Reenactment Werkstatt

Reenactment Waffen- und Rüstkammer (alles was historisch belegbar ist)

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    • Das glaube ich auch nicht. Allerdings gibt es bilder mit slinger in voller rüstung gegen andere vollgerüstete. Und es gibt berichte wonach die Rüstung völlig unbeschadet war, der Träger aber dennoch schwere und schwerste Verletzungen hatte. Leider blieb das bis heute so. Ich arbeite gelegentlich beratend mit der Polizei zusammen. Da gibt es bei Demos immer mal wieder auch Typen die mit schleudern und zwillen gegen beamte vorgehen. Ich habe treffer gegen die schutzausrüstung gesehen, die keinen Kratzer oder delle hinterließen. Der beamte jedoch hatte mehrfach Brüche. Solche Berichte gibt es seit der antike. Das schlimmste was ich sah war ein streifschuß am Helm einer jungen Beamtin. Das Visier brach
      , ebenso der Helm. Sie hatte drei Brüche am Schädel und überlebte nur knapp. Sie verlor ein auge dabei. Der stein wurde gefunden. Dieser war beschriftet. Er wog etwa 190g.
      Bono Mellius
    • Links in der Collage erkennt man zwei Varianten italienischer Exportschallern, wie man sie im späten 15. Jhd. auch häufiger im heutigen schweizer- und gelegentlich im süddeutschen Raum vorfand.

      Bei der linken der beiden Stücke handelt es sich um eine offene Schaller mit einer eher selten zusehenden Stirnverstärkung. Dieser offene Schallertyp ist unzählige Male (auch in verschiedenen Dekorstufen wie beispielsweise einfach/mit Stirnverstärkung/teils vergoldet) unter anderem in der Berner Chronik (auch Schillingchronik genannt) bei allen Kriegsparteien und Ständen anzutreffen. Diese Chronik der Burgunderkriege wurde von Diebold Schilling (dem Älteren) zwischen 1474 und 1483 verfasst.

      Den zweiten -links auf dem Foto zu erkennenden Schallertyp- trifft man ebenfalls (unter anderem) in dieser Chronik an. Bei diesem Stück handelt es sich um eine italienische (oder auch burgundische) Exportschaller mit einem ganzen aufschlächtigem Visier mit Federbuschhalter (vergoldet) und grossen Ziernieten (ebenfalls vergoldet). Vereinzelt findet man auch im süd- und mitteldeutschen Raum Quellen für diesen Helmtyp im Zeitraum von 1460 bis in die 1480er Jahre.

      Typisch für diese Art von Exportschallern sind ebenfalls noch der bei beiden Modellen erkennbare kurze Nacken. Die Schaller, die rechts zum Harnisch getragen wird, hat hingegen einen langgezogenen Nacken (und ein halbes aufschlächtiges Visier). Der langgezogene (hier noch einteilige, in den 1480ern dann auch schon geschobene) Nacken kann als eher deutsches Stilmittel angesprochen werden.

      Erwähnenswert finde ich ebenfalls noch den links zu sehenden Ringpanzerkragen, sowie einen eher selten zu sehenden Ringpanzerbart (wie man ihn beispielsweise im Thun'schen Skizzenbuch findet). An ihm lasse ich noch eine kleine Scheibe ergänzen. Diese beiden Varianten stellen -neben dem sogenannten "Bart" aus Eisen, den man rechts am Harnisch gut erkennt- zwei weitere Schutzvarianten für den Hals- und oberen Brustbereich dar. Die Schaller alleine schützte nämlich nur die obere Gesichtshälfte bis etwas unterhalb der Nase. Dieses Konzept erleichterte zwar die Atmung sehr, machte aber die untere Gesichtshälfte verwundbar. Mit diesen Kragen- bzw. Bartvarianten konnte dann auch die untere Gesichtshälfte vernünftig geschützt werden.


      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Thomas W. schrieb:

      Links in der Collage erkennt man zwei Varianten italienischer Exportschallern, wie man sie im späten 15. Jhd. auch häufiger im heutigen schweizer- und gelegentlich im süddeutschen Raum vorfand.

      Bei der linken der beiden Stücke handelt es sich um eine offene Schaller mit einer eher selten zusehenden Stirnverstärkung. Dieser offene Schallertyp ist unzählige Male (auch in verschiedenen Dekorstufen wie beispielsweise einfach/mit Stirnverstärkung/teils vergoldet) unter anderem in der Berner Chronik (auch Schillingchronik genannt) bei allen Kriegsparteien und Ständen anzutreffen. Diese Chronik der Burgunderkriege wurde von Diebold Schilling (dem Älteren) zwischen 1474 und 1483 verfasst.

