Leisten

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    • Ich habe eine Frage an die Schuhmachende Zunft: Wo könnte man Leisten mit flacher Sohle auftreiben? Bei meiner langen verzweifelter Suche bei ebay und ähnlichen Seiten fand ich zwar haufenweise Angebote für Leisten, allerdings ausschließlich mit diesem verdammten Absatz. Langsam sieht es danach aus, als ob selber machen die einzige Option wäre...
    • Wenn du auf der Suche nach Leisten für wendegenähte Schuhe bist, ist das wenig erfolgsversprechend. Nahezu alle modernen Leisten haben diesen Absatz drin. Nennt man Sprengung. Man kann den Leisten aufbauen, heißt, da wo der Absatz hingehört klebt man was drauf wie z. B. Kunstoffkork oder Holz und passt den Leisten weiter an. Das ist eine gänige Praxis auch heut zu Tage noch. Eine andere Variante wäre, wie du schon geschrieben hast, selbst welche herstellen. Da kann ich wärmstens einen stationären Bandschleifer empfehlen. Als Material bietet sich Buche an und wenn es schnell gehen soll und nicht lange halten muss, dann Pappel. Was aber spätestens beim Ausleisten auffallen wird, ist die Tatsache, dass einteilige Leisten sich sehr schwer bis gar nicht ziehen lassen, natürlich je nach Schuhtyp - ein Schlupfschuh lässt sich leichter ausleisten, wie ein Halbstiefel...
      Eine weitere Möglichkeit wäre, welche nach deinen Maßen machen zu lassen.
      Hoffe, das hilft ein wenig weiter. :)

      Was für einen Schuhtypen willst du denn bauen und was für eine Schuhform stellst du dir vor? Vorne spitz, rund, Kuhmaul...?
    • Wenn es nur ein paar Leisten sein soll kannst du dir für 70€ bei Stefan von der Heide welche machen lassen:
      knieriem.net/category.php?id_category=10
      Diese haben aber das Problem das ein teil vom Vorderfuß abgenommen werden kann. historisch so nicht unbedingt korrekt, kann aber auch einfach dran lassen.

      Wenn du jedoch mehrere Leisten benötigst wird das ganze schnell sehr teuer. Hier bleiben dann nur die Möglichkeiten moderne Leisten anzupassen oder komplett selber herzustellen.

      Moderne Leisten anzupassen ist gar nicht mal so der große Aufwand. Das habe ich 2 Jahre lang gemacht und dabei ziemlich gute Ergebnisse erhalten. Wichtig ist es die genannte Sprengung (Anhebung der Ferse) zu beseitigen und anschließend den Rist runterzufeilen. Dieser ist danach nämlich immer zu hoch. Das dauert, je nach Übung, pro Leisten ca. 1h. Ich habe dafür Kork oder Lederreste verwendet.

      Aber Leisten komplett selber herzustellen ist nun auch nicht das Hexenwerk. Das mache ich nun seit ca. 6 Monaten und brauche mittlerweile pro Leisten ca. 2h aus einem massiven Stück Holz. Als Werkzeug braucht man da nur eine Schnitzaxt (normale Axt die umgeschliffen wird oder die kleineren Fiskar X05 oder X07 gehen auch), eine Raspel, scharfes Messer und Schleifpapier.

      Dritte Option ist es das du einen (Wende-)Schuhmacher deines Vertrauens frägst ob er dir ein paar Leisten anfertigt.

      Gerard schrieb:

      Was aber spätestens beim Ausleisten auffallen wird, ist die Tatsache, dass einteilige Leisten sich sehr schwer bis gar nicht ziehen lassen, natürlich je nach Schuhtyp - ein Schlupfschuh lässt sich leichter ausleisten, wie ein Halbstiefel...
      Gerade das macht es doch erst interessant. So muss man beim Schnittmuster genau überlegen wie der Aus- und Einschlupf gestaltet wird und erhält dafür einen Schuh der wirklich so aussieht wie ein original (nur nicht so verschrumpelt).
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      Website: https://www.adalbert-shouster.com
    • Hallo Adalbert

      Neue Schuhe stehen demnächst auf meinem Programm, und passgenaue Holzleisten hören sich verlockend an. Bisher habe ich mich jedoch nicht daran gewagt.

      Adalbert. schrieb:

      Aber Leisten komplett selber herzustellen ist nun auch nicht das Hexenwerk.
      Das sagst Du so einfach! Hast Du ein paar Tipps oder eine Anleitung, die Du empfehlen kannst?


