Reenactment-Waffenkammer (alles was historisch belegbar ist)

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      Im ausgehenden 12. Jhd wurden bei Blankwaffen vorrangig Paranussknäufe (Oakeshott-Typen A, B, C, D, E, N und vereinzelt auch der F) verwendet. Aber nicht nur. Es gibt auch einige erhaltene Exemplare (und auch Bildquellen gibt es), die Scheibenknäufe zeigen.

      Nach meinem Kentnisstand waren dies für um 1200 herum meist einfache Scheibenknäufe (Oakeshott-Typen G, H und vereinzelt auch der I). Die Übergänge von der Knaufform H zum I sind "fliessend".

      Zwei dieser Scheibenknäufe sind auf dem eingefügten Bild zu erkennen:


      (Bildquelle: ich)

      Anbei noch eine Ansicht der von E. Oakshott katalogisierten Knauftypen:


      (Bildquelle: pinterest.com)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
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      Hier zusehen ist ein klassicher Schweizerdolch (spätes 15.- frühes 16. Jhd.), den ich auch noch nicht vorgestellt habe. Dieses Stück ist eines von 5 unterschiedlichen Exponaten aus meiner Schweizerdolch/Schweizerdegen-Familie.


      (Bildquelle: ich)

      Interessant ist noch, dass es bereits erste Belege für diese Dolchform im 13. Jhd. (Bible Moralisee, Frankreich, 1225-1249) gibt.


      (Bildquelle: manuscriptminiatures.com)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
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      Hut ab vor Deiner Collection ! Ist schon ziemlich einzigartig was du da zusammen sammelst.

      Benutze ja jagdlich heute immer noch einen Jagdnicker nach Forstmeister Frevert ( um 1940) Schusswaffen aus den Sechszigern etc. Ein guter Kollege führt aktuell eine Büchse mit Rolling Block Verschluss Kal. 50/ 120 ( Patent 1863) etc.
      Wenn man dereinst unser Equipment finden sollte ist es klar das falsche Jahrhundert (Jahrtausend). ( wird aber aktuell praktisch eingesetzt)
      Von daher ist mir klar, dass die Uebergänge auch damals fliessend waren. Was passt und funktioniert, schmeisst man ja nicht grad weg. Wers hat, geht vielleicht mit der neusten Mode, wer nicht, oder einfach auf das Bewährte vertraut, benutzt es länger.
      Regionale Zeitverzögerungen sind ebenfalls vorhanden.

      Würde mich gerade für die Schweiz interessieren, wo es offenbar lange nicht gross Schwertschmiede gab, also vieles Importware war. ( viellleicht weiss ich es aber auch bloss nicht besser). Gibt es da bekannte Zeitverschiebungen?

      Eine Saufeder wird heute noch manchmal eingesetzt. ( Speer zum Abfangen einer Wildsau de.wikipedia.org/wiki/Saufeder ) , ist in der Form schon 799 beschrieben.

      Von daher ist für mich wohl belegbar ab wann eine neue Form aufkam, aber nicht wie lange eine noch in Gebrauch war. Abbildungen zeigen ja auch nicht immer die Wirklichkeit, sondern einen Idealzustand. D.h. sind auch zeitlich nicht immer mit dem Geschehen übereinstimmend.

      Was für einem Typus würde denn das Schwert, das im Sarkophag Friedrich II. in Palermo gefunden wurde entsprechen? rdklabor.de/wiki/Funeralinsign…K_Funeralinsignien_18.jpg

      Sorry, dass ich immer mit den einfachen, klaren Datierungen hadere. Falls unpassend, einfach löschen.

      Morgen auf Wildschweinjagd, aber ohne Saufeder.
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      Falconer schrieb:

      Hut ab vor Deiner Collection ! Ist schon ziemlich einzigartig was du da zusammen sammelst.
      Vielen Dank! prost1

      Falconer schrieb:

      Von daher ist für mich wohl belegbar ab wann eine neue Form aufkam, aber nicht wie lange eine noch in Gebrauch war.
      Ja, dass sehe ich in Teilen ähnlich. Je nachdem wie gut die Quellenlage (für eine spezielle Zeit oder ein Gebiet) ist, lässt sich aber auch ein "Gebrauchsende" feststellen bzw. eingrenzen. Als ein Beispiel dazu möchte ich gerne die Schwerter des Typs XIV (nach Oakeshott) anführen. Hier lässt sich relativ klar feststellen, dass dieser Typus zwischen 1275 und 1340 grosser Beliebtheit erfreut haben muss, da die Formen in der "Kunst der Zeit", auf Grabplatten, usw. häufig abgebildet wurde. Für England lässt sich dieser Zeitraum sogar noch enger eingrenzen. Nämlich auf 1290-1330. In dieser Zeit sind auf etwa 80% der zeitgenössischen Belege Krieger (wohl meist Ritter) mit diesem Schwerttyp abgebildet. Davor und nach diesem Zeitraum dominierten andere Schwertformen in den Quellen.

      Bei einem Schweizerdolch beispielsweise, ist die Beleglage fürs 13./14. Jhd. jetzt im Vergleich nicht so gut. Für das 15./16. gibt es dagegen reichlich Funde und Abbildungen. Dann ist Schluss, aber im 20. Jhd. wurde dieser Typus (zumindest in sehr ähnlicher Form) ja nochmal während des III. Reiches von den Nazis "wiederbelebt".

      Falconer schrieb:

      Was für einem Typus würde denn das Schwert, das im Sarkophag Friedrich II. in Palermo gefunden wurde entsprechen?
      Ich kenne jetzt keinen Typus (den jetzt beispielsweise Oakeshott berücksichtig hätte) der dieses Stück irgendwo einteilt/klassifiziert. Aber das muss auch überhaupt nichts bedeuten. Es sind längst nicht alle Schwerter einteil- bzw. klassifizierbar. E. Oakeshott widmet diesem Thema in seinem Buch auch ein eigens Kapitel.

      Meine These dazu ist aber, dass sie kurz nach der Graböffnung im 18. Jhd. dem Friedrich einfach einen ausgefallenen Spazierstock, Regenschirm oder verzierten Galadegen von Uropa beigelegt haben und das reichlich mit Gold und Steinen verzierte Schwert (dass er eigentlich in den Händen hielt) auf "dubiosem Wege" verschwand... "wird schon keiner von den Deppen merken"... :D
      Beste Grüsse, Thomas :bye01