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Reenactment-Waffenkammer (alles was historisch belegbar ist)

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    • Ganz ehrlich Hendrik!

      dein Kind könnte dein ganzes Gewand auslutschen und würde keine Schädigung dadurch erleiden vor allem in der gebundenen form mit Zinn.

      Um als Nervengift zu wirken benötigst du relativ große Mengen und das über einen längeren Zeitraum.

      Da bist Du, der das dann erschmilzt und als Lot oder Oberflächenschutz anwendest, gefärdeteter duch die Dämpfe.
    • Hendrik1975 schrieb:

      @Thomas W. - Danke Dir
      Irgendwo hattest Du ja schon geschrieben, dass bei Dir demnächst noch ein Peterson Typ irgendwas ansteht, richtig?
      Ja, so ist es. Bei einem ist es allerdings nicht geblieben. ^^

      Hendrik1975 schrieb:

      Schwert habe ich auch noch auf meiner Todo-Liste stehen, muss mich nur noch für einen Typ entscheiden. Werde ich aber auch komplett selbst fertigen
      Da bin ich sehr gespannt wie es wird. 8o Hab auch etliche gute "Hobby-MA-Handwerker" in meinem Bekanntenkreis, aber ein gescheites Schwert in komplettem Eigenbau hat noch keiner von denen hinbekommen.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Hehe... I'll do my very best... *grins*

      Allerdings weiß ich jetzt schon, dass es definitiv nicht scharf und spitz werden wird, weil ich damit beim Marktbesuch rum laufen werde.
      Für die Klinge habe ich mittlerweile einen genauen Plan, wie ich die mit Heimwerker-Mitteln vernünftig fertigen kann.
      Parier, Griff und Knauf ist derzeit noch in der Recherche-Phase. Soll geil aussehen, und dennoch alles selbst gemacht werden.
      Aber auch da komme ich Schritt für Schritt voran.
    • Definitiv, nur für die Optik würde es vollauf reichen.
      Hab einen Bekannten, der in der Steampunk-Szene unterwegs ist. Zu seinem Outfit gehört auch ein Degen (oder Säbel, hab ich nicht mehr genau im Kopf).
      Um jeglichen potentiellen Stress auf Veranstaltungen zu vermeiden, hat er die Klinge entfernt, nen Flaschenöffner eingesetzt, und läuft jetzt auch nur mit Scheide und Griff rum. Sieht toll aus, erfüllt seinen Zweck, und alles ist gut :)

      Hier bei meiner Hiebmesserscheide steckt derzeit auch nur ein kleines Alltagsmesser drin. Ein langes Messer brauche ich als Marktbesucher nicht (und in stumpf schon gar nicht), und ohne Lager könnte ich das einem Ordnungshüter auch nur schwerlich als Werkzeug der Brauchtumspflege verkaufen.

      Vielleicht mache ich das beim Schwert auch so. Wobei es mich schon in den Fingern juckt, es komplett zu haben ;)
    • Wolfram von der Oerz schrieb:

      Vor einiger Zeit gab es hier jemanden der hat einen passenden Griff nur auf ein Holzschwert montiert.
      Nur für die Darstellung würde es auch genügen.
      Ich kenne keinen einzigen ernsthaften historischen Darsteller, der sich jemals für so eine Variante entschieden hätte. X/ Aber gut... soll jeder machen wie er lustig ist.


      Anbei noch eine spätmittelalterliche Blankwaffennachbildung, die man -wie das Stück das ich euch neulich gezeigt habe- ebenfalls als gut "Bastardschwert" bezeichnen könnte. Das Schwert ist (wie die Vorlage) nur knapp 103cm lang und verfügt über eine Handhabe die zwar primär für die einhändige Führung gedacht ist, aber die auch gut zweihändig genutzt werden kann. Die Vorlage liegt im Reichsstadtmuseum Rothenburg o. d. T.


      (Bildquellen: Jakub Malovany & pinterest)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • @Thomas W. - Dirk schrieb nur von 'jemandem', nicht von einem 'ernsthaften historischen Darsteller'.

      Es kommt immer drauf an, wofür sowas gedacht ist. Für ernsthafte historische Darstellung, Reenactement, LH, Display - Nein, sicher nicht.

      Um damit als Marktbesucher nur ein bisschen dekorativen Showlauf zu betreiben - warum nicht?
    • Die grossen Einhandschwerter des Hochmittelalters (vor allem des 12. Jhd. bis um +-1200 herum) sieht man eher selten als Nachbildung in der Szene.

