Änderungen in der Mode der Germanen

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    • Änderungen in der Mode der Germanen

      Hallöchen Leute,

      Einen guten Morgen wünsche ich und möchte gleich mal ne Frage los werde :P .

      Und zwar lese ich hier im Forum viel von detailgetreuen Kopien oder fast-Kopien von Klamottenfunden (Thorsberghose, Damendorfhose, etc.). Meine Hochachtung für die, die sich die Zeit nehmen, das so genau zu machen, finde das Klasse! Nun sind aber die Funde recht verstreut und über die ganze Germanenzeit verteilt. So ist nun meine Frage, ob die Mode der Spätantiken Germanen sich ebenso stark geändert hat, wie das im Mittelalter der Fall war.

      Ich denke mir, dass gerade die Germanen am Limes und die, die ihn eroberten, einen erheblichen römischen Einfluss erlebten, oder? Schließlich waren nicht alle dem Römischen Reich feindlich gesinnt. Zudem gab es ja einen regen Kontakt mit anderen Völkern, den Romano-Kelten in Frankreich oder den Slawen im Osten, welcher sich auch mit der Zeit geändert hat (Fall des Römischen Reiches, Etablierung des Frankenreiches, etc.).

      Meine Eigentliche Frage ist nun, wenn ich einen Alamannen um 350 n.Ch. darstellen möchte, macht es dann Sinn, sich auf Archäologische Quellen des Jahres 700 n.Ch. zu stützen, oder sich auf römische Berichte der Zeit davor oder gar auf die Funde von Haithabu? Lese derzeit eine Monographie über die Alamannen, bei der Funde aus allen möglichen Zeiten zwischen 500 und 800 n.Ch. vorgestellt werden, die sich im großen und ganzen recht ähnlich sehen.

      Wenn ich das im HoMi täte, würde es ja irgendwo nicht mehr passen.

      Seit längerem versuch ich in Bibliotheken ordentliche Quellen zu finden, aber allzu viel gibt es dort auch leider nicht..

      Wenn jemand gute Literatur empfehlen kann, wäre ich sehr froh darüber, die kann ich evtl. per Fernleihe beziehen.

      Vielen Dank im Voraus

      Liebe Grüße
      Alex
      Germane von der Schwäbischen Alb zur Völkerwanderungszeit.

      Manche Menschen wollen Glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben - Heinz Erhardt
    • Du hast Recht. Sicherlich wird es regionale Unterschiede in der Kleidunggegeben haben. Je früher man schaut um so dünner wird die Fundlage. Einige Stücke gibt es aber wohl doch.
      Dann gibt es Vermutungen die auf der Basis von Trachtbestandteilen aufgebaut sind, und der Überlegung in der Art das kostbare Schnallen auf Kniehöhe in einem Frauengrab keinen Sinn machen, wenn das Kleid bodenlang ist. Ob das dann wirklich so war, weiß man ohne Bildnisse nicht.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Whysoscared schrieb:

      macht es dann Sinn, sich auf Archäologische Quellen des Jahres 700 n.Ch. zu stützen, oder sich auf römische Berichte der Zeit davor oder gar auf die Funde von Haithabu? Lese derzeit eine Monographie über die Alamannen, bei der Funde aus allen möglichen Zeiten zwischen 500 und 800 n.Ch. vorgestellt werden, die sich im großen und ganzen recht ähnlich sehen.
      Dies mach keinen Sinn. denn wenn ich zb. 1350 darstellen möchte würde ich keine Quellen von 1700 verwenden.

      Haithabu ist auch eine andere Region mit einem Unterschied von mehreren Kilometern.

      Du wirst mit deiner Suche wenig Erfolg haben, da es Bekleidungsfunde der Alamannen für die Zeit 350 evtl. nicht gibt. Lediglich an römischen Stehlen könnte man sich da Orientieren, aber auch hier wird das Bild verklärt, da hier die römischen Einflüsse mit einbezogen sind.
      Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.
    • Buchtipp :
      War and worship
      Textiles from 3rd to 4th-century AD Weapon Deposits in Denmark and Northern Germany
      von Susan Möller-Wiering

      Thorsberg und Damendorf sind übrigens näher an Deiner Zeit, als am Frühmittelalter. ;)
      Schloss Gottorf in Schleswig hat eine ziemlich große Eisenzeitliche Ausstellung.


      In Deiner Region gibt es die alamannischen Adelsgräber in Niederstotzingen die so weit ich weiß, etwas später sind. Da habe ich nicht den genauen Titel, die sind von Herrn Hundt publiziert. Also schön älter, ich weiß nicht ob es da neue Untersuchungen und Ergebnisse gibt.


