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hochmittelalterliche Helme 12. / 13. Jhd.

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    • Ritter Erasco schrieb:

      Jetzt geht es noch an die Luftlöcher und restlichen Feinarbeiten...
      Und die sind auch abgeschlossen:


      (Bildquelle: Patryk Nieczarowski)

      Ritter Erasco schrieb:

      Die Gesichtsplatte wurde nochmal entfernt und eine neue angefertigt. Diese passt optisch nun deutlich besser (die vorherige war deutlich grösser und nicht so schön geformt).
      Hier noch der Vergleich zur ersten Ausführung (links) und der jetzigen (rechts) für euch:


      (Bildquellen: Patryk Nieczarowski)

      Als nächstes Projekt geht es mit einem HoMi-Helm weiter, bei dem zwei verschiedene Materialien verarbeitet werden. ;) :thumbup:
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Thomas W. ()

    • Es ist wirklich nicht einfach einen Helm anhand gezeichneter Vorlagen in einem Nachbau umzusetzen. Meines Wissens nach war das der zweite Versuch (einen weiteren hat mal Dipl.-Ing. Christian Wiedner von der Plattnerei Wiedner gemacht) diesen Helmtypus nachzubilden und beide lehnen sich (jeder auf seine Art) an den Vorlagen an.

      Hätte man z.B. die Gesichtsplatte unten so stark herum gezogen gestaltet, wie sie auf vielen der zahlreichen Vorlagen zu sehen sind, dann hätte der Kopf nicht durch die Öffnung gepasst. Auch die Luftlöcher müssten teilweise ca. 1,5 - 2 cm Durchmesser haben (was ebenfalls keinen Sinn ergibt). Zudem spielt die Kopfgrösse und Form eine wichtige Rolle bei einem Nachbau. Bei meinem "Quadratschädel" ist das wahrlich keine leichte Aufgabe gewesen. Auf den Abbildung erkennt man aber auch, dass die Form und Grösse der einzelnen Platten deutlich variiert. Das kann zum einen der künstlerischen Freiheit des Malers geschuldet sein, zum anderen kann es ein Hinweis darauf sein, dass es eben auch schon damals unterschiedliche Kopfgrössen, Formen und Vorlieben gab und die Helme darauf angepasst wurden. Die auf der Collage abgebildeten Szenen sind nur ein Auszug, es gibt noch zahlreiche weitere Varianten.

      So kann auch ich nicht behaupten einen direkten Nachbau eines bestimmten Helmes aus dem Eneasroman zu besitzen. Er bildet nach reiflichem Studium, einer sorgfältigen Quellenkritik und dem was letztendlich der Schmied daraus umsetzen konnte, meine Interpretation dieses Helmtypus ab. Ich denke die grobe Form, die Anordnungen der einzelnen Platten und einige Details wie z.B. die Form der Augenöffnungen etc. erkennt man deutlich wieder. :thumbup:

      (Bildquelle: Patryk Nieczarowski + Auszüge aus dem Eneasroman / alle über google zu finden
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Thomas W. ()

    • Sieht das nur so aus, oder ist der Abstand vom Sehschlitz bis oben ziemlich groß?
      Also dickes Polster oder Hirnhaube mit rein ?


      Ritter Erasco schrieb:

      Zudem spielt die Kopfgrösse und Form eine wichtige Rolle bei einem Nachbau. Bei meinem "Quadratschädel" ist das wahrlich keine leichte Aufgabe gewesen.

      So quadratisch kann dein Kopf nicht sein.
      Viele Grüße!

      Johann


      Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit !
    • Johann von Heldungin schrieb:

      Sieht das nur so aus, oder ist der Abstand vom Sehschlitz bis oben ziemlich groß?
      Also dickes Polster oder Hirnhaube mit rein ?


      Ritter Erasco schrieb:

      Zudem spielt die Kopfgrösse und Form eine wichtige Rolle bei einem Nachbau. Bei meinem "Quadratschädel" ist das wahrlich keine leichte Aufgabe gewesen.
      So quadratisch kann dein Kopf nicht sein.
      Ja das stimmt, er ist ziemlich "hoch" geworden. Ich habe einen sehr schmalen und dafür recht hohen Kopf (das meinte ich mit "Quadratschädel"). Mein Kopf endet in Höhe der Trennlinie zwischen der Scheitelplatte und der Gesichts- bzw. Wangenplatte. Es ist eine Helmspinne verbaut. Oben ist hier noch Luft bis zur Schädeldecke.

