Reenactment Waffen- und Rüstkammer (alles was historisch belegbar ist)

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    • Thomas W. schrieb:

      Mein erster Harnisch (die Bilder stammen aus dem Jahre 2010), ganz grob 14. Jhd... 8)

      Das Schwert (auch mein erstes) war grob an Stücke aus der ersten Hälfte des 16. Jhd. angelehnt. Die Klinge ist eine vom Typ "Eisenbahnschiene"... ich besitze es heute noch. ^^

      Man was war ich damals stolz auf diese Sachen! 8o Diese Fotos haben für mich etwas "nostalgisches"... :love: Hab sie gestern auf einem lange verschollen USB-Stick wieder gefunden.

      (Bildquelle: ich)
      Immernoch gravierend besser als das, was uns Hollywood zumeist vorsetzt ^^
    • Dieses Projekt wurde in 2015 geplant und ging ab 2016 in die Durchführung. Auf dem Foto erkennt man einen aus Buntmetall auf mich Mass gefertigten Muskelpanzer (bestehend aus einem Brust- & Rückenstück) mit passenden massgefertigten Beinschienen aus der Werkstatt von S. Jaroschinski. Diese Rüstung war damals als qualitatives Highlight einer antiken Hoplitendarstellung geplant.

      Den klassischen Hopliten (480 v. Chr.) hatte ich 2017 soweit nahezu vollständig aufgebaut. Anfang 2019 gab ich einen grossen Teil der Ausstattung ab, da andere Hobbyprojekte im Vordergrund standen und meine maximale finanzielle Aufmerksamkeit erforderten. Den Muskelpanzer und die Beinschienen behielt ich, da sich aufgrund des hohen Preises kein Käufer fand. Heute kann ich sagen "Glück gehabt" und ich bin sehr froh, dass ich diese Stücke noch besitze.

      In meinem Urlaub habe ich nun den Entschluss gefasst, nach dem Abschluss meiner aktuell in der Umsetzung befindlichen Hoch- und Spätgotischen Harnischprojekte ab den Jahren 2021/22 einen "Hopliten 2.0" aufzulegen. Diese Rüstung ist so verdammt sexy, dass ich in diesem Bereich nochmal etwas starten muss! Mein Ziel ist es, Stück für Stück die noch fehlenden Teile zu ergänzen (Korinther=Helm / Xiphos=Schwert / Apsis=Schild / etc.).

      Der zweite Versuch wird qualitativ deutlich besser werden, als der damalige erste. Eine Darstellung daraus zu machen, ist derzeit jedoch nicht geplant.


      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Vor einiger Zeit fand mal wieder ein spätmittelalterliches Schwert den Weg in meine Sammlung.

      Die Klinge ist ein Mix aus den Oakeshott-Typen XVI und XVIII. Die Parierstange (Style 9) und der Knauf (V1) passen zeitlich auch ziemlich gut ins späte Mittelalter. Blankwaffen mit diesen Parametern waren von ca. 1400 bis ins späte 15. Jhd im Einsatz. Primär findet man sie aber eher im ersten Viertel des 15. Jhd. vor.

      Diese Waffe stammt ursprünglich aus den USA (Valiant Armoury) und wurde nachträglich in Deutschland auf meinen Wunsch hin noch leicht überarbeitet und nachgeschärft.

      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Das solche Wurfbeile im 15. Jhd. häufiger vorkamen bzw. verwendet wurden, war mir bis vor kurzem nicht bekannt.

      Habe nun einen Nachbau im Bestand und kann sagen, dass diese Teile (mit etwas Übung), geworfen oder in der Hand haltend geschlagen, eine wirklich verheerende Wirkung auf den Gegner haben können. Autsch... :keule1


      (Bildquelle: ich & pinterest)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Hier sind einige Orte von hoch- und spätmitalterlichen Blankwaffen zu sehen. Ausserdem erkennt man neben der Gestaltung des Ortes bereits gut den beginnenden Klingenquerschnitt und somit den primären Einsatzzweck (Hieb oder Stich) der jeweiligen Blankwaffe.

