Die Tage des Mittelalters sind gezählt

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    • Im Prinzip hat er nicht unrecht.

      Der Begriff des "Mittelalters" ist in Europa entstanden und passt eigentlich auch nur auf Europa. Selbst innerhalb Europas haben wir ja schon Schwierigkeiten mit der Abgrenzung und den Übergängen, siehe etwa Skandinavien.

      Bauer macht aber nun selbst den gleichen Fehler. Denn er ist wiederumg zu sehr auf den Islam fixiert.
      Für den arabischen Raum, im Text wird m.E. fälschlich vom islamischen Raum gesprochen, der aber global gesehen eben noch viel inhomogener ist als Europa, passt der Begriff des Mittelalters schon nicht mehr so gut. Allerdings in meinen Augen dann doch nicht ganz so schlecht, wie behauptet.

      Wenn nun aber eine Klassifizierung gewählt wird, die den "muslimischen" Raum mit einschließt, was dann?
      Diese würde immer noch nicht global passen. Was mit Nord- und Südamerika? Geht hier die Vorgeschichte und dort die Antike dann bis zur Neuzeit? Und wann fängt eben diese dort an? 1492? Jedenfalls nicht im 11. Jahrhundert. Was ist mit China? Was mit anderen, abgelegenen Teilen der Welt?
      Eine "Vereinheitlichung der Welt" jedenfalls erreicht Bauer auf diese Weise eben gerade nicht. Eher eine Islamisierung der Zeitrechnung, die im Grunde genauso unpassend ist wie die bestehende Europäisierung.

      Ob eine Einteilung in verschiedene Epochen oder gar Unterepochen (Früh- Hoch- und Spätmittelalter...) sinnhaft ist, kann man durchaus diskutieren. Nach Bauer ist Geschichte eher eine fortlaufende, schleichende Transformation ohne eindeutig feste Grenzen. Aber warum man eben im Angesicht dieser Erkenntnis dann die Grenzen verschieben, mithin die Epochierung also beibehalten soll, nur etwas verschoben und vielleicht unter Verzicht auf die ein oder andere, bleibt offen. Warum nicht einfach überhaupt keine Einteilung mehr und nur noch "globale Geschichte"?
      Angst vor der eigenen Courage?