      So könnte ein Schwert- bzw. Streikolbenhieb, der von schräg vorne/seitlich/hinten/oder oben auf die Scheitelplatte trifft, den Helm beschädigen/verformen ohne den Schädel des Trägers direkt zu penetrieren. Ein zusätzliches Polster braucht es nicht, da er ringsherum wie angegossen sitzt (er ist eine Massanfertigung auf meinen Kopf inkl. dünner Polsterhaube und Ringpanzerhaube).

      Unterhelme wurden zu dieser Zeit noch keine verwendet.

      Man hätte natürlich die Platten von den Grössen her anders gestalten können (also die mittleren Platten schmaler und die restlichen dafür höher) um die hohe Optik etwas zu minimieren und sie nicht noch zu verstärken... Das stimmt, da gebe ich dir Recht. :bye01
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Die Abbildung birgt in der Tat einige künstlerische Freiheiten finde ich. So meine ich bei den abgebildeten Helmen jeweils im Nacken auch noch eine Teilverlängerung des Helmes zu erkennen. Sieht fast wie ein Haken aus.

      Auch der Ansatz der Kinnplatte ist bei Deinem Helm eher eine gebogene Linie, auf den Bildern verläuft der Übergang immer recht grade. Ich hoffe du weißt was ich meine.

      Vorne beschreibt bei Dir der Übergang zur Scheitelplatte auch eine Biegung, die auf den Bildern ebenfalls recht gerade verläuft.

      Alles in allem allerdings "jammern" auf höchstem Niveau^^

      Ich finde den Helm trotzdem fantastisch gelungen.
      ✠ - Nōn nōbīs, Domine, nōn nōbīs, sed nōminī tuō dā glōriam - ✠

      Freie Bruderschaft vom Tempel Salomon 1147
    • Gortroop schrieb:

      So meine ich bei den abgebildeten Helmen jeweils im Nacken auch noch eine Teilverlängerung des Helmes zu erkennen. Sieht fast wie ein Haken aus.
      Ja, könnte man meinen. Hab auch überlegt was das sein könnte. Ich hatte beim Entwurf hinten auch noch eine deutlichere Kante (die nach unten ging) ergänzen lassen, hab mich dann aber nach einem weiteren Austausch doch wieder gegen diese deutliche Kante entschieden und sie nur andeuten lassen (darauf hätte man aber auch verzichten können).

      Sie hätte sich bei einem Sturz vom Pferd oder einem direkten Lanzentreffer (wenn der Kopf mit Schwung nach hinten knickt) vermutlich schön in den Halswirbel gearbeitet und für einen Genickbruch gesorgt.

      Ich gehe mittlerweile davon aus, dass diese Kante eine nicht ganz so glückliche Variante einer "räumlichen Darstellung" ist und diese zeigen soll dass er Helm hinten um den Kopf herum geht. Vermutlich sollte der Helm so "plastischer" Wirken.

      Gortroop schrieb:

      Vorne beschreibt bei Dir der Übergang zur Scheitelplatte auch eine Biegung, die auf den Bildern ebenfalls recht gerade verläuft.
      Das ist richtig, die hätte man auch gerade machen können. Wenn auch nicht bei allen, ist bei den meisten abgebildeten Helmen diese Platte gerade abgebildet.

      Gortroop schrieb:

      Alles in allem allerdings "jammern" auf höchstem Niveau^^

      Ich finde den Helm trotzdem fantastisch gelungen.
      Ja, ich finde das "jammern" (bzw. die Kritik) schon auch berechtigt. Man hätte sicher das ein oder andere Detail noch besser umsetzen können. Würde ich mir dieses Stück jetzt nochmal bauen lassen, wäre für mich klar, dass noch ein paar Dinge (die sich handwerklich auch wirklich umsetzen lassen würden) anders umgesetzt würden.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Ritter Erasco schrieb:

