Gürtel für einen Fernhandelskaufmann um Zeitenwende 12./13.Jahrhundert -- Leder oder Stoff?

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    • Gürtel für einen Fernhandelskaufmann um Zeitenwende 12./13.Jahrhundert -- Leder oder Stoff?

      Hallo,

      ich arbeite ja an meiner Darstellung eines Münsteraner Fernhandelskaufmannes zwischen 1170/80 und 1200.
      Seit der Stadtführung vor wenigen Tagen weiss ich,dass die Kaufleute in Münster damals schon so einen Einfluss hatten,dass sie sich sogar in einen offenen Konflikt mit dem Bischof begaben.
      Nun geht mir der Gedanke durch den Kopf welche Gürtelart für mich passend wäre.
      Muss (!) es ein Ledergürtel sein oder war vieleicht (Quellen?) sogar ein Stoffgürtel aus edlerem Material repräsentativer?

      Fragend und suchend,
      euer Peter
    • Ich denke das richtet sich nach den Begleitumständen....zur täglichen Arbeitsklamotte sicherlich eher (je nach Begüterung mehr oder weniger mit Beschlägen verziertes) Leder, für die Sonntags-Kirchgangs-Ausgeh-Protzklamotte darfs dann schon der broschierte gewebte Gürtel mit entsprechenden Beschlägen sein.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Nach meinem Verständnis braucht ein ordentlicher Brokatgürtel mit ~2cm Breite keine Beschläge, das ganze Gold und das eventuell eingenähte Futter machen ihn sowieso steif genug und über die schönen Muster will man ja auch nicht unbedingt noch irgendwelche Dinger drüberlegen, außer vielleicht, man lässt ihn speziell schon für die Beschläge konzipiert herstellen. Wird der Gürtel viel breiter, brauchts die dann natürlich wieder und bei einem einfarbigen Webband sind die obligatorisch

      Zu klären wäre natürlich die Frage, was man nun als Arbeit und damit die Arbeitsklamotte sieht.
      Kisten schleppen? Dafür hatte er bestimmt Angestellte.
      Umherreisen um Zeugs einzukaufen? Zuhause rumsitzen und Buchführung machen? Da würde ich es etwas einfacher halten, Ledergürtel und ein paar Beschläge, hübsch, aber nicht protzig.
      An- und Verkauf? Nun, das wäre für Marktbesucher und Markthändler wohl gleichermaßen die passende Begründung. Und genau hier muss repräsentiert werden(und ums repräsentieren ging es ja in der Frage). Das heißt gemusterte Stoffe, Borten, Verbrämungen, Halbkreismantel mit dicker Schließe und ein schicker Geldbeutel. Quasi genau so wie heute, zuhause Jogginghose, im Büro mindestens Jeans und irgendwas mit Kragen und auf Messe den feinsten Zwirn und den kompliziertesten Schlipsknoten den man zu bieten hat. Zum Heiraten wird zum Dreiteiler upgegradet, sprich, zwischen Cotte und Mantel kommt noch ein Surcot, der gegürtet werden kann, aber nicht muss, der würde den Gürtel also ohnehin verdecken, wodurch du keinen weiteren brauchst.

      Um also zu meiner These von gestern Nacht zurück zu kommen: Brokat oder Leder mit ordentlich Beschlägen(Edelmetalle natürlich!), nimm was dir besser gefällt, vom Protzerischen her gibt sich das nicht viel.

      Im Hortus Deliciarum(Elsass, Ende 12.) gibt es einen jüdischen Händler, den solltest du dir mal ansehen. Problem: Gürtel und Almosenbeutel sind hier einfach weiß. Gürtel sind hier allerdings insgesamt einfach gehalten, heißt also nix. Nettes Detail an dem Bild: Der Händler trägt den Gürtel mit dem Reenacters Knot.
      Die Quelle ist insgesamt auch sehr schön, an anderer Stelle spielen Kinder eine mittelalterliche Version der Rock'em Sock'em Robots.
    • LotlBotl schrieb:

      An- und Verkauf? Nun, das wäre für Marktbesucher und Markthändler wohl gleichermaßen die passende Begründung. Und genau hier muss repräsentiert werden(und ums repräsentieren ging es ja in der Frage)....
      Genauso sehe ich es auch,denn da ich ja in der Gewandung/Ausstattung dann auf diversen Märkten (also Mittelaltermärkten) unterwegs sein werde stelle ich dann ja - ob mit eigenem Stand (als Teil einer Lagergruppe) oder nicht - im Grunde schon per se einen Kaufmann dar,der unterwegs/auf Reisen ist um einzukaufen oder zu verkaufen.(oder beides!)
      Und dann kommt es auf jeden Fall (auch heute!) darauf an,sich angemessen zu "verkaufen",also zu repräsentieren.
      Dann halte ich -- wenn es ein Ledergürtel wird - Zierbeschläge zumindest bei einem Gürtel über 2 cm Breite geradezu für verpflichtend,es sei denn ich würde ihn - wie Du schreibst - bedeckt tragen.
    • Katharina de Lo schrieb:

      Ich denke das richtet sich nach den Begleitumständen....zur täglichen Arbeitsklamotte sicherlich eher (je nach Begüterung mehr oder weniger mit Beschlägen verziertes) Leder
      wobei ich dann schon einen begüteteren Kaufmann darstellen möchte,der durch Fernhandel mit Flandern,dem Rheinland und Friesland zu einem gewissen Wohlstand gelangt ist ohne aber deswegen zu den Reichen zu gehören (was ehe eine Frage wäre,wen man in der damaligen noch recht jungen städtischen Gesellschaft dazuzählen würde).
      Arbeiten im Sinne von Waren schleppen wäre dann wohl nicht seine Arbeit,weil er schon Leute/Angestellte dafür hätte.
      Bei der Kleidung,die er auf Märkten/Messen trüge,würde er sicherlich auf die Repräsentation achten im Sinne von
      "Kleider machen Leute"
      denn so könnte er Eindruck auf potentielle Kunden machen.
      (Heute ist es ja nicht anders.)