Handtuch für eine hochmittelalterliche Handwaschgarnitur

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    • Das wäre jetzt meine Frage gewesen wie das zeug trocknet.

      Auch bei leinen musst du aufpassen.
      Ich hab oder hatte diverse Geschirrtücher aus den unterschiedlichsten leinen resten gemacht.

      Mein Fazit daraus.... Richtig dickes bauernleinen saugt so gut wie gar nicht.... Zu dünnes leider auch nicht. Du brauchst also irgendwas in der mitte.
      Das Problem is bei weissen leinen das da. Oft Stärke oder sowas drin is... Das kannste ebenso knicken
      Toleranz ist die Erkenntniss, dass es keinen Sinn macht sich aufzuregen
    • Muschelseide ist keine Seide wie Ihr sie kennt. Es wird aus den Fäden einer spziellen Muschel gewonnen, die heute geschützt ist, da sie bei der Gewinnung der Fäden stirbt. Sie wurde auch damals so weit ich weiß ganz sparsam eingesetzt um zB kleine Muster ein zuweben.

      Die Funde an Textilien aus dieser Zeit sind überwiegend kirchlicher Natur in Form von Umhüllungen in Reliquienladen, da finden sich Seiden die hier nicht hergestellt wurden, Wolle und Leinen. Diese Textilien lassen sich oft schwer datieren, und es ist fraglich ob sie nicht schon antik in die Gefäße gelangten.
      Es finden sich einige weiße Leinengewebe, wirklich Geschirrtuchweiß und auch so fein, eins hat beispielsweise ein blaues Karomuster und Kreuze, das Tuch ist in Leinwandbindung. Andere haben Weißstickerei. Man nimmt bei vielen Tüchern eine vorherige Verwendung als Altartuch an und wie gesagt ist die Datierung meist fraglich.

      Buchtipp : Colonia Romanica, Jahrbuch des Fördervereins romanischer Kirchen Köln ev 2016

      Auf S. 122 des genannten Buchs gibt es ein Fragment das als Handtuch angesprochen wird, datiert auf 13. -15. Jahrh. und hat ein kompliziertes feines Rautenmuster. Es sieht vollkommen anders aus, als die Rautenstoffe des Frühmittelalters, jeweils 5 Rauten haben eine Art umgebenden Ramen.

      Von den Spätmittelalterlichen Handtüchern gibt es tatsächlich Funde die mit den Abbildungen der Zeit überein stimmen. (Stichwort Perugia Handtuch)

      Blau lässt sich auf Leinen sehr gut und haltbar färben, rot halte ich für Handtücher schwierig, da es sich halt nicht so dauerhaft färben lasst. Tatsächlich scheinen alle Musterungen die man auf Abbildungen sieht, beim Leinen blau gewesen zu sein.

      Meine Behelfshandtücher aus alten Mangeltüchern (mit roten Streifen :whistling: ) trocknen wunderbar, sie sind relativ schnell trocken. Mich (1,58m) trocknet es gut und von oben bis unten, es hat etwa die Größe eine modernen Duschlakens. Auch das ist eine Überlegung zur Größe des Handtuchs, wie groß muss es sein, um funktional zu sein, man kennt es von Gästehandtüchern, einmal Hände waschen und es ist so nass, das der Nächste es schon nicht mehr nutzen mag. Die Größe ergibt sich aus der Art der Funktion. Die Webbreite wird sich der Funktion angepasst haben. Vielleicht gab es im gehobenen Haushalt Handtücher unterschiedlicher Größe. Nach einem Bad braucht man halt ein Größeres,als beim Händewaschen.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • An Baumwolle hatte ich auch mal kurz gedacht, als "exotische Kostbarkeit" für besondere Anlässe sicherlich gut vorstellbar, und hier gehts ja um einen Grafen.

      Das "rituelle Händewaschen" ist aber - so zumindest mein Wissensstand - durch die gesamte Oberschicht verbreitet, und zumindest für niederen Adel oder wohlhabendes Bürgertum kann ich mir Baumwolle kaum vorstellen. Da kommt meiner Ansicht nach tatsächlich nur Leinen in Frage.

      Wir haben mit unseren Leinenhandtüchern auch kein Problem, die sind schön weich und ganz OK saugfähig, und auch sehr hell. Kann man sicherlich nicht ganz mit einem modernen Geschirr- oder Handtuch vergleichen, aber funktioniert ohne Probleme.

      Wie Schwester Amalia oben schon geschrieben hat, sicherlich eine Frage der Gewebedichte, Fadenqualität, was-weiss-ich-denn-für-Eigenschaften-bin-kein-Leinenweber, und der regelmäßigen Nutzung. Bretthartes, sehr dichtes Leinen (z. B. Zeltstoff) ist genau so wenig geeignet wie extrem dünnes Schleierleinen. Nicht umsonst gibt es so viele verschiedene Gewebevarianten.

      Und noch ein Nachtrag zur Frage nach Quellen zur Sonnenbleiche: Die Wiki-Commons-Kategorie Bleachfields_in_art (Quelle: commons.wikimedia.org) zeigt unter anderem ein Bild von den Bleichwiesen am Kloster St. Gallen von ca. 1545. Nicht ganz 13. Jhdt, sicherlich, aber trotzdem interessant. Grundsätzlich ist die Technik im europäischen Raum seit der Antike (Römisches Imperium) bis in die Neuzeit eingesetzt worden.
      ________Michael Miles Ministerialis________
      omnia vincit amor
      (lateinisch: »Liebe besiegt alles«), Publius Vergilius Maro, Eclogae (10, 69)
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      Schwester_Amalia schrieb:

      Blöde frage, wiso nur 30cm breit?
      Das ist ja dann eher wie ein Schal. Wenn ich mir den faltenwurf auf den bild ansehe würde ich mindestens 50cm machen.

      Katharina de Lo schrieb:

      Grundsätzlich wird Leinen ja immer heller, je länger es der Sonne ausgesetzt ist. Ich würde für diesen speziellen Zweck aber auch ein bereits gebleichtes Leinen vorziehen.

      Lisabeth schrieb:

      Ich meine, Leinen bleicht auch von ganz alleine aus ... es wird gewaschen, nach draussen gehängt. Das reicht schon [...]
      Der erste Versuch eines Handtuches für die Handwaschgarnitur wäre mal fertig. Es ist aus (fast) weissem Leinen gefertigt und sieht so aus, wie die Handtücher in den Abbildungen. Die Abmessungen sind 200cm x 50cm und die Dicke des Leines ist so gewählt, dass es gut trocknet, aber trotzdem noch schön fällt. Ich denke, dass passt soweit schon ganz gut.


      (Bildquelle: pinterest und H.W.)
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
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      Sehr schön!

      Ich sehe da gerade die Ecke mehrfach umgeschlagen. Hattest Du eine sogen. Serviettenecke in Erwägung gezogen?

      Ohne einen historischen Beleg dafür zu kennen, schätze ich diese Art der Ecke trotzdem, weil sie nicht so dick und gnubbelig ist.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Neu

      Ich hab zum einen Handnaht und zum anderen sauberste Verarbeitung bei diesem Handtuch zur Vorgabe gemacht. So etwas wie "dicke und gnubelige" Ecken sollten möglichst vermieden werden.

      Aufgrund fehlender erhaltener Originale aus der Zeit kann ich nicht sagen, ob die Ecken der damaligen Handtücher in einem gräflichen Haushalt so, oder einfacher umgesetzt waren.


      Beste Grüsse, Thomas :bye01