      Oben habe ich das nicht deutlich genug gesagt, man kann sich in solch frühen Epochen nur annähern. Wenn Du keinen Grund hast, weil zB um 300 eine große Schlacht bei Göppingen schriftlich belegt ist und die nachgestellt werden soll, und man auf biegen und brechen nicht einsehen will, das es dennoch nicht in Textil um zu setzen ist, würde ich das einfach nicht machen wollen. Eben weil es so ist, wie Du richtig erkannt hast.
      Um überhaupt einen Anpack zu haben, sollte ein bisschen was da sein, ein ungestörtes Grab mit Schnallen u.ä., so das man überhaupt auf irgendetwas schließen kann, eine Textilanhaftung oder Abdruck um etwas über die Art der Textilien zu haben, wäre ein Minimum.
      Hmm - so in der Art habe ich das mal in meinem Blog zusammen geschrieben, lass Dich von der Überschrift in dem Fall bitte nicht irritieren :
      zeitensprung.blogspot.de/2018/…e-es-handgewebt-sein.html
      (Quelle: mein Blog bei Google)
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    • Es stimmt, für diese Zeit ist man eigentlich fast nur auf Deutungen angewiesen. Textilfunde - das ist schon so, wie Silvia das schreibt:Wenn man Glück hat, findet man Reste an Metallgegenständen, die auf die Webart schließen lassen, aber eben nicht auf das Gesamtaussehen.

      Einflüsse anderer Kulturen kann man nicht ausschließen. Sehr viele Germanen standen in römischen Diensten, was auch viele Funde von römischen Militärgürteln im norddeutschen Bereich belegen. Ebenso wurde in der Hinsicht sehr vieles nachempfunden (um nicht zu sagen 'kopiert').

      Ich denke, mit Thorsberg und Damendorf - wie Silvia schon schrieb - liegst Du nicht falsch. Das ist eben das Einzige, was uns - derzeit - bleibt.
    • Hey, Dankeschön für all die tollen Antworten.

      Ich bin auch schon am Überlegen, mir auch eine römische Darstellung zu erstellen. Da gibts halt sehr viel Material dazu und in dem Südwestdeutschen "Melting Pot" zu dieser Zeit passt das auch bestens zusammen ;) (dann hätte ich auch einen Grund für einen guten Freund, einem Römerfan, mit mir zu lagern).

      Gruß
      Alex
      Germane von der Schwäbischen Alb zur Völkerwanderungszeit.

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    • Überlegst Du noch oder setzt schon um?! :rolleyes: Ein gut gemeinter Rat: laß Dir für das Überlegen Zeit... es ist rückblickend manchmal vorteilhafter (und auch Geld sparender), zunächst die Basis-Ausstattung für eine Zeit und Region zusammen zu stellen. Das allein kann - je nach Einatz finanzieller Mittel und handwerklicher Möglichkeiten - durchaus mehrere Jahre dauern, bis Du mit der Qualität zufrieden bist ;)
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Hey,

      Nur eine Überlegung, will erst den Sueben fertig stellen, mit allem drum und dran. Tatsächlich hast du Recht, es ist kosten- und zeitaufwändig, vor Allem die Recherche. Das Schneidern, Schnitzen und Co. ist dann wieder recht schnell gemacht.

      Die Idee mit dem Römer hatte ich nur, da das eben von Zeit und Region sogar Zusammen passen würde. In Aalen und Lorch gab es schließlich bis etwa 260 n.Ch. Römerkastelle.
      Germane von der Schwäbischen Alb zur Völkerwanderungszeit.

      Manche Menschen wollen Glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben - Heinz Erhardt
    • Für einen Alamannen um 350 n. Chr. wird die Annäherung (etwas anderes ist sowieso nicht möglich) an die damalige Tracht nicht ganz einfach, insbesondere weil zu diesem Zeitpunkt die Reihengräberfelder mit den vielen Beigaben noch nicht eingesetzt haben. Und an denen brauchst du dich nicht orientieren (tatsächlich ändert sich zwischen 500 und 800 durchaus das ein oder andere). Ich würde maximal Funde mit ca. 100 Jahren Spannbreite als Vorbild für die Darstellung wählen, eher weniger. Das wird aber nur mit bestimmten Fundgattungen gehen. Metall und Keramik erhalten sich gut. Da wird es gute Typologien geben. Beim Textil musst du den Zeitrahmen größer spannen. Wobei ich vermute, dass in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten die Änderungen und Variationen eher im Detail liegen.
      Wahrscheinlich wird die Mode der Männer zu der Zeit aus relativ engen Hosen, evtl. mit Wadenwickeln, seitlich geschlitzten Tuniken und Rechteckmänteln bestanden haben (mit Armbrustfibel zusammengehalten?). An den Füßen dürften Bundschuhe nicht fehlplatziert sein. Kopfbedeckungen?

      Aber ja, erst mal laaange recherchieren, bevor man Mumpitz macht. Austausch mit Leuten/Gruppen mit ähnlicher Darstellung wäre ideal.