      Ich war nun erneut in der glücklichen Situation einen weiteren dieser (heutigen) "Exoten" in meinen Bestand aufnehmen zu können.

      Diese grosse Klinge des Types Oakeshott XIa ist an der Basis 5,5cm breit und hat eine Gesamtklingenlänge von 91cm. Das Schwert ist komplett etwas über 105cm lang und wiegt 1331g. Die Klinge stammt ursprünglich von Hanwei und wurde von Alojz Krišto aus Kroatien nochmal fein nachbearbeitet und vernünftig geschliffen und geschärft. Die zeitgenössisch passende Parierstange und den Knauf hat er ebenfalls für dieses Schwert geschmiedet und letztendlich alles montiert und vernietet.

      Auf dem Bild sind für euch noch ein paar ähnlich grosse historische Schwerter (ebenfalls mit ähnlichen Paranussknäufen) um 1200 zu erkennen, an denen sich dieser Nachbau anlehnt.


      (Bild: ich & myarmoury.com)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Thomas W. ()

    • Kleines Alltagsmesser nach Einzelfund aus Haithabu

      Anspruch: fundnah / belegorientiert

      Bislang war ich immer davon ausgegangen, dass die Messerscheiden in Haithabu ausnahmslos nur aus Leder bestanden, und es dort keinerlei Beschläge wie z.B. in Birka oder Gotland gab.
      Weder "Spurensuche Haithabu", "Lederfunde Haithabu", noch "Eisenfunde Haithabu" haben so etwas verzeichnet. Deswegen war klar - das gab's nicht.

      Manchmal stolpert man in der Literatur jedoch über spannende Einzelfunde, die man so gar nicht vermutet hätte. Besonders, wenn es Literatur zu einem eigentlich völlig anderen Thema ist.

      In "Die Textilfunde aus den Gräbern und der Siedlung von Haithabu", Inga Hägg, 1991 wird auf Seite 164, Abb. 77-3 sowie auf der Folgeseite Abb. 78-2 Foto und Skizze von einem "Messer mit Lederscheide mit drei kreuzförmigen Bronzebeschlägen" gezeigt, welches aus Grab 1066 (219/1965) stammt.

      Auf dem Foto sind die Beschläge stark korrodiert und keine Details erkennbar. Deswegen hatte ich mich bei der Rekonstruktion an Häggs Skizze orientiert.

      Die Scheide selbst besteht bei mir aus Kalbsleder, ist nass geformt, und mit gewachstem Leinengarn im Sattlerstich vernäht. Als Aufhängung dient ein Streifen aus dünnem Ziegenleder, einfach durch einen Schlitz am oberen Abschnitt der Scheide geführt, so dass das Messer vom Gürtel schräg herab hängt.

      Die Beschläge habe ich aus 1 mm dickem Messingblech gesägt und gefeilt, das eingeritzte Muster ist freie Interpretation meinerseits.

      Das Messer ist in Form und Größe den typischen Funden der Alltagsmesser von Haithabu nachempfunden.

      Der Griff besteht aus Buche (hatte ich gerade da), leicht dunkel gebeizt, an der Seite eine Schnitzerei aus Haithabu (siehe 'die Holzfunde aus Haithabu'). Das Lochaugenmuster an sich (hinten am Griff) ist nicht nur für Haithabu dutzendfach belegt, weswegen ich es zusätzlich zur Schnitzerei mit eingearbeitet habe.
      Querschnitt ist typisch längsoval und nach vorne hin konisch zulaufend.

      In den 'Eisenfunden aus Haithabu' werden vorne am Griff neben Drahtwicklungen u.a. Bänder aus Messing erwähnt. Da keine näheren Angaben bei dem Messer genannt werden, habe ich es mit Messingblech umgesetzt.

      Eine Abschlussscheibe aus Metall ist ebenfalls ein gängiges Element, Öse für ein Zugband auch. Weil ich faul war, habe ich diese Scheibe nicht aus Eisen gefeilt, sondern aus Zinn direkt auf den Griff gegossen.

      Die Klinge besteht aus Damaszenerstahl und entspricht in Größe und Form weitestgehend den gängigen Funden. T. Capelle nennt in den 'Eisenfunden' mehrere Beispiele für kleine Klingen mit ähnlichem Material. So schreibt er beispielsweise: "[...] Messer Nr. 1560 [...] hat ein damasziertes Blatt. Deutlich erkennbar sind sechs unterschiedliche Schichten [...]".

