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Farbe der Kleidung der Johanniter

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    • Nun, es ist verboten diese Schwarzfärbung zu verwenden. Das heisst andere Schwarzfärbungen sind erlaubt. Korrekterweise kann man das auch interpretieren als "alle Farben sind erlaubt ausser dieses Schwarz". Kombiniert man das jetzt aber mit den Abbildungen in Handschriften wo die Mäntel und Cappas immer Schwarz oder dunkelgrau oder dunkelbraun waren stützt das die Aussage dass Schwarz die Regel war.

      Ja, Eisen-Gallus Färbungen gelten als Schlechtfärbungen weil das Eisen den Stoff angreift und rauh macht. Es kann auch sein dass der Stoff brüchig wird, deshalb war das oft nicht gern gesehen.
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      Kaufmann
      Comthurey Alpinum
      1180 n.Chr.

      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Hallo zusammen, bin letztens auf Die Ordensregel der Johanniter/Malteser von Gerhard Tonque Lagleder gestoßen und hab mich gewundert warum die hier noch nicht thematisiert wurde.
      Ich könnte mir vorstellen, dass die da vorgestellten Quellen nochmal bei der Interpretation des Regeltextes helfen können und bestehende Thesen bestätigen.
      Darunter ist nämlich auch eine Edition der Regelabschrift auf (spät)mittelhochdeutsch aus dem 14. Jahrhundert, CLM. 4620 f.73r-84r, die vielleicht bei der Identifizierung der einzelnen Begriffe helfen kann.
      Da steht (sogar mit einem Druck des Originaltextes daneben zum selbst entziffern *sabber*) als mittelhochdeutsche Übersetzung des Deinde pannos ysambrunos...:
      "Darnach tuch eysenpraun und gelpraun und von paumwollen und pellize von wiltwerche daz were wir fuerpaz den pruderen an ze ciagen"
      (Wer nicht weiß was "an ze ciagen" bedeutet, weiß es sobald er es laut ausspricht. Ging zumindest mit als Bayer so.)
    • Spannend, danke. Was machen wir jetzt damit... arrgh! ;) Ich denke aber wir sind auch mit dem Text auf dem richtigen Weg.
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      Kaufmann
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      1180 n.Chr.

      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Teil 1:

      Die Übersetzung der beiden Wörter in CLM 4620 ist falsch und doch nicht falsch. Das liegt wohl daran, dass die Regel und Statuten aus CLM 4620
      wahrscheinlich erst gegen mitte des 14. Jahrunderts übersetzt wurden. Die Dokumentensammlung, die in CLM 4620 enthalten ist, wurde aber spätestens 1290 abgeschlossen. Somit ist CLM 4620 die zweitälteste, bekannte Statutensammlung der Hospitaliter nach vat. lat. 4820 (ca. 1280).

      Leider wird ihr aber nicht soviel Achtung geschenkt obwohl darin noch seitenweise auf Latein verfasste Statuen enthalten sind, die am Ende des Textes als Kapitelbeschluß auf 1252 datiert sind. Übrigens enthalten diese Statuten von 1252 auch eine Kleiderliste der Brüder, die von der Kleiderliste von 1205 etwas abweicht, also wahrscheinlich der Zeit angepasst wurde. Den zweiten Teil der Niederschrift von Margat aus CLM 4620, also da, wo Gerhard Tonque Lagleder aufgehört hatte zu übersetzen, habe ich übersetzt und mit dem ältesten bisher bekannten Text (vat. lat. 4852) verglichen (hier zu finden: rs-regensburg.de).

      Zurück zu Isenbrun und Galebrun:
      Warum ist die Übersetzung in CLM 4620 falsch: Im 14. Jahrhundert waren die Farbbezeichnungen Gel(p)praun und Eisenpraun in Deutschland absolut geläufig. Während Gelpraun eben Gelbbraun war, so war Eisenbraun anscheinend Graubraun (evtl. vom Wolf Isengrim). Für Gelpraun konnte ich sogar ein Rezept zur Herstellung als Frabe für Malereien finden, welches ins 15. Jahrhundert datiert ist und grüne (rohe) Walnussschalen nutzt. Ausserdem werden die beiden Begriffe Isenbrun und Galebrun am häufigsten im 12. Jahrundert verwendet während eine starke Abnahme der Erwähnungen bis ca. 1300 stattfand (diese beiden Begriffe sind z. B. in der Ordensregel von 1300 nicht mehr enthalten). Deshalb denke ich, hat der Übersetzer der CLM 4620 die Begriffe so wie es für seine Zeit üblich war, als Farben übersetzt.

