Webbreite und Garnstärke

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    • Webbreite und Garnstärke

      Während ich gerade die Fransenborte für meinen Mantel webe plane ich schon die Borte für den Kreisdurchmesser.

      Im Original war diese Borte 6cm breit, daher käme ich schon gerne auf zumindest 4cm Webbreite. Jetzt habe ich schon für die 2,2cm Breite meines Gürtels 61 Brettchen verwendet, da wäre ich mit meinem aktuellen Webgarn also schonmal bei 120-180 Brettchen. Aus der Beschreibung werde ich nicht ganz schlau, da steht 2/1 Kettköper, Stufung 3 Kettfäden, das kann ich mir spontan nur als Missed Hole Technik erklären und nicht als klassische Köpertechnik. Bei meinem Versuch mit einer Zweilochborte hat sich die Webbreite nochmal ein bisschen reduziert, so käme ich dann schnell auf eine Borte mit über 200 Brettchen. Historisch gesehen sicherlich realistisch, das wäre aber schon ein brutaler Packen Brettchen und weil mein Webrahmen maximal 250cm packt und ich 3 Meter brauche müsste ich das auch noch zweimal aufspannen. Nein, so masochistisch bin ich dann doch nicht veranlagt.

      Jetzt muss also anderes Webgarn her. Was brauche ich da für eine Garnstärke wenn ich mit ich sage mal 86 Brettchen eine ~5cm breite Borte weben möchte? Derzeit benutze ich NM 60/2 Seidengarn, weil das in etwa den historischen Garnen entspricht. Reicht NM 30/2 um mit gleicher Fadenzahl die doppelte Webbreite zu bekommen? Das wäre das dickste Seidengarn das ich gefärbt auf Kone finden kann. Das nächstdickere wäre schon reinseidenes Strickgarn. Oder Knopflochseide in 10-30 Meter Portionen, aber da bräuchte ich ja über 50 Rollen für.
    • Hast Du bedacht, das dickeres Garn die Borte dick und steif macht ? Das könnte Dir den Fall des Kleidungsstücks verhunzen. Nimms lieber schmaler, das ist besser als zu derb. Fällt schöner, ist glaubwürdiger.

      Du kannst die Kette fingerhäkeln, abbinden und dann nachlassen, wenn Du das erste Stück abgewebt hast. Dazu schärst Du nicht am Webrahmen sondern zB über Schraubzwingen die Du an einem Tisch befestigst. Du befestigst die Zwingen Griff nach oben und dann schärst Du über die Griffe. Wenn Du mehrere Zwingen hast und zickzack über den Tisch gehst, schaffst Du erstaunliche Längen.
      Bevor Du die Kette runter nimmst, schön sichern, entweder mit Clips oder abbinden. Dann wird die Kette langsam abgehäkelt.
      Das klingt alles schlimmer als es ist.
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    • Das Original hat halt 6cm und gehört damit nichtmal annähernd zu den breitesten Exemplaren. Da wären meine 3,3cm die ich bei aktueller Ausstattung maximal schaffe deutlich drunter, auch wenn ich in neue Brettchen investiere und auf 100 hoch gehe komme ich rechnerisch nur auf 3,9. Ob das dann wirklich reicht? Noch mehr Brettchen wären dann ein absoluter Alptraum zu broschieren.

      Ich glaube leider nicht dass ich über Wochen und Monate hinweg den Esstisch blockieren kann sonst wäre das am Tisch sicher eine gute Alternative. Bringt mich allerdings auf die Idee ob man nicht temporär eine zusätzliche Windung an den Webrahmen bekommt? Müsste schätzungsweise ja nur 60-70 cm verlängern.
    • Nein Du schärst nur die Kette auf dem Tisch und webst das dann auf den Webrahmen.
      Mist ich habe kein Bild vorrätig, ums besser erklären zu können.
      Wenn Du die Kette fertig geschoren hast, alles gesichert ist, nimmst Du ein Ende vorsichtig ab und beginnst die Kette in Luftmaschen mit den Händen zu häkeln. So macht man das bei der Tuchweberei. Dann bringst Du so viel Kette auf den Webrahmen wie nötig, machst eine Schlaufe (Knoten) in die Kette und bindest vorübergehende Ende mit einer Hilfsschnur an den Anfang. Hast Du das abgewebt, machst Di eine Schlaufe in die Borte und bindest dann die Kette wieder an, so bekommst Du das Ganze auf Spannung.

