Ein (halber) Ring, sie alle zu verwirren!

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    • Ein (halber) Ring, sie alle zu verwirren!

      In dem Grabinventar, das ich mir zum Vorbild fuer meine Darstellung gewaehlt habe, gibt es ein Objekt, das mir Kopfzerbrechen bereitet.

      Bei dem Grab handelt es sich um ein Maennergrab aus der Mitte des 6. Jahrhunderts aus Mittelhessen. Also urspruenglich Teil der Allemannia, aber zu diesem Zeitpunkt schon unter der Fuchtel der Franken. Wobei teilweise Graeberfelder in dieser Zeit/Region und so auch hier thueringischen Einfluss aufweisen.

      Bei dem Objekt handelt es sich um einen halben Bronzeblechring. Der Durchmesser betraegt ca. 3cm, die Breite des Blechstreifens ca. 8mm.
      Lage war mittig im Becken, ganz leicht zur rechten Koerperhaelfte hin verschoben, auf Hoehe der Enden der Oberschenkelknochen. Die Oeffnung zeigte zu den Fuessen. In unmittelbarer Naehe lagen keine der anderen Beigaben.

      Ich zerbreche mir schon seit einiger Zeit den Kopf, was dieser bloede Ring gewesen sein koennte. Ideen? Kennt jemand vielleicht sogar aehnliche Funde, fuer die die Funktion belegt ist?
    • Auch wenn ich jetzt gerade ziemlich am grinsen bin, hoffe ich, dass auch noch ernsthafte Vorschlaege kommen.

      Aber mal ehrlich: 3cm Durchmesser? Ja, die waren kleiner im Mittelalter, aber so viel und auch unnerum? Ausserdem hatte dieser spezielle Herr etwa die gleiche Koerpergroesse wie ich. Und mir wuerden 3cm nicht passen. Euch etwa?
      Und nein, es fanden sich keine weiteren Ringe/Ringhaelften und in den Frauengraebern lagen keine phallusfoermigen Objekte im Beckenbereich der selig grinsenden Skelette. Auch sind mir keine Quellen zu Beathe Usedottir im 6. Jahrhundert bekannt.
    • Die Angaben, die ich habe sind:

      Durchmesser 3cm (vermutlich Aussendurchmesser)
      Breite des Bronzestreifens: 8 mm
      Zur Materialstaerke habe ich keine Angaben. Der Fundzeichnung nach vielleicht 1,5mm.
      Der halbe Ring war in drei Teile zerbrochen. Ich vermute, waeren weitere Teile vorhanden gewesen, waeren sie wahrscheinlich geborgen worden. Mit Sicherheit laesst sich daraus aber nicht ableiten, ob der Ring urspruenglich komplett war oder nicht.

      Die Grabung fand in den 40er Jahren statt. Die Dokumentation haette besser sein koennen. Mehr als diese Angaben und eine Befundzeichnung und Fundzeichnungen habe ich nicht.
    • Pafnutii schrieb:

      Durchmesser 3cm (vermutlich Aussendurchmesser)
      Breite des Bronzestreifens: 8 mm
      Ja, aber was heißt "Breite des Bronzestreifens"?
      Ring oder Streifen? Unter "Streifen" stelle ich mir etwas gerades vor. Und wie könnte aus einem Streifen von 8mm breite ein Ring mit 3cm Durchmesser werden? Mit Stanzen, Schneiden oder Sägen jedenfalls nicht.
      Einziges Bild, das ich mir spontan machen kann, wäre (auf einen ganzen Ring hochgerechnet): Außendurchmesser 30mm, Lochdurchmesser 14mm, dann blieben jweeils 8mm für den kreisförmigen Bronze"Streifen" übrig.

      14mm Lochdurchmesser wären jedenfalls für einen Niet zu viel, eine Art "Beilagscheibe" fällt also wohl als Möglichkeit weg.
      Bei einer Stärke des Materials von nur 1,5mm würde ich aber auch nicht auf eine Hauptfunktion des Rings tippen, also wären Schmuckring oder auch Ringknauf einer Spatha ebenfalls raus.
      Vielleicht ein Beschlag oder ein Teil davon? Dann müsste aber an der Stelle, wo der Ring lag, mehr zu finden sein.

      Vielleicht sollten wir uns aber auch an Han Solos Kommentar zur Vergangenheit des Millenium Falcon erinnern. Die will er gar nicht wirklich wissen, mit der Begründung:
      "Some things are better left unknown..."
    • Ich wuenschte, ich duerfte hier die Fundzeichnung reinstellen. Dann wuerde es vielleicht klarer werden.

