Reenactment Werkstatt

Reenactment Waffen- und Rüstkammer (alles was historisch belegbar ist)

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    • Ein Prachtstück!
      Meine Hypothese dazu ist, dass es sich ähnlich wie ein Dussack führen lässt und besonders gut für das Umschlagen geeignet ist. Bei dem Gewicht am Ort dürfte das bei Häuen wie eine Axt wirken. Und wenn sich das Teil mal im Knochen verhakt hat, kann man's Dank der Griffform besser heraus bekommen (ohne vom Griff abzurutschen). Hat jemand Fecht-Erfahrung damit?
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      https://contubernium-berlin.net --- :bye01 Wer in Berlin/Brandenburg Anschluss an eine Gruppe sucht: Bei Interesse bitte bei mir per PN melden!
    • Ewaldt von Amulunc schrieb:

      Meine Hypothese dazu ist, dass es sich ähnlich wie ein Dussack führen lässt und besonders gut für das Umschlagen geeignet ist. Bei dem Gewicht am Ort dürfte das bei Häuen wie eine Axt wirken. Und wenn sich das Teil mal im Knochen verhakt hat, kann man's Dank der Griffform besser heraus bekommen (ohne vom Griff abzurutschen).
      Ja, da würde ich Dir zustimmen Joachim.

      Hendrik1975 schrieb:

      Gab es diese Waffe wirklich?
      Also auch Funde dazu?
      Was genau ist der Vorteil eines solchen Griffs?
      Und die gleiche Frage zur Klingenform - welcher Einsatzzweck erfordert diese außergewöhnliche Form?
      Oder anders gefragt: Welchen strategischen Nutzen bietet diese Klinge und bei welchen Rahmenbedingungen?
      Funde sind für den Zeitraum um 1250 (meines Wissens nach) keine erhalten. Man findet aber in einigen Bildquellen ähnlich 'wilde' Klingenformen bei Falchionen. Ähnliche Klingenformen mit herausstehenden spitzen Ecken/Kanten gibt es bis weit ins 14. Jhd.

      Neben der 'Axtwirkung' die Joachim beschreibt, könnte die Konzentration der Wucht auf eine dieser kleinen Ecken/spitzen Kanten bei der Penetration noch eine Rolle gespielt haben. Das solch eine aussergewöhnliche Klingenform evtl. auch noch eine einschüchternde Wirkung auf das Gegenüber gehabt haben dürfte, könnte ich mir auch noch vorstellen. Dieser Punkt ist aber rein spekulativ.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • @Thomas W. - Der psychologische Aspekt einer Waffe bzw. im Kampf allgemein sollte grundsätzlich nicht unterschätzt werden.

      Wenn diese Klingen- und Griffform signifikante und unbestreitbare Vorteile gegenüber allem anderen beim Kampf gehabt hätte, wäre beides doch vermutlich wesentlich weiter verbreitet gewesen.

      Deswegen ist Deine Spekulation hinsichtlich der einschüchternden Wirkung gar nicht so abwegig.
    • Thomas W. schrieb:

      Neben der 'Axtwirkung' die Joachim beschreibt, könnte die Konzentration der Wucht auf eine dieser kleinen Ecken/spitzen Kanten bei der Penetration noch eine Rolle gespielt haben. Das solch eine aussergewöhnliche Klingenform evtl. auch noch eine einschüchternde Wirkung auf das Gegenüber gehabt haben dürfte, könnte ich mir auch noch vorstellen. Dieser Punkt ist aber rein spekulativ.
      Ein Kollege der früher Vollkontakt trainiert und gekämpft hat, meinte dass diese Konzentration auf einen Punkt (in dem Fall die vordere Spitze) recht böse ist und in dem Sport definitiv beim Empfänger durch die Rüstung durch spürbar (inkl Dellen im Helm und gerissene Kettenglieder).
      Das Problem bei dem Erfahrungsbericht ist halt die große Frage wie weit HMB mit Kämpfen im Mittelalter vergleichbar ist - als HEMAist würde ich ja sagen nicht so sehr, wobei mit genug Stress sicher mehr wild gehauen wurde und nicht schön gefochten, das Ziel und der Kontext war halt sehr stark ein anderer.
      Der andere Punkt ist die Rüstungen damals und heute und inwiefern sie vergleichba sind (vor allem die Qualität bei Kette).
      Und dann bleibt die Möglichkeit, dass es ohne ein erhaltenes Original eine Fantasie-Waffe sein könnte, wobei ja auch Falchion Originale aus dem Zeitraum sehr selten sind.
    • Ich melde mich auch einmal wieder mit neuen Sachen. Hier klein, billig aber fein. Von TodCuttler einmal der Antennae Dolch und einmal sein "Herz" Essmesser. Ich bin echt begeistert von beiden. So eine Qualität im Finish und Formgebung für den Preis hab ich noch bei keinem anderen Anbieter gesehen. Auf jedem Markt werden armen Ahnungslosen Doppelt so schwere, wesentlich schlechtere Dolche zum doppelten Preis angeboten. Dieser Dolch fühlt sich einfach "richtig" an. Ein extra Schmankerl sind die verzierten Scheiden, die auch weit über dem Üblichen in dem Preissegment liegen. Das einzige Manko ist die im Vergleich billig wirkende Messingblech, gepresste Spitze. Ich verstehe natürlich dass um den Preis kein schönes Ortblech zu erwarten ist, aber jetzt zerbreche ich mir den Kopf wie ich die ohne den Rest zu beschädigen von der Scheider herunter bekomme um sie später gegen ein gekauftes Ortblech auszutauschen. Einfach ohne Ortblech wäre der gesamt Eindruch aus meiner Sicht einfach einen Tick besser.

