Gugel, ca 1200-1250, Frage zum Material

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    • Gugel, ca 1200-1250, Frage zum Material

      Hallo, zusammen!

      Die üblichen Gugeln haben ja recht lange Zipfel und sind mit unter schon mehr Accessoire als Gebrauchsgegenstand.
      Nach meiner bisherigen Recherche war die Gugel insbesondere vor 1300/1400ff ein Gebrauchsgegenstand der einfachen Bevölkerung, der einen Wetterschutz bei der Arbit bot, daher auch die fehlende Länge (gekürzter Mantel). Die Kapuze war auch recht kurz gehalten und Firlefanz fehlte völlig.
      Ich habe diesbezüglich zwei Abbildungen um 1180 ausgegraben.

      Meine Frage:
      Wäre es nun wiederum unhistorisch, wenn man anstatt des üblichen Wollstoffs auf Leder als Material umschwenkt?
      Klar, das ist auch abhängig von der dargestellten Person (Erschwinglichkeit), aber generell ist die Frage berechtigt, da Leder nach wie vor weit verbreitet war.
      Grundsätzlich habe ich die Befürchtung, dass eine Ledergugel wieder ein bisl in den LArp-Bereich rutscht, trotz des historisch korrekten Grundschnitts etc.
      Meinungen? Belege?

      Danke!
    • Also fuer die Gugel um 12530 wuerde ich auf ein elegantes Teflongebebe gehen, das besser zu dem koerpernah designten Raumanzug past. Vielleicht sogar mit ins Gewebe integirierten Schaltkreisen fuer den Kommunikator.

      Fuer eine Gugel in der 1. Haelfte des 13. Jhdt: bleibe bei Lodenstoff!
      Fuer Ledergugeln ist mir bisher kein Beweis untergekommen.
      Der lange Zipfel und Fransen sind modeacessoires, die auch erst spaeter aufkommen.
      Verwechsle auch nicht die Gogel mit der Cappa, die eher den Wetterschutz darstellt.
      Bekennend GroMi mit den "Feuerschwingen" (Facebook: Feuerschwingen)
      Am "A" arbeitend als Spiesser in städtischer Infanterie des 13. Jhdts mit dem "Vuozvolc". (www.vuozvolc.de)
    • Für Leder hätte ich jetzt auf die Schnelle auch nix parat ; ich würde auch für Wolle bzw. Loden plädieren.

      Leder ggf. für Spezialgebiete vielleicht, die Seefahrt meinetwegen.
      Ich habe mich mal an einer Leder- bzw. Fellgugel ( ehem. Lammfellmantel ) versucht ; nachdem ich mit bei der Verarbeitung ( Handnaht ) so sehr gequält habe, liegt die Gugel seit rund 2 Jahren hier halbfertig in einer Schachtel.
      Besitz stirbt,

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    • Die einzige Cappa (nicht Gugel) welche angeblich aus Leder gewesen sein soll ist die Reisecappa von König Richard "Löwenherz". Diese soll er bei der Gefangenahme in Wien angehabt haben. Allerdings ist das nicht wirklich belegbar. Da ich selbst mit einer Reisecappa aus Leder geliebäugelt habe, wäre es auch für mich intressant ob irgendjemand einen Beleg für ein solches Kleidungsstück hat. Nüchtern bertrachtet ist Lodenstoff allerdings die sinvollere Variante, da er richtig verarbeitet, wasserfest und wärmend ist.
      Ministerialer 1190 in Gelnhausen der noch nicht weiß das sein Lehnsherr nicht gut schwimmen kann
    • Ich würde Leder als Material für eine Gugel mit ziemlicher Sicherheit ausschließen. Und zwar aus folgenden Gründen:
      • Ich kenne keinen Fund (aus Zentraleuropa), weder im ganzen noch als Fragmente die groß genug für eine Gugel wären. Und Leder gehört zu dem Material das sich über die Zeiten am besten in großen Stückzahlen erhalten hat. Natürlich kann es auch sein das diese großen Fragmente nicht am Stück entsorgt, sondern wiederverwendet wurden. Dasselbe gilt aber für Loden.
      • Reines vegetabil gegerbtes Leder ist als Wasserabweisender Stoff ziemlich ungeeignet. Jedes Leder saugt sich früher mit Wasser voll als ein Lodenstoff. Dem kann man zwar durch "Imprägnierung" entgegen wirken (Fetten, Wachs, etc.), dies funktioniert aber bei Loden noch besser (da er die Impregnierung besser annimmt(anhaftet).
      Das einzige was vl. für leder sprechen würde könnte der Preis sein. Ich kann mir gut vorstellen das ein ordentlich gearbeiteter Loden teurer war als Leder. Jedoch ist das bloße Vermutung.