      Ich konnte bisher nur zwei Wissenschaftler ausmachen, die sich intensiver mit den Begriffen Isenbrun und Galebrun befasst haben:

      zum einen B. Pottier (Universität Straßburg); 'Isembrun et galembrun' in Archivo de filología aragonesa vol.8; 1956
      Er kommt zu dem Schuß, dass es sich um die Herstellungsorte für Stoffe in Deutschland (Isembrun => Eisenburg) handelt oder es Farbbezeichungen (wie in CLM 4620) sind. Beides ist möglich. Farbbezeichung oder Herstellungsort. Im Mittelalter wurden oft Stoffe nach ihrem Herstellungsort, also dem Dorf oder der Stadt benannt in der sie gewoben wurden. Noch heute gibt es im südwestlichen Frankreich einen Ort mit dem Namen 'Galembrun'.

      zum zweiten L. Wiener; 'Materialien zu einer Geschichte - Der Kleidung im Mittelalter' in Revue de Linguistique et de Philologie Comparee Band 44; 1867
      Er kommt zu dem Schluß, dass es sich um edle, dunkle bzw. schwarze Stoffe (brunete) Handelt und die Wortherkunft weit im Osten zu suchen ist.

      Also kommen in Frage: eine Farbbezeichung, ein Herstellungsort, oder dunkles oder schwarzes Brunete.

      Allerdings war der Fokus der beiden Wissenschaftler nicht der Hospitaliterorden und so haben die beiden alles an Quellen gesammelt, was sie finden konnten. Dies geschah auch über alle Jahrunderte hinweg. Eine bestimmt Zeit war nicht im Fokus.

      Ich würde behaupten, wenn man herausfinden möchte, was das Isenbrun und Galebrun in der Ordensregel der Hospitaliter tatsächlich meinte, dann muß man versuchen den Weg zu finden, der diese beiden Begriffe in die Ordensregel brachte.

      Ich habe da nochmal etwas nachgeforscht und bin zu einem wirklich sehr, für mich unerwarteten, Ergebnis gekommen:


      Die älteste Erwähnung von Isenbrun und Galebrun, die ich finden konnte stammt von Bernhard von Cairvaux in seiner Apologia (1124); Capitel 10.24:

      'Putsane ibi cuiquam galabrunum aut isembrunum quaerebatur ad induendum; cuiquam ducentorum solidorum mula parabatur ad equitandum?'

      Übersetzung der Stelle aus 'Der heilige Bernhard von Clairvaux und die Hierarchie seiner Zeit'; J. Ellendorf; Essen 1837:

      'Glaubst du, daß dort sich jemand in bunte, braune oder schwarze Seide kleidete; daß jemand 200 Silberstücke auf ein Maulthier verwendete?'

      Er übersetzt Galabrunum und Isembrunum mit 'bunte, braune oder schwarze Seide' und bezieht sich in der Fußnote auf die Statuten von Peter Venerabilis. Der Bezug auf Peter Venerabilis ist richtig, aber die Übersetzung falsch!


      Folgendes steht in den Statuten (Punkt 16) von Peter Venerabilis (ca. 1130/1140), der zu dieser Zeit Abt von Cluny war:
      Quelle: 'Codex Regularum Monasticarum et Canonicarum' 2. Band; Lucae Holstenii; 1759

      'Statutum est, ut nullus Fratrum nostrorum pannis, qui dicuntur galabruni, vel isembruni, vestiatur, nec iis qui vocantur Scalfarii, vel Frisii, expectis
      Anglis vel Angliae affinibus Monachis, neque illis, qui appellantur Agnelini, exceptis Teutonicis & iis adjacentibus Monchis; hac tamen conditione, si magis Religioni congruentes nigri coloris vestes in regionibus suis invenire non potuerint.'


      Es darf also kein Bruder Kleidung tragen, die Galabruni oder Isembruni genannt wird. Weiterhin ist Scalfarii und Frisii verboten, außer in England und nach bei England, da diese Stoffe dort leichter zu bekommen waren (Frisii wurde Hauptsächlich im heutigen Wales hergestellt).