      Freundliche Grüsse
      Gerald von Ameningen
      http://www.die-ameninger.com/
      http://www.historia-sanegauns.com/
    • Ich würde so einen Leisten aus Eichenholz mit dem Stechbeitel arbeiten, und dann das ganze mit Sandpapier oder einem Ziehmesser glätten.
      Wenn ihr die Möglichkeit habt, Aluminium zu schmelzen (d.H. eine Esse oder einen vergleichbaren Ofen der über 700 grad kommt) könnt ihr einen passenden leisten mit etwas Übermaß aus Styropor fertigen, in feinen Sand einpacken sodass ein stück Styropor freiliegt, das Alu rein gießen. Nach 1h rausnehmen und feinschleifen. Fertig.

      Mein Leisten hat verschiedene Größen dran und besteht aus Eisen. Wenn mich nicht alles täuscht, hat er keinen Absatz. Und wenn er nicht passt, mache ich mir eben selbst einen.
      Non vitae sed scolae discimus.

      Ich bin der Wahrscheinlich letzte aus Prinzip freiwillig Handyfreie Jugendliche Deutschlands. 8)

      Comfortzone? Was ist das? Eine italienische Vorspeise? ( Max Green, 2016)
    • gerald von ameningen schrieb:

      Hast Du ein paar Tipps oder eine Anleitung, die Du empfehlen kannst?
      Ich habe mich anfangs an diese Anleitung gehalten:
      timurborte.blogspot.de/2011/06…-basic-shoe-last.html?m=1

      Für die Maße nehmen ich dann noch die Anleitung von Stefan von der Heide dazu. Diese kann ich dir als Abschrift zukommen lassen. Wichtig sind vor allem das Fersen- und Ristmaß.

      Den eigentlichen Leistenkörper arbeite ich dann mit einer Schnitzaxt aus.
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    • Vielen, vielen Dank, Adalbert

      Ich habe mir soeben die beiden Anleitungen angeschaut. Mich irritiert etwas, dass die Sohle taillierter, also im Mittelbereich schmaler ist, als im Aufriss gezeichnet. Insbesondere auf der Innenseite. Ab welcher Höhe wird der Leisten an diesen Stellen nach unten eingezogen?

      Und dann: Der Leisten ist doch unten flach, weil ja die Sohle darauf liegen wird? Die Skizze zum Massnehmen bei der ersten Anleitung trägt dem Rechnung, während bei Stefan von der Heide hingegen Umfänge gemessen werden. Wie passt das alles zusammen? Oder mache ich es mir selbst zu schwer?


      Freundliche Grüsse
      Gerald von Ameningen
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    • gerald von ameningen schrieb:

      Ich habe mir soeben die beiden Anleitungen angeschaut. Mich irritiert etwas, dass die Sohle taillierter, also im Mittelbereich schmaler ist, als im Aufriss gezeichnet. Insbesondere auf der Innenseite. Ab welcher Höhe wird der Leisten an diesen Stellen nach unten eingezogen?
      Das die Sohlenform für den Leisten in dem Bereich enger gezeichnet ist liegt daran, dass man beim abzeichnen der Fußform oftmals nicht unter die Längswölbung auf der Fußinnenseite sondern am Innenknöchel vorbei entlang zeichnet. Dadurch weis man wie weit der Innenknöchel herausragt.
      Um herauszufinden in welchem Bereich man diese Verjüngung einbringen muss kann man sich in Richtung Ferse am Innenknöchel richten. Das vordere Ende (zu den Zehen hin) lege ich immer auf 2/3 der Strecke vom Innenknöchel zum vorderen Innenballen (Also da wo das Gelenk des großen Zeh beginnt). Wie tief es eingeschnitten wird richtet sich nach den erhaltenen Leisten der damaligen Zeit.

      gerald von ameningen schrieb:

      Und dann: Der Leisten ist doch unten flach, weil ja die Sohle darauf liegen wird? Die Skizze zum Massnehmen bei der ersten Anleitung trägt dem Rechnung, während bei Stefan von der Heide hingegen Umfänge gemessen werden. Wie passt das alles zusammen? Oder mache ich es mir selbst zu schwer?
      Das ist gar nicht so kompliziert. Man kann entweder den Umfang komplett messen, oder nur die Strecke vom Boden über den Fuß. Einfacher ist der gesamte Umfang laut Stefan von der Heide.
      Es reicht den Leisten so zu bearbeiten, dass er an den entsprechenden Stellen denselben Umfang hat wie zuvor gemessen. Wichtig ist dabei nicht die Sohlenform zu verändern (schmäler zu machen), sondern eher die Seiten steiler/flacher oder die Höhe des Vorderfußes anzupassen um auf das entsprechende Maß zu kommen.