      Ein Schwenk in die Moderne: Wäre Leder für diese Zwecke besser geeignet hätte das Militär früher Regenkleidung nicht aus Wollloden sondern aus Leder gefertigt (heute natürlich Kunstfasern).

      Das heißt nicht das es keine Gugeln aus Leder gegeben hat. Nur das diese als Wind- und Wetterschutz mMn weniger geeignet sind als Gugeln aus Wolloden.
      Pinterest Alben: https://de.pinterest.com/adalbert_sch/
      Website: https://www.adalbert-shouster.com
    • Auf die Gefahr hin dass ich nun völlig falsch liege:

      Meiner Meinung nach wäre die Verwendung von "Leder" nur sinnvoll, wenn es sich um die Haut eines im Wasser lebenden Tieres, wie z.B. Robben, Seehunde oder Otter handelt. Diese wären von Natur aus wasserabweisend bzw. Regen würde wunderbar abperlen.

      Zwar konnten diese Tiere in freier Wildbahn auch vom "kleinen Mann" erlegt werden. Jedoch vermute ich, dass nicht jeder von diesen richtig gerben konnte bzw. die notwendigen Werkzeuge besaß und somit das Leder gerben lassen musste - entweder gegen Tauschware, Arbeitsleistung oder "Geld". Und da glaube ich liegt das Problem bei Leder/Pelz-Gugeln....

      Zudem fehlt leider auch hier genauso wie beim Leder der Beleg.

      Dennoch liebäugel ich selber auch mit einer Pelzgugel wegen der natürlichen regenabsorbierenden Eigenschaft.
    • Andrea_777 schrieb:

      Meiner Meinung nach wäre die Verwendung von "Leder" nur sinnvoll, wenn es sich um die Haut eines im Wasser lebenden Tieres, wie z.B. Robben, Seehunde oder Otter handelt. Diese wären von Natur aus wasserabweisend bzw. Regen würde wunderbar abperlen.
      Hier muss ich korrigieren. Die Haut von Robben, und Ottern ist keineswegs Wasserabweisend. Bei Ohrenrobben (z.B. Seebären und Seelöwen) und und Hundsrobben (z.B. Seehund und Kegelrobe) hat das Fell eine Wasserabweisende Wirkung durch darin aufgefangene Luftbläschen [1][2][3]. Hingegen bekommt aus der Darmhaut von Robben Wasserdichtes Pergament, das jedoch ständig gefettet werden muss um nicht brüchig zu werden und Wasserwbeisend zu wirken [4][5].

      Andrea_777 schrieb:

      Dennoch liebäugel ich selber auch mit einer Pelzgugel wegen der natürlichen regenabsorbierenden Eigenschaft.
      Genau, das ist dann keine Leder sondern eine Pelzgugel! Leder impliziert das es sich um enthaarte Haut handelt. Da bringt Robben- und Otterhaut keinen Vorteil.


      [1] de.wikipedia.org/wiki/Robben#Thermoregulation
      [2] de.wikipedia.org/wiki/Hundsrobben#Fell
      [2] de.wikipedia.org/wiki/Otter#Merkmale
      [4] leder-info.de/index.php/Robbenfell
      [5] eiszeiten-hamburg.de/wasserdic…hunddarm-suedwest-alaska/
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    • Irgendwie kommt mir bei einer Fellgugel im oben genannten Zeitraum der Gedanke, wer läuft denn schon durch das Land und trägt ein Plakat "Ich bin der Wilderer" .
      Denn nach meinem Wissen wären im Hochmittelalter un auch später die bevorzugten Tiere für eine solche Fellverwendung vorwiegend der herrschaftlichen Jagd vorbehalten.
      Im Kopf Geschichtsnah
      In der Praxis eher GroMi
      Letztes Viertel 12tes Jh.
      Tippfehler? Ich schreibe meist vom Mobiltelefon
    • Dem stimme ich zu, und wenn man die Bildbelege ansieht fehlt völlig der zeichnerische Ansatz von Fell. Wenn man das mit den Fell/Pelzgefütterten Mänteln der Adligen vergleicht, sieht man das der Zeichner mit "Feh-Muster" oder ähnlichem gearbeitet hat um Pelz darzustellen. Die mir bekannten Darstellungen von Gugeln sind dagegen meistens eher einfach gehalten.
      Ich komme zum Schluss das es einfach keine Belege für eine Ledergugel und/oder Cappa gibt und sie aus genannten Gründen auch nicht sinnvoll wäre.
      Ministerialer 1190 in Gelnhausen der noch nicht weiß das sein Lehnsherr nicht gut schwimmen kann