Ich bin der Wahrscheinlich letzte aus Prinzip freiwillig Handyfreie Jugendliche Deutschlands. 8)

      Comfortzone? Was ist das? Eine italienische Vorspeise? ( Max Green, 2016)
    • So wie es auf deinem Bild aussieht kommen die Kettfäden beim Weben zu eng zusammen? Das könntest Du minimieren, wenn Du weniger Fäden auf ein Gewicht schärst. Probiere es evtl. mit mehr Gewichten und billiger handelsüblicher Wolle aus.

      Vielleicht hilft ein Vergleich zum Brettchenweben? Die Bänder werden ungleichmäßig wenn die Kettfäden zu stark gespannt sind oder der Schussfaden zu weit gezogen wird.



      Ist auf dem Bild schön zu sehen- rechts waren die Kettfäden zu stark gespannt, links etwas lockerer, dafür habe ich den Schussfaden zu stramm gezogen. Übung macht den Meister ;)
    • Sehr anschauliches Beispiel, Thoralf. Wenn das Gewebe immer schmaler wird, wird es am ehesten an dem Schussfaden liegen, der zu sehr herein gezogen wird. Das braucht, wie Du schon sagst, Übung. Die Spannung der Kettfäden wird den seitlichen Zug des Schusses nicht vollkommen aufhalten können.

      Es ist sehr ehrgeizig, gleich mit selbst gesponnener Wolle das Weben anzufangen. Ich würde Dir ebenfalls raten, erstmal mit gekaufter Wolle das Weben zu üben. Da wird es sicher leichter.
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      http://amulunc.de.tl
      http://twerchhau.de
    • Ich hab jetzt auch nur Erfahrung im Brettchenweben, aber ich denke auch Du hast den Schussfaden zu stramm gezogen. Vielleicht hilft Dir folgender Trick: Schussfaden ins Fach legen, aber nicht sofort komplett durchziehen sondern an der Seite von der der Faden kommt noch eine kleine Schlaufe stehen lassen. Dann das Fach schliessen, Schussfaden anschlagen und dann erst nochmals vorsichtig am Schussfaden ziehen, bis gerade die Schlaufe weg ist, ohne das Gewebe nach innen zu verziehen. So vermeidest Du zu starken Zug am Schussfaden. Beim Brettchenweben zumindest hat das prima funktioniert.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • ich habe mich vor ein paar wochen mal am Kammweben versucht weil ich noch einen träger für meine Umhägtasche brauchte. Auch da wurde das Band zur mitte hin immer Breiter und dann wieder schmaler. Als ich das einer expertin gezeigt habe, meinte die ich hätte den Schussfaden unterschliedlich fest angezogen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
      LG
      Singa,

      https://www.youtube.com/channel/UCb9rJM2L1FjItWj-O6jiR6g

      In meinem Projekt "Greifenstein anno 1320" stelle ich einen Mittelhessichen Pagen um 1320 dar.
      mehr zu diesem Projekt unter http://singalu.com/ oder bei Pinterest ( https://de.pinterest.com/singadiesner/ ) oder Google+ ( https://plus.google.com/109064302278126275508 ).
    • Marie87 schrieb:

      Ja, man verarbeitet meines Wissens nach nicht einen einfachen gesponnenen Faden, sondern verzwirnt zwei gesponnene Fäden um diese dann weiter zu verwenden. Dafür muss natürlich der gesponnene Faden hinreichend fein sein. Sonst hat man am Ende eher ein Seil als einen Faden, wenn mann zwei Stück verzwirnt.
      Das stimmt nicht. Schon gar nicht durch die Jahrhunderte und alle Textilien.

      Würden wir hier über Waffen reden, wäre die Aussage: "früher" hat man mit dem Schwert gekämpft, das war "immer" aus Bronze. Und sich als nächstes einen Rennofen aus Lehm zusammen knetet, Steine rein wirft und erwartet, das da ein Schwert unten raus fällt.
      (welches Früher und warum immer ? Außerdem gab es Äxte, Schleudern, Bögen, Knüppel...)

