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Neugierige Frage zur Haltbarkeit der Naturfarben

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    • Neugierige Frage zur Haltbarkeit der Naturfarben

      Hallo ihr bunten Fleißigen,
      das Färben mit Naturstoffen anstelle der chemischen Keule klingt mir erstmal SEHR gut.

      Aber wie schaut das mit der Haltbarkeit dieser Farben aus?
      Wie lichtecht ist naturgefärbte Wolle?

      Ist nicht so, daß ich damit morgen loslegen möchte - ich weiß noch nicht mal, ob ich das selber machen möchte bzw. zeitlich kann oder ob ich "färben lasse" (wozu gibt es Spezialisten?).
      Aber ich tät gern erstmal generell abklären, auf was man sich da an zeitlichen Veränderungen der Kleidungsstücke (quasi die vierte Dimension) so einlassen muß.

      Dank Euch im Voraus für die Geduld mit mir!
      Grüße vom Tom,
      der die Seele im Stein sucht
      https://stein-seele.de
    • ich färbe auch nicht selber.
      Habe seit über 5 jahren ein walnussgefärbtes kleid. Die farbe ist leicht heller geworden, was aber daran liegen könnteweil ich maö mit der chemiekeule drüber bin um rus flecken zu entfernen.

      Ich hab auch schon 10 jahre und ältere Kleider pflanzengefärbt gesehn, die sahen aus wie.frisch gefärbt.

      Es kommt auch auf die Farbe und das Färbemittel an. Es gibt wohl Farben welche nicht lichtecht sind. Die muss man ja nich nehmen.
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Beim Blau färben bedarf es doch einiger Mittel (z.B. Ätznatron, Natriumdithionit ), Krapp (Rot) steht im Verdacht Krebs erregend zu sein. Auch die Vorbeizen können belastend für die Umwelt sein.
      Die ausgekochten Färbedrogen lassen sich nicht kompostieren, so wie Gekochtes generell nicht auf den Kompost gehört.(Gammel ist nicht gleich Gammel)
      Ich möchte damit sagen, das es die umweltfreundliche Faser nicht wirklich gibt.
      Die Pflanzenfarben bieten eine üppige Farbpalette mit erstaunlich kräftigen Farben.
      Chemisch Gefärbtes finde ich vollkommen in Ordnung, wenn der Farbton stimmt.

      Wenn Pflanzenfärbungen heute ausbleichen, dann haben sie das immer schon getan. Das heißt es könnte ein gewünschter Effekt sein. Gealtert ist die Kleidung auch damals, möchte man ein stimmiges Bild erreichen, dann gehört das dazu. Mittelalter muss nicht aussehen, wie gerade ausgegraben und grob sauber gemacht, aber halt auch nicht wie aus dem Karton geholt. Zur echten Optik gehört Verschleiß dazu.
      Schau Dir eine Bluejeans an, die ist nach wie vor Indigo gefärbt, Indigo legt sich nur auf die einzelne Faser, es durchdringt die Faser nicht und lässt sich abreiben. Deshalb hast Du bei der Jeans diese helleren Stellen, an den beanspruchten Stellen. Das ist bei Waidblauem Wollstoff ähnlich, wenn auch nicht ganz so auffällig.
      Die moderne chemisch gefärbte Kleidung bekommt auch oft Lichtschäden, da muss man besonders drauf achten, wenn man mal ein Stück aus dem Schaufenster haben mag.

      Selbst färben macht Spaß. Möchte man aber fleckenfreie Stoffe erzielen, hat man schon eine neue Großbaustelle, das macht man nicht nebenher ein bisschen. Es bedarf Erfahrung, Übung, Zeit und große Töpfe. Ob die Stoffe damals fleckenfrei und satt durch gefärbt waren, spaltet die Szene, ich bin der Meinung, die waren damals nicht blöd, aber auch schon eitel.

