MS Douce 62 Book of Hours, Use of Paris - Unbekannte Tätigkeit

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    • MS Douce 62 Book of Hours, Use of Paris - Unbekannte Tätigkeit

      Beim Durchstöbern des digitalisierten Stundenbuches "MS Douce 62, Book of Hours, Use of Paris" aus der Bodleian Lib. der Universität Oxford ist mir folgende Darstellung aufgefallen:

      digital.bodleian.ox.ac.uk/inqu…16-4442-bee5-771c98768e4f
      Quelle: MS Douce 62, Book of Hours, Use of Paris, Bodleian Lib., Universität Oxford

      Ich frage mich, welche Tätigkeit der links dargestellte Mann ausübt. Vorschläge?

      Könnten die Flecken auf seiner Cotte Blut sein?
    • Im ersten Moment dachte ich an eine Art Spiel....wie ein Minikatapult auf dessen Ende mit dem Paddel geschlagen wird....
      Eine landwirtschaftliche oder handwerkliche Tätigkeit halte ich für Wahrscheinlicher......wüsste jedoch nicht was
      Männlicher Spatz des Knippenburger Aufgebots

      Holzwurm, Bastler, Spießer

      knippenburger-aufgebot.de.tl
    • Über ein Spiel hatte ich auch bereits nachgedacht, zumal auf mehreren anderen Seiten dieses Stundenbuches auch Spiele dargestellt werden: z.B. Stockziehen Seite 269 (fol 130 r), Kegeln Seite 132 (fol 65 v), Hockey Seite 206 (fol 101 v) und eine Art Vorläufer für Federball Seite 207 (fol. 102 r).

      So ein Spielprinzip mit Minikatapult ist mir bisher noch nicht begegnet.

      Es gibt aber auch andere Tätigkeiten, die eher auf Haushalt und Landwirtschaft deuten.
    • Die Flecken sehen wirklich wie Blut aus....

      Bei dem Ding in der Hand hätte ich in anderem Zusammenhang an den Klöppel eines Zimmermannes gedacht.

      Hat es evtl. mit Viehhaltung zu tun?

      Gibt der Text etwas her?
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Ohne es wirklich zu wissen, da ich den Text nicht übersetzen kann, behaupte ich einfach mal, dass die Zeichnung in den Bereich der Drolerien gehört und vom Text unabhängig zu sehen ist.

      Dazu gibt es auf den rd. 400 Seiten, auf denen die kleinen Zeichnungen enthalten sind, zu unterschiedliche Abbildungen, so auch Fabeltiere.

      Es gibt nur einige großformatige, d.h. die ganze Seite füllende Illuminationen, die aber konkreten biblischen Themen zugeordnet werden können, z.B. Verkündigung an die Hirten (mit "coolem" Schäferkarren aus Korbgeflecht Seite 140 fol. 69 v), Geburt Christi etc.

      Der Text wird daher wohl keine Hilfe darstellen.
    • Total alberne und mit absoluter Sicherheit unsinnige Assoziation, passt aber zu den braunen Flecken im Kittel: eine Schokokusswurfmaschine? :schock2
      Nein, im Ernst, ich denke auch an irgendeine Art Gegenstandsbeschleunigungsapparatur - vielleicht ist das Ding das er da in der Hand hat auch so eine Art Schläger um das Wurfgeschoss abzuwehren? Und wenn man das nicht schafft gibts eben Flecken im Kittel?
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Betrachtet man die rechte Figur, hat diese eine Körperhaltung wie nach einem Wurf. Allerdings erlaubt die Fußstellung der linken Figur keinen Schlag mit dem Gegenstand in der Hand. Wobei mich die Form des Gegenstandes stark an einen Schieber erinnert, wie ihn Bäcker benutzen. Daher halte ich es für denkbar, dass es sich bei dem Katapult vielleicht eher um eine Waage handeln könnte, mit der Teig für eine Art Gebäck standardisiert portioniert wird und er von der Figur links mit diesem Teig beworben wird oder ihm der Teig zugeworfen wird, was die Flecken erklären würde...

      Tante Edit sagt, dass auch die Herstellung genormte Ziegel denkbar wäre...
      ...alle sagten immer: "Das geht nicht!" - doch dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach getan...
      ...diese Signatur kann Spuren von Soja oder Erdnüssen enthalten...
    • Für einen Brotschieber ist der Gegenstand, den die linke Figur in der Hand hält m.E. zu klein/kurz, was sowohl die Länge des Stiels als auch das Brett betrifft. Mit dem Brett würde ich kein Brot aus dem Ofen holen wollen. Wenn es ein flacher Gegenstand ist, könnte es vieles sein: Teigstecher, Butterstreichbrett, Wäscheklopfer ... Ich halte die Apparatur allerdings nicht für eine Waage.

      Ziegel??? Ich dachte immer, dass Ziegel in einer rechteckigen Form hergestellt werden.
      (Doofe Frage noch: wer oder was ist Tante Edith?)

      Ich habe mal in anderen Zeiten gestöbert und das Buch über bäuerliche und handwerkliche Arbeitsgeräte in Westfalen (1890 - 1930) befragt. Manche Dinge haben sich ja bis zur Technisierung eher wenig geändert. Leider bin ich nicht fündig geworden.

      Langsam tendiere ich auch eher zu einem Schlagspiel. Es gibt ähnlich aussehende Schläger auf einer anderen Abbildung:

      digital.bodleian.ox.ac.uk/inqu…51-44d7-ac3f-b2401317861b
      Quelle: MS Douce 62, Book of Hours, Use of Paris, Bodleian Lib., Universität Oxford
    • Ich glaube, dass ich die Lösung gefunden habe - manchmal sollte ich doch direkt in meine Bücher schauen:

      Das Spiel heißt "Kinke schlagen". In einer Variante dieses Spiels dient ein großer Holzlöffel als Abschlagvorrichtung, der in einer Astgabel in einer Art Wippe drehbar gelagert ist. Von diesem Löffel wird ein Ball weggeschlagen, der von dem/den gegnerischen Spieler/n gefangen werden muss. Wenn dies gelingt, werden die Seiten getauscht.

      Kann auch nur mit Stöcken gespielt werden.

      Gefunden in: Doris Fischer - Spielen wie im Mittelalter

      siehe auch: daten.digitale-sammlungen.de/0…98.30&seite=16&pdfseitex=
      Quelle: Stundenbuch Clm 28347 fol 7v , Bayerische Staatsbibliothek München
    • Eigentlich auf der Suche nach weiteren Belegen für das Federballspiel bin ich auf eine Abbildung gestossen, die wohl auch "Klinke-schlagen" spielende Kinder zeigt. In dem unteren Streifen handelt es sich um die Figur in der Mitte, bei der eine ähnliche Apparatur steht.

      bl.uk/onlinegallery/ttp/golf/accessible/images/page7full.jpg
      Quelle: MS 24098, Monat April, fol 21v, The Golf Book, British Library