      Fazit:
      Guter Grundgedanke, wenn auch beileibe nicht neu.
      Die propagierte Konsequenz aber unausgegoren.
    • Noch habe ich den Artikel nicht gelesen,aber meiner Meinung nach ist ein Grundproblem,dass wir auf Einteilungen angewiesen sind,weshalb wir immer noch vom Mittelalter sprechen wenn wir eine bestimmte Epoche der nichtmuslimischen europäischen Geschichte meinen,ebenso wie wir von der vor- und nachkolumbianischen Zeit sprechen wenn es um den amerikanischen Kontinent geht.
    • Meiner Meinung nach ist diese Einteilung für jeden der sich intensiver mit Geschichte beschäftigt, bald kein Thema mehr. In unserem Hobby wird immer nach Zeit und Region gefragt und darauf hingewiesen das 15 Jahre oder 250km ein großen Unterschied machen können. Ich denke die Einteilung in Epochen ist dem Wunsch geschuldet, da wir alles in Kategorien und Schubladen zu stecken versuchen.
      Ich erinnere mich noch an den Milleniumswechsel, goßes Tamtam (auch ohne Computerbug)! Und am nächsten Tag war doch alles Gleich, nur die Zahl auf dem Kalender sah ungewohnt aus. Niemand ist in der Spätantike ins Bett gegangen und hat morgens bein Aufstehen festgestellt, huch ich bin ja jetzt im Frühmittelalter. Insgesamt finde ich es eher müßig sich um genaue Daten zu streiten, die Zeit, die Gesellschaft und eben alles ist im stetigen Wandel und es ist immer der Blick zurück der einen subjektiven Eindruck von einer Zeitspanne vermittelt. Vielleicht wird man in 100 Jahren von einem Epochalem Wandel in unserer Zeit sprechen, vielleicht ist die "Moderne" im Jahr 2000 zu Ende und wir leben längst in einem neuen Zeitalter dessen Namen wir noch gar nicht kennen. Aber das Gerüst welches wir in der Schule gelernt haben schafft eben eine, wenn auch Willkürliche, ungenaue, Einteilung. Diese kann und wird niemals allumfassend und anähern richtig sein, hilft aber auch einem Laien sich zurechtzufinden. Wir halten ja auch weltweit am Chistlichem Kalender fest obwohl der ja nicht mal richtig wäre, aber es ist eben ein Standart geworden und es ist letztlich egal ob Jesus eben im Jahre 0 oder doch 7n.Chr. das Licht der Welt erblickt hat.
      Ministerialer 1190 in Gelnhausen der noch nicht weiß das sein Lehnsherr nicht gut schwimmen kann
    • Die Idee ist ja nicht neu...
      Einerseits weil der Begriff "Mittelalter" ursprünglich sowieso das difuse, nicht näher definierte Etwas, zwischen der schön ordnenbaren Antike und der Neuzeit bezeichnete, und die Epoch damit in erster Linie darüber definiert wurde was sie nicht ist.
      (Ich kann mich noch gut an den Prof in der Mittelalter VO erinnern der meinte all die schönen soziologischen und polit-theoretischen Tehorien zu Staat, Macht und Herrschaft funktionieren in der Moderne und der Antike - weil sie aus den Beispielen abgeleitet wurden, aber versagen dabei Mittelalterliche Prozesse gut zu beschreiben)
      Zum Anderen weil Mittelalter mit fast 1000 Jahren, für eine Epoche echt lang ist. Das ist halt irgend ein Mischmasch aus nicht mehr Rom, noch nicht Modern...

      Dazu kommt das Epocheneinteilungen sowieso ziemlich beliebig sind. Keiner ist 1492 aufgewacht und befand sich in einer völlig neuen Welt. Für die Grenzziehung beim Mittelalter wurde u.A. vorgeschlagen:
      Vom Fall Roms bis zur Entdeckung Amerikas (die gängigste Definition),
      aber auch vom Fall Roms bis zur eroberung Ostroms (und mit dem somit endgültigen Ende Roms die Neuzeit begonnen),
      oder von Begin der Islamischen Expansion bis zur Entdeckung Amerikas (also vom ende des Mittelmeeres als verbindendes Element bis zur verlagerung des Handels in den Atlantik),
      bei einem Fokus auf den Mittelmeerraum währe auch denkbar von Beginn der Islamischen Expansion bis zur Eroberung Ägyptens durch die Osmanen (man ist sich nicht wirklich einige wann, aber irgendwann beginnt in dem Raum die Herrschaft der "Schießpulver Reiche", also Osmanen und Iraner mit modernen Armeen).
      Für den Ostslawischen Raum wird überhaupt eine andere Epocheneinteilung vorgeschlagen.
      Allein daran ist sichtbar dass die Epochenziehung sich ändert, je nachdem auf welche Prozesse wert gelegt wird.