      Färber haben wir hier viele, zB Manuela von Ovicula.
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    • Meiner Erfahrung nach ist das je nach Farbe durchaus unterschiedlich - resedagelb zB ist bei mir in zwei Fällen relativ schnell sichtbar heller geworden, bei anderen Farben ist mir das nicht so aufgefallen. Ansonsten ist es so wie Silvia schon schrieb - wenn Pflanzenfarben sich so verhalten haben sie es damals auch schon getan. Das erzeugt dann ein historisch korrektes Bild. Und im Zweifel kann man ja ein fertiges Kleidungsstück auch durchaus noch mal in den Färbekessel werfen, wenn man die Farbe nach einer gewissen Zeit auffrischen möchte...
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Katharina de Lo schrieb:

      je nach Farbe durchaus unterschiedlich
      Ja, diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Es liegt tatsählich daran, womit der Stoff gefärbt wird & auch wieviel Farbe im Stoff ist. Färbungen mit z.B. Zwiebelschalen sind recht Licht- bzw. eben UV-Licht empfindlich. Wie schon erwähnt, was oft getragen wird, sieht auch dann so aus, eben wie mit moderner Kleidung auch.

      Und ja, wie schon @Silvia geschrieben hat, ist ein pflanzengefärbter Wollstoff nicht immer die umweltschonenste Wahl - auch hier gilt - je nach dem, welche Zutaten man für die Färbung nutzt. Es gibt Beizstoffe, welche nach der Nutzung in den Sondermüll gehören, ebenso wie einige Mittel zur Weiterentwicklung dirket nach dem Färbeprozess. Die meisten Färbepflanzen werden einfach nur ausgekocht, und stellen meines Wissens nach, keine Gefahr für die Umwelt dar. Da sind moderne Ausrüstverfahren in der heutigen Textilindustrie um einiges schlimmer. Da werden gerne Mittel aus der deutschen Chemieindustrie, die in Deutschland selbst verboten sind oder nur unter sehr hohen Auflagen verwendbar, in Ländern genutzt, wo es keinen Umweltschutz gibt & einfach in den nächsten Bach, Fluss, See gekippt... aber das steht auf einem anderen Blatt.

      Natürlich hängt das auch mit der Darstellung zusammen - ein einfacher Handwerker oder Adliger vom hohen Stand - da werden unterschiedliche Kleiderfarben zum Ausdruck kommen.
    • Hallo zusammen,
      dann dank ich doch erstmal für Eure Mühen.
      So wie das aussieht (hab schon Großbaustellen genug), werde ich wohl in Sachen Färberei auf fachkundige und geübte Hilfe zurück greifen - ich hab mir das schon beinahe gedacht, nach dem Durchlesen der meisten Fäden(sic!) im entsprechenden Unterforum.

      Jetzt werde ich erstmal schauen, welche Farben generell für meine Darstellung in Frage kommen (Steinmetzmeister, der ordentlich Staub macht bei der Arbeit, Köln, Mitte 13tes). Hab mich für die Arbeitskleidung schon in Gedanken mit reinen Wollfarben angefreundet, also braune Wolle, sandfarbene Wolle, ggf. hellgrau. Läßt sich auch optisch ansprechend kombinieren.
      Aber ein wenig stolzieren möchte der Meister ja auch (ich seh das genau so wie Silvia: doof waren die bestimmt nicht damals, aber Eitelkeit ist nicht umsonst unter den sieben Todsünden zu finden ;) ) und da darf dann auch Farbe ins Spiel kommen.

      Lektüre ist im Zulauf, Lesezeichen sind gesetzt, heute abend wird in dieser Richtung weiter recherchiert.

      Ich glaube, ihr hört diesbezüglich wieder von mir... :D
      Grüße vom Tom,
      der die Seele im Stein sucht
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    • Damals waren die Stoffe ja auch noch mit den entsprechenden Fasern gewebt worden. Leinen, Nessel, Hanffasern, Schafwolle. Alles wurde wohl nach seiner Natur eingefärbt. Nicht jede Faser hat alles vertragen! Außerdem waren sie früher sicher nicht so wählerisch im Umgang mit der Natur ;-)!
    • Erfahrungen von anderen sind auch, dass die weissen Wollstoffe, die heute auf dem Markt verfuegbar sind, selbst nach gleicher Vorbereitung die Farbstoffe unterschiedlich aufnehmen.