      [...] war das der zweite Versuch (einen weiteren hat mal Dipl.-Ing. Christian Wiedner von der Plattnerei Wiedner gemacht) diesen Helmtypus nachzubilden und beide lehnen sich (jeder auf seine Art) an den Vorlagen an.
      Hier mal noch die zweite (wie ich finde optisch sehr beeindruckende Variante bzw. Interpretation) eines solchen "Eneasroman-Helmes" (weitere Versuche kenne ich nicht):

      +++Die Bilder wurden auf Wunsch des Besitzers der Bildrechte entfernt+++

      (Bildquellen für diese Collage: plattnerei-wiedner.de
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

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    • Johann von Heldungin schrieb:

      So quadratisch kann dein Kopf nicht sein.
      Getragen wirken die Proportionen gleich ganz anders... geniales Teil! Sitzt wie angegossen!


      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Thomas W. () aus folgendem Grund: Nochmals das Foto ergänzt... war irgendwie verschwunden...

    • Wie vor kurzem mal erwähnt, fehlte mir in meiner Helmsammlung noch ein Spangenhelm. Also ein "echter" und keiner der nur die Optik vorgaukelt.

      Es gibt zwar rund 40 erhaltene Exemplare dieses Helmtypes, es lässt sich allerdings keiner dieser Funde (der einen Aufbau aus 4-6 Segmenten hat, die zusätzlich mit Spangen befestigt sind) für den Zeitraum des Hochmittelalters finden. Sie sind alle früher datiert. Auf Abbildungen findet man solche Exemlare allerdings schon im HoMi. Sie sind noch bis nach 1150 präsent, wenn gleich sie dort bereits als "veraltet" gelten. Helmglocken wurden im 12. Jhd. bereits überwiegend aus einem Stück getrieben.

      Diese Interpretation eines hochmittelalterlichen Spangenhelmes wurde von einem schwedischen Schmied (Willhelm Schütz) für ein Museum in Malmö angefertigt. Nach Beendigung der Ausstellung wurde der Helm nach England verkauft und hat nun den Weg von dort zu mir gefunden.

      Die einzelnen Teile sind aus rund 2mm dickem Stahl gefertigt. Die vier Segmente werden durch Spangen gehalten. Das angenietete Naseneisen und der Zapfen, der die Spangen an der Spitze der Helmglocke zusammenhält bzw. abdeckt, sind aus Bronze gefertigt.


      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Thomas W. ()

    • Hier war länger Ruhe... hab heute erstmal alle (fast alle) Bilder des Themas wieder herstellen müssen. Die direkt eingefügten Bildlinks von damals liefen ja nach einem Update schön länger nicht mehr. :/

      Zurück zum eigentlichen Thema "hochmittelalterliche Helme":

      Früher Topfhelm, frühes 13. Jhd., geschmiedet vom talentierten Schmied Willhelm Schütz aus Schweden. Die Vorlage(en) dieser Interpretation sind auf dem Karlsschrein zu finden (siehe unteres Bild).

      Ich muss sagen, dass dieser Helm zu besten Stücken (vom "finish" und der allgemeinen Anmutung her) meiner kleinen Sammlung zählt. Er hat zudem eine unheimlich starke Ausstrahlung.

      (Bildquelle: ich)
      (Bildquelle: Willhelm Schütz & pinterest.com)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Vor längerer Zeit erwarb ich über eine Börse eine Kalotte, die ursprünglich mal von Patryk Nieczarowski hergestellt wurde.

      Bereits bei der ersten Sichtung hatte ich direkt nach einer Sekunde ein Helmprojekt im Kopf, für das mir diese Kalotte als Basis dienen sollte. Von diesem Helm sah ich bisher noch keine Nachbildung.
      Ich konnte Patryk für die Umsetzung meiner Idee gewinnen und bin froh, dass nun quasi alles aus (s)einer Hand gefertigt wurde.

      Der Helm selbst ist zwar keine "1 zu 1- Replik", da die Form der Kalotte leicht von der des Vorbildes abweicht, aber er ist nah dran.

      Die Vorlage ist auf der Grablatte des Earl of Essex (Geoffrey de Mandeville) in der "London Temple Church" zu finden. Datiert wird sie auf ca. 1185.

      Bildquelle: Patryk Nieczarowski & pinterest
      Beste Grüsse, Thomas :bye01