      Bei den hier gezeigten Klingenformen handelt es sich (von links nach rechts) um einen Oakeshott:

      - Typ XI (11. Jhd. bis um 1200, ballige Hiebklinge mit langer und schmaler Hohlkehle)

      - Typ XII (ab 1175 bis 14. Jhd., ballige Hiebklinge mit langer Hohlkehle, teilweise bereits auch schon mit spitzem Ort für den Stich optimiert)

      - Typ XIV (ab zweite Hälfte 13. Jhd. & 14. Jhd., letzter Klingentyp mit für ein Hiebschwert typisch balligem bzw. konvexem Klingenquerschnitt, an der Basis sehr breite und kurze Klinge, sich zum Ort hin stark verjüngend, für Hieb und Stich geeignet)

      - Typ XVIII (15. Jhd., rautenförmige, leicht konkarve Klinge, keine oder nur kurze Hohlkehle, für den Stich optimiert)

      - Typ XVa (14./15. Jhd., rautenförmige, sehr spitz zulaufende Klinge, nadelförmiger Ort, keine oder nur kurze Hohlkehle, für den Stich optimiert)

      - Typ XVIIIb (15./16. Jhd., langes Schwert mit langer und schlanker rautenförmiger Klinge, langer Griff für zweihändige Bedienung)

      - Typ XVIIIa (15./16. Jhd., langes Schwert mit nun wieder breiterer Klinge, spitzer Ort mit dahinter liegendem rautenförmigen für den Stich optimierten Klingenteil, dahinter 1-3 kurze Hollkehlen an der breiten Klingenbasis, allgemein im gesamten kürzer als die XVIIIb Klinge, für Stich und auch wieder mehr für den Hieb geeignet).


      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Küchenmesser für ein Kind
      Ort und Zeit: Westeuropa, ca. 13./14. Jh.
      Anspruch: fundangelehnt / belegorientiert

      Kind letztens beim gemeinsamen Kochen zu mir: "Du, Papi - machst Du mir auch mal so eins Deiner schönen Messer? Dann kann ich Dir bei den Vorbereitungen noch viel besser helfen…"

      Hm, kurz überlegt. Die Argumentationskette war echt gut. Kind hat mein Ego gestreichelt, und den für mich resultierenden Nutzen in den Vordergrund gestellt. Ziemlich clever ;)
      Also ein paar Tage später in den Keller gegangen und los gelegt.

      Das Messer ist als Griffzungenmesser ausgeführt. Mag ich persönlich lieber als Griffangel. Diese Konstruktionsform nimmt im Verhältnis zur Griffangel vom 12. zum 13. Jahrhundert sprunghaft zu (von gerade einmal 2% auf über 30%) und kommt nahezu flächendeckend in Siedlungsfunden als auch in Burgen / befestigten Anlagen vor.

      Bei der Griffzunge habe ich den Typ B4.2 (zum Heft einfallender Griff mit zusätzlicher Anhebung gegenüber der Schneide) gewählt. Auch der ist weit verbreitet, und bietet der kindlichen Hand einen guten Griff.

      Die Griffschalen bestehen aus dem Holz des Mehlbeeren-Baums. Per Hand grob zurecht gefeilt, danach fein geschliffen. Ich habe sie mit Bronzestiften auf der Klinge gesichert und vernietet. Für ein schönes Finish wurde das Holz anschließend geölt, gewachst und poliert.

      Als Klingenform habe ich eine der am stärksten vertretenen Varianten gewählt: Typ IIIb, bei dem Klingenrücken und -Schneide konvex gebogen sind und zur Spitze hin einfallen. Ebenfalls über etliche Jahrhunderte hinweg ein weit verbreiteter Klassiker.
      Die Klinge ist recht breit, um sie universell - beispielsweise auch zum Hacken von Kräutern - einsetzen zu können.
      Zusätzlich bietet die Heftseitige Kante einen guten Schutz, falls die Hand mal nach vorne vom Griff abrutscht.

      Gefertigt ist sie aus einfachem Flachstahl. Erst die groben Umrisse aufgezeichnet und ausgesägt, danach die endgültige Form per Hand gefeilt und geschliffen. Nur das Polieren habe ich maschinell erledigt.

      Ungefähr ab dem 13./14. Jh. finden sich bei Griffzungenmessern auch Abschlussplättchen am Griff, sowohl aus Eisen, Bunt- und Edelmetallen.
      Um die - im Vergleich zum Heft - recht schwere Klinge für die kindliche Hand besser auszubalancieren, habe ich die Abschlussplatte aus Weißmetall (eine belegte Legierung aus Blei und Zinn) geformt.
      Für eine optimale Passform habe ich die Griffschalen etwas länger gelassen als das Heft, und das Weißmetall T-förmig direkt auf den Griff gegossen. Danach in Form gefeilt und mit einem zusätzlichen Bronzestift gesichert.