      Ja, viele naturgefaerbte Stoffe bleichen bei intensiver sonneneinstrahlung aus. Die zwiebel/Faulbaum-gelbe Cotte auf meinem Profilbild ist nach einem Jahr durchaus mit used-look-Patina versehen. Unter den Achseln, im Bereich der Guertelraffung und innen ist die Farbe Kraeftiger als in den Bereichen, die der sonne staerker ausgesetzt waren. Das Selbe gilt fuer die birkengruene Gugel.
      Bei Walnuss oder Krapp sind die Effekte m.W. weniger stark.
      Aber sind wir mal ehrlich: zusammen mit dem einen oder anderen Flecken, der nicht mehr rausgeht (Schleifsteinabrieb, Russ etc ) macht das ja die Darstellung auch weniger perfekt und eher realistischer.
      Langfristig kommt man dann dazu einen Sonntagsstaat zu haben, der kurzzeitig zum Protzen raus geholt wird (Ich bin ein Schmuddelkind und kann ihn sonst auch nicht sauber halten...) und im Alltag eine einfachere / aeltere Garnitur getragen wird.
      Bekennend GroMi mit den "Feuerschwingen" (Facebook: Feuerschwingen)
      Am "A" arbeitend als Spiesser in städtischer Infanterie des 13. Jhdts mit dem "Vuozvolc". (www.vuozvolc.de)
    • Hallo Silvia,
      das hier

      Silvia schrieb:

      Wenn ich Indigo mit Kloreiniger und Entfärber aufkoche
      ist sowohl wahr/logisch als auch oft vergessen, speziell bei den "Bio"-Dingen.
      Die Begriffe "Bio"/"Natürlich" und "Ökologisch kompatibel" sind ja leider nicht (immer) gleich zu setzen - Bio-Äpfel aus Chile hier im Laden zu kaufen ist nun mal alles andere als öko, selbst wenn sie vom Anbau her den Demeter-Grundsätzen entsprechen.
      Den Denkfehler hatte ich bei meiner Frage ja auch drin...

      Aber das mit der Entsorgung der Färbe-Reste ist m.E. nicht wirklich weit von meinem angefragten Thema weg und, ehrlich gesagt, interessiert es mich auch.
      Daß die (auch aus der Natur stammende) chemische Keule nicht auf den Kompost gehört, ist so weit mal logisch - siehe oben.

      Gibt es sonst noch was zum Punkt "kompostierbar/kompostschädigend" zu wissen?
      Kannst/magst Du da ne fadentaugliche Kurzfassung geben?
      Grüße vom Tom,
      der die Seele im Stein sucht
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    • Vorweg, ich kanns nur unzureichend und Laienhaft (weil nur Hobbygärtner) erklären :
      wenn ich einen Kessel Garne mit Birkenblätter Gelb färbe, fällt ein Kessel Birkenblätter an. Ich färbe im großen Einkochautomat, da sind das 2 10l Eimer mit sehr dicht zusammengefallenen Blättern. Gebe ich diese Blätter in den Kompost, habe ich da eine sehr dichte Masse die nicht belüftet wird, und meist immer noch ein Klumpen ist, wenn der Rest Drumherum schon längst Erde ist.
      In großen Kompostieranlagen mag die Temperatur eine ganz andere sein, die Rotte geht deutlich effektiver von statten, da mag das evtl. gehen, bei mir im Kleinen tut es das nicht.
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    • Um es gleich vorweg zu sagen: ich färbe nicht und hab auch keine wirkliche Ahnung davon. Meine bisherigen eher unfreiwilligen Färbungen bestanden aus "Kleckerflecken" wie Rotwein, rote Beete oder Safransud die ich mit Essig ein wenig haltbar gemacht hab. :D Also ehe man das Teil gar nicht mehr benutzen konnte
      Aber was die Kompostierbarkeit der Färbereste angeht könnte ich mir vorstellen, dass das im Heißkomposter eigentlich gehen müßte. Natürlich nur mit solchen Dingen wie den oben erwähnten Birkenblättern oder halt ähnlichem. Bei uns gibts zudem seit 1 Jahr Biotonnen wo auch Gekochtes und ähnliches hinein kann. Die Temperaturen die bei dieser Art von Kompostierung entstehen dürften auch tablettenartig gepresste Färbereste schaffen. Ist aber auch nur eine Überlegung meinerseits.

