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Wie teuer war ein paar wendegenähte Schuhe damals?

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    • Wie teuer war ein paar wendegenähte Schuhe damals?

      Jeder Handwerker kennt diese Frage zu genüge: Was hat das damals gekostet und war das teuer? Nicht immer einfach zu beantworten, vor allen Dingen wenn es um Dinge des täglichen bedarfes geht. Ich habe mal versucht diese Frage für Schuhe zu beantworten, bzw. einen Anfang zur beantwortung dieser Frage zu liefern. Mehr dazu hier:

      Wie teuer waren wendegenähte Schuhe?

      Fazit:
      Mindestens ein ganzer Tageslohn war für einen einfachen Handwerker notwendig, eher noch 2-3 Tageslöhne. Für ein gutes paar Stiefel wurde schnell auch mal der Lohn einer ganzen Woche fällig. Für Tagelöhner war es noch viel drastischer, sie brauchten schon Wochen um das notwendige Geld für ein paar Stiefel zu verdienen. Und dabei sind keine Kosten für Lebensmittel, Unterkunft, Steuern, etc. mit berücksichtigt.
      Schuhe waren wirklich nicht billig. Vor allen Dingen wenn man die deutlich geringere Haltbarkeit wendegenähter Schuhe im Vergleich zu heutigen mit berücksichtigt. Wer mehrere Tage arbeiten muss um sich ein paar Schuhe leisten zu können wird diese nicht beim ersten Fehler wegschmeißen. Man war eher versucht die Lebensdauer der Schuhe so weit wie möglich auszudehnen. Flicken und reparieren oder der Kauf beim Altmacher war für die einfachen Bevölkerungsschichten wohl eine zwingende Notwendigkeit.
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    • Nomad schrieb:

      Auf dem platten Land dürfte man sich die doch, wie das meiste, selber zusammengestitcht haben? Irgendeine Oma, zu alt für die Feldarbeit, konnte das bestimmt. Warn ja keine Singlehaushalte.
      So ganz unrecht wirst Du nicht haben, ein fettes ABER habe ich dennoch:
      wenn Du jenseits der 40 bist und Du Altersweitsichtig bist und Arthrose in den Fingern hast, machst Du vieles, aber keine Nadel einfädeln und keinen Wendeschuh drehen.
      Aber darum geht es in den Artikel auch nicht.

      Toller Artikel Adalbert, da steckt viel Arbeit drin, danke fürs teilen !
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Das glaube ich aber nicht. Habe selbst in Ungarn und kasachstan alte Menschen erlebt die quasi alles mit gemacht. Vom nähen, kochen bis zum Holz hacken, Garten Arbeit war alles dabei. Ich sah eine jährige Bogen schießen. Ich denke. Menschen waren generell anders drauf als wir heute. Schuh Funde gibt's ja wirklich ein paar mehr. In kasachstan sind alte Menschen hoch geachtet. Sie sind mittendrin.
      Bono Mellius
    • Nachdem ich vor kurzem ein Paar Schuhe selber gebaut habe dazu ein paar Überlegungen:
      Ja, es ist machbar in Eigenarbeit, wenn man das nötige Werkzeug hat. Ahle, Zange, Hammer. Dazu Verbrauchsmaterial wie Borsten und Pech. Außerdem ist die Frage, ob die Gerber die Häute in Teilen verkauften oder nur als ganze Haut.

      Dann ist es nämlich plötzlich so, dass die Voraussetzungen dür Eigenarbeit nicht mehr gegeben waren.

      Die Nächste Einschränkung ist, dass man pro Schuh circa vier bis sechs Stunden rechnen muss um eine Sohle anzunähen. Und die kann man nicht unterbrechen.

      Fazit: es ist prinzipiell möglich, aber es wird seinen Grund geben, warum es auch auf dem Land Schuster und Flickschuster gab.
      Und wenn ein Facharbeiter mindestens einen Tag für ein Paar Schuhe braucht, dann werden sie teurer sein, als der Tageslohn eines Tagelöhners.
      Bekennend GroMi mit den "Feuerschwingen" (Facebook: Feuerschwingen)
      Am "A" arbeitend als Spiesser in städtischer Infanterie des 13. Jhdts mit dem "Vuozvolc". (www.vuozvolc.de)
    • Stimmt. Mein Beitrag bezog sich auf neue Schuhe.
      Flickschusterei war sicher noch weiter verbreitet, braucht aber auch das Werkzeug. Und das könnte sich auch nicht jeder so für nebenbei leisten.
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      Am "A" arbeitend als Spiesser in städtischer Infanterie des 13. Jhdts mit dem "Vuozvolc". (www.vuozvolc.de)
    • Ich versuche mal auf die Anmerkungen einzugehen:

      Jungraban schrieb:

      Ich denke das einfache Schuhe günstiger waren. Wie sonst kommen so immense Fundemengen zusammen.
      Dies ist gar nicht so ungewöhnlich. Die meisten heutigen Schuh- und Lederfunde stammen aus Kloaken/Abfall- oder Fäkaliengruben schon damals sehr großer Städten (Lübeck, Schleswig, London, Dordrecht, Konstanz, York, S'Hertogenbosh, etc.). Durch den, verglichen zu heutigen Schuhen, hohen Verschleiß gerade im Bereich der Ferse und der Zehenpartie brauchte jeder in "regelmässigen" Abständen (alle paar Wochen/Monate) entweder neue oder reparierte Schuhe. Dadurch das sich oft mehrere Häuser eine Abfallgrube oder einen Abort teilten [1, S. 67], kommt da auf die Nutzungsdauer einer solchen Grube schon einiges an Material zusammen. Auch zeigen sehr viele der Funde, gerade im bereich der Ferse und der Zehen, das diese ein- oder mehrmals geflickt wurden. Wären Schuhe nicht so "teuer" gewesen, hätte man sich die Arbeit des Flickens gar nicht gemacht.