      Somit ist die Argumentation dass es kein"Islamisches Mittelalter" gab recht schlüssig, aber wie sah den Das Mittelalter in Byzanz aus?
      Auch dort bleibt der antike Einfluss wesentlich länger erhalten. Und Ich vermute dass hier die MENA-Region (Middel-East &North Africa) gemeint ist, wenn vom "Islamsichen Raum" gesprochen wird. Ein angenommener Islamischer Raum würde sich nämlich von Andalusien im Westen, bis nach Indien und noch weiter erstrecken. Und da bleibt außer dem (sich zum Teil recht unterschiedlich auswirkenden) Einfluss des Islam und Handelskontakten quer durch diesen Raum wenig gemeinsames übrig.
      Während andererseits nicht Islamische Gebiete dazu gezählt werden müssten, weil sich z.B. die Geschichte Andalusiens und Nordafrikas nicht ohne die Verflechtung mit den italienischen Stadtstaaten und den spanischen Königreichen schreiben lässt.
    • Das ist zu schwammig.
      Wir müssen konkret denken.
      - bisher : korrekt
      z.Bsp.
      - das Jahr des Kolumbus : 1492
      - die letzte Dekade des 11. Jahrhunderts : 1090 - 1100
      - Verlust der Legionen : 9
      - Zweiter Weltkrieg : 1939 - 1945
      - die Zeit Nietzsches : 1844 - 1900
      usw.

      Zahlen sind Fakten. Trauen wir uns doch sie zu verwenden!
      :D
      Prost! Aufs Mittel... äh ... auf 500 - 1500!
      prost1
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Dragonlord1975 schrieb:

      Niemand ist in der Spätantike ins Bett gegangen und hat morgens bein Aufstehen festgestellt, huch ich bin ja jetzt im Frühmittelalter.
      Richtig,sogar Jahreszahlen dürfen für den Otto-Normal-Bauern,-fischer oder -handwerker egal gewesen sein.
      Er wusste eher dass er im 3 Jahr der Regentschaft von Graf Albert II. (gerade von mir ausgedacht) lebte,nicht aber dass er gerade im Jahr 1156 lebte.
    • Jaa, das dunkle Mittelalter, die Menschen konnten gerade den Sommer vom Winter unterscheiden...

      Bis auf Ausnahmen wußten die Menschen das Jahr, den Monat, den Tag und die Stunde.
      Belege gibt es zuhauf: Urkunden jeglicher Coleur.
      Z.Bsp. den im Genueser Handelsarchiv erhaltenen
      Vertrag von Michael de Portovenere: Bestätigung des Erhalts von einer bestimmten Menge Baumwollstoff von Zoazo de Milano. Bezahlung von 9 Pfund abzüglich 5 Genueser Solidi bis zum nächsten Johannestag. Bürgschaft von Ingo de Flexo und Wilhelm Burone. Ausgestellt am 17. November 1186.
      (Geschrieben auf Papier.)


      Auch der Bauer, Handwerker, Fischer mußte wissen wann er den Zehnten abzuliefern hatte, wann der nächste Markttag war und wehe er vergaß den Hochzeitstag! :D

      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Alleine durch den Kirchenkalender wussten auch die letzten Bauern was die Stunde geschlagen hat. Die Daten wurden ja gerade durch die Kirchenfeiertage genannt, Nach Johanni, nach Lichtmess, zu Gründonnerstag usw. Meine Aussage betraf nur die Epoche, etwas was wir auch nicht wirklich greifen können. Und das 3. Jahr der Regentschaft von.... ist meines Wissens eher aus der Antike oder in Fernost zu suchen. Mir ist keine Schrift aus Europa bekannt wo die Regentenjahre gezählt wurden aber kein Hinweis auf das Jahr nach Christi.
      Ministerialer 1190 in Gelnhausen der noch nicht weiß das sein Lehnsherr nicht gut schwimmen kann
    • Schaltjahre... :D :D
      hab dran gedacht war mir aber zu kompliziert.
      Deswegen die Schätzung.

      Der heißt nicht Illig. Den Buchstaben l gibt es nicht im deutschen Alphabet.
      Laut meiner These wurde das l durch das r ersetzt.
      (Die Chinesen haben den Vorgang dann wieder umgekehrt als sie die deutsche Sprache lernten, um sie selber als Amtssprache einzuführen, was Mao Tse Tung verhindert hat.)

      Deswegen Heribert Irrig.

      (ja ich heiße Wilfried - der erste Teil meines Vornamens ist chinesischen Ursprungs, deswegen mit l und deswegen die l's im Text)
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!