      Er gibt auch den Grund für diese Verbote an selber Stelle an:

      'Causa instituti hujus fuit supra quam dicere velim, sicut & ipse vidi, talium vestium notabiliter inhonesta, & turpis curiositas, qua olim multi nostrorum, non aliter quam saeculares homines sericis variis vel grisiis vestium generibus se comebant: & electo ad intimam cordis humilitatem designandam humiliore cuntis coloribus nigro colore, ipsa repugnante natura ornare se, velut sponsi procedentes de thalamo, summo studio contendebant. Versa res jam erat in habitum, nec in iis delinquere se, caecati usu longissimo, sentiebant.'

      Er erkannte also selbst, dass die Kleidung der Mönche unsittlich und skandalös wäre und dass viele sich nicht anders als die weltlichen Menschen mit Seide und 'variis vel grisiis' schmücken würden. J. Ellendorf übersetzte also 'variis vel grisiis', was sich zweifelsfrei auf Galabrunum und Isembrunum bezieht, mit 'bunt, braun oder schwarz', was heute, oder vor fast hundert Jahren, wörtlich auch richtig ist.

      Vergleicht man aber den Begriff 'variis vel grisiis' mit Dokumenten aus dem 12. Jahrundert, die diese Begriffe enthalten, so hat 'variis vel grisiis' eine ganz andere Bedeutung.
      Am Besten beschrieben ist es in dem Artikel von Erich Caspar 'Die Kreuzzugsbullen Eugens III.' in Neues Archiv der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtskunde S.285-305:

      Es geht darin um das Papstschreiben, das zum 2. Kreuzzug aufrief. Diese Bulle ist 2x vorhanden. Einmal vom Dezember 1145 und einmal vom März 1146. In einem Teil dieser Bulle rief der Papst dazu auf, auf kostbare Kleidung während des Kreuzzuges zu verzichten. So in der 1. Bulle von 1145. In der zweiten Bulle vom März 1146 kommt noch der Zusatz 'nullatenus in vestibus variis aut grisiis' dazu, welcher in der ersten Bulle fehlt. Lang Rede kurzer Sinn: Anscheinend hatte Bernhard von clairvaux seine Finger im Spiel und fügte diese Bestimmung hinzu.

      In dem Artikel Caspar ist sehr genau erklärt, was 'variis aut/ vel grisiis' ist, nämlich Buntwerk und Grauwerk, also eine Zusammensetzung von kleinen Fellen.


      Teil 2 folgt bald....
    • Teil2:

      Um es abzukürzen:

      Die Verbindung von Galebrun und Isenbrun mit Variis und Grisiis ergiebt sich aus den Statut von Peter Venerabilis (Abt von Cluny).

      Eine Erklärung was Variis und Grisiis ist, und dass es über die Zisterzienser (Bernhard von Clairvaux) dahin gekommen ist, ist in dem Artikel 'Die Kreuzzugsbullen Eugens III' gegeben:
      digizeitschriften.de/dms/img/?…log24&physid=phys291#navi

      Dass die Ordensregel der Hospitaliter vom Kloster Cluny bzw. den Zisterziensern beeinflusst worden ist ist klar. Somit hat Galebrun und Isenbrun über den Weg des Statuts von Cluny in die Ordensregel der Hospitaliter gefunden.

      Wenn man nun die Quellen aus dem 12. Jahrundert nimmt und Galebrun bzw. Isenbrun mit diesen Fellen ersetzt, so ergeben sich keine Widersprüche. Alles passt zusammen. Es passt der Begriff, die Zeit und das Umfeld (Cluny/ Zisterzienser/ Hospitaliter).

      Daraus ergibt sich, dass -brun nicht dunkel oder schwarz bedeutet, sondern tatsächlich das Tuch meint Brunus (pannus)(siehe Materialien zu einer Geschichte der Kleidung im Mittelalter S.285).

      Weiter zur Wortherkunft:

      Gesamtwörterbuch der lateinischen Sprache (Dr. Wilhelm Freud):
      galea => der lederne Helm (später auch eiserne Helm)/ mit einem Helm bedecken
      galerum => helmartige Kopfbedeckung aus rohem Tierfell

      Wenn man bedenkt, dass die Form des Feh, also dieses Fells, auch mit Eisenhut bezeichnet wird, dann ist gale oder gala bzw. galea bzw. galerum ein Volltreffer!

