hochmittelalterlicher Klapp- bzw. Faltsessel (faldistorium)

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    • hochmittelalterlicher Klapp- bzw. Faltsessel (faldistorium)

      Für meinen Graf Hartmann I. von Werdenberg-Sargans fehlte mir (unter anderem) noch eine passende Sitzgelegenheit. Auf dem Mittelaltertag in Sargans 2017 (für den die Figur des Graf Hartmann "erschaffen/rekonstruiert" wurde) durfte ich noch provisorisch auf einer Holztruhe Platz nehmen. Ich nahm mir damals vor, diesen Umstand bis zum nächsten Mittelaltertag in 2019 zu ändern.

      Die Rekonstruktion dieses Klapp-bzw. Faltsessels (faldistorium) ist an ein im Museum für angewandte Kunst in Wien ausgestelltes Original angelehnt. Das Stück wird reichlich beschnitzt und soll zudem noch farblich gefasst werden. Die Schnitzereien werden sich an den hochmittelalterlichen Schnitzarbeiten des Originales orientieren (nicht alle Schnitzereien an dem Stück stammen aus dem HoMi). Das Original wurde auch Birnenholz hergestellt. Für diesen Stuhl wird Eiche verwendet. Eiche so filigran zu beschnitzen ist nicht einfach, aber Jakub gibt alles!

      Ich werde in den nächsten Tagen hier noch ein paar Infos zu solchen Stühlen aus der Fachliteratur einpflegen.


      (Bildquelle: Jakub Kološta & thomasguild.blogspot.com)

      Anbei noch ein aktuelles Video. In diese beiden Stuhlbeine wurden bisher 5 Tage (a' 10 Stunden) Arbeit investiert.

      (Videoquelle: Jakub Kološta / Youtube)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Das wird ein wunderschönes Sitzmöbel! :love:

      Was für eine Bespannung als Sitzfläche kommt dazu? Stoff? Leder? Ein standesgemäßes Sitzkissen solltest Du nicht vergessen!

      Die Bilder erinnern an das Möbel, das die IG Wolf neulich in Paderborn als repräsentativen Reisestuhl für den Bischof dabei hatte.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Raginhild schrieb:

      Was für eine Bespannung als Sitzfläche kommt dazu? Stoff? Leder?
      Am Original ist eine Sitzfläche aus Leder zu erkennen. Ob dies noch die originale Sitzfläche ist und um was für Leder es sich genau handelt, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Da bin ich noch dran. So wie es bisher aussieht, werde ich auch Leder verwenden lassen.

      Raginhild schrieb:

      Ein standesgemäßes Sitzkissen solltest Du nicht vergessen!
      Stimmt! Wenn da jemand einen Tipp für mich hätte, wer sowas herstellt oder ein bereits fertiges verkaufen würde... ich wäre sehr dankbar für Infos!

      Raginhild schrieb:

      Die Bilder erinnern an das Möbel, das die IG Wolf neulich in Paderborn als repräsentativen Reisestuhl für den Bischof dabei hatte.
      Ja, die IG Wolf ist (nicht nur wegen der Möbel) ein absolutes Vorbild!

      Raginhild schrieb:

      Das wird ein wunderschönes Sitzmöbel!
      Ja, das wird es! Und meines Wissens nach wird es der erste Stuhl diesen Types, dass so detailliert nach Vorlage beschnitzt ist.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Danke Katrin Du meinst es gut mit mir <3 aber ich finde da gehört ein Seidenkissen drauf. So was habe ich nicht.

      Exakt so groß wie die Sitzfläche und evtl mit fetten Seidentroddeln an den 4 Ecken die dann vorn und hinten runter hängen und so das Kissen in Position halten. Nix nervt mehr als Kissen die ständig runter fallen.
      Wenn man sich Handschriften anguckt, findet man Massen von Kissen, denn jeder Heilige hat eins unterm Hintern.