      Flinkhand hatte immer recht günstige Pappbrettchen auch in unterschiedlichen Farben. So das man optisch schön getrennte Päckchen machen kann.
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    • Hast Du Dich schon auf ein bestimmtes Muster festgelegt? Wenn die Breite Dir Kopfzerbrechen macht (was ich durchaus nachvollziehen kann), wie wärs denn wenn Du zB zwei Borten von 3 cm Breite nebeneinander aufnähst? Gibt auch 6 cm Breite und ist deutlich handlicher herzustellen, denke ich.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Zur Ergänzung meiner Erklärungen oben und per PN, habe ich eine Anleitung mit Bildern gemacht, in der Hoffnung das es verständlich ist :
      zeitensprung.blogspot.de/2017/…aufhakeln-von-ketten.html
      (Quelle : mein Blog bei Google)

      Das löst zwar immer noch nicht die Frage nach der Materialstärke, aber es löst das Problem der Länge.
      Beim Material kann ich Dir leider nicht helfen, Seide und ich sind keine Freunde. Das Gewicht des Materials ist anders als Wolle, so das ich keinerlei Erfahrungen mit NM Stärken von Seiden habe.

      Ich würde egal wie Du es löst, darauf achten, das die Eleganz des Materials erhalten bleibt.
      Nichts finde ich schlimmer, als grobe brettartige Borten.
      Eine Brettchenborte ist technisch gesehen eine Ansammlung von per Schussfaden, aneinander genähten Schnüren. Du könntest Borten mit einer feinen Nadel (Perlennadel) und einem sehr feinen Seidenfaden quer durch die Borten verbinden. Also den Schussfäden entlang, durch zwei oder drei Borten hindurch, verbinden.
      Oder wenn die Musterung es zulässt, einfach eine aufwendige breite Borte mit schlanken Borten einfassen. Miteinander oder zusammen aufnähen - das kommt ein wenig auf die Lösung an, die Du findest.
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    • Was du dir für einen Aufwand machst, Silvia... Vielen Dank dafür! =) Die Anleitung ist genial, als alter Pfadfinder sollte ich da schnell reinkommen. So kriege ich das mit der Länge auf jeden Fall schonmal hin.

      Das Muster habe ich noch nicht. Es soll wieder an Philipp von Schwaben angelehnt sein, nur bunter weil mir das Goldlahn ausgeht. Zwei Borten nebeneinander nähen könnte bei meinen Webkünsten problematisch werden. So gleichmäßig arbeite ich noch nicht und dann würde es so aussehen als würden bunte Rauten um die Wette laufen. Die Randstreifen am Original waren sehr schmal, aber da ich keine Replik anfertige bin ich darauf ja gar nicht beschränkt. Wenn ich hier mehrere bunte Streifen nebeneinander webe und damit dann die eigentliche Borte einfasse, könnte ich den optischen Eindruck einer Palermitaner Borte erreichen. So wie sich bei Originalen die Randstreifen ablösen(zB die Ärmelborte beim selben Philipp) haben die das damals vielleicht auch schon gemacht. Ich denke das dürfte hinhauen.

      Ob ich das zeitlich hinkriege weiß ich nicht, ich denke ich werde mir von Sartor noch einen Stoff als Notfallplan bestellen. Die haben derzeit einen Stoff der nach einer Borte des Bischofs der wahrscheinlich Azecho von Worms ist gefertigt wurde. Leider Polyester/Viskose, entsprechend aber auch nicht teuer. Wenn die Zeit reicht kann ich dann immer noch Sitzkissen draus nähen.Sicher eleganter als überall Felle rumliegen zu haben.