Zweiter Färbeversuch: Heißfärben mit Krapp

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    • Zweiter Färbeversuch: Heißfärben mit Krapp

      Hallo Ihr Lieben,

      nachdem ich jüngst bereits von meinem ersten Färbeversuch berichtet habe, erlebte meine Färbekarriere bereits eine Fortsetzung. Beim ersten Mal musste ich in Ermangelung der notwendigen Ausrüstung noch kalt in einer Babybadewanne färben. Mittlerweile bin ich aber sehr stolze Besitzerin eines alten Waschkessels, sodass ich auch größere Mengen Färbegut jetzt heiß färben kann. Der erste Versuch war mit Krapp.

      Gebeizt habe ich den Stoff (ca. 400g Schurwolle in Fischgratbindung für einen Trägerrock) genau wie beim ersten Mal. Dann lagerte er in einer Plastetüte für 7 Tage. Mir ist leider der Fehler unterlaufen, die Beize nicht auszuspülen, sondern den Stoff direkt in die Flotte zu geben. Ob und in wie weit das zum suboptimalen Ergebnis beigetragen hat, kann ich nicht sagen.

      Ich habe 400g gemahlene Krappwurzel zunächst einen Tag lang eingeweicht und dann gemeinsam mit einer guten Hand voll Weizenkleie dem Färbegut und viel Wasser langsam erhitzt. Ich habe gelesen, dass bei Krapp die Farbe über 70°C in braun umschlägt, daher habe ich es nicht gekocht. Da das extra bestellte Thermometer jedoch kaputt geliefert wurde, hatte ich nur das Badethermometer meines Sohnes um die Temperatur der Flotte zu kontrollieren. Da die Skala dort bei 50°C endet, kann ich nur vermuten, dass die Temperatur ungefähr bei 60°C gelegen haben muss. Mit langsamen Erhitzen, diese Temperatur halten und langsam wieder abkühlen war der Stoff insgesamt ca. 4 Stunden in der Flotte.

      Leider bin ich diesmal mit dem Ergebnis nicht vollständig zufrieden. Erstens ist der Stoff nicht absolut gleichmäßig gefärbt sondern hat ganz leichte Schattierungen. Woran könnte das liegen? Hätte ich die Droge doch lieber entfernen sollen? Habe ich zu zaghaft umgerührt? Ist die Temperatur zu schnell gestiegen und der Stoff hat zu plötzlich die Farbe aufgenommen (falls das überhaupt möglich ist)? Wäre es besser gewesen, wenn der Stoff ordnungsgemäß gespült worden wäre?

      Außerdem ist der Farbton auch nicht wie erhofft. Statt einem satten, dunklen Krapprot habe ich leider nur ein Krapporange erzielt. War das Verhältnis 1:1 einfach zu wenig Krapp? Hätte ich länger färben müssen? Hätte man die Farbe irgendwie im Stoff fixieren können (mit Essig spülen?)? Hat der Stoff die Farbe nicht gut aufnehmen können, weil ich die Beize nicht ausgespült hatte? Hätte Kreide in der Flotte etwas besser gemacht?

      Auch diesmal ein paar Fotos von meiner Aktion.

      Über fachkundige Hinweise zu meinen Anfängerfehlern würde ich mich sehr freuen.
    • Der Farbton ist doch schon sehr kräftig geworden. Wenn du es noch dunkler haben willst kannst du eine andere Vorbeize probieren. In [1] und [2] wird für eine dunkles Krapprot 25% Alaun und 6% Weinstein bei 100% Krapp empfohlen (Angabe auf Gewicht Wolle). Nimmt man nur 20% Alaun erhält man laut beider Quellen eher ein Ziegelrot. Die Temperatur beim Färben soll zwischen 70 und 80°C liegen [2][3].

      Für mich sieht der Stoff aus als wäre es eine reine Alaunbeize gewesen?

      [1] Kircher, Ursula (1982). Mit Pflanzen Färben: D. Grundlagen Zum Färben Von Wolle. Marburg: Kircher
      [2] Hentschel, Kurt (1977). Wir Färben Mit Pflanzen: Tagebuch Eines Färblehrganges. Winterbach-Manolzweiler: Webe-Mit-Verlag
      [3] Prinz, Eberhard (2014). Färberpflanzen: Anleitung Zum Färben, Verwendung in Kultur Und Medizin. Stuttgart: Schweizerbart'sche
      Pinterest Alben: https://de.pinterest.com/adalbert_sch/
      Website: https://www.adalbert-shouster.com
    • Vielen Dank für Deine Antwort! Da ich zum Zeitpunkt des Beizen den Kessel noch nicht hatte., habe ich kalt mit den Zutaten und Mengen aus diesem Rezept (Quelle: eberhardprinz.de) gebeizt. Allerdings habe ich beträchtlich mehr Wasser aufgefüllt, damit der Stoff schwimmen konnte. Ob und wie sich das ausgewirkt hat, kann ich nicht beurteilen. In der Beize blieb der Stoff ca. 20 Stunden.