      Leider finde ich keine Quellen die den genauen Preis für ein paar Schuhe vom Altmacher/Flickschuster wiedergeben. Diese waren mit Sicherheit billiger als ein paar neue Schuhe, doch wieviel billiger, dafür fehlen mir leider brauchbare Quellen.

      Das einzige was in diese Richtung geht, sind Angaben aus der Landshuter Gewerbeordnung von 1256. In dieser heißt es:

      "Calcifices debent prepedia et plantas inponere pro I d. et plantas
      pro obulo. Transgressores debent emendare." [2, S. 326]


      Fersen (ich nehme an das eigentlich Fersenflicken gemeint sind) müssen also für 1 Denar angebracht werden und Sohlen für 1 Obulus. Bei Zuwiederhandlung muss nachgebessert werden.

      Wie Hermann auch schon richtig angemerkt hat waren durch den Berufsstand der Altmacher auch eine günstigere Bezugsquelle für Schuhe gegeben. Leider fehlen mir auch da zum Preis belastbare Quellen.

      Lorenz vom Quellental schrieb:

      Flickschusterei war sicher noch weiter verbreitet, braucht aber auch das Werkzeug. Und das könnte sich auch nicht jeder so für nebenbei leisten.
      Hier wird es schwierig. Eine einfache Ahle ist wirklich kein teures Werkzeug. Wir reden hier schließlich nur von einem spitzen geraden Stahlstift in einem Holzgriff. Die gebogenen Ahlen die heute gern verwendet werden lassen sich nur sehr schwer belegen. Der einzige Fund der mir bekannt ist, und den heutigen "Schusterahlen" ähnelt, ist ein Fund aus York [3, S. 3238]. Aus persöhnlicher Erfahrung kann ich sagen das man auch mit einer gerade Ahle einen kompletten Schuh arbeiten kann. gebogene sind aber etwas angenehmer in der Handhabung. Neben einer Ahle braucht es für die nötigsten Reparaturen nur eines Messer und etwas das sich als Nähfaden eignet.

      Ein Messer werden die meisten in irgendeiner Art und Weise bessesen haben (oder zumindest Zugriff zu einem, gehabt haben). Als Faden hat man nicht immer Pechdraht verwendet. Es finden sich an einigen Funden reste von Wollfäden oder groben Haaren (vl. Pferdehaare) [4, S. 37] als Nähfaden. Auf dem Bild des verlorenen Sohnes von Hieronymus Bosch (Datiert auf 1510 aber trotzdem passend) sieht man, dass der Landfahrer an seinem Hut eine Ahle und etwas Faden (vl. sogar Pechdraht) hat. Er ist offensichtlich kein professioneller Handwerker.
      [Blockierte Grafik: http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/1770045a.jpg]
      Quelle: kunstkopie.de/kunst/hieronymus_bosch//Der-Landstreicher.jpg

      Aber auch ganze ohne Werkzeug lassen sich einige Reparaturen durchführen. An einem Beispiel aus Schleswig wurde eine gerissene Naht durch einen Lederriemen geschlossen [3, Tafel 75].


      Lorenz vom Quellental schrieb:

      es ist prinzipiell möglich, aber es wird seinen Grund geben, warum es auch auf dem Land Schuster und Flickschuster gab.
      Vieleicht wird es dort keine professionelle Schuster oder Flickschuster gegeben haben, aber jemanden der dieses Gewerbe, vieleicht nur als Nebentätigkeit, ausgeübt hat. Bei der Ausgrabung im Augustinerkloster in Freiburg im Breisgau hat man sehr viele Lederabschnitte gefunden die auf die Tätigkeit eines Flickschuster schließen lassen [5]. Diese werden eindeutig den Mönchen im Kloster zugeordnet. Es finden sich aber keine Belege für einen Hauptberuflichen Schuster/Flickschuster innerhalb des Klosters. Diese Tätigkeit wurde also vermutlich von einem der Mönche ausgeübt.


      [1] Isenmann, Eberhard (2014). Die Deutsche Stadt Im Mittelalter 1150 - 1550: Stadtgestalt, Recht, Verfassung, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft. Köln: Böhlau-Verlag
      [2] Keutgen, Friedrich; Below, Georg von (1965): Urkunden zur städtischen Verfassungsgeschichte. Aalen: Scientia-Verl. (Ausgewählte Urkunden zur deutschen Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte, in 3 Bänden / hrsg. von Georg von Below … ; Bd. 1).
      [3] Mould, Quita; Carlisle, Ian; Cameron, Esther A.; Hall, R. A. (2003): Craft, industry and everyday life. Leather and leatherworking in Anglo-Scandinavian and medieval York. 17 Bände. York: Council for British Archaeology (The archaeology of York The small finds, 16).

      [4] Schnack, Christiane (1992): Die mittelalterliche Schuhe aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971-1975. Neumünster: Wachholtz (Ausgrabungen in Schleswig, 10).

      [5] Banck, Johanna, and Matthias Untermann (1995). Die Latrine Des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg Im Breisgau. Stuttgart: Theiss
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