      Isen- wird dann wohl das synonym für grisiis also grau sein. Isen - Eisen - grau - gris - grisiis. Dazu konnte ich aber nicht weiteres finden. Ist aber einleutend.

      Im 'Roman de Rose' aus dem 12. Jahrhundert wird beschrieben, dass ein Ritter sein weisses Schild mit schwarzem (dunklen) Isenbrun aus Deutschland bedeckt.
      In dieser Zeit seinen Schild mit Feh zu bedecken war eine Art Statussymbol (s. 'Die Kreuzzugsbullen Eugens III'). Später im 13. Jahrhundert wurde dann kein echtes Fell mehr über dem Schild getragen sondern das Feh wurde als Heraldisches Zeichen auf die Schilde gemalt.

      Ich sehe keinen Widerspruch: Galebrun und Isenbrun sind Felle (Buntwerk und Grauwerk).
    • Die Wortherkunft von Isen- scheint doch klärbar zu sein:

      Grauwerk wurde anscheinend mit dem grauen Winterfell der Eichhörnchen, die weiter im Osten (von Deutschland aus gesehen) lebten.

      Im Althochdeutschen (genutzt bis ca. Ende 11. Jahrundert) bedeutet isen => eisen, aber nicht im Sinn des Metalls Eisen sondern im Sinn von vereisen, also gefrieren.

      In Verbindung mit Isenbrun werden im 12. Jahrundert nur Deutschland, Mainz und Regensburg als Herkunftsorte gennant. Maniz und Regensburg waren in dieser Zeit wohl große Handelsmetropolen und waren in Richtung Osten wahrscheinlich die nähesten Handelszentren. Somit wahrscheinlich auch die erste Anlaufstelle für Pelzhändler aus dem Osten.

      Wenn man das zusammenzählt so ergibt sich für Isenbrun das Winterfell (isen => vereisen/ frieren) der Tiere, welches in Deutschland verarbeitet wurde und somit einen (Alt-) deutschen Namen hat.

      Wäre eine Möglichkeit.
    • cool danke Micheal für die Ausführungen.
      Die sind sehr interessant.
      Oben hattest Du etwas erwähnt, dass in den Statuten von 1290 weiter Kleidungsstücke gehtnannt werden welche in der von 1205 noch nicht vorkommen?
      Ka ist Du da was genaueres sagen? Das würde mich interessieren?
      Gerne auch in dem passenden Thread dazu.
      Mit freundlichen Grüßen
      Fra Marc
      http://www.kreuzfahrergemeinschaft-damiette.de
    • Eine spannende Theorie! Und sie wirkt einigermassen plausibel. Denn das ysambrun und galembrun kommt innerhalb des Texts ja auch im Zusammenhang mit den Pelzen vor. Sogar im selben Satz. Es ist also naheliegend dass es sich auch auf das bezieht. Und dasselbe kommt ja auch in den Regeln der Schwestern von Sigena vor, wo sie Pelze von wilden Tieren verbieten. (Verboten ist da explizit das Cirogrissus, ein graues Eichhörnchen aus Nordafrika).

      lat. Originalfassung:
      «Pelles silvestres cirogrisorum non deferant, sed habeant tantum agninas, vestes lineas humiles, et laneas; pelliceas agninas defe- rant quales fratres Hospitalis solent portare.»

      dt. Übersetzung:
      «Wilde (aus dem Wald) Felle des cirogrisus (ev. graues Eichhörnchen) sollen sie nicht führen, denn sie haben so viele Lämmchen, einfache, alltägliche Kleider aus Leinen und Wolle und Lämmchenfellen sollen sie führen so wie es die Hospitaliterbrüder zu tragen pflegen.»
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      Kaufmann
      Comthurey Alpinum
      1180 n.Chr.