      Aussendurchmesser 30mm, Materialstaerke geschaetzt 1,5mm. Demnach Innendurchmesser ca. 28,5mm
      Die 8mm Breite gehen in die andere Richtung. Die Form ist also eher die eines halben Rings, als die einer halben Unterlegscheibe.
    • Nur mal so in den "Ring" geworfen - als "kleiner" Erklärungsversuch

      Ringe mit 3cm Durchmesser gab es augenscheinlich - ob dieses allerdings auch für jene Region/Zeit für die du suchst so zutrifft
      - k.A. :!: :?:
      britishmuseum.org/research/col…x?objectId=88977&partId=1

      Wie sah das eigentlich mit den sog. "Ring sword" aus
      Z.B. im Buch
      Anglo-Saxon Weapons & Warefare oder hier "de.pinterest.com/pin/307652218266689286/"
      Ist ein Grabfund in Buckland' Kent angebildet.
      wurde in dem von dir angesprochenem Grab auch ein Schwert gefunden?
      Dann hätte ich als letzte Alternative in der Art von Diesem Ring - befestigt am Hilt
    • Vielleicht irgendwas von einer Messerscheide, oder einer Kordel oder einem Gürtel oder so ?(
      Wirf den Ring doch ins Feuer, vielleicht erscheint ja Schrift drauf :groehl
      Ne ernsthaft. Keine Ahnung, ich kann mir aber Vorstellen, wie der Ring aussieht. 1,5 mm Bronzeblech 8mm breit, länge grob überschlagen 4,5 cm (weil Pi) das um einen 2,8 cm Stahlstab gebogen, so dass ein halber Ring rauskommt, Stahlstab wegnehmen und mit Schachtelhalm überschleifen.
      Hübsch siehts dann sicher irgendwo aus.
      Ist der Ring detailgetreu genug gezeichnet oder beschrieben, um bei den äußeren Enden zu sehen, wie die Kante geformt war? Gebrochen, gerade, sonst irgendwie?

      Wenn du hier nicht die Originalzeichnung einstellen darfst, dann zeichne das einfach möglichst genau ab mit Paint oder Bleistift. Dann kannst du das hier einstellen.
      Non vitae sed scolae discimus.

      Ich bin der Wahrscheinlich letzte aus Prinzip freiwillig Handyfreie Jugendliche Deutschlands. 8)

      Comfortzone? Was ist das? Eine italienische Vorspeise? ( Max Green, 2016)
    • Thirk schrieb:

      Letztes Bild - Anglo Saxon ring sword, 6th century
      Beim Vergrößern ist der Ring auf dem Bild sehr schön zu sehen
      An eine Ringknaufspatha dachte ich auch kurzzeitig mal, aber so wie er den Ring beschrieben hat, entspricht er keinem einzigen der Ringe, die ich an Ringknaufspathas jemals gesehen habe. Er ist, so wie beschrieben, viel zu schlicht.
      Außerdem müsste die Kante abgerundet sein, ein einfach nach Edgar-Art rundgeklopftes Band würde sich verkanten und taugt nicht als Knaufring.

      Die Ringknaufthese lässt sich aber ganz leicht weiterverfolgen:
      War ein Schwert/Spatha im Grab?
      Wenn ja, wear es eine Pyramidenknaufspatha?

      Aber, Pafnutii, sag doch einfach mal welches Grab das genau ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Panzerreiter ()

    • Spatha ja, Pyramidenknauf nein. Es ist definitiv kein Teil eines Rings einer Ringknaufspatha. Dafuer hat der halbe Ring tatsaechlich die falsche Form.


      Teil der Messerscheide - nein. Wie gesagt, es haben sich keine Artefakte in unmittelbarer Naehe des Rings erhalten. Sehr wahrscheinlich war der halbe Ring mal Bestandteil eines Objekts, das ansonsten nur aus organischen Materialien bestand. Dass er Teil eines Guertels oder einer Kordel war, ist also theoretisch moeglich. Allerdings kann ich mir da weder eine Funktion vorstellen, noch kenne ich aehnliche Funde, die das nahelegen wuerden.
      Da der Ring anscheinend unverziehrt ist, tippe ich darauf, dass er eher funktional als ziehrend war.
    • Aber eigentlich müssten sich organische Materialien in Kontakt mit Bronze durch die sich bildenden Salze erhalten- oder waren die Bedingungen sehr schlecht?
      Es steht wohl nichts über festkorrodierte Fasern drin in dem Bericht?
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    • Nein, "meiner" ist flach, eher wie ein Fingerring (Durchmesser ist dafuer natuerlich zu gross).

      Edgar: Die Grabung fand in den 40er Jahren statt. Die Beschreibung des Fundinventars in der Literatur ist eher knapp. Teilweise sind die Funde heute in den Tiefen des Fundarchivs der Wetterauer Denkmalpflege verschollen. Ueber anhaftende organische Reste steht in der Literatur nichts und das Originalstueck werde ich vermutlich auch nicht begutachten koennen. Hatte sogar schon mal bei der Kreisdenkmalpflege angefragt, aber die waren wenig motiviert, mir Zugang zum Archiv zu geben.