      Die ausgeprägte Alltagspatina von Messer und Scheide sind einem Unfall geschuldet. Das Leder hat das Fett nur sehr ungleichmäßig angenommen. Nach mehrmaligem Fetten war es dann zwar gleichmäßiger, aber sehr dunkel und trotz Trocknen von der Optik her etwas speckig. Also gut - da ein Alltagsmesser auch ruhig etwas benutzt aussehen darf, habe ich die Beschläge ebenfalls etwas dem Zahn der Zeit unterzogen, und die vorstehenden Kanten der Scheide leicht abgeschliffen, um dort den typischen Abrieb des täglichen Tragens nachzuahmen.

      Beim Messer selbst habe ich den Messingstreifen altern lassen, und den Griff hinten und besonders am vorderen Teil mit Bienenwachs nachgedunkelt, desgleichen die Vertiefungen an Schnitzerei und Lochaugen.

      Länge insgesamt: 19 cm
      Länge des Griffs: 12 cm
      Klingenlänge: 7 cm

      Hinsichtlich der Beschläge weiß ich mittlerweile, dass die Skizze von Hägg völlig falsch ist. Eine Nachfrage beim Haithabu-Museum bezüglich detaillierter Bilder zu der Messerscheide wurde sehr umfassend beantwortet. Auf den Bildern sind auch die Beschläge nach Entfernung der Korrosion zu sehen, nebst passender Zeichnungen. Diese zeigen eine von Häggs Interpretation gänzlich abweichende Form und Muster. Als ergänzender Hinweis wird noch eine Silberdrahtumwicklung am vorderen Griff ausgeführt.

      Leider erreichten mich diese Informationen erst, nachdem das Messer fertig war.
      Messer und Scheide werde ich in einem späteren Projekt noch einmal neu (anhand der aktuellen und korrigierten Vorlagen und Informationen) fertigen.
      Bilder
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    • @Thirk - Na klar freue ich mich über die Umsetzung. Alleine schon weil ich weiß, dass alles nach bestmöglichem Kenntnisstand recherchiert und auch solide umgesetzt ist.
      Dass Häggs Interpretation der Beschläge falsch war - okay, konnte ich bis dato nicht wissen, stört mich deswegen auch aktuell nicht groß.
      Und dass mein Verständnis von 'damasziert' anders ist als die Realität - macht auch erstmal nichts, dafür habe ich da wieder etwas fürs nächste Mal dazu gelernt.

      Und natürlich werde ich das Messer auch völlig ohne schlechtes Gewissen tragen :)
    • Ich möchte euch eine weitere hochmittelalterliche Waffe meines Bestandes vorstellen. Die Klinge ist eine Oakeshott Typ XI mit einem Knauf Typ F.

      Für diese Knaufform gibt es durch ganz Europa einige Belege von rund 1175 bis 1275 und dennoch sieht man ihn nicht als Nachbildung.

      Da es eines meiner Ziele ist jeden Klingen- und Knauftyp im Bestand zu haben, war es nun auch an der Zeit auch dieses Stück zu realisieren.


      (Bildquelle: unser Jürgen & Pinterest)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Thomas W. schrieb:

      Ich möchte euch eine weitere hochmittelalterliche Waffe meines Bestandes vorstellen. Die Klinge ist eine Oakeshott Typ XI mit einem Knauf Typ F.

      Für diese Knaufform gibt es durch ganz Europa einige Belege von rund 1175 bis 1275 und dennoch sieht man ihn nicht als Nachbildung.

      Da es eines meiner Ziele ist jeden Klingen- und Knauftyp im Bestand zu haben, war es nun auch an der Zeit auch dieses Stück zu realisieren.
      Im Rudel mit ein paar ähnlichen (auch zeitgenössisch grösstenteils passenden) Artgenossen gehalten, sieht das dann ungefähr so aus ^^ :
      (Bildquelle: ich)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Thoralf Hiltjuson schrieb:

      Könntest du zum Forentreffen das Wikischwert in der roten Scheide zum begucken mitbringen? Ich vergesse dann auch mein Spatha nicht 8)
      Wir schauen dann im nächsten Frühjahr vor dem Forentreffen in Franken nochmal genau was da mit soll und was nicht. Bis dahin hab ich nämlich noch ein paar andere schöne FrüMi-Hegel, die es Wert wären mitgenommen zu werden. :love:
      Beste Grüsse, Thomas :bye01