      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Zu den Lammfellen hier noch eine Stelle aus der anglonormannischen Regel (1181/1184; also die älteste überhaupt bekannte Version der Ordensregel) welche nicht nur den Regeltext wiedergibt, sondern auch die Regel erklärt:

      ab Zeile 1164:
      'De la vostre vest[e]ure:
      Nus defendums [les] gallebruns,
      [E] ensement les isembruns,
      [Is]si fesum la fustiaine,
      Ke nul n'en ust en sun demeine.
      Nus defendum la pel savage;
      Ke nul n'en eit en sun usage,
      Kar mut est meudre itel pel
      Ke l'en reverse de l'aignel
      Ke vus avez en vostre faude,
      Car meins [en] custe et plus [est] chaude;
      Si est [mut] bel et avenant,
      Ceo est la riwle a jeo le comant.
      Pur ceo l'aignel devez amer,
      K'avez sovent oi chanter
      De l'aignel Deu ke mort suffri
      E les pechez del mund tolli.'


      Quelle: 'The Hospitallers‘ Riwle'; E.V. Sinclair 1984; Anglo-Norman Text Society

      Übersetzung (sehr holprig, da der anglonormannische Text ein Gedicht ist):
      Von Deiner Kleidung:
      Für uns verboten das Galebrun,
      und gleichermaßen das Isenbrun,
      auch angefertigtes aus Baumwolle,
      welches niemand hat als sein Eigentum.
      Für uns verboten die Wildtierfelle;
      welche keiner in Gebrauch hat,
      Weil viel besser ist solch ein Fell
      als Innenfutter welches von den Lämmern
      die Du hast in deiner Schafherde
      weil es weniger kostet und mehr wärmt;
      es ist viel ansehnlicher und passender,
      Hier ist die Regel für Dich das Gebot.
      Denn zur Liebe verpflichtet das Lamm,
      welches oft hat gehört den Gesang
      von dem Lamm Gottes das den Tod erleidet
      und hinweg nimmt die Sünde der Welt.

      Ich bin mir nicht sicher, ob das mit den Fellen sich nur auf die 'pel savage' bzw. die 'pelles silvestes' bezieht oder auf alle vier Begriffe (Galebrun, Isenbrun, Fustian und die Wildtierpelze), denn Fustian ist eigentlich kein Pelz sondern Baumwolle....

      Was als Definition für Galebrun und Isenbrun bleibt sind also vier Theorien:
      - Farbbezeichnung
      - Herstellungsort
      - besondere Gewebeart (Stoffart)
      - Buntwerk und Grauwerk

      Ich befürchte, dass die beiden Begriffe nie eindeutig identifiziert werden können, ausser man findet eine genaue Beschreibung der Herstellung aus dem 12. Jahrhundert oder früher.

      Sicher ist aber, so glaube ich, dass die Verbote dieser Begriffe anfangs nur bei den Benediktinern zu finden sind.
      => Kennt jemand Verbote von Galebrun oder Isenbrun für andere Orden als die Benediktiner?

      Spekulation von mir: Somit denke ich, dass dieser Regelteil der Hospitaliter von den Benediktinern übernommen wurde. Daraus könnte man folgern, dass die Hospitaliter in etwa die Kleider(stoff)ordung der Benediktiner, speziell von Cluny, übernommen haben. Und da wären wir dann wieder bei der Farbe Schwarz.

      Eine Frage noch an euch: Es gibt da ein Manuskript über die Ereignisse um die Ermordung von Thomas Becket (1170). In diesem Dokument steht:
      'Desus les altres dras out d’isenbrun mantel,
      Blanche pene d’aigneaus, senz urle, e neir tasel
      E desuz, un surpliz blanc, delïé e bel,
      Desuz, une pelice blanche de pels d’aignel.'
      Quelle: conclarendon.blogspot.com/2017…diately-after-murder.html

      Dumm ist, dass der erste Satz für mich nicht klar ist (vielleicht kann den jemand genau übersetzen). Denn so wie ich das sehe steht dort, dass er ein anderes Tuch hatte (als) einen Mantel aus Isenbrun. Aber vielleicht übersehe ich da was und es steht dort, dass er einen Mantel aus Isenbrun hatte???
      Jedenfalls, falls er einen aus Isenbrun hatte, dann ist dieser, falls es keine Fälschung ist, heute noch erhalten (googlet mal nach Tunika oder Mantel von Thomas Becket). Mich würde interessieren, ob diese Reliquie echt ist oder eine Fälschung. Hat jemand von euch da schon mal etwas nachgeforscht?