      Silvia schrieb:


      Das Wort Pflanzengefärbt hat so eine Art Heiligenschein, den ich so nicht stehen lassen wollte. Wenn ich Indigo mit Kloreiniger und Entfärber aufkoche, dann ist das weit von Bio weg.
      Kloreiniger und Entfärber sind doch moderne Mittel - das hat jetzt nix mit "mittelalterlicher Färbung" zu tun oder? Bin jetzt mal doof......

      Gesine
      Wir alle sind unsterblich - die Natur vergeudet nichts.
    • @ Gesine ich färbe ausschließlich Zuhause und streng nach Rezeptbuch, ohne Publikum mit modernen Hilfsmitteln, sozusagen als kleine Nebenbaustelle zu meinen Webereien. Wichtig ist mir am Ende das richtige Ergebnis zu haben, kiloweise pflanzengefärbte Garne in Nähgarndicke.
      Als Ersatz für eine Urinküpe verwende ich Ätznatron und Entfärber. Was da chemisch genau passiert kann Dir evtl. einer der Färbespezialisten besser erklären.

      Frage an die Färber hier, färbt wer traditionell mit Urinküpe und Waid ?
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    • Gesine schrieb:

      man muß ja nicht alles authentisch machen .... :D

      Gesine
      Ja klar - und all die Schwerter und Rüstungen sind ganz ohne moderne Hilfsmittel endstanden und deshalb bezahlbar. :wacko:
      Meine Güte muss man an jedem Baum das Spiel neu erklären ? Zeige ich etwas vor Publikum, egal ob es Möhrchen putzen oder ob es um Garne färben geht, sollte das Bild stimmig sein. Ich verwende also keinen Sparschäler aus Plastik und keinen Einkochautomat mit Strom.
      Stelle ich im stillen Kämmerlein eine Replik her, zählt das Endergebnis, ein Schwert muss nicht ausschließlich aus selbst gewonnenem Metall mit Kohlefeuer und Muskelschmalz hergestellt werden, damit es Funktional ist und der Vorlage entspricht.
      Warum sollte das bei Textil anders sein ? Die Farbpigmente sind identisch, das Endergebnis stimmt.
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    • Meine Erfahrungen zur Haltbarkeit von Färbemittteln sind wie folgt:
      Meine Walnuss gefärbte Tunika hat sich nicht wirklich in ihrer Farbe verändert. Und sie ist jetzt 1,5 Jahre alt. Der Stoff war aber auch schon ein Jahr alt.

      Meine mit Birkenblättern gefärbten Beinlinge sind in dem 1 Jahr seid Benutzung deutlich heller geworden. Vorher strahlend Sonnengelb,jetzt eher der Farbton gelber Blätter im Herbst.

      Zwiebelschalen gefärbte Beinlinge Verhalten sich identisch (jetzt 1 Jahr alt). Wenn die Entwicklung so weiter geht ist in 3 Jahren von der Farbe fast nichts zu sehen.

      Bezüglich selber färben: Wir färben nur noch bis 300g selber. Darüber erhalten wir in einem 25l einkoch automat keine zufrieden stellende Ergebnisse mehr. Alles darüber geht zum Färber.

      Zur Frage von Silvia bezüglich Urinküppe: Ich habe das mit Waid bereits gemacht. Jedoch nur für eine kleine Probe von 20g Wolle. Für nächstes Jahr plane ich aber einen großen Versuch bei dem etwa 400g Wolle gefärbt werden sollen. Dafür züchte ich derzeit die Pflanzen und möchte dann Waidkugeln daraus machen. Denn ggf reicht der Ertrag eines Jahres nicht.
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