      Den zweiten -links auf dem Foto zu erkennenden Schallertyp- trifft man ebenfalls (unter anderem) in dieser Chronik an. Bei diesem Stück handelt es sich um eine italienische (oder auch burgundische) Exportschaller mit einem ganzen aufschlächtigem Visier mit Federbuschhalter (vergoldet) und grossen Ziernieten (ebenfalls vergoldet). Vereinzelt findet man auch im süd- und mitteldeutschen Raum Quellen für diesen Helmtyp im Zeitraum von 1460 bis in die 1480er Jahre.

      Typisch für diese Art von Exportschallern sind ebenfalls noch der bei beiden Modellen erkennbare kurze Nacken. Die Schaller, die rechts zum Harnisch getragen wird, hat hingegen einen langgezogenen Nacken (und ein halbes aufschlächtiges Visier). Der langgezogene (hier noch einteilige, in den 1480ern dann auch schon geschobene) Nacken kann als eher deutsches Stilmittel angesprochen werden.

      Erwähnenswert finde ich ebenfalls noch den links zu sehenden Ringpanzerkragen, sowie einen eher selten zu sehenden Ringpanzerbart (wie man ihn beispielsweise im Thun'schen Skizzenbuch findet). An ihm lasse ich noch eine kleine Scheibe ergänzen. Diese beiden Varianten stellen -neben dem sogenannten "Bart" aus Eisen, den man rechts am Harnisch gut erkennt- zwei weitere Schutzvarianten für den Hals- und oberen Brustbereich dar. Die Schaller alleine schützte nämlich nur die obere Gesichtshälfte bis etwas unterhalb der Nase. Dieses Konzept erleichterte zwar die Atmung sehr, machte aber die untere Gesichtshälfte verwundbar. Mit diesen Kragen- bzw. Bartvarianten konnte dann auch die untere Gesichtshälfte vernünftig geschützt werden.


      (Bildquelle: ich)
      Wenn ich das als so sehe ... könnte ich mir langsam doch Spämi vorstellen ... :whistling:
    • Jungraban schrieb:

      Hab mal ne frage. Der Onager ist ja nun ein spät antikes belagerungsgerät. Gibt es auch bildquellen für spätere verwendung. Wenn ich nicht irre gibt es Zeichnungen von Leonardo. Wie gesagt, bildquellen wären cool
      Ich habe gerade mal bei Volker Schmidtchen, Mittelalterliche Kriegsmaschinen reingeschaut. Schmidtchen schreibt, dass sich im Mittelalter aus dem antiken Onager ein weiterentwickeltes Torsionskatapult entwickelt hat, welches mit dem antiken Vorgänger aber fast nur noch das Torsionsprinzip gemeinsam hatte. Der mittelalterliche Name für diese Weiterentwicklung ist Mange, in Byzanz Monangkon. Er bildet auch eine Mange aus dem Büchsenmeisterbuch Cpv 3069 der ÖNB Wien von 1411 ab. Es ist in diesem Digitalisat die Bildnummer 59: digital.onb.ac.at/RepViewer/vi…16748&order=1&view=SINGLE (Österreichische Nationalbibliothek Wien, Digitale Sammlung).

      Nach: Volker Schmidtchen, Mittelalterliche Kriegsmaschinen (Soest 1983), S. 119-120
    • askalon schrieb:

      Wenn ich das als so sehe ... könnte ich mir langsam doch Spämi vorstellen ...
      Ja, absolut! Ich habe mich irgendwie auch in diese Epoche verliebt. :love: Es ist allerdings eine anspruchsvolle Zeitstellung. Die Kleidung ist nicht so einfach zu schneidern und die Rüstungsgegenstände sind in vielen Fällen deutlich kostspieliger in der Anschaffung, als die Stücke für das Hochmittelalter.

      Aber es gibt Quellen/Belege ohne Ende. Das mag ich sehr!
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Ettore Fieramosca schrieb:

      147 cm und 2,1 kg geballte Schwertbaukunst...
      Ein XVIIIe, richtig? So eine Variante fehlt mir auch noch. Sehr schick dieses Stück!


      Ich hab auch ein paar kleine Neuigkeiten. Meine Harnisch-Mannequins sind bereits nahezu mit zeitlich passender Bewaffnung ergänzt. Als nächsten Schritt sollen die Reiterharnische Stück für Stück ein weiteres Detail erhalten. Nämlich passende Sporen.

      Die Basis ist eingetroffen und sieht bereits ganz vielversprechend aus. Es folgen nun noch Optimierungen bei den Aufhängungen, dem Leder, etc.

      Auch die Oberflächen werden noch etwas Aufmerksamkeit erhalten. *blingbling*

      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Schon ein paar Tage hier, aber erst heute ausgepackt (und für gut befunden).

      Ulrich Lehnart's nächstes Buch aus der Reihe 'Kleidung & Waffen'. Hier der 5. Teil 'die Dürerzeit I 1480-1530'. Wirklich ein gutes Buch! Gerade der Teil zur Bewaffnung und Rüstung ist derzeit die aktuellste deutschsprachige Zusammenfassung, die man bekommen kann.

      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01