      Man hat großenteils Single Garne verwebt. Auch recht feine, es sind Stoffe nachgewiesen die feiner als die heutigen Jeansstoffe (meist 11Fäden auf 1cm ) sind.
      Weben ist sehr komplex. Gewebe sind vielfältig. Auch auf dem Gewichtswebstuhl sind schon viele unterschiedliche Gewebe entstanden. Beschäftigt man sich tiefer damit, stellt man fest, das oft schon die Garne, speziell für ein Projekt gesponnen wurden.

      Das Problem bei Projekten dieser Art, ist schlechte Vorbereitung und zu wenig Wissen. Das Prinzip ist verstanden, aber es fehlt an Hintergrund Wissen. In der Weberei steckt die Erfahrung von Generationen, die vermutlich immer wieder im Team getüftelt haben, da kann man als einzelner Hobbyist ohne Vorkenntnisse nicht einsteigen, ohne sich eingelesen zu haben.

      Das Garn von Spinnanfängern eignet sich nicht als Kettgarn, besser wäre für den ersten Versuch reißfestes gekauftes Garn, vielleicht tatsächlich ein Gezwirntes um erst einmal zu üben und die Technik kennen zu lernen. Man kann nicht erwarten das der erste Versuch schon großartig ist.
      Garn für die Kettfäden war in der Regel stark gedreht, glatt und reißfest. Das ist das industrielle Garn heute nicht, weil die Webstühle hochtechnisiert sind. Moderne Appreturen und Ausrüstungen der Garne tun ihren Teil dazu.
      Man kann also mit modernem Garn nur schwerlich historische Erzeugnisse nacharbeiten ohne Abstriche zu machen.

      Das A und O bei Textil Arbeiten ist Gleichmäßigkeit. Das fängt beim Spinnen des Garns an, geht beim vorbereiten des Webstuhls weiter und hört auch beim einlegen des Kettfadens nicht auf.
      Um Unregelmäßigkeiten bei der Gewebebreite zu verhindern, hilft es den Schussfaden als Bogen ins Fach zu legen. Der Schuss wird beim anschlagen um die Kettfäden gezwungen und deshalb braucht er mehr Länge, als das Gewebe breit werden soll.
      Bortenweberei hat da wieder eigene Regeln.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Marie Dir galten nur die ersten beiden Sätze. :) Und auch das war nicht böse gemeint.

      Ich bin bei solchen Projekten immer ein wenig hin und her gerissen : einerseits bewundere ich den Ehrgeiz es zu versuchen und auch die viele Mühe die darin steckt, andererseits ärgert mich die Selbstverständlichkeit das das was Frauen Jahrhunderte lang getan haben, als einfach an zu sehen.
      Obwohl und da bin ich wieder beim Schwert - den Schwertkampf haben wir uns als Kinder mit Stöckchen in der Hand, auch immer ganz einfach und spielerisch vorgestellt.
      Beides sieht bei Könnern einfach aus, gekonnt sein, will jedoch Beides.
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    • Alles gut, Silvia. Ich habe es auch gar nicht böse aufgefasst. Es ist doch absolut richtig, dass Du hier nichts Falsches stehen lässt. Und Deine Antwort war ausgesucht höflich, also alles prima. :)

      Ich glaube Menschen lernen einfach unterschiedlich. Der Eine studiert erstmal tausend Fachbücher, bevor er sich langsam traut mal etwas auszuprobieren (was dann aber oft gleich recht gut wird). Der andere verschafft sich einen groben Überblick um dann einfach mal auszuprobieren, Fehler zu machen und daraufhin weiter zu lesen und zu üben. Ich weiß nicht, ob das mit mangelndem Respekt zu tun hat, oder nicht viel eher ein anderer Ansatz ist sich Neuem zu nähern. Ich persönlich bin ähnlich (siehe meine ersten Färbeexperimente). Wenn mich etwas interessiert, will ich sofort loslegen, das Material in meinen Fingern spüren und einfach mal schauen, was passiert. Solange man nicht glaubt, dass man einfach ohne Ausbildung und Erfahrung sofort alles kann und perfekte Ergebnisse erwartet, ist das doch nicht verwerflich. Oder?