      Kind hat sich tierisch gefreut, und möchte demnächst mit mir zusammen noch ein Messer bauen. Also direkt schon mal fürs Hobby angefixt - gefällt mir :)

      Zeitaufwand:
      Ein Abend für die Klinge, ein zweiter für den Griff und das Finish

      Als Quelle für die Recherche diente mir die über alle Maßen detaillierte und umfangreiche Dissertations-Arbeit “Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern” von Gerhard Folke Wulf Holtmann, Göttingen, 1993, nebst den beiden zugehörigen Messer-Katalogen.
      Bilder
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    • @Wolfram von der Oerz - den allerbesten Zwerg der Welt habe ich schon hier zuhause. Ist zwar nicht selbst gemacht, aber es gibt nichts, absolut gar nichts an ihm, was ich selbst hätte besser machen können. Er ist rundum einfach nur perfekt :love:
      Partner(in) mit eigenem Einkommen habe ich auch schon, und ich hab' sie bereits ein zweites Mal geheiratet (ja, etwas kuriose Familiengeschichte bei uns ^^) ;)

      @Raginhild - ist nicht persönlich gemeint, aber der Stress mit der einen Adoption reicht mir erstmal ;)

      @Thoralf Hiltjuson - Ja, ich weiß genau was Du meinst... Zwergi hatte das letztens sogar schon selbst festgestellt. Als er aus dem Kindergarten raus ist, meinte er zu seinen Freunden dort: "genießt die Zeit, solange Ihr noch jung seid, die geht schneller rum als man denkt..."
      Sehr wahre Worte für einen Sechsjährigen.

      @All: Wer noch ein Messer für seine Darstellung braucht - ich kann gerne was nach Vorlage anfertigen. Allerdings nicht zum Verkauf (Hobby kann man nur schwer monetär beziffern), sondern im Tausch gegen was anderes Selbstgemachtes. Ähnlich wie beim Forums-Wichteln ;)
    • Kürzlich tauschte ich am Armet meines Harnisches das Groteskvisier gegen das Kampfvisier aus.
      Es ist (wie der ganze Helm) von der Form her unter anderem an ein Stück angelehnt, dass aktuell im Royal Armouries in Leeds ausgestellt ist und im Original aus der Werkstatt von Konrad Seusenhofer (Innsbruck, ca. 1510-1515) stammt.

      Der Armet (mit seinen beiden Visieren) wird bei der geplanten Überarbeitung des Harnisches auch noch ein paar Modifikationen/Ergänzungen erhalten.

      (Bildquelle: pinterest und ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Neu

      Mal wieder etwas aus der heimischen Rüstkammer. Eine meiner Mordäxte, zweite Hälfte 15. Jhd., hier im speziellen mit vier Schaftfedern und kleinem Brechrand.

      Diese Stangenwaffe hatte ihre Hauptverbreitung im Europa des 15. Jhd.
      Man findet sie beispielsweise in englischen, deutschen, italienischen und auch französischen Quellen.
      Die Gesamtlänge entspricht ca. der Grösse eines ausgewachsenen Mannes (die hier gezeigte ist etwas länger).

      Eine Mordaxt (in den Quellen auch einfach als 'Axt' bezeichnet) verfügt meist über ein Beil (oder Dornen), einem Hammer an der Rückseite und einem Stossdorn an der Spitze. Am unteren Schaftende ist gelegentlich ebenfalls noch ein Stossdorn zu finden. Mit dieser Waffe kann man hauend, stechend, reissend, hebelnd, etc. auf den Gegner wirken.

      Das wohl bekannteste Werk zur Handhabung der Mordaxt ist vermutlich das 'Le Jeu de la Hache', ein französisches Fechtbuch aus dem frühen 15. Jhd. Aber auch in anderen Fechtbüchern aus dem deutschen und italienischen Sprachraum wird die Handhabung beschrieben. Die Mordaxt wurde zumeist im Harnischkampf eingesetzt. Seltener fand sie auch im 'Bloßfechten' (dem Kampf ohne nennenswerte Schutzbewaffnung) Verwendung.

      (Bildquelle: ich & pinterest)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Neu

      Fiote die Liberi hat dazu auch einiges - sogar mit versteckter Kette und Blendgift inklusive Rezept. Da könnte man fast denken, der gute Mann hat zu viele Ninjafilme gesehen in seiner Jugend.... Talhoffer hat auch sehr schöne Abbildungen - ich meine im Kopenkagener Manuskript...
      ...alle sagten immer: "Das geht nicht!" - doch dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach getan...
      ...diese Signatur kann Spuren von Soja oder Erdnüssen enthalten...