Kopfbedeckung für Mädchen um 1300

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    • Kopfbedeckung für Mädchen um 1300

      Töchterchen und ich überlegen gerade welche Art Kopfbedeckung Mädchen getragen haben.

      Sie wird dieses Jahr 11 und hat bis jetzt einfach ein Kopftuch mit bestickter Stirnkante getragen. Langsam, aber sicher wird es zu klein...
      Dass "junge Mädchen" ein Schapel getragen haben ist ja bekannt. Aber ab welchem Alter? Und ist das nur etwas für adlige Fräuleins gewesen oder hätte das auch für eine besser gestellte Bürgerstochter gepasst?

      Wir haben als Darstellung die Familie eines gut situirten Tischlermeisters in einer "Kleinstadt" um 1300 bis ca. 1320.

      Meine bisherige Quelle ist der Codex Manesse, aber da hat es so gut wie keine Kinder abgebildet und wenn doch eines dabei sein sollte ist es wohl adlig.
      Ein adliges Kind hat es, aber das ist ein Kleinkid und damit für Töchterchen zu jung. digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0593/image

      Das einzige Bild auf dem klar ein Mädchen abgebildet ist: digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0565/image
      Ob das Mädchen in rot die Tochter der Frau oder einfach eine Dienerin/Magd ist lässt sich schwer sagen. Ausser der Kopfbedeckung sind Frau und Mädchen gleich gekleidet.

      Auf allen anderen Bildern mit "Kindern" sind sutiationsbedingt Buben abgebildet. Ein Mädchen hätte sicher nicht das Pferd eines Ritters geführt und dazu auch noch kurze Haare gehabt.

      Ich komme hier einfach nicht weiter. Hat jemand eine Idee wo ich weiter recherchieren könnte?
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 4.Klass-Zauberschüelerin und 1.Klass-Zauberschüeler
    • Hallo Zauberin,

      wie sieht denn das Deine Tochter? Da bekanntlich je aufwendiger der Kopfputz desto mehr wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
      Sie wird sicherlich nicht ganz ruhig den ganzen Tag bei euch sitzen.
      Ich würde bei eurer noch einfachen Darstellung beim Kopftuch bleiben.
      Für den "Sonntagsstaat" kann man dann auch etwas anderes einmal probieren.

      Aber mit 11Jahren sollte sie sich anden Gedanken gewöhnen alsbaldigst verheiratet zu werden! ;)
    • Eigentlich müsste Deine Tochter m.E. noch gar keine Kopfbedeckung tragen.

      Kinderdarstellungen zeigen meist Kleinkinder oder Jungs. Im Alexanderroman sehe ich beim Puppentheater die zuschauenden Kinder als Mädchen an, die keine Kopfbedeckung tragen (Bodleian Library Oxford, MS Bodl 264, f 54v).

      Die kleineren weiblichen Figuen in der norditalienischen Version des Tacuinum sanitatis (wenn es denn Mädchen und nicht junge Frauen sind) tragen ebenfalls keine Kopfbedeckung, sondern die Haare aufgesteckt oder im Nacken gebunden. (aber: Italien und Ende 14. Jht.).

      Ein weiterer Ansatz könnte die Darstellung der jungen Maria in den Anna-Selbdritt-Statuen sein. Maria wird hier meist als junges Mädchen mit offenen langen Haaren gezeigt. Aber: meist SpäMi aus dem 15. Jahrhundert oder noch später.

      Zwei ältere AS-Statuen aus der Nikolaikirche in Stralsund und aus dem Liebieghaus Frankfurt (Ende 13./Anfang 14. Jht.) stellen Maria mit locker aufgelegtem Schleier dar, der in der Frankfurter Version von einem goldenen Schapel gehalten wird. Die Haare sind unter dem Schleier deutlich sichtbar.

      Persönlich fände ich einen Blumenschapel aus frischen Blumen sehr schön.
    • Gibt es denn für diese Zeit eine allgemeingültige Zuordnung ab wann ein Kind kein Kind mehr istß

      Ich meine den Übergang zum Erwachsenen sein also :

      Religiös nach der Kommunion,
      nach einem Übergangsritus anderer Art,
      Biologisch bei Mädchen nach der ersten Regelblutung
      Allgemein ab einem bestimmten Lebensalter (sofern die Gurburtsdaten bekannt waren und jemand rechnen konnte)
    • Die klugen und die törichten Jungfrauen an den Kirchenportalen z.B. in Magdeburg, Strassburg und Freiburg sind zwar etwas älter als Deine Tochter, aber meist ein Beispiel für offen getragenes Haar.

      Die Figuren in Magdeburg und Strassburg tragen oft Schapel. (Eine törichte Jungfrau in Strassburg hat die Haare im Nacken zu einem evtl. geflochtenen Zopf zusammengefasst.)

      Die Kleidung mit Tasselmantel nebst Tasselscheiben, aufwändiger Fibel und besonderem Gürtel in M. bzw. Surcot in Str. lassen aber auf einen eher gehobeneren Stand schliessen.

      Die Freiburger Jungfrauen tragen Schleier und Schapel in diversen Varianten.
    • Wolfram von der Oerz schrieb:

      wie sieht denn das Deine Tochter?
      Sie will immer alles ganz genau wissen und wehe ich habe keine Antwort parat...
      Kürzlich hat sie mich etwas gefragt wo ich selber keine Antwort wusste und ihr das gesagt habe. Die Antwort: "Mami, du bist doch allwissend und weisst darum alles!" und das von einem bald 11-Jährigen Mädchen.