    • Astyanax schrieb:

      Das einzige Manko ist die im Vergleich billig wirkende Messingblech, gepresste Spitze. Ich verstehe natürlich dass um den Preis kein schönes Ortblech zu erwarten ist, aber jetzt zerbreche ich mir den Kopf wie ich die ohne den Rest zu beschädigen von der Scheider herunter bekomme um sie später gegen ein gekauftes Ortblech auszutauschen. Einfach ohne Ortblech wäre der gesamt Eindruch aus meiner Sicht einfach einen Tick besser.
      Zumindest aus dem 16. Jhd. kenne ich Funde von billig aus Blech zusammengepressten Ortbändern bei Dolchscheiden. Wäre mal interessant, ob es sowas früher auch schon gibt, dann könnte das Teil ja ggf. sogar bleiben? :)
    • Patty schrieb:

      Astyanax schrieb:

      Das einzige Manko ist die im Vergleich billig wirkende Messingblech, gepresste Spitze. Ich verstehe natürlich dass um den Preis kein schönes Ortblech zu erwarten ist, aber jetzt zerbreche ich mir den Kopf wie ich die ohne den Rest zu beschädigen von der Scheider herunter bekomme um sie später gegen ein gekauftes Ortblech auszutauschen. Einfach ohne Ortblech wäre der gesamt Eindruch aus meiner Sicht einfach einen Tick besser.
      Zumindest aus dem 16. Jhd. kenne ich Funde von billig aus Blech zusammengepressten Ortbändern bei Dolchscheiden. Wäre mal interessant, ob es sowas früher auch schon gibt, dann könnte das Teil ja ggf. sogar bleiben? :)
      Es schlägt sich halt trotzdem für mich mit der restlichen Optik. Vor allem hat Tod ja auch schöne Ortbleche im Angebot, die man da nachrüsten könnte. Das er sie um den Preis nicht drauf gibt verstehe ich natürlich. Allein die Scheide ist für den Preis schon ein Bonus.
    • Heute möchte ich euch einen Neuzugang im Bereich der spätgotischen Helme meiner Sammlung vorstellen.

      Hierbei handelt es sich um den Reproduktionsversuch einer deutschen Schaller, um 1470 bis 1480. Diesmal eine Variante ohne ein aufschlächtiges Visier.

      "Glocke mit breitem abgeflachtem Kamm, der vorne und hinten in einen Grat übergeht, langer spitz auslaufender Nackenschirm. Unterer Rand nach oben umgebörtelt. Breiter Sehspalt, Kinnteil spitz hervorspringend. Futternieten aus Eisen (...)." (Müller/Kunter, 1984)

      Das Original (von dem die Beschreibung hier stammt) verfügt wohl über eine Nürnberger Beschau- und Meistermarke und müsste (meines Wissens nach) derzeit in Berlin ausgestellt sein.

      Dieses Stück ist derzeit Schaller Nr. 7 in meinem Bestand. Schaller Nr. 8 folgt dann hoffentlich spätestens im Herbst. Die gehört zu einem Harnisch, den ich aufgrund der Pandemie noch nicht abholen konnte. Somit sollte der Bereich 'Schaller' (und ihre Entwicklung bzw. die diversen Varianten im In- und Ausland) zufriedenstellend mit passenden Realien abgedeckt sein.