      Gut, also beim nächsten mal heiß beizen mit 25% Alaun und 6% Weinstein und beim Färben doch mehr Hitze. *neues Thermometer auf den Einkaufszettel schreib*

      Dankeschön!
    • Die Farbintensität kann auf viele Gründe zurückzuführen sein.

      u.a.:

      Die Beize.

      Die Temperatur.

      Die Pflanze an sich. Krapp ist nicht gleich Krapp. Irgendwoher musst du ja die Wurzel haben. Es gibt viele unterschiedliche Händler für Färbedrogen. Manche Färber bauen ihren Krapp selbst an. Hast du dich informiert, wie der Farbstoff in der Wurzel entsteht?

      Die Schattierungen können auch viele Gründe haben. Schon beim Beizen kann es es sein, dass der Stoff unterschiedlich das Alaun aufgenommen hat. Der Stoff an sich kann der Grund sein. Je nachdem ob und wie er vorbehandelt wurde. Ob der Stoff viel oder wenig bewegt wurde. Die Größe des Kessels und die Menge an Stoff.


      Ansonsten rate ich dir, dich in spezielle Literatur einzulesen und hier im Forum zu stöbern. Dient vor allem der Vermeidung von Anfängerfehlern, spart Ressourcen, Zeit und Nerven.

      Mit einem neuen Thermometer ist es meiner Meinung nicht getan.

      Kleiner Tipp: führe eine Art Tagebuch zum Färben. Liste auf welchen Stoff du färbst (Händler u.a.), welche Beize du verwendest, in welchem Mischungsverhältnis. Welche Temperatur, wie lange, etc. Die Ruhezeit. Welche Färbedroge und woher sie stammt. In welchem Mischungsverhältnis sie zum Stoff steht. Temperatur, etc. So kannst du explizit verfolgen, was du wie ändern musst. Welche Beize führt zu welchem Ergebnis. Dazu dann noch ein Stückchen Stoff oder Fäden beilegen.
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      Grüße Marina
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    • Pflanzenfärberei - eine kleine Wissenschaft für sich

      Gerade Krappfärbungen sind äußerst vielfältig, kleinste Änderungen können schon große Farbveränderungen hervorrufen. Schöne dunkle, satte Rottöne, erhalte ich, wenn der Stoff nach einer Stunde kochend im Alauenbad inkl. Weinsteinrahm im passenden Verhätnis, noch eine weitere Woche feucht & dunkel in einer Tüte lagert. Auch Weizenkleie kommt bei mir mit rein, das macht das Rot klarer. Die Temperatur ist wirklich sehr wichtig, je kälter, desto länger färben. Ein tolles Ergebnis hatte ich mal beim Verhätnis 4:2 - also 4 Kg Krappwurzel auf 2 Kg Wollstoff.

      Generell spreche ich auch nicht von Fehlern beim Pflanzenfärben, sondern man sammelt Erfahrung, der Tipp mit dem Tage- bzw. Färbebuch ist goldrichtig! Wir haben auch ein dickes Buch. Selbst wenn man versucht, sich an ein vorheriges Rezept zu halten, kommt am Ende doch eine etwas andere Farbnuance heraus - und genau das macht es so interessant! :)


      Hier mal ein Bild von unserem aktuellen pflanzengefärbten Wollstoffvorrat, bis auf der Blaue und die beiden hellen Stoffe daneben, sind alle anderen pflanzengefärbt. Ist zwar nicht alles Krapp, aber dennoch sehenwert, denke ich. :bye01


      [Blockierte Grafik: http://www.historia-pro.de/web/Stoff.jpg]
    • Liebe Swanhild, lieber Gerard,

      vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten. Der Tipp mit dem Notizbuch ist super. Auch Eure anderen Hinweise werde ich beherzigen.

      Gerard, Du hast natürlich Recht. Als richtige Fehler empfinde ich das ganze nicht. Das Ergebnis war immerhin gut genug um daraus einen Trägerrock zu machen und zu einer Hochzeit zu tragen. Für den Anfang hätte es schlimmer sein können. Außerdem liebe ich es Dinge einfach auszuprobieren und dabei zu lernen.

      Jedenfalls war die Arbeit am Färbekessel so unglaublich befriedigend, dass ich total angefixt bin. :D