Wendeschuhe mit extra Sohle, 15. Jh.

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    • Wendeschuhe mit extra Sohle, 15. Jh.

      Um mal wieder ein bisschen ins Wendeschuhe Handwerk hinein zu kommen, habe ich mir einen Fund aus dem späten 15. Jh. aus Deventer in den Niederlanden als Übungsstück ausgesucht (siehe Goubitz, Olaf, Schoeisel uit de Deventer binnenstad, een keuze uit de vondsten 1964-1984. Deventer jaarboek 1992, pag. 26-41).
      Dabei wird an den sogenannten Rand nach dem Wenden eine extra Laufsohle angenäht, ähnlich wie das heute mittels des Rahmens passiert. Die Grundtechnik bleibt aber weiterhin die des Wendeschuhs. Der Verschluß erfolgt mittels eines Lederriemenpaars mit Schlitz und Knoten. Erstaunlich, dass es die Schuster ein knappes Jahrtausend gekostet hat, um nach dem Niedergang des römischen Reichs wieder zu einer Technik zu finden, die Schuhen eine längere Lebensdauer verleiht. Oder vielleicht war es einfach nur lange vererbte Geschäftstüchtigkeit ;)



      Detail des Verschlußes:



      Das Innenleben des Fersenbereichs nach dem Wenden mit den verschiedenen Lagen von Sohle, Rand, Oberleder und Fersenverstärkung sowie dem gestückelten Bereich am oberen Schaft:



      Ein paar weitere Fotos finden sich auf facebook.com/leatherworkthroughtheages/
      Viele Grüße,
      Martin

      sutor.jimdo.com
      facebook.com/leatherworkthroughtheages
      legio8augusta.de
    • Frau Marquita Volken schreibt davon das die Technik, eine zweite Teil- oder komplette Sohle an den Randstreifen zu nähen, im sp. 14. Jhd. aufkommt [1, S.217]. Komplett gedoppelte Sohlen sind aber recht selten. Innensohlen die bei der Verbindungsnaht Oberlder- und Sohlenleder eignebracht werden finden sich hingegen schon deutlich früher (bspw. ab ca. 1200 in Schlewig [2, S. 48] und Konstanz [3, S. 13]).

      [1] Volken, M., 2014. Archaeological footwear. Development of shoe patterns and styles from prehistory till the 1600's. Univ., Lausanne--Zwolle, 2012. Zwolle: Stichting Promotie Archeologie.
      [2] Saggau, H.E., 2000. Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971-1975. Neumünster: Wachholtz. Ausgrabungen in Schleswig. 14.
      [3] Schnack, C., 1994. Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz. Grabung Fischmarkt. Stuttgart: Theiss. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg. 26.
      Pinterest Alben: https://de.pinterest.com/adalbert_sch/
      Website: https://www.adalbert-shouster.com
    • Ob genau mit dieser Technik kann ich nicht sagen, aber in den Altenbergfunden ist häufig von einer doppelten Sohle die Rede (1200 bis 1300). Zum Teil sehr dick und geteilt um das abrollen zu ermöglichen. Wird hier aber wohl als spezieller "Arbeitsschuh" gesehen und den Erfordernissen im Bergbau zugeschrieben. Ist aber aus der erinnerung heraus, müsste ich nochmal genau nachlesen.

      Quelle:
      Der Altenberg
      Bergwerk und Siedlung aus dem 13. Jahrhundert im Siegerland
      aus der Reihe
      Denkmalpflege und Forschung in Westfalen (Band 34)
    • Paranoia schrieb:

      Wird hier aber wohl als spezieller "Arbeitsschuh" gesehen und den Erfordernissen im Bergbau zugeschrieben. Ist aber aus der erinnerung heraus, müsste ich nochmal genau nachlesen.

      Quelle:
      Der Altenberg
      Bergwerk und Siedlung aus dem 13. Jahrhundert im Siegerland
      aus der Reihe
      Denkmalpflege und Forschung in Westfalen (Band 34)
      Danke für die Quelle und das muss ich wohl mal lesen.
      Ich teile aber nicht die Meinung, dass es spezielle Arbeitsschuhe waren. So wie ich es kenne, kam zu dieser Zeit die Technik neu auf und solche Schuhe hätte sich kein Bergmann leisten können. Außer er wäre vielleicht der Grubenbesitzer.
      Kann aber gut sein das ich mich da irre.
      Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein.
      (Friedrich der Große)

      Lis und Hermann
      Lisabeth und Hermann - Reiseerlebnisse
    • Der Altenbergschuh hat diese Sohle, um auf den Leitern im Berg mehr Griff zu haben sie geht nicht von vorn bis hinten durch, sondern ist an der Stelle wo der Fuß auf der Sprosse steht unterbrochen. Also tatsächlich berufsspezifisch.
      Im Bergwerk finden sich aufwendige Stoffe, die Bergarbeiter waren da noch nicht die armen Menschen die wir seit des Industriezeitalters kennen.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Danke Silvia und es bestärkt mich die Berichte von Altenberg zu lesen.
      :off1 Kann man auch annehmen, dass die Stoffe bei der Arbeit getragen wurden oder eher für den Kirchgang am Sonntag :back
      Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein.
      (Friedrich der Große)

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