      (Bildquelle: ich & pinterest)

      (Quelle: Europäische Helme, von Heinrich Müller & Fritz Kunter, 1984, Militärverlag der DDR, S. 138 & 258)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Hendrik1975 schrieb:

      Was ist denn ein 'aufschlächtiges Visier'?
      Als 'aufschlächtige Visiere' werden die 'nach oben hin' aufklappbaren Visiere bezeichnet. Hier im Bild sieht man eine offene Exportschaller (ohne geschlosse Gesichtspartie/Visier, aber mit einer zweiten Schicht Eisen als Stirnverstärkung), eine deutsche Schaller mit einem halben aufschlächtigem Visier (die trage ich auf dem Bild rechts zum Harnisch) und das volle bzw. ganze aufschlächtige Visier (das sieht man am Helm mit dem vergoldeten Visier). Dieses ganze Visier schützt (im geschlossenen Zustand) die Gesichts/Stirnpartie quasi mit zwei Schichten Eisen.

      Und dann gibt es noch die Variante, die ich gerade oben vorgestellt habe. Die ist zwar vorne am Gesicht geschlossen, hat aber kein Visier zum aufklappen.


      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Wir sollten mal ein Forentreffen auf Deinem Dachboden machen und Dich einfach mal frei erzählen lassen.
      Reichen vier Wochen dafür? Was meinst Du? :D

      Vielleicht eine komische Frage - aber wenn es den Begriff des 'aufschlächtig' gibt, existieren dann auch 'abschlächtige' oder 'seitschlächtige' Visiere?
      Okay, abschlächtig macht jetzt nicht so viel Sinn, stellte ich selbst gerade fest ^^
    • Hendrik1975 schrieb:

      Wir sollten mal ein Forentreffen auf Deinem Dachboden machen und Dich einfach mal frei erzählen lassen.
      Reichen vier Wochen dafür? Was meinst Du?
      Auf meinem Dachboden haben wir leider nicht alle Platz, aber auf einem Forentreffen in Franken lässt es sich ebenfalls hervorragend fachsimpeln. :thumbup:

      Hendrik1975 schrieb:

      Vielleicht eine komische Frage - aber wenn es den Begriff des 'aufschlächtig' gibt, existieren dann auch 'abschlächtige' oder 'seitschlächtige' Visiere?
      Okay, abschlächtig macht jetzt nicht so viel Sinn, stellte ich selbst gerade fest
      Diese Begrifflichkeiten sind welche aus der Waffenkunde. Aufschlächtig bedeutet nichts anderes als 'nach oben klappbar'. Ja, abschlächtige Visiere gibt es tatsächlich. Ich hatte vor ein paar Wochen hier mal eine Sturmhaube vorstellt, die über einen 'abschlächtigen' Vorschnallbart verfügte. Die Bezeichnung 'seitschlächtig' ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen.

      Monique schrieb:

      Witzig, ich dachte eben so ähnlich.
      Mäuschen möchte ich auf deinem Dachboden Mal sein...;)
      Meinen Kater würde sich sicher freuen. :D Nein, im Ernst. Wenn es (hoffentlich!) in diesem Jahr ein Forentreffen im schönen Frankenwald gibt, kann ich dir (euch allen) nur wärmstens empfehlen daran teilzunehmen. Da erfährt man viel über das Mittelalter (und die den Mitgliedern hier). :thumbsup:
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Es ist zwar nicht wirklich zur seite hin rotierend, aber einige Antike Helmen haben Visiere die als zwei Hälften, jeweils zur seite hin aufklappen. Die Form soll sich aus Wangenklappen entwickelt haben. Ist hier recht gut zu sehen.

      @'Thomas W. Das sind echt schöne Stücke. Hast du nicht Angst dass da mal jemand einbricht, wenn du die alle Öffentlich machst?
    • Astyanax schrieb:

      @'Thomas W. Das sind echt schöne Stücke. Hast du nicht Angst dass da mal jemand einbricht, wenn du die alle Öffentlich machst?
      Ja, so ein bisschen ein ungutes Gefühl hatte ich die letzten Jahre schon noch ab und zu. Das hat sich aber inzwischen gelegt.

      Was sollte ein Dieb denn mit den Sachen machen? Die meisten Stücke sind Unikate und es würde (nicht nur mir) direkt auffallen, wenn sie auf den einschlägigen Marktplätzen angeboten würden. X/ :) Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, das ich mir diesbezüglich keine grossen Sorgen machen muss.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01