    • Hier haben wir wieder "pene". Aus dem Kontext und dem der anderen Quelle würde ich sagen, heißt es "Futter". In diesem Fall trug Thomas Becket also einen Mantel aus Isenbrun mit einem weißen Lammfell-Futter. Drunter ein weißes Superpelliceum (meist leinernes Oberkleidungsstück von Klerikern), darunter ein Pelliceum aus Lammfell. Eine absolut passende und zeitgenössische Kleidung für einen Bischof abseits der aktiven Liturgie.

      Diese Quelle spricht meiner Meinung nach dafür, dass Isenbrun ein Stoff und kein Bunt/Grauwerk war.

      Ebenso die Regel: Wenn man Isenbrun und Galembrun aus Baumwoll(misch)gewebe machen kann, dann müsste es eine Farbe bezeichnen. Da es sich um eine Aufzählung mit "nus defendum" handelt und die Felle ein eigener Punkt sind, würde ich auch gegen die Bunt/Grauwerk-Thesen werten.
      "Wer von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, der kann immer noch ein guter Trommler werden."
    • Heidensohn schrieb:

      Drunter ein weißes Superpelliceum (meist leinernes Oberkleidungsstück von Klerikern), darunter ein Pelliceum aus Lammfell.
      Sorry, jetzt muss ich mal dumm fragen...

      pelice bedeutet übersetzt was genau?
      In zeitlich späterem Kontext kenne ich das verwandte Pelisse als ein Kleidungsstück aus Pelz oder aus Wollstoff mit Pelz verbrämt (meist an den Kanten). - Das würe ja zum Lammfell passen...

      Absolut unerklärlich ist für mich dass ein Kleidungsstück aus Lammfell unter einem leinenen Gewand getragen wurde?

      Für die Aufklärung im Voraus
      bedankt sich
      Wilfried Tennepelz
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • In fast allen ausführlicheren Kleidungsrichtlinien und Regeln für Mönche und Kleriker des hohen und beginnenden späten Mitelalters wird (meines Wissens) ein Kleidungsstück namens Pelliceum oder Pellicium oder Pelicium genannt, welches nach Wortbedeutung und Beschreibung ein aus Fellen genähtes Kleidungsstück für die Wärme war. Gerade in unbeheizten Klöstern und Kirchen in denen man langandauernde Dienste (Schreiben, Beten, Singen) ohne große Bewegung abzuleisten hat, ist so etwas Gold wert.
      Immer wieder werden zwei Bescheidenheitsaspekte genannt: Das Pellicium soll aus warmen und günstigen Lamm, besser Schafsfell sein und es soll mit einem Überkleidungsstück verdeckt werden. Die Dominikaner hielten es beispielsweise so. Die Cluniazenser. Die Prämonstratenser. Die Regeln im 4. Lateranum zur Bischofskleidung können so gedeutet werden. Wenn seltsame Leute, wie Zisterzienser und Franziskaner, das nicht taten, dann wurde das extra erwähnt (s. Jaob von Vitry: Historia Occidentalis)

      Im Hochmittelalter entwickelt sich anscheinend bei Klerikern, die ja keine Ordenstracht haben, die Gewohnheit das Kleidungsstück über dem Pellicium - das Superpellicium - aus weißem leinen zu tragen. Da es in dieser Form fast nur von Klerikern getragen wird, wird es so zum Teil der inoffiziellen "Ordenstracht" der regulierten Chorherren und Kanoniker. Da es meist von Klerikern in der Kirche getragen wird, wird es im Spätmittelalter zur außerliturgischen Tracht offiziell tätiger Geistlicher (z.B. bei Krankenbesuchen, Wallfahrten oder Prozessionen). Auch, wenn inzwischen das Pellicium von der fellgefütterten Schecke verdrängt worden ist. Dabei verliert es teilweise seine Ärmel und wird immer faltiger und glockiger.

      Wie das Pellicium genau aussah lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Es war aber explizit kein fellgefüttertes Kleid, sondern ein Fellkleid. Aber es ist eben auch ein "unsichtbares" Kleidungsstück, das vor allem durch Verbote in Schriftquellen und die Entwicklung des es verdeckenden Superpelliciums nachweisen lässt.