      Thomas wenn Du da nen Tread auf machst, das macht Dir bestimmt Jemand der evtl. auch einen Seidenrest übrig hat. Es sollte eine gewebte Musterseide sein, kein Druck, und keine poplige unifarbene Seide.
      Neue Seite : zeitensprung-handweberei.de
      Pinterest : https://www.pinterest.de/zeitens/
    • Die "Sitzkissen" sehen oft aus wie überdimensionale, etwas lax gefüllte Schlummerrollen mit Quasten an beiden Enden, die sehr dekorativ runterhängen.... manches Motiv könnte auch gestickt sein.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Der „holzige Teil“ dieses aufwendigen Projektes nähert sich dem Ende. Nahezu 100 Stunden stecken in den bisherigen Arbeiten. Es folgt nun noch eine passende Fussrast zum Stuhl.

      Ich suche nun nach einer Person, die es sich zutraut dieses Projekt weiter handwerklich professionell zu betreuen. Der Stuhl soll die gleiche Farbfassung, wie das im Museum für angewandte Kunst in Wien ausgestellte Original, erhalten (also nicht so „abgenutzt“ wie er jetzt aussieht, sondern so wie er vor ca. 800 Jahren aussah). Eine lederne Sitzfläche benötigt der Stuhl ebenfalls noch. Dieses war vermutlich aus Ziegenleder und soll so wie beim Original befestigt werden.

      Die Person sollte ausreichende künstlerische/handwerkliche Fähigkeiten mitbringen (deshalb scheide ich als Handwerker völlig aus) und „Bock“ auf so ein Projekt haben.

      Zeitlich sollte das ganze bis Ende April 2019 fertig (also trocken & benutzbar) sein.

      Dieses faldistorium ist bereits jetzt „ein kleines Kunstwerk“ und sollte keinenfalls durch die weiteren Arbeiten „verhunzt“ werden. Das wäre mir ziemlich wichtig…

      Wer kennt einen guten Handwerker, der Lust auf sowas hätte, der mit historischen Farben umzugehen weiss und dem so eine Arbeit zuzutrauen wäre (und ja, „bezahlbar“ sollte er/sie natürlich auch noch irgendwie sein)?

      Ich bin für Tipps und/oder Angebote dankbar. Alles weitere gerne auch über PN.






      (Bildquellen: Jakub Kološta & www.mak.at)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Für den Bereich des Sitzleders haben sich bereits ein paar interessante Leute gemeldet. Zwei sind in der näheren Auswahl, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

      Für die authentische Bemalung meines faldistorium’s sieht es schon etwas anders aus. Da konnte ich einen wirklichen Fachmann gewinnen. Marek ist nicht nur ein zeichnerisch sehr begabter Mensch und Künstler, nein er repliziert und restauriert auch beruflich historische Handschriften und Bücher, etc. für Museen und Privatsammler. Mit Pigmenten und anderen historischen Materialien arbeitet er in seinen Aufträgen regelmässig und (und dieser Punkt freut mich ebenfalls besonders) er verfügt über einen „historischen Blick“ auf das Objekt.

      Mein Bauchgefühl passt bei ihm. Nun gilt es die Details zu besprechen und gespannt zu bleiben. Ich halte euch auf dem laufenden.

      (Bildquelle: Marek Kocka)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Gerard schrieb:

      Ich bin mal wieder neugierig was man für so einen Stuhl ausgeben muss. Mir würde der blanke, geschnitze Stuhl reichen. :)
      Über den finanziellen Umfang könnten wir uns eventuell mal auf der Tannenburg unterhalten.

      Gerard schrieb:

      Was auch noch interessant zu wissen wäre, ob denn die Holzarbeiten nur mit Beitel & Hammer entstanden sind oder doch elektrische Werkzeuge zum Einsatz kamen...?
      Die Eiche wurde mit modernen Forstgeräten gefällt und der "Rohling" ist ebenfalls mit einer modernen Säge "in Form" gebracht worden.

      Thomas W. schrieb:

      Nahezu 100 Stunden stecken in den bisherigen Arbeiten

      Alle Schnitzarbeiten jedoch, sind zu 100% Handarbeit und ohne zuhilfenahme "elektrischer Werkzeuge" entstanden.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01