      Man brauch sich da auch nicht allzu sehr zu verkünsteln. Schaut man sich originale der damaligen Zeit an, sieht man das diese mit einem Menschlichen Fuß keine allzu große Ähnlichkeit haben. Je früher umso gröber wird die Form der Leisten und ähnelt mehr einem Türstopper.
      Hier sieht man mal ein Bild von Leisten von Fr. Dr. Marquita Volken die man von der Form gut im Hochmittelalter verwenden kann:

      [Blockierte Grafik: http://www.raisedheels.com/images/last2.jpg]Quelle: raisedheels.com/images/last2.jpg

      Man sieht das im Bereich der Fußmitte der Leisten wesentlich mehr eingeschnürt ist als ein menschlicher Fuß und der Hochspannpunkt (höchster Punkt auf dem Rist) auch höher liegt als in natur. Die Form der Leisten muss aber so sein, damit man den Schuh überhaupt aus- und wieder einleisten kann. Auf keinen Fall sollte man sich an modernen Leisten mit erhöhter Wölbung am Innenfuß, niedrigem Ristpunkt und Sprengung orientieren. Solch einen Leisten bekommt man nur schwer bis gar nicht ausgeleistet

      P.S. Wenn man sich den Blogpost anschaut sieht man auch die Unterseite des Leisten. Eine so starke Einschnürung wäre im Hochmittelalter noch nicht gegeben, erst im Spätmittelalter. Dadurch drückt man immer etwas von dem Oberleder nach außen und läuft sogesehen an diesen stellen auf dem Oberleder. Das wird aber gut vom Keder abgedeckt und geschützt. Am besten an erhalten Sohlen der Zeit orientieren.
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    • Hallo Adalbert

      Wiederum vielen Dank für Deinen ausführlichen und hilfreichen Beitrag. Aber ich fürchte, es ist vergebene Liebesmühe. Hochspannpunkt und niedriger Ristpunkt.

      Adalbert. schrieb:

      Man sieht das im Bereich der Fußmitte der Leisten wesentlich mehr eingeschnürt ist als ein menschlicher Fuß und der Hochspannpunkt (höchster Punkt auf dem Rist) auch höher liegt als in natur.
      Mir stehen halt nur meine naturgegeben Füsse als Model zur Verfügung stehen und um die erforderliche zusätzliche Erfahrung zu sammeln, fehlt mir die Geduld. Und dann kommt ja auch noch eine massliche Veränderung durch das Wenden hinzu. Meinen grossen Respekt an dieser Stelle an alle (Wende-)Schuhmacher.

      Also werde ich, getreu dem Motto: "Leisten, bleib bei deinem Schuster", die Einzelteile ohne Leisten zusammennähen.


      Freundliche Grüsse
      Gerald von Ameningen
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    • Also wenn du nicht gerade schon einigermaßen Erfahrung hast und super authentische Schuhe (inkl. zeitgenössichem Leisten) bauen willst, würde ich das Ganze recht entspannt sehen, einfach einen modernen Leisten mit wenig Sprengung (=Absatz) nehmen und darauf den Schuh bauen.
      Mittelalterliche Schuhe passen sich dem Fuß eh ziemlich an, mehr als wesentlich rigidere moderne.

      Hier ein paar Beispiele von Schuhen vom 1. bis zum 15.Jh., die ich einfach auf einem modernen Leisten gebaut habe:
      sutor.jimdo.com/1st-century-ad/mainz-calceus/
      sutor.jimdo.com/1st-century-ad/castleford-boot-no-13/
      sutor.jimdo.com/2nd-century-ad/saalburg-no-221/
      sutor.jimdo.com/3rd-century-ad/obenaltendorf/
      sutor.jimdo.com/10th-century-ad/york-style-4a1/
      sutor.jimdo.com/14th-century-ad/dordrecht-ddt-62-1-5/
      sutor.jimdo.com/15th-century-a…extra-sole-from-deventer/

      Wenn du die Bilder durchschaust, kannst du z.T. die modernen Leisten sehen, ebenso auch ein paar Tips, wie man zu einem Schnittmuster kommt.
      Mit ein bisschen mehr Aufwand kannst du den Leisten auch einfach am Ballen unten etwas abhobeln, so wie ich es hier gemacht habe:



      Viel Erfolg!
      Viele Grüße,
      Martin

      sutor.jimdo.com
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