      Zum Pellicium hat Joseph Braun S.J. 1907 in "Die Liturgische Gewandung" eigentlich schon fast alles wissenswerte gesammelt.
      "Wer von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, der kann immer noch ein guter Trommler werden."
    • Die Cluniazenser hatten auch ein Verbot von Galembrun, übrigens:

      Petrus Veneralbilis Statuta Congregationis Cluniacensis (1122-1156 )
      XVI


      "Statutum est ut nullus fratrum nostrum pannis, qui dicuntur galabruni, vel isembruni, vestiatur... hac tamen conditione, si magis religioni congruentes nigri coloris vestes in regionibus suis invenire non potuerint."

      "Es ist bestimmt, dass keiner unserer Brüder ein Stück Tuch, das galabruni oder isembruni genannt wird, tragen soll... trotz dieser Bestimmung können im Mönchsorden übereinstimmende Kleider von schwarzer Farbe in seinen Gebieten (des Mönchsordens) nicht gefunden werden."


      Weitere Quellen zum Thema:
      Quellenzitate aus dem späten 12. Jh.:
      Bible Guiot de Provins (letztes Viertel 12.Jh.)
      "...Li autre chanoine... as noires chapes d‘isanbrun; en cels a dou noir et du brun"

      Statuti vet. Domus Dei Paris:
      "...Sorores habebunt...pallium nigrum de Ysembruno vel galebrunoThibaut de Marly: Mors fait a tous d‘ysembrun cape"

      Amadas et Ydoine (Roman anon.):
      "Ysembrun d‘Alemaigne, noir et deugié..."

      Godefroy zu den Regeln der Cist.:
      "...nu ne veste de ore ne avant isenbrun ne walenbrun ne saie ne ces deliciëus dras..."
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      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Das Superpelliceum haben wir auch in unserem Hospi-Handbuch genannt als fellgefüttertes Kleid der Kleriker :) Nur so. ;)

      Für mich ist Grauwerk auch weniger eine Option sondern eher eine Stoffart. Nach wie vor. Aber die neuen Quellen von Michael machen das Ganze noch klarer. Brilliante Arbeit! :D
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      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Ich habe noch ein bischen zu den Begriffen recherchiert und habe das Thema (für mich) abgeschlossen: Galebrun und Isenbrun sind definitiv keine
      Farbnamen (oder Ortsnamen) und können deshalb auch nicht zur Beurteilung, welche Kleiderfarbe die Hospitaliter trugen, herangezogen werden.
      Leider :( .

      Ich hatte noch einige Quellen gefunden und es gibt sicher noch mehr....

      Isenbrun ist definitiv kein Bunt- oder Grauwerk. Ich habe die letzte Zeile der Becket Geschichte vergessen zu posten:

      'Desus les altres dras out d’isenbrun mantel,
      Blanche pene d’aigneaus, senz urle, e neir tasel
      E desuz, un surpliz blanc, delïé e bel,
      Desuz, une pelice blanche de pels d’aignel.
      N’out vestu vair ne gris ne samit ne cendel.'

      Quelle: Vie de saint Thomas Becket; Emmanuel Walberg; Paris; Champion; 1936; Zeile 5781

      Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er eben kein Bunt- oder Grauwerk (vair ne gris) trug.

      Für Galebrun bleibt aber die Theorie bestehen, dass es sich um Bunt- oder Grauwerk handeln könnte. Dazu habe ich einen pariser Gerichtsbeschluß von 1276 gefunden, in dem geurteilt wird, dass Galebrun kein Tuch ist:

      '...quia galebruna non sunt panni...'

      Quelle: Les Olim, B. II, Paris 1842, S. 81

      Übersetzung:
      ...da Galebrun keine Tücher sind...

      Interessant ist hier die Mehrzahl!

      Meine unvollständige Quellensammlung zu den Begriffen Galebrun und Isenbrun habe ich hier online gestellt: rs-regensburg.de/Quellensammlu…run_Isenbrun_17032019.pdf

      Kann sich jeder ein Bild machen. Ich werde daran nicht mehr weitermachen, da eben klar ist, dass die weitere Erforschung dieser Begriffe in Hinblick auf die Kleiderfarbe keinen Sinn mehr macht.

      In der Quellensammlung ist zu sehen, dass Galebrun verschiedene Farben haben konnte (schwarz, rot oder ungefärbt). Für Isenbrun aber stets schwarz oder glänzend (was für althochdeutsch 'isen' => eisen im Sinn von gefrieren auch passen würde, da Eis auch auf irgendeine Art in der Sonne glänzt... wer weis) angegeben ist.

      Heidensohn schrieb:

      Es war aber explizit kein fellgefüttertes Kleid, sondern ein Fellkleid.
      Sehr interessant mit dem Fellkleid, denn in der anglo-normannischen Ordensregel der Hospitaliter kommt auch so ein Fellkleid vor (Zeile 1244):

      'Ke suva[us] nun [il] eit al dos
      Chemise u cote, u la heire,'

      Quelle: 'The Hospitallers‘ Riwle'; E.V. Sinclair 1984; Anglo-Norman Text Society

      In dem Buch steht ebenfalls: 'heire = hair-dress'

      Sollten die Hospitaliter auch so etwas getragen haben? Oder kann das auch etwas anders sein? Weis da jemand was dazu?

      Dass die Cluniazenser schwarz trugen ist doch durch Quellen aus dem 12. Jahurndert belegt. Dachte nicht, dass es da noch Zweifel gibt.
      Es gibt viele Pilgerberichte in denen die 'classischen' Benediktiner als die schwarzen Mönche bezeichnet werden.

      Auch in eigenen schriften wie die 'Vita Amedaei' (12. Jahrundert) über den Eintritt in das Kloster Cluny:

      'monachi nigri habitum quantocius induit;'

      Quelle: Un Temoin Tardif Peu Connu Du Conflit Entre Cisterciens et Clunisiens; M.-Anselme Dimer O. Cist. Ref.; Abbaye de Scourmont; in Petrus Venerabilis 1156-1956 Studies and Texts Commemorating the eighth centenary of this death; edited by Giles Constable and James Kritzeck; Herder; Rom 1956

      Auch das Statut von Peter Venerabilis von 1146 (ganzer erster Teil) teilt mit, dass schwarz das Ziel der Kleiderfarbe sein soll:

      'Statutum est, ut nullus Fratrum nostrorum pannis, qui dicuntur galabruni, vel isembruni, vestiatur, nec iis qui vocantur Scalfarii, vel Frisii, expectis Anglis vel Angliae affinibus Monachis, neque illis, qui appellantur Agnelini, exceptis Teutonicis & iis adjacentibus Monchis; hac tamen conditione, si magis Religioni congruentes nigri coloris vestes in regionibus suis invenire non potuerint.'

      Quelle: Codex Regularum Monasticarum et Canonicarum; Lucae Holstenii; 1759; S. 180

      Übersetzung:

      Es ist festgesetzt, dass keiner unserer Brüder mit den Tüchern, welche Galabrun oder Isenbrun genannt werden, gekleidet werden, und auch nicht, welche Sacalfarii oder Frisii genannt werden, ausgenommen der Engländer oder Mönche in der Nachbarschaft der Engländer, auch jene nicht, die englisch angesprochen werden, ausgenommen der teutonischen und denjenigen angrenzenden Mönche; Jedoch mit dieser Bedingung, wenn sie mehrheitlich in der Gemeinschaft übereinstimmende Kleider schwarzer Farbe in ihren Gebieten nicht haben bekommen können.


      Es geht daraus hervor, dass eben nur dann, wenn nichts schwarzes zu bekommen war, diese Ausnahme mit England usw. gegolten hatte.
    • Michael schrieb:

      Dass die Cluniazenser schwarz trugen ist doch durch Quellen aus dem 12. Jahurndert belegt. Dachte nicht, dass es da noch Zweifel gibt.

      Es gibt viele Pilgerberichte in denen die 'classischen' Benediktiner als die schwarzen Mönche bezeichnet werden.

      [...]

      Es geht daraus hervor, dass eben nur dann, wenn nichts schwarzes zu bekommen war, diese Ausnahme mit England usw. gegolten hatte.
      Ich glaube, die Betonung im von Daniel zitierten Text liegt auf dem congruentes , also darauf, dass es kein einheitliches schwarz war. Dass es irgendwiee dunkel bis schwarz war, steht aus meiner Sicht außer Frage.
      "Wer von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, der kann immer noch ein guter Trommler werden."