      Wolfram von der Oerz schrieb:

      Da bekanntlich je aufwendiger der Kopfputz desto mehr wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
      Sie wird sicherlich nicht ganz ruhig den ganzen Tag bei euch sitzen.
      Ich würde bei eurer noch einfachen Darstellung beim Kopftuch bleiben.
      Für den "Sonntagsstaat" kann man dann auch etwas anderes einmal probieren.
      Genau das ist der springende Punkt. Töchterchen kann sich extrem gut konzentrieren und auch länger an einer Arbeit dran bleiben. Vorausgesetzt es interessiert sie und sie hat ein Projekt - aktuell zeichnet sie Dinosaurier aus Büchern ab. Es kann aber genau so gut sein, dass sie lieber mit Junior spielt oder auch mal allein durch den Markt schlendert.

      Wolfram von der Oerz schrieb:

      Gibt es denn für diese Zeit eine allgemeingültige Zuordnung ab wann ein Kind kein Kind mehr istß

      Ich meine den Übergang zum Erwachsenen sein also :

      Religiös nach der Kommunion,
      nach einem Übergangsritus anderer Art,
      Biologisch bei Mädchen nach der ersten Regelblutung
      Allgemein ab einem bestimmten Lebensalter (sofern die Gurburtsdaten bekannt waren und jemand rechnen konnte)
      Es ist nicht ganz einfach, aber Shahar beschreibt in ihrem Buch "Kindheit im Mittelalter" mehrere Kindheitsphasen:
      - Säuglingsalter von Geburt bis ca. 1 1/2 Jahre
      - frühe Kindheit bis ca. 2 Jahre (kann sprechen und gehen)
      - Spielschulalter ab ca. 2 bis ca. 6 Jahre
      - Schulalter ab 7 Jahre bis Geschlechtsreife (Mädchen 12 Jahre, Jungen 14 Jahre)
      - Jugend von Geschlechtsreife bis 20 Jahre

      Danach fasst sie das zusammen:
      - Infantia: Geburt bis ca. 2 Jahre (kann sprechen und selber gehen)
      danach weiter bis ca. 6 - 7 Jahre
      - Pueritia: ab ca. 7 Jahre (kann gut und böse unterscheiden)
      bis ca. 12 Jahre (Mädchen) oder 14 Jahre (Jungen) In dieser Phase wurden erste Berufserfahrungen gemacht und die Ausbildung/Lehre angefangen. Ab diesem Alter durfte geheiratet werden!
      - Adolescentia: bis ca. 20 Jahre, je nach Ansicht aber auch bis 30 Jahre gehen kann.
      Die Ausbildung wurde abgeschlossen, kirchliche Sackramente (Eucharistie) empfangen und man wurde vor Gericht als "Rechtsfähig" angeschaut und konnte entsprechend bestraft werden.

      Töchterchen steckt darum mit dem Alter von fast 11 Jahren und entsprechend körperlicher Reife knapp vor dem Ende der zweitletzten Entwicklungsstufe. Noch nicht geschlechtsreif (Regelblutung), aber schon ziemlich gut ausgebildet.
      Mit dem aktuellen Wissenstand den sie von der Schule her hat wäre sie im Mittelalter bereits extrem gut ausgebildet gewesen was für Mädchen selten möglich war (viele Kinder gingen nur solange in die Schule bis sie lesen, schreiben und etwas rechnen konnten). Sie hätte je nach Ort und Gesetz auch schon vor Gericht aussagen können - wer in diesem Alter einen Mord beging konnte sogar wie ein Erwachsener bestraft werden! (Wird so von Shahar erklärt)

      Ab wann ein Mädchen alt genug ist eine spezielle Kopfbedeckung tragen oder eben auch nicht tragen musste/durfte steht leider nicht in dem Buch.
      Es ist auch schwer zu sagen ab wann ein Kind kein Kind mehr ist. Laut Shahar wird ein Mädchen mit der ersten Regelblutung im Alter von etwa 12 Jahren zur Frau was biologisch auch ungefähr passt. Warum Jungen ausgerechnet 14 Jahre alt sein müssen um als "Erwachsene" zu gelten ist mir irgendwie ein Rätsel.

      Töchterchen ist als nach mittelalterlichen Massstäben noch nicht ganz erwachsen und wäre damit auch noch nicht heiratsfähig. Verheiratete Frauen mussten ja entsprechende Kopfbedeckungen tragen und das wäre noch nicht Pflicht.

      Vielleicht wäre ja ein schlichtes "Schapel" aus einem verzierten Lederband für spezielle Anlässe passend. Es muss ja nicht aus Gold sein wie bei einer Prinzessin.
      Ob ein Blumenkranz die Reise zum Markt mit den ÖV überlebt ist fraglich. Ich habe das als Kind allerdings geliebt und als unsere Kindergarten-Lehrerin geheiratet hat, haben meine Schwester und ich einen Blumenkranz aus Löwenzahn bekommen - zum Spalier stehen mussten wir doch schön sein. ;)
      Ein neues Kopftuch wird Töchterchen sowieso bekommen weil das immer ein guter Sonnenschutz ist.
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 4.Klass-Zauberschüelerin